Ole R. Börgdahl fragte am 13.01.2018 | Lesegewohnheiten

Welche Erzähl-Perspektive bevorzugt Ihr?

Den allwissenden Erzähler? 

Den Ich-Erzähler?

Was gibt es noch für Erzähl-Perspektiven?

Kommentare

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phoenics kommentierte am 13. Januar 2018 um 09:00

Ich mag den Ich-Erzähler am Liebsten, weil ich da viel besser in den Kopf des Protagonisten sehen und seine Handlungen besser verstehen kann. Ist mir irgendwie lieber.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:18

Passt denn immer die Ich-Perspektive, die der Autor gewählt hat, auf das Buch und den Verlauf der Geschichte?

Steve Kaminski kommentierte am 13. Januar 2018 um 09:17

Das kommt ganz aufs Buch und die Handlung an - es muss stimmig sein.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:21

Ich neige auch zu dieser Ansicht. Ich habe sowohl Romane in der Ich-Perspektive geschrieben, als auch den allwissenden Erzähler eingesetzt. Ich habe meine Entscheidung sogar schon korrigiert, als ich dann nach Erstellung des Storyboards zu schreiben begonnen habe. Da sind natürlich im Storyboard Änderungen notwendig.

Emswashed kommentierte am 13. Januar 2018 um 09:41

Der Ich-Erzähler bietet schon ein paar Vorteile, weil man sich leichter mit ihm identifizieren kann. Allerdings geht auch ein Stück Vielschichtigkeit verloren. Manche Autoren "behelfen" sich dann mit dem Kniff, dass kapitelweise je ein anderer Protagonist aus seiner Sicht erzählt.

Andererseits lese ich auch gern aus der Dritten-Perspektive, weil sich dann die Protagonisten unabhängig von meinen "Lesergefühlen" entwickeln können, vor allem können sie mich am Schluss mehr überraschen. Manchen Protagonisten möchte man ja auch gar nicht "zu nahe treten".

Wie Steve schon sagte, es muss zur Geschichte passen.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:24

Den Wechsel der Perspektive oder der Ich-Erzähl-Person mag ich persönlich nicht so sehr, obwohl es wirklich interessant sein kann. Ich habe mal ein Buch gelesen, da ist der Ich-Erzähler nach 2/3 gestorben und ein anderer hat übernommen. Das war sehr überraschend und daher eigentlich gut. Ich nutze so etwas natürlich, um für eigene Projekte nachzuempfinden, ob ich so etwas auch mal einsetzen könnte. Bisher allerdings noch nicht.

Leia Walsh kommentierte am 13. Januar 2018 um 09:56

Das lässt sich nicht verallgemeinern. Es kommt ganz darauf an, wie gut ein Autor die jeweilige Erzählperspektive beherrscht. Nicht jeder kann alle gleich gut.

Überwiegend fesselt mich die Ich-Perspektive, aber genial sind Bücher meist dann, wenn der Autor es schafft, Perspektivwechsel reinzubringen. Gerade hatte ich das bei "Lass mich los" von Jane Corry.

Man kennt im Allgemeinen vier Erzählperspektiven: die auktoriale, die neutrale, die personale und die Ich-Erzählung. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkung passt nicht jede zu jeder Erzählung. Und eben auch nicht zu jedem Autor.

Willst Du eine Art Schema entwickeln, um das "perfekte Buch" zu schreiben, weil Du so viel über Lesen und Bücher fragst? ;o)

Emswashed kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:08

Ui, hab jetzt mal geschaut, was die auktoriale, die neutrale und die personale Erzählweise ist und ja, die meinte ich alle mit der Dritten-Perspektive. Sehr interessant diese Unterteilung, else what learned! Danke!

Leia Walsh kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:33

Ich bin eben ein Sprach-Freak und bleibe es wohl auch.

Deshalb auch noch so am Rande: Dein "Englisch"-Teilsatz war ein Witzchen, oder? Mir fiel nämlich gerade der Kitt aus der Brille.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:50

I am heavy on wire, too...

schwadronius entgegnete am 13. Januar 2018 um 20:31

i know how the rabbit runs.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 22:34

Alle Achtung!

Emswashed gab am 13. Januar 2018 um 17:01 kleinlaut bei

Das war ein "Loddar-Zitat", zumindest habe ich das so bei Bayern3 gelernt! ;)

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 19:50

Ingen tid att läsa, ingen tid att leva.

Emswashed kommentierte am 13. Januar 2018 um 20:05

Doch, doch, für beides nehm ich sie mir einfach!

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 20:26

Den Spruch habe ich, weil Karl Lagerfeld einmal gesagt haben soll: Leute die Bücher verkaufen, sollten auch die Zeit verkaufen, um die Bücher zu lesen.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:47

Ja, da bin ich auch Deiner Meinung. Die allwissende Perspektive ist für mich eine Mischung aus der auktorialen, neutralen und personalen Erzählweise. Jetzt werden mich (uns) Literaturwissenschaftler "schlagen"...

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:44

Sehr interessant. Mir sind die von Dir genannten Perspektiven auch bekannt. Ich stelle allerdings fest, dass ich die auktoriale, neutrale und personale Perspektive vermische und ich sie hier als den allwissenden Erzähler nenne. Wenn jemand meine Texte analysiert, wird er/sie mir wahrscheinlich genau sagen, wo ich die auktoriale, neutrale oder personale Perspektive eingesetzt habe. Bei der Ich-Perspektive ist es sicher auch bei meinen Texten eindeutiger zu erkennen.

Die Frage, was einem Autor oder speziell mir am besten liegt, kann ich natürlich nicht entscheiden, ich mache es einfach oder ich versuche mich daran. Anfangs habe ich geglaubt, wenn ich nach einer Ich-Erzählung wieder ein Buch in der "allwissenden"-Perspektive schreibe, würde ich mich schwer umstellen können. Ich habe die ersten drei Bände der Tillman-Halls-Reihe an einem Stück geplant (Storyboard) und dann "heruntergeschrieben". Mehrere Monate in der Ich-Perspektive, danach hatte ich allerdings keine Probleme mit der Umstellung. Aber ob das wirklich stimmt, müssen natürlich die Leser entscheiden.

Ich will kein Schema entwickeln, um das "perfekte Buch" zu schreiben​. Ich finde es einfach interessant, die Ansichten "anderer" Leser oder auch Autoren zu hören. Darum veranstalte ich auch gerne Leserunden. Hier sind mir die Diskussionen wichtig.

Ansonsten gehei ch bei  einem Buchprojekt schon gezielt vor. Z.B. das erwähnte Storyboard. Ich plane eine Geschichte zu 90% aus, bevor ich zu schreiben beginne, aber hinterher stelle ich fest, dass es doch nur 70-80% waren. Die Freiheit muss sein, beim Schreiben nur gute Ideen zu bekommen, die dann das Storyboard beeinflussen.

Das hier finde ich übrigens sehr interessant und ich finde es toll, dass sich hier viele Mitglieder melden und etwas beitragen. Danke!

E-möbe kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:32

Mir egal, solange der Autor nicht mitten im Satz die Perspektive wechselt und die einmal gewählte Perspektive konsequent durchführt.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:48

Aber das kann doch durchaus auch eine Kunstform sein...

Würde mir aber auch nicht gefallen. Ich würde aber darüber nachdenken und es akzeptieren. Auch solche Bücher lese ich zu Ende...

E-möbe kommentierte am 13. Januar 2018 um 11:01

Als Stilmittel dürfte es erkennbar sein. Meistens erkenne ich nur schlechtes Handwerk bei den Autoren, bei denen ich es in der Rezension erwähne.

Ich lese gern die Ich-Form, aber wenn da nicht überlegt wird, was der Erzähler wissen kann oder nicht, nervt es mich. Sehr beliebt so Sachen wie: "Ich wurde rot." Oder: "Meine Augen begannen zu strahlen." Klaaaaaaar. Die halten sich die ganze Zeit einen Spiegel vors Gesicht, damit die das sehen und erzählen können. Macht mich aggro. Die Perspektive nicht gewechselt und trotzdem Mist.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 11:46

Das ist immer ein schwieriges Thema, da sollte man auf seinen Lektor vertrauen, wenn es einem passiert. Ich achte natürlich schon beim Schreiben darauf, zumal ich oft "sehe", was ich schreibe. Beispiel: Selbst wenn ich beschreibe, wie ein Protagonist die Hand hebt, mache ich es instinktiv nach, um es besser zu begreifen und in Worte zu fassen (einfache Beispiel, aber es geht ums Prinzip.

E-möbe kommentierte am 13. Januar 2018 um 11:52

Ich glaube nicht, dass viele Selfpublisher einen Lektor haben. Die meisten Kleinverlage werden sich keine vernünftigen Lektoren leisten können. Und die großen haben Lektoren, aber wenn es ein Selbstläuferautor ist wie zum Beispiel Daniel Cole, werden sich die Lektoren hüten, dem aufs Dach zu steigen. Und Daniel Cole ist ein großartiges Beispiel für jemanden, der unterhaltsam schreibt, aber null Handwerk beherrscht, was egal ist, weil seine Bücher in alle Länder der Welt verkauft werden.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 15:06

Nichts ist so erfolgreich, wie der Erfolg.

Lektoren helfen aber, wenn man selbst den Wald vor Bäumen nicht mehr sieht...

Ira kommentierte am 14. Januar 2018 um 19:21

Auch mit einem schmalenBudget sollte man auf ein gutes Lektorat achten, da damit jedes Buch steht und fällt. Wenn ich mich an die Anfänge der Ebook-Zeiten erinnere - da gab es etliche Bücher, die von der Idee und vom eigentlichen Stil her gut waren, aber am fehlenden Korrektorat und Lektorat dann scheiterten.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 14. Januar 2018 um 21:08

Da ist etwas dran. Ein Autor ist betriebsblind. Das Korrektorat ist das linke Auge, das Lektorat das Rechte Auge, die Ohren und die Nase und alle anderen Sinne...

PMelittaM kommentierte am 13. Januar 2018 um 10:59

Ich mag sie alle, muss nur zur Geschichte passen

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 11:47

Das ist ein gute Aussage, die man so stehen lassen kann. Ich sehe es genauso (Ansichtssache).

lesesafari kommentierte am 13. Januar 2018 um 11:01

hetero-, homo-, intra-, metadiegetisch.... (gibt es auch ex(tra)diegetisch?). konnte ixhöch mir noch nie merken.
heute nacht fragte ich mich noch, wie das heißt, wenn die realität der fiktion gebrochen wird???

ich brauche die perspektive der 3. person aus der erzählung, damit mir nicht schon alles im voraus verraten wird.
in der ich-erzähler-perspektive habe ich allerdings das gefühl, dass der text flüssiger geschrieben ist und ich mit dem lesen schneller vorankomme.

E-möbe kommentierte am 13. Januar 2018 um 11:04

Gerade beim Ich-Erzähler weißt du doch gar nichts. Wenn es ein vernünftiger Ich-Erzähler ist. Denn der weiß ja auch nur das, was er gerade erlebt, es sei denn, er erzählt rückwärts, und das kannst du auch aus der 3. Person haben. Was du mit deinem ersten Absatz meinst, erschließt sich mir nicht. Hat noch immer keiner ein Wörterbuch lesa-Deutsch, Deutsch-lesa erstellt.

lesesafari kommentierte am 13. Januar 2018 um 13:37

ja, das schließ ich doch gar nicht aus. ich-erzähler ist super.
aber es gibt ja bücher, wo quasi der autor erzählt und dieser weiß ja schon im voraus alles und gibt dann meistens solche mehr oder weniger versteckten hinweise oder erachtet es nicht als so schlimm, wenn er im 2. kapitel eines kapitels den Mörder ausführlich beschreibt und mit namen vorstellt. in klassikern hingegen gehört so ein autor-erzählet oft unabdingbar dazu, um spannung in die erzählung zu bringen (unglaubwürdiger erzähler in phantastischen texten a la poe odet eta hoffmann). da geht das ganze aber nur bis zu einem gewissen punkt und der fall wird letztendlich nicht aufgeklärt, da schauetgeschichte, grusel, unheimlich.

1. absatz: deutschbuch oberstufe. einführung in die literaturwissenschaft/ germanistik/ philologie... nur etwas, was lesa innerhalb von 10 min vergisst, wenn sie es liest.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 15:18

Ich glaube nicht, dass der Ich-Ezähler der Autor sein soll. Beispiel Beginn von "Alles in Blut": 

"Als ich aus dem Fahrstuhl stieg, wartete Kurt Bruckner bereits vor der verschlossenen Wohnungstür. Ich ahnte schon, was sich in dem breiten Umschlag befand, den er unter den linken Arm geklemmt hatte, aber dazu später. Bruckner hörte mich nicht gleich kommen und so konnte ich ihn ein paar Sekunden lang beobachten, wie er kaum merklich auf seinen Schuhspitzen wippte und sich konzentriert das weiße Plastikgehäuse der Türklingel betrachtete.​"

Ich, das bin ja nicht ich, Ole Börgdahl, sondern ein fiktiver Charakter, den ich geschaffen habe.

lesesafari kommentierte am 13. Januar 2018 um 18:08

??? du vermischst irgendwas miteinander, was ich geschrieben haben.

ich-erzähler super.

der autor kann sich in eine geschichte einschalten (illusionsbruch, z.b. spricht er plötzlich den leser an, z.b.  "aber dazu später"), meist als ich-erzähler, sonst checkt man es ja nicht, und das ist immer ein fiktionalisiertes autor-ich, da der autor beabsichtigt, dass sein buch gelesen wird und sich somit "verstellt". sowas wäre dann ein metadiegetischer erzähler.

selbst, wenn man tagebuch schreibt, kann man nicht mal sagen, dass dieses authentisch ist, da man es quasi jemandem erzählt, dinge auslässt, dinge verschönert, daran denkt, dass es nach dem tod oder heimlich mal jemand anderes lesen wird, man sich einen fiktiven adressaten sucht etc. tagebücher sind somit quasi immer schon fiktiv.

du hast recht: dein buch-ich ist niemals dein realitäts-ich. wobei man da jetzt auch noch philosophieren kann, wie ich du bist, wenn du dich in gesellschafts begibst und ob dann nicht nur rollen spielst, um die erwartung deines gegenübers zu erfüllen....

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 19:52

Kann ich den Mittelteil noch einmal hören?

lesesafari kommentierte am 13. Januar 2018 um 21:55

lies dwn kater murr und du erhälst die erleuchtung.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 13. Januar 2018 um 22:35

Nennt mich Ole.

lesesafari kommentierte am 13. Januar 2018 um 22:38

huhu ole! :)

schwadronius ergänzte am 14. Januar 2018 um 00:18

olé, qué tal? :D.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 14. Januar 2018 um 10:06

Fue solo una cita de un libro. La primera oración de Moby Dick.

schwadronius meinte am 14. Januar 2018 um 10:57

no hablo espanol! (verstanden habe ich es trotzdem.)

Ole R. Börgdahl kommentierte am 14. Januar 2018 um 11:04

Alles verstehen heißt alles verzeihen...

Ole R. Börgdahl kommentierte am 14. Januar 2018 um 10:05

Für mich der beste Beginn... "Nennt mich Ishmael." - Moby Dick. Hat den mal einer gelesen? 

schwadronius erwähnte am 14. Januar 2018 um 10:59

ich kenne den berühmten anfang, wird er ja nahezu in jeder quizsendung erwähnt. gelesen habe ich "moby dick" noch nicht. das buch schlummert in einer penguin - ausgabe bei mir rum.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 14. Januar 2018 um 11:32

Lesen ist sehr mühselig, eben ein Buch aus dem 19.-Jahrhundert, aber der Beginn...

Ira kommentierte am 14. Januar 2018 um 11:51

Klar, gehört doch dazu, wenn man die See und Klassiker liebt.

Ole R. Börgdahl kommentierte am 14. Januar 2018 um 12:31

Kennst Du auch Typee von Melville? Habe ich gelesen, als ich meine Protagonisten 150 Jahre später auf die Insel Nuku Hiva geschickt habe.

schwadronius erwähnte am 14. Januar 2018 um 00:39

lesesafari kommentierte am 13. Januar 2018 um 21:55

lies dwn kater murr und du erhälst die erleuchtung.

oder david lynch - filme schauen!

Ole R. Börgdahl kommentierte am 14. Januar 2018 um 10:07

Ich liebe Dokumentarfilme.

schwadronius erklärte am 14. Januar 2018 um 00:31

und nun referiert der schwan noch ein wenig über kafkaeske einsinnigkeit! :).

Ole R. Börgdahl kommentierte am 14. Januar 2018 um 10:08

Aber nicht zum Käfer verwandeln...

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