Apfelmus fragte am 03.01.2017 | Sonstiges

Was macht für euch eine gute Übersetzung aus?

Vor einigen Jahren habe ich angefangen englische Bücher im Original zu lesen (hauptsächlich weil ich nicht so lange auf Fortsetzugen warten wollte und weil die Bücher oft günstiger sind), aber ich lese auch viel Übersetztes. Da ist mir aufgefallen das sich der Übersetzungsstil über die Jahre verändert hat. Gerade Jugendbücher wurden früher so stark übersetzt, dass das englische Original kaum noch zu erkennen war. Selbst Namen und Orte wurden eingedeutscht. Heute wird viel Englisches beibehalten. Manchmal stolpere ich über Redewendungen, die mehr oder weniger wörtlich Übersetzt wurden, aber die man im deutschen so nicht sagen würde. Wieviel Freiheit sollte ein Übersetzter haben wenn es darum geht zu Übersetzen oder zu Übertragen?

Kommentare

Wedma kommentierte am 03. Januar 2017 um 18:42

Ich bin der Meinung, früher wurde es richtig gemacht, als  das englische Original kaum zu erkennen war.

Die moderne wortwörtliche Übersetzung ist ein Zeichen der mangelnden Professionalität des Übersetzers/ der Übersetzerin. Z.T. kann man dies auch durch den Wunsch, modern rüberzukommen erklären.

In bestimmten Kreisen wird heute ein Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch als toll und progressiv angesehen und täglich gesprochen. Eine gefährliche Entwicklung. Ein weiser Mann hat mal gesagt, eine Nation, die eigene Sprache verschmäht, stirbt aus.

Ira kommentierte am 04. Januar 2017 um 17:22

Warum soll es ein Zeichen der fehlenden Professionalität sein, dass ein Buch auch nach der Übersetzung noch als Werk des ursprünglichen Autors erkennbar ist? Gerade das ist doch ein Zeichen der Professionailtät - man erkennt nicht die Handschrift des Übersetzers, sondern die des Autors, egal um welchen Autor es sich da handelt. Das erfordert ganz im Gegenteil eine sehr gute Beherrschung des Handwerks, denke ich. Wichtig ist doch lediglich, dass das Endprodukt in einem so guten Deutsch geschrieben ist, dass nicht auffällt, dass dies nicht die Ursprungssprache ist - auch das erfordert sowohl eine sehr gute und professionelle Beherrschung sowohl des Deutschen als auch der Ursprungssprache.

Wedma kommentierte am 05. Januar 2017 um 08:22

Mangelnde Professionalität bezog sich auf die Kalkübersetzung.

Der eigene Stil des Autors stand für mich beim ersten Kommentar auf einem ganz anderen Blatt. Es ging um sog. Denglisch.

Der Stil des Autors sollte bei einer guten Übersetzung deutlich erkennbar sein. Dies erreicht ein Profi-Übersetzer wohl kaum durch wortwörtliche Übertragung und das "Eindeutschen" des englischen Vokabulars.

Ein Profi kann i.d.R.  beide Sprachen gleichermaßen sehr gut, wie du auch erwähnt hast.

lesesafari kommentierte am 03. Januar 2017 um 18:47

Ich war noch nie ein Fan von freien Übersetzungen. Für mich muss das wörtlich übersetzt werden. Eingedeutschte Namen oder gar Städtenamen finde ich unmöglich. Sprichwörter hätte ich gerne auch wörtlich übersetzt, durch ein deutsches austauschen fände ich irgendwie falsch. Es spricht ja nichts gegen Fußnoten, in denen sie erklärt werden können. Oder hintem in Anhang. Scheußlich finde ich es auch, wenn Fremdwörte/Fachbegriffe falsch übersetzt/ausgetauscht oder falsche verwendet werden.

MrsFraser kommentierte am 03. Januar 2017 um 21:28

Aber das geht doch gar nicht immer, Sprichwörter wortwörtlich zu übersetzen! Auch viel Wortkomik kann nicht übersetzt werden, da die Wörter ja nun mal in einer anderen Sprache anders klingen. Deshalb finde ich gerade für Humor eine freie Übersetzung unumgänglich.

Ira kommentierte am 04. Januar 2017 um 17:17

Na ja, aber Fußnoten in einer normalen Erzählung rauben dem Ganzen doch irgendwie nicht nur den Zauber, sondern auch den Lesefluss, finde ich und gerade bei Sprichwörtern kann eine wörtliche Übersetzung auch gerne mal recht unpassend wirken. Ähnlich ist es ja auch mit Kosenamen - wenn ich mir vorstelle, nur der wörtlichen Übersetzung wegen in einem Buch eines französischen Autors jemanden "mein kleiner Kohl" nennen zu müssen, nur weil es im Original nun mal "mon petit chou" ist...nun ja, ich weiß nicht, ob das der romantischen Atmosphäre so zuträglich ist.

lesesafari kommentierte am 05. Januar 2017 um 11:51

Ich finde es sonst verfremdet. Und Fußnoten kann man auch in den Anhang hängen, wer will kann sie lesen, wer es nicht will, muss es sein lassen. Noch besser ist es natürlich, wenn man solche Sachen (Witz, Redewendungen) kursiv in Originalsprache im Text stehen lässt und dann in Fußnoten oder Anhang die Übersetzungen angibt, deutsches Pendant und Erklärung. Denn nicht jeder Spruch kann sinngemäß wiedergegeben werden.

lesesafari kommentierte am 05. Januar 2017 um 11:52

Ich finde es sonst verfremdet. Und Fußnoten kann man auch in den Anhang hängen, wer will kann sie lesen, wer es nicht will, muss es sein lassen. Noch besser ist es natürlich, wenn man solche Sachen (Witz, Redewendungen) kursiv in Originalsprache im Text stehen lässt und dann in Fußnoten oder Anhang die Übersetzungen angibt, deutsches Pendant und Erklärung. Denn nicht jeder Spruch kann sinngemäß wiedergegeben werden.

buechermauschen kommentierte am 03. Januar 2017 um 18:48

Ich lese auch sehr viel im englischen original, gerade weil es mich bei den deutschen gestört hat das selbst Eigennamen übersetzt wurden...der übersetzter sollte so nah wie möglich am original bleiben. bei manchen Übersetzungen geht auch der Sinn und/oder der Witz verloren...Mir ist auch klar das man Redewendungen und Witze nicht eins zu eins übersetzen kann... Es gibt aber auch sehr viele gut ins deutsche über setzte Bücher. Es ist bestimmt auch schwer einen guten weg zu finden , bücher so zu übersetzen, das der Sinn der Geschichte aber auch die vom Autoren vorgesehene "Sprache" ins deutsche zu bringen... 

Arbutus kommentierte am 03. Januar 2017 um 19:35

Ich muss mich teilweise Wedma anschließen. Ich finde auch, dass früher die Übersetzer mehr Mut und Kreativität bewiesen haben, einen Text frei ins deutsche Idiom zu übertragen, so dass es dem natürlichen deutschen Sprachfluss entsprach. Natürlich sind heute viele Städte- und Eigennamen so international, dass man dieses Thema teils vernachlässigen kann - wobei ich es zum Beispiel bei Harry Potter hilfreich fand, dass bestimmte Namen angeglichen wurden: Hermione wurde zu Hermine - bevor wir die Filme im englischen Original gesehen hatten, wussten wir nämlich alle noch nicht, dass man "Hermione" "Hör-maie-ni" ausspricht, und wir hätten somit alle nur einen falschen Namen gelernt. Oder die Pressetussi Rita Skeeter - im Deutschen heißt sie Rita Kimmkorn - das ist eben für deutsche Leser bildhafter.

Naoki kommentierte am 03. Januar 2017 um 19:36

Kimmkorn ist auch ein gutes Beispiel, warum ich mutigere Übersetzungen mag.

Ira kommentierte am 04. Januar 2017 um 17:12

Wobei Kimmkorn doch eher recht fern vom Original ist und mir da der leicht reimartige Klang fehlt, den man bei RitA SkeetER noch hat. Als ich den Namen das erste Mal las, war ich, ehrlich gesagt, erst etwas verwirrt, weil ich die Person nicht unterbringen konnte.

Weltenträumerin kommentierte am 05. Januar 2017 um 00:31

Das ist alles noch gar nichts gegen die französische Übersetzung, da habe ich im ersten Moment nichts wiedererkannt, weil jeder zweite Name übersetzt wurde - einschließlich Hogwarts. :D

Naoki kommentierte am 03. Januar 2017 um 19:40

Ich lese auch gerne im Original - wenn Übersetzungen, dann aber gute. Nicht so, dass man nichts mehr erkennt, aber Wortspiele etc. müssen Wortspiele bleiben. Da darf es auch etwas weiter vom originalen Wortlaut entfernt sein. Ich finde,dass die King-Bücher ziemlich gut übersetzt sind.

Man soll einfach auch nicht vor Augen haben müssen, welcher Wortlaut da gerade wiedergegeben wird, sondern Geist und Stimmung sollen übertragen werden. Ich habe zum Beispiel einmal ein Buch in Übersetzung gelesen, in dem ein (im Deutschen ziemlich sinnfreies) Gespräch sich so offensichtlich auf das englische Wort "cry" mit dem Doppelsinn weinen und schreien/rufen bezog, dass es echt grausam war. Da hätte man sich wirklich was Anderes überlegen müssen.

Fußnoten finde ich vielleicht bei Neuübersetzungen von Klassikern sinnvoll, aber bei "Trivialliteratur" soll, meiner Meinung nach, wirklich die Lesbarkeit im Vordergrund stehen. Tatsächlich habe ich nicht mal etwas gegen die "Eindeutschung" von Namen. Schließlich ist es schon bedeutend, dass Jon Schnee nicht einfach irgendeinen englischen Namen hat.

Edit.: Schließlich sind Übersetzungen ja auch für bessere Lesbarkeit und Verständlichkeit gemacht. Wer mit dem Original zurechtkommt, kann ja durchaus das lesen.

Leia Walsh kommentierte am 03. Januar 2017 um 19:41

Gib fünf Leuten einen Text und lass sie den übersetzen.

Du bekommst fünf Varianten.

Naoki kommentierte am 03. Januar 2017 um 19:42

Definitiv.

Findest du das denn gut oder schlecht?

Leia Walsh kommentierte am 03. Januar 2017 um 19:54

Weder noch. Ich finde es schlicht natürlich.

Sagen möchte ich damit, dass es nie "die" eine Übersetzung geben wird, die allen passt.

Zudem ändert sich auch Sprache im Laufe der Zeit. Sprache ist lebendig - und genau das liebe ich daran.

Viele Bücher der 80er waren einfach großartig - damals. Heute sind sie kaum noch Durchschnitt. Und das liegt viel an der Sprache, aber auch an der Tatsache, dass sich viel verändert hat. Die Leser lesen anders als damals, wollen genaue Recherche, pingelige Ausgefeiltheiten. Heute ist die Technik viel weiter, die in den Storys der 80er logischerweise fehlt (wenn nicht gerade Sci-Fi). Sich in diese Zeit zurückzuversetzen ist meist schwieriger, als "echte" Histo-Romane zu lesen. Würde man diese Bücher heute neu übersetzen, wären sie völlig anders. Sieht man beispielsweise an Stephen King. Da wird auch fleißig neu übersetzt. Aber ich bin riesiger King-Fan und finde nach wie vor, dass seine Bücher am besten in ihrer eigenen Zeit funktioniert haben. Aber das ist meine eigene Meinung.

Wir haben viele Anglizismen, das stimmt. Finde ich aber jetzt nicht unbedingt ganz schlimm. Dass Berufe und Studiengänge heute anders heißen als "damals", ist befremdlich, aber der Lauf der Zeit. Vor einigen vielen Jahren war es eben so, dass "Übersetzung" bedeutet hat, dass aus einer Miss ein Fräulein wurde und sogar Orte übertragen wurden. Damals wollte der Leser das so, heute kann man darauf verzichten, weil jeder in der Schule Grundkenntnisse von Englisch bekommen hat.

Aber es gibt ja noch viele andere Sprachen, aus denen wir Bücher übersetzen. Wir sind globaler geworden und so ist es nicht mehr zwingend erforderlich, alles zu übertragen. Die Sprache ist lockerer geworden, nicht mehr so steif. Entsprechend haben sich die Übersetzungen geändert.

Übrigens - es liegt ein großes Stück weit auch am Autor und/oder Verlag (vom Original), inwieweit eine Übersetzung freier oder enger am Original ist.

Lese-Echse Mona kommentierte am 03. Januar 2017 um 23:34

Absolut gut geschrieben - kann ich 100% unterschreiben, liebe Leia ;) Deiner Meinung! (Da kann ich mir meine Worte gleich sparen... hihihi )

Archer kommentierte am 03. Januar 2017 um 21:21

Ich kann es überhaupt nicht ab, wenn Eigennamen übersetzt werden, zumindest wenn ich es weiß. Sirius Black heißt nun mal Sirius Black und nicht Sirius Schwarz, sonst hätte man ihn ja gleich auch Hundsstern Schwarz nennen müssen.

Genauso mit Jon Snow oder all diesen anderen Namen, die man unbedingt ans Deutsche anpassen wollte.

Ansonsten hätte ich gern, dass Übersetzer auch ein bisschen Gefühl für Sprache mitbringen und wenn was im Deutschen megadumm klingt, soll er etwas suchen, das dem in etwa entspricht, aber auch gutes Deutsch darstellt.

Hermione kommentierte am 03. Januar 2017 um 21:50

Für mich funktioniert nur eine freiere Übersetzung, ansonsten kann der Sinn doch gar nicht richtig wiedergegeben werden.

Gerade Sprichwörter muss man ja manchmal mit einer analogen Entsprechung übersetzen und nicht wortwörtlich.

Ira kommentierte am 04. Januar 2017 um 17:07

Ich denke, es kommt immer darauf an, wie frei es dann letztlich ist. Eine gute Übersetzung sollte ja schon immer so klingen, als sei dieses Buch in der Übersetzung das deutsche Original, weil es sich ganz einfach so richtig und so passend anhört. So frei sollte es sein, trotzdem sollte es so viel wie möglich der Besonderheiten und Eigenarten des Originals beibehalten, denke ich

StefanieFreigericht kommentierte am 03. Januar 2017 um 22:17

Hm, so ganz einfach ist es nicht:

Bei einem "ferneren" Kulturkreis helfen mir gelegentlich Fussnoten oder Anmerkungen, wenn etwas denn sehr anders ist.

Sonst möglichst nahe dran - aber keine wortwörtlichen Übersetzungen, die dann einfach dumm werden (ich habe heute einen TV-Beitrag gesehen, in dem über "eine Schule Delphine" geredet wurde - "a school of dolphins" ist aber ein Schwarm im Deutschen, keine Schule). Wortspiele sind schwieriger - da habe ich Hochachtung vor denen, die da ausreichend Phantasie beweisen.

Archer kommentierte am 03. Januar 2017 um 22:50

Würde ich widersprechen. Meiner Meinung nach wird zum Beispiel "Schwarm", zumindest wenn es sich auf Wassertiere bezieht, eher auf (kleine) Fische benutzt, während es sich bei Säugetieren (Delphine, Wale) tatsächlich um eine Schule handelt. Auch bei größeren Fischen wie Rochen oder Haien wird eher Schule als Schwarm benutzt. Eine wirkliche Regelung gibt es aber auch gar nicht.

BücherwurmNZ kommentierte am 04. Januar 2017 um 16:32

Archer hat Recht. Bei Delfinen und Walen heißt es tatsächlich Schule. Das wurde schon richtig übersetzt.

Frank1 kommentierte am 03. Januar 2017 um 22:32

Wichig für eine gute Übersetzung ist meiner Meinung nach, dass sie so nah wie möglich am Original bleibt. Eigennamen von Personen, Straßen, Firmen, ... sollten nie übersetzt werden. Auch Eindeutschungen kann ich nicht leiden. Wenn ein amerikanischer Autor z.B. (natürlich) die dort üblichen Einheiten benutzt, möchte ich die in der Übersetzung keinesfalls in Kilometer, Kilogramm usw. umgerechnet lesen. Und wenn beispielsweise eine Adresse 20, Main Street erwähnt wird, sollte daraus in der Übersetzung nicht Main Street 20 werden.

Brocéliande kommentierte am 03. Januar 2017 um 23:26

Eine sehr gute Frage: Es gibt einige LeserInnen, die bemängeln, dass z.B. Übersetzer der Krimis meiner Lieblingsautorin aus dem französischen ins Deutsche (Fred Vargas) die Wortspielereien im Französischen nicht originalgetreu übersetzen können. DENNOCH zaubern mir alle Krimis von ihr oftmals ein Lächeln ins Gesicht: Das verdanke ich AUCH den Übersetzern!

Meines Erachtens ist es nicht immer möglich, alles wortgetreu (besonders eben bei Idiomen oder Wortspielen aus dem Englischen oder Französischen) zu "übertragen" - Sprachen entstammen nicht denselben Sprachfamilien und demzufolge ist nicht alles 100 % "zu übertragen". Hier wäre es Sache des Lesers, der Leserin, seine Fremdsprachenkenntnisse so zu vervollständigen oder "aufzumöbeln", dass sie das Buch eben auch im Original lesen können:

Ich persönlich empfinde eine große Achtung vor den Übersetzern von fremdsprachlicher Literatur (und habe da auch meine "Lieblingsübersetzer", da ich auch nicht so firm bin, im Original z.B. die Vargas-Krimis zu lesen (dazu reichen meine Französischkenntnisse nicht aus ;)

Weltenträumerin kommentierte am 05. Januar 2017 um 00:37

Es gibt auch Wortspiele die lassen sich schlichtweg nicht übersetzen. Wenn z.B. ein Charakter Grace heißt und im Original ein anderer Charakter nur den Namen hört, im Rahmen eines Missverständnisses aber an Gnade denkt, dann würd ich trotzdem nicht den Charakter auch auf "Gnade" umtaufen, weil das so komisch ist, dass der ganze Witz weg ist.

Auch regional typische Ausdrücke, Dialekte, Jargons sind nur schwerlich zu übersetzen.

Im Allgemeinen haben auch die Übersetzer meinen Respekt, denen es gelingt, Reime, Gedichte oder Prophezeiungen zu übersetzen, sodass es sih immer noch reimt, und der Sinn inklusive Andeutungen und Deutungsspielräume erhalten bleiben.

Kritikerlady kommentierte am 05. Januar 2017 um 11:44

Das stimmt. Ich las mal ein Buch, wo die Hauptfigur im Original Joy hieß. In der Übersetzung hieß sie plötzlich Freude - und das ganze Buch war kaum zu verstehen, weil Freude bei uns einfach kein Name ist - und das Wort Freude ja auch so vorkam. Da machte also z.B. X Freude eine Freude - hört sich doch komisch an, oder?

Archer kommentierte am 05. Januar 2017 um 12:00

An genau das Buch musste ich auch gerade denken - Whisper Island?

Chaoskeks kommentierte am 03. Januar 2017 um 23:49

Ich habe mich bisher eigentlich noch nie an einer Übersetzung gestört. Egal ob möglichst wörtlich oder etwas freier.

Wenn Eigennamen z.B. wei bei Game ob Thrones übersetzt wurden hat mich das bisher nicht gestört. Und gerade bei Redewendungen und Wortspielen finde ich eine sinngemäße Übersetzung z.B. sinnvoller als eine wörtliche damit der Witz auch rüberkommt.

Ich lese englische Bücher aber auch hauptsächlich aus den Gründen, dass ich nicht bis auf die deutsche Veröffentlichung warten möcht und um mein Englisch zu verbessern und nicht aus irgendwelchen übersetzungstechnischen Gründen. Das selbe gilt auch für Filme.^^

Miss.mesmerized kommentierte am 04. Januar 2017 um 05:53

Naja, es gibt ein ganzes Studium, was sich mit dem Übersetzen befasst (und auch speziell Literaturübersetzen kann man ja studieren), da stellt sich eigentlich die Frage nicht, wie es gemacht werden sollte. Wenn man aber sieht, dass Gott und die Welt diesen Job auch macht, sollte man sich nicht wundern, was zum Teil bei rauskommt. 

Namen zu übersetzen hat dann, wenn es sich im telling names handelt, durchaus seinen Sinn, ich persönlich mag es nicht. Wörtlich Übersetzungen von Spirchwörtern sind einfach nur dumm, weil ihnen völlig der Sinn verloren geht, ich hatte vor wenigen Tagen ein Buch, das aus dem Französischen kam; man merkte direkt, wie schlecht der Übersetzer war, weil der Satzbau oftmals undeutsch war und vieles gar keinen Sinn hatte, der erschloss sich erst bei einer Rückübersetzung. Da macht das Lesen auch keinen Spaß mehr. Aufgabe eines Übersetzers ist, einen ordentlichen deutschen Text, der sich an ein deutsch-sprachigeses Publikum richtet, zu produzieren. Und da gehen verquere Sätze und unsinnige Formulierungen einfach gar nicht.

Ira kommentierte am 04. Januar 2017 um 17:04

Warum stellt sich die Frage nicht, wie es gemacht werden sollte? Wenn man überlegt, wie oft so eine Übersetzung schief geht, scheint die Frage ja durchaus aktuell zu sein, davon abgesehen, dass es ja auch eine Frage des persönlichen Interesses ist, wenn man so eine Frage in den Raum stellt.

Giselle74 kommentierte am 04. Januar 2017 um 10:09

Für mich ist ein guter Übersetzer so nah wie möglich an der Textvorlage, klebt aber nicht Wort für Wort daran. Er fasst die Stimmung und den Sinngehalt des Textes auf und geht darauf ein. Dazu gehören eben auch freie Interpretationen des Inhalts, wenn eine wörtliche Übersetzung nicht möglich ist oder sinnfrei wäre. Ob man Namen etc übersetzt, hängt für mich deutlich vom anvisierten Lesepublikum ab und/oder davon, ob diese Namen etwas transportieren, siehe Rita Kimmkorn. Eine Betty Smith muss man nur selten in Lisa Müller umwandeln.

Da Übersetzen viel Sprachgefühl und Feinfühligkeit insgesamt verlangt, hängt neben den handwerklichen Fähigkeiten eben auch viel vom Talent ab. Und häufig fehlt beides. Aber wenn alles passt, ist eine Übersetzung eben auch ein Kunstwerk.

BücherwurmNZ kommentierte am 04. Januar 2017 um 16:44

Also Namen und Orte sollten meiner Meinung nach nicht übersetzt werden. Das macht sonst überhaupt keinen Sinn, wenn ein Buch in den USA spielt und alle Orte und Personen deutsche Namen haben. Maßeinheiten wie z.B. Meilen zu übersetzen finde ich sinnvoll, da ich mir unter km die Entfernung auch vorstellen kann.
Sprichwörter sollten nicht 1:1 übersetzt werden, da käme sonst was völlig sinnfreies raus. Einige Sprichwörter vom Englischen gibt es ja auch im Deutschen, die kann man dann an entsprechender Stelle nutzen.

Weltenträumerin kommentierte am 05. Januar 2017 um 00:42

Stimmt, das würde dem Ganzen dann auch die Authentizität nehmen. Wenn der in Amerika lebt und auf eine amerikanische Schule geht, kann er auch einen amerikanischen Namen haben. Und die Stadt umzutaufen, macht auch wenig Sinn, gerade wenn sie eh existiert. :D

Bei High Fantasy ist das was anderes, aber die Bedeutung nicht wichtig ist, kann man meiner Meinung nach das Original lassen, schließlich soll der Klang auch eine Wirkung erzielen.

Was ich schon gesehen habe, ist die Veränderung der Schreibweise, gerade damit der Klang erhalten bleibt, was ich durchaus nachollziehbar und somit akzeptabel finde. Und bei "Grischa" habe ich mal herausgefunden, dass - wenn ich das jetzt richtig verstanden habe - in der Übersetzung die Namen so angeglichen wurden, dass ein ehemals eigentlich männlicher Name (die ans Russische angelehnt sind) eines weiblichen Charakters weiblich wurde. 

Ira kommentierte am 04. Januar 2017 um 17:01

Hm, ich muss ja zugeben, da ich mich momentan gerade selber auf eine Prüfung zur Übersetzerin vorbereite und auch schon oft Bücher auf Grund der Übersetzungen ungelesen weggelegt habe, habe ich mich schon öfter mit der Frage beschäftigt, was eine gute Übersetzung ausmacht.

In meinen Augen kann es nicht gut sein, ein Buch völlig  "einzudeutschen", da einfach oft typische Verhaltensweisen, bestimmte gesellschaftliche Gegebenheiten usw. auftauchen, die sich nicht einfach so umsetzen lassen und das Buch dann in sich nicht stimmig erscheinen lassen. Man nehme als Extrembeispiel einen exzentrischen, britischen Lord mit den diesen zugesprochenen Eigenschaften und versetze ihn in ein Schlösschen in Bayern oder dergleichen - das passt einfach nicht. So wird man meiner Meinung nach immer wieder über Ungereimtheiten/Unstimmigkeiten stolpern, auch wenn sie sich nur in der falschen Atmosphäre oder dergleichen ausdrücken.

Abgesehen davon spiegelt ein Autor ja auch sein eigenes Land und dessen Gegebenheiten wider, vo daher möchte ich als Leser doch auch genau das lesen, was er zu schreiben hat und auch wissen, worauf er sich bezieht - in seinem Landeskontext. Alles andere wird in meinen Augen eher eine Art Buch "angelehnt an" und keine Übersetzung.

Wortspiele, Redewendungen, Anspielungen auf Kulturgut (Kinderbücher, Fernsehsendungen, die dort jeder und hier keiner kennt, etc.), das dem deutschen Leser nicht vertraut ist - das sind alles Dinge, die man meiner Meinung nach vorsichtig gut übertragen kann, um den Stil und den Sinn zu erhalten, aber warum soll ein Buch, das in Canterbury spielt, nicht auch in Canterbury spielen dürfen - gerade heute, wo viel gereist wird und der Rest der Welt den Menschen viel einfacher zugänglich geworden ist, als das früher der Fall war?

Keine (zu) wörtlichen Übertragungen, sondern ein Übersetzen des Sinns und der Geschichte, auf eine Weise, die das Buch original deutsch klingen lässt und dennoch die Besonderheiten und den Stil des Autors genau wiedergibt und die Geschichte nicht verändert, das wäre so in meinen Augen eine gute literarische Übersetzung.

Naoki kommentierte am 04. Januar 2017 um 17:31

Absolut. Du wirst sicher eine gute Übersetzerin ;)

Kritikerlady kommentierte am 05. Januar 2017 um 11:39

Das hört sich gut an. Ich denke, so sollte eine Übersetzung sein. Und viel Glück für die Prüfung!

aRkedos kommentierte am 04. Januar 2017 um 21:20

Ich finde Übersetzungen sollten den Sinn der Handlung/Geschichte wiedergeben. Mann kann auch Gerne Namen übersetzen wenn es passt. Schlecht ist es wenn eine Namensübersetzung nicht in die sie umgebende literarische Welt passt. Ähnlich verhält es sich in meinen Augen mit Redewendungen. 

Allerdings muss man sich auch immer vor Augen führen, dass eine Übersetzung, egal ob Sinngemäß oder Wortgetreu, immer auch eine Interpretation der Geschichte ist. Da Wörter, selbst wenn sie Wortgetreu übersetzt werden, in einer anderen Sprache eine andere Verwendung haben. 

Weltenträumerin kommentierte am 05. Januar 2017 um 00:43

Ich schließe mich gerade dem letzten Abschnitt an. Manche Ausdrücke kann man auch gar nicht übersetzen, da muss dann frei eine Entsprechung gefunden werden.

Brocéliande kommentierte am 04. Januar 2017 um 22:04

@Ira:

Deinen Worten kann ich mich nur anschließen: Alles Gute und viel Erfolg für Deine Prüfung (ich denke auch, dass Du eine gute Übersetzerin wirst :-)

War übrigens auch mit 22 einer meiner beiden Berufswünsche - hab mich aber dann anders entschieden (bzw. der Zulassungsbescheid hat entschieden ;)) Alles Gute!

Kritikerlady kommentierte am 05. Januar 2017 um 11:34

Normalerweise achte ich nicht so sehr darauf, wer übersetzt hat. Da kommt es für mich eher darauf an, dass flüssig übersetzt wurde, der Stil des Autors beibehalten wurde und dergleichen. Sprichwörter sollten für mich natürlich mit dem deutschen Pendant übersetzt werden, denn sonst kan ich als deutsche Leserin ja gar nichts damit anfangen, weil ich das englische Sprichwort nicht kenne. Wenn Städte unter ihrem deutschen Namen bekannt sind oder gar aus Deutschland stammen, dann hätte ich sie auch gerne übersetzt, ansonsten nicht. Ich möchte z.B. nicht statt New York Neu York oder Neu Amsterdam lesen. Aber als bei einer Übersetzung aus dem Italienischen München nicht übersetzt wurde, sondern Monaco stehen blieb, irritierte das natürlich.

Und ich hätte gerne, dass bei einer mehrbändigen Buchreihe der Stil aus den ersten Büchern beibehalten wird, wenn der Übersetzer zwischenzeitlich wechselt. Bei einer Buchreihe hatte ich es (Ich glaube, es war der Erdenkinder-Zyklus von Jean M. Auel), dass ich die ersten Bücher vershclungen habe, weil mir auch der Stil der Bücher gefiel. Und bei einem der Fortsetzungen war dann plötzlich alles ganz anders übersetzt worden. Es war nicht mehr dieses romantisch Verklärte, wie in den ersten Bänden, sondern es waren einige direkte Umschreibungen dabei, die die ganze Romantik kaputt machten. Einiges war auch einfach anders übersetzt worden, die Begriffe aus den ersten Bänden wurden nicht mehr verwendet, sondern es wurde plötzlich anders benannt. Es war zwar noch das gleiche gemeint und man verstand es auch, aber es war recht auffällig. Es machte mir nicht wirklich Spaß, das Buch zu lesen. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, welchen Einfluss die Übersetzer haben.

Leia Walsh kommentierte am 05. Januar 2017 um 11:46

Da vermute ich mal, dass der Übersetzer einen schlechten Moment hatte und unkonzentriert war. Aber das ist auch eine echt böse Falle!

sheena01 kommentierte am 05. Januar 2017 um 12:20

Für mich sollte das Buch gut und flüssig zu lesen sein, egal ob in der englischen (oder was auch immer die Originalsprache des Autors ist) oder in der jeweiligen deutschen Übersetzung. Bei letzterer sollten daher solche Redewendungen gebraucht werden, die auch im Deutschen üblich sind, sonst wird's holprig. Als absolutes Negativbeispiel fällt mir da gleich die Beast Quest Serie (für Kinder geschrieben) ein, wo zt wortwörtlich übersetzt wird, und man manche Dinge gedanklich besser ins Englische rückübersetzt, um es uberhaupt zu verstehen...wirklich furchtbar!!! Namen sollten so bleiben wie im Original, Ein deutschen geht, finde ich, gar nicht!!!!