Leserunde

Leserunde zu "Die Geschichte der Bienen" (Maja Lunde)

Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen
von Maja Lunde

Bewerbungsphase: 27.03. - 10.04.

Beginn der Leserunde: 17.04. (Ende: 07.05.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir – mit freundlicher Unterstützung des btb Verlags – 20 Freiexemplare von "Die Geschichte der Bienen" (Maja Lunde) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch.

ÜBER DAS BUCH:

England im Jahr 1852: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen. Als Forscher sieht er sich gescheitert, sein Mentor Rahm hat sich abgewendet, und das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte - die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock.

Ohio, USA im Jahr 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden.

China, im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Als der jedoch einen mysteriösen Unfall hat, steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.

Wie alles mit allem zusammenhängt: Mitreißend und ergreifend erzählt Maja Lunde von Verlust und Hoffnung, vom Miteinander der Generationen und dem unsichtbaren Band zwischen der Geschichte der Menschen und der Geschichte der Bienen. Sie stellt einige der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie gehen wir um mit der Natur und ihren Geschöpfen? Welche Zukunft hinterlassen wir unseren Kindern? Wofür sind wir bereit zu kämpfen?

ÜBER DIE AUTORIN:

Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Sie ist eine bekannte Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin. Die Geschichte der Bienen ist ihr erster Roman für Erwachsene, der zunächst national und schließlich auch international für Furore sorgte. Er stand monatelang auf der norwegischen Bestsellerliste und wurde mit dem Norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet.

07.05.2017

Thema: Lektüre, Teil I (Seite 1 - 162)

Thema: Lektüre, Teil I (Seite 1 - 162)
Susi kommentierte am 16. April 2017 um 17:30

~~Nachdem der Einband schon so toll aussah, war ich noch gespannter auf den Inhalt. Die Geschichte von Tao finde ich erschütternd. Nicht nur wie die Welt ohne Bienen aussieht, sondern auch, dass die Kinder schon mit 8 Jahren für den Rest ihres Lebens zum Arbeiten abkommandiert werden, dass die Eltern nur 1 Std. am Tag mit ihrem Kind haben, dass Antibiotikabehandlung abhängig vom Alter ist und einer Erlaubnis bedarf und dass Menschen, wenn sie alt und "unbrauchbar" sind, verschwinden. Gruselig. Aber manches ist ansatzweise ja jetzt schon usus. Wenn ich an Berichte denke, dass in China schon 3 jährige Kinder von ihren Eltern getrennt werden und in Sportakademien stundenlang zu zukünftigen Olympioniken oder Artisten gedrillt werden oder daran, wie wenig individuell viele Chinesen ihr Leben gestalten dürfen. Auch die Traditionen und der Gehorsam den Eltern gegenüber sind heute von großer Bedeutung in der chinesischen Kultur. So ist es nicht überraschend, dass Taos Eltern, anstatt ihr die Möglichkeit zu geben auf eine andere Schule zu gehen, von ihr verlangen, sich anzupassen und nicht aufzufallen durch einen anderen Werdegang. Das Rätsel was mit Wei-Wen passiert ist, macht das Ganze noch spannender. Was mir etwas fehlt oder zu kurz kommt, sind weitere Auswirkungen  auf die Welt und den Alltag ohne Bienen. Dass es insgesamt weniger Insekten und daher auch weniger Vögel gibt und die Nahrung knapp ist, weil die Bestäubung von Hand so mühsam ist, ist bislang alles, was man erfährt.

Williams Geschichte finde ich nicht ganz so spannend, überraschend finde ich jedoch, dass es dem Sohn gelingt, den Vater aus seiner Depression herauszuholen, indem er ihn auffordert aufzustehen.

In Georgs Geschichte erfährt man am meisten über Bienen. Dass diese z.B. ihren Darm nur außerhalb des Bienenstocks entleeren (und bei schlechtem Wetter damit warten, bis es draußen besser ist) wußte ich nicht. Interessant.

Eine Unfähigkeit miteinander zu sprechen und seine Gefühle und Gedanken seinen Partnern oder Kindern mitzuteilen, zieht sich durch alle 3 Geschichten.

Der Schreibstil liest sich leicht und flüssig und passt sich den jeweiligen Geschichten an. Bei dem bodenständigen George liest man z.B. die witzige Bemerkung "der Schneefall war ein letzter Furz des Winters".

Was mich jedoch stört, ist, dass die Geschichten ständig unterbrochen werden, um die nächste ein Stückchen weiter zu erzählen. Ich hätte sie lieber nacheinander und in sich abgeschlossen. Jede ist glaube ich interessant und spannend genug, um für sich zu stehen. So abgehackt schmälert es das Lesevergnügen sehr, denn man will wissen, wie es weitergeht und wird erstmal wieder ausgebremst.
 

Thema: Lektüre, Teil I (Seite 1 - 162)
qwertzy kommentierte am 16. April 2017 um 20:31

Ich hab den ersten Abschnitt auch durch und kann Susi nicht zustimmen. Ich finde es extrem spannend, dass die Geschichten parallel verlaufen und man immer nur einen kurzen Auszug liest. Eben weil man wissen will, wie es weitergeht wird das Buch zum Pageturner. Abgesehen davon glaube ich, dass am Ende die Geschichten irgendwie noch näher zusammenlaufen werden und da wäre es blöd, wenn man sich erst in ein "Leben" einliest und dann mit dem nächsten weiter macht. So ist man immer "up to date".

Ich finde den Schreibstil toll, das Buch lässt sich so gut lesen, da merkt man gar nicht, wie die Zeit nur so fliegt. Die kleinen Witzchen zwischendurch sind prima und die Spannungsbögen der einzelnen Storys sorgen dafür, dass man eigentlich nur noch lesen möchte.

Am spannendsten finde ich bisher die Geschichte in der Zukunft, also von Tao. Einige Auswirkungen kann man hier sehr deutlich sehen und ich finde es extrem erschreckend. Denn so weit entfernt ist das alles gar nicht. China und die ein-Kind-Politik gibt es nicht erst seit gestern. Nahrungsknappheit, Medikamente und Versorgung wird eingestellt bei alten Menschen, so unwahrscheinlich ist das alles definitiv nicht... Ich hoffe, dass es dem Jungen gut geht und er versorgt wird und ich bin so extrem gespannt zu erfahren, was ihm zugestoßen ist.

Bei George erfährt man relativ viel über Bienen und ihr Leben, aber ich finde, dass sich diese Geschichte bisher am wenigsten entwickelt hat. Sein Sohn will nicht in seine Fußstapfen treten, nicht neues, wenn Kinder erkennen, wo ihre Talente und Leidenschaften wirklich liegen. Ich bin gespannt, welchen Weg er letztendlich einschlagen wird und natürlich bin ich auch gespannt, ob der "Kollaps" auch zu ihm kommt, wie schnell und was er dann macht...

William und seine Depressionen, die nun die Familienexistenz bedrohen geht mir recht nahe, da ich seine Gefühle und Gedanken gut nachvollziehen kann. Dass seine Leidenschaft eigentlich in der Forschung liegt und nicht in der Tätigkeit als Saatguthändler kann ich ebenfalls nachvollziehen. Viele Menschen gehen Berufen nach, die sie nicht erfüllen und werden auf kurz oder lang krank. Dass er nun versucht ins Leben zurück zu finden ist klasse, ich hoffe er schafft es und ich hoffe es ist noch nicht zu spät. Dass ihn seine Ehe unglücklich macht bei der unterkühlten Frau ist nur allzu verständlich, allerdings kann ich nicht nachvollziehen, wie man dann so viele Kinder in die Welt setzt. Aber das waren ja auch andere Zeiten...

Und jetzt lese ich mal weiter : )

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aimée kommentierte am 18. April 2017 um 10:04

"Dass ihn seine Ehe unglücklich macht bei der unterkühlten Frau ist nur allzu verständlich, allerdings kann ich nicht nachvollziehen"

Naja, er hat sich anhand von unrealistischen Wunschvorstellungen auf sie eingelassen und hat wohl recht schnell festgestellt, dass diese nichts mit der von ihm forcierten Beziehung zu tun haben, aber trotzdem stur seinen Stiefel durchgezogen.

Ich kann sie voll und ganz nachvollziehen - auch in Hinblick auf die Zeit, in der die Geschichte spielt, in der noch niemand von "Depressionen" gesprochen hat! Die Gute muss irgendwie acht Kinder durchbringen, wärend er, ohne einen für sie ersichtlichen Grund, monatelang nichtstuend im Bett liegt und seufzend dabei zusieht, wie sein Laden bankrott geht. Dafür finde ich sie SEHR beherrscht!

Und als er sich dann endlich wieder aufrafft, ist er mit Selbstverwirklichung beschäftgt, statt sich darum zu kümmern, das Auskommen der Familie zu sichern. Sie hat sich ihre Ehe wohl auch ein bisschen anders vorgestellt...

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qwertzy kommentierte am 18. April 2017 um 12:16

Dass er sich künftig zunächst den Bienen widmet, das weiß man auf Seite 162 noch nicht ;-) Abgesehen davon geht er ja auch wieder seinem Job nach ;-)

Seine lüsterne Seite mal beiseite (ich kenne einige Männer, die auch so denken), sie war von Anfang an ja eher ein kleiner Geist (so seine Worte) und extrem Stur. Von daher sehe ich da nicht nur die Schuld bei ihm.

Ganz unwissend war man im 18.Jhd übrigens nicht :)  Zwar was die Behandlung anging, aber nicht um was es sich handelt. Bereits da ging man von Folgen  pädagogischer oder psychischer Faktoren aus.

Selbst, wenn sie nicht beherrscht gewesen wäre hätte das an seiner Erkrankung vermutlich sehr wenig geändert, eher wäre es für ihn noch schlimmer geworden.

Und mal ehrlich, eine sture Frau, die ihren "ehelichen Pflichten" nachkommt ist alles andere als eine liebende Frau und von Liebe spüre ich zwischen den beiden einfach gar nichts. Und Fürsorge während einer Depression sieht auch anders aus. Würde sie sich um ihren Mann sorgen, dann würde sie sich anders verhalten und man hätte die Probleme viel früher gesehen und etwas dagegen tun können. Vielleicht ticke ich da anders, aber bei mir wäre ein Gefühlen von Wut bis Fürsorge alles dabei gewesen und ich hätte mich wesentlich mehr bemüht. Ich sehe da einfach beide in der Verantwortung

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2017 um 22:31

Man weiß aber vom Klappentext, dass er jetzt erst mal wieder Forschung betreibt und neue Bienenstöcke entwickelt... ;) 

Unterkühlt finde ich die Frau auch nicht, pragmatisch wäre meine Wortwahl. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr meine ich, doch ein wenig Liebe bei den beiden zu erkennen. Sie macht ihm keinerlei Vorwürfe und so besorgt und vielfältig, wie seine Kinder versuchen, ihn aufzuheitern, scheinen sie mir doch in einem liebevollen Haushalt groß geworden zu sein. Dass William glaubt, sie hätte ihn lieber tot gesehen, entschuldige ich jetzt mal mit seinen eigenen Schuldgefühlen.

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Diamondgirl kommentierte am 18. April 2017 um 14:42

Ich bin mir bei William gar nicht so sicher, dass er tatsächlich Depressionen im pathologischen Sinne hat. Es ist absolut unglaubwürdig, dass der Sohn ihn mit einem Kurzbesuch von 5 Minuten davon befreit. Ich glaube nicht, dass das bei einem Erkrankten so funktionieren kann, als ob er sich das alles nur eingebildet hat. Der Mann kreist zu sehr um sich selbst und kommt nicht damit klar, dass er in ihn gestellte Erwartungen nicht erfüllen kann. Im 2. Teil kommt das m. E. noch deutlich mehr heraus.

Seine Frau tut mir ehrlich gesagt entsetzlich leid! Sie muss sich seit geraumer Zeit um alles kümmern - sämtliche Kinder, den Haushalt (da ja kein Geld mehr für die Haushaltshilfe da ist), den Laden (da William ja nicht mehr dort arbeiten "kann") und soll sich möglichst auch noch um ihren Gatten kümmern - was einerseits viel Zeit kosten würde und andererseits ganz offenbar noch nicht einmal gewünscht wird von ihm. Alleine wie und was er über sie denkt finde ich ganz schrecklich! Im Grunde verachtet er sie regelrecht.

Allerdings muss man ja auch die Zeit bedenken, zu der diese Episode spielt. Frauen waren nur dazu da, den Fortbestand zu sichern, den Haushalt zu schmeißen und sich um die lästige Brut zu kümmern. Wenn man es mal ernsthaft betrachtet, dann ist das hier beschriebene Szenario um William wesentlich realistischer als sämtliche Schmalz-Historien-Schinken, wo die ritterlichen Männer sich verlieben und ihre Frauen vergöttern. 

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qwertzy kommentierte am 18. April 2017 um 15:07

So unglaubwürdig ist das nicht. Denk nur mal an die rezidivierende  depressive Störung. Da kommt das Ganze phasenweise.

Und es ist ja nicht so, dass er nicht kämpft, es wird ja beschrieben, wie er kleine Schritte macht und nicht sofort alles wieder toll ist. Und vor allem in seiner Leidenschaft findet er viel Energie, das ist so schon nicht verkehrt.

 

Für mein Gefühl verachtet sie ihn genauso.

 

 

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Diamondgirl kommentierte am 18. April 2017 um 18:40

Leider erfährt man nicht, was seine Frau wirklich denkt, da es ja aus Williams Sicht geschrieben ist. Auf jeden Fall geht er davon aus, dass sie ihn auch verachtet. Aber eigentlich geht er davon aus, dass ihn ja so ziemlich jeder verachtet, weil er nicht die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen imstande ist. 

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Susi kommentierte am 18. April 2017 um 21:11

Dass die Aufforderung aufzustehen jemanden von den Depressionen befreit ist mehr als unrealistisch. Wahrscheinlich dichterische Freiheit...

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qwertzy kommentierte am 18. April 2017 um 23:07

genau genommen passiert da viel mehr als die bloße Aufforderung. Seine Frau spricht mit ihm, eines der Mädels spricht mit ihm, er macht sich seine Gedanken, die Kinder singen, er sieht die Armut anhand der abgetragenen Kleidung und der dürren Kinder, .... Und sein Sohn, sowie dessen Bildung und seine Anerkennung sind ihm extrem wichtig, das merkt man am Text

Und ja, manchmal reicht eine kleine Initialzündung, um den ersten Schritt aus dem Bett zu wagen und den ganzen guten Gedanken (die wohl geschützt weit im inneren sind) auf die Sprünge zu helfen. Wie gesagt, manchmal, nicht immer... Ich bin leider selber betroffen, daher weiß ich, was eine kleine Geste bewirken kann, positiv, als auch negativ

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naibenak kommentierte am 25. April 2017 um 09:02

"Allerdings muss man ja auch die Zeit bedenken, zu der diese Episode spielt"... EBEN! Gerade erst las ich einen Klassiker von Thomas Hardy, erschienen 1874 ;) Und da habe ich mich schon sehr gewundert, wie schnell das damals ging! Männer waren von jetzt auf gleich verliebt und dann musste aber auch möglichst schnell geheiratet werden. Die meisten Mädels waren froh, unter die Haube zu kommen. Wenn dann noch (zumindest anfangs) große beiderseitige Sympathie vorhanden ist - bingo! ;) Aber so war es damals. Das richtige Kennenlernen kommt erst mit der Zeit und an Scheidung war seinerzeit kaum zu denken...

Findet ihr wirklich, dass im ersten Teil schon herauskommt, dass sich William und seine Frau gegenseitig verachten??? Ich habe es ehrlich gesagt noch nicht als so extrem empfunden...

Dass William wie durch ein Wunder wieder seine Leidenschaft zurück bekommt, ist schon etwas plötzlich und in meinen Augen ging es ein bisschen zu schnell - allerdings bin ich auch kein Arzt und kenne mich mit dem Krankheitsbild nur ansatzweise aus. Fakt ist, dass sein Sohn und Rahm offenbar die einzigen Personen sind, auf die er große Stücke hält und die er unbedingt beeindrucken will. Da ihn Rahm abserviert hat, ist erstmal nur sein Sohn da. Und dass er die ganzen Monate wie gebannt auf seinen Sohn wartet, wird sehr deutlich. Dieser kommt aber nie zu ihm. Erst, als es dann doch geschieht, passiert auch etwas mit William...

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Sabine_AC kommentierte am 17. April 2017 um 11:00

Mir gefällt die Erzählweise sehr. Das Buch lässt sich einerseits sehr leicht und flüssig lesen, und bezüglich der drei Erzählstränge geht es mit wie Qwertzy: Ich empfinde den ständigen Wechsel als gelungen. Auch wenn die Geschichten (bislang) nichts miteinander zu tun haben, kann man sich so vorstellen, dass sich am Ende Zusammenhänge auftun.

So könnte ich mir vorstellen, dass Georges Vorfahren vielleicht irgendwie mit William zu tun haben (es wurde ja erwähnt, dass eine Vorfahrin aus Europa kam und die Grundlage der Imkerei mitbrachte).

Mit den einzelenen Protagonisten bin ich allerdings bislang nicht so wirklich warm geworden. Am nähesten geht mir noch William. Seine Depression bedingt durch die Aufgabe seiner Leidenschaft kann ich nachvollziehen - und es freut mich, dass er einen neuen Antrieb gefunden hat. Bin gespannt, wie es weiter geht mit ihm... auch wenn ich die Vermutung habe, dass sein Sohn ihn letztlich enttäuschen wird.

Da hat William - eventuell - etwas mit George gemeinsam. George empfinde ich bezüglich seiner Pläne für den Sohn als etwas antiquiert. Beim allem Verständnis für seinen Wunsch, dass der Sohn den Betrieb übernimmt - in der heutigen Zeit ist dies ja nun nicht mehr unbedingt selbstverständlich - und george erscheint mir dahingehend einfach stur, er ignoriert die Zeiten einfach. Aber wer weiß, das mag sich auch noch ändern.

Taos Geschichte ist einerseits bedrückend und beklemmend, man bekommt durchaus eine düstere Vorstellung, wie eine Welt der zugrunde gerichteten Natur sich entwickeln könnte. Anderseits ist mit Tao als Person einfach unsympathisch.

Alles in allem ist das Buch aber spannend aufgebaut, und ich werde mich jetzt auf den zweiten Teil stürzen.

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aimée kommentierte am 18. April 2017 um 10:25

"Mit den einzelenen Protagonisten bin ich allerdings bislang nicht so wirklich warm geworden."

Ja, das geht mir ähnlich, ich finde jetzt auch keinen der Hauptpersonen sonderlich sympathisch, wobei ich mit George (zu meiner eigenen Überraschung!) tatsächlich noch am meisten anfangen kann. Er weiß um seine eigenen Unzulänglichkeiten und seinen Starrsinn und sieht sich ja selbst als Relikt aus einer anderen Zeit, kann aber einfach nicht aus seiner Haut, auch wenn er immer wieder auf sehr tapsige Art versucht, "Verständnis" für die anders gearteten Pläne seiner Familie aufzubringen. Klar, Sympathieträger sind andere, aber verglichen mit Tao, die die wenige Zeit, die ihr mit ihrer Familie bleibt, krampfhaft versucht, ihren Sohn zu "etwas besserem" zu machen und das ganz ohne Verständnis für ihren Mann oder ihren Sohn, da wirkt George doch eher harmlos resigniert. Dass Tao in diese Welt, die ihr selbst so wenig lebenswert erscheint, ein zweites Kind setzen will, kann ich nicht nachvollziehen.

Und William, der von allen Verständnis für seine Situation abringt, die Frauen in seinem Haus aber noch nichtmal als vollwertige Mitglieder der Familie, sondern mehr als Strafe seiner ungezügelten Triebe sieht? Tausend Gründe, sich als verhindertres Genie zu sehen, und die Umstände, auf die er alles schieben kann - nein, tut mir leid, an seiner Geschichte bleib ich tatsächlich nur dran, weil sie zwischen den anderen beiden steht.

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naibenak kommentierte am 25. April 2017 um 09:05

Haha Sabine... den Gedanken mit der Verbindung William-George hatte ich auch sofort ;)

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2017 um 22:39

Ich mag die unterschiedlichen Handlungsstränge auch. Erinnert mich an 'All the light we cannot see' von Anthony Doerr. Da hat man auch mehrere parallele Stänge, die sich zum Schluss vermischen. Vielleicht wird das hier ähnlich.

Dass George ein Nachfahre Williams ist (die alleinstehende Frau, die die Zeichnungen nach Amerika gebracht hat vielleicht eine seiner vielen Töchter?), habe ich auch sofort gedacht. :) Darüber hinaus könnte ja auch Georges Sohn der Schriftsteller werden, der das Buch 'Der blinde Imker' schreiben wird, von dem dann wiederum Tao so begeistert sein wird... Falls das so ist, schön gemacht. Wir werden sehen... Lesen...

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Diamondgirl kommentierte am 17. April 2017 um 14:37

Ich bin auch durch die ersten 162 Seiten einfach nur geflogen - obwohl.... die ersten ca. 50 Seiten zogen sich für mich etwas. Vor allem Williams Teil, in dem oft hauptsächlich von seinen Depressionen die Rede war. Hier hege ich auch die Vermutung von Sabine, dass seine älteste Tochter den Part übernimmt, den dieser eigentlich für seinen Sohn vorgesehen hat. Wenn sie vll. auch nicht studieren wird, so wird sie dennoch seine Forschung unterstützen und ich hoffe sehr, dass er sie und ihre Hilfe annehmen wird, auch wenn sie nur ein Mädchen ist. 

Ich vermute auch, dass Charlotte diejenige ist, die mit den Bauplänen von Georges "Bienenkörben" den Weg in die USA gefunden hatte, dass sie die Vorfahrin ist, von der George kurz erzählt. 

Die Geschichte der Zukunft um Tao und ihre kleine Familie weckt bei mir am wenigsten Interesse und Empathie. Die Protagonistin ist mir einerseits nicht sonderlich sympathisch und das ganze Geschehen lässt mich eigenartig unbeteiligt. Nicht einmal der Unfall ihres Sohnes kann mich sonderlich berühren - keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht, weil es für mich zu unrealistisch und am wenigsten nachvollziehbar ist. 

Allerdings habe ich sofort nach dem Unfall gedacht, dass er sicherlich von einer Biene gestochen wurde, vermutlich nachdem sie in seinen Mund geflogen ist (man denke nur an die eingelegten Pflaumen...). Es wird sich zeigen, ob meine Vermutung richtig ist.

Ich finde die ständigen Wechsel zwischen den einzelnen Erzählsträngen extrem gut! Es ist zwar nicht gerade neu und scheint derzeit schon eine Art Mode zu sein, aber noch nie hat es mir derart gut gefallen wie in diesem Buch. Quertzy spricht mir aus der Seele, dass gerade das für mich das Buch schlichtweg zum Pageturner werden lässt und ich musste mich schon sehr zusammenreißen, nicht einfach weiter zu lesen. Sonst hätte ich es vermutlich jetzt schon ausgelesen. :-D

Wären es einzelne zusammenhängende Geschichten geworden, bin ich fast sicher, dass ich Taos Geschichte abbrechen würde. So sind es immer nur ein paar Seiten und so schlecht ist dieser Teil nun nicht, dass ich die nicht mitnehmen würde zwischendurch. Außerdem interessiert mich dann ja doch, wo und wie sich die Verbindung mit George und William ergibt. 

Und jetzt freue ich mich, auf einen lesereichen Ostermontag bei dem das Mistwetter genau das richtige Wohnzimmerwetter ist  ;-)

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Sabine_AC kommentierte am 17. April 2017 um 17:24

Der Verdacht mit dem Bienenstich beim kleinen Wei-Wen kam mir ebenfalls...

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2017 um 22:43

Ich habe an eine allergische Reaktion gedacht, nicht unbedingt einen Bienenstich. Vielleicht hat er auch irgendwelche Pollen eingeatmet, die (wieder) 'neu' sind, vielleicht von irgendwelchen wieder auferstandenen Insekten eingetragen?

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naibenak kommentierte am 25. April 2017 um 09:09

Diamondgirl... ja genau, ich habe dieselbe Vermutung bzgl. Charlotte! Sie ist ja diejenige, die viel liest und an ihrem Vater offenbar sehr interessiert ist...vielleicht entwickelt sich da etwas? ;)

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westeraccum kommentierte am 17. April 2017 um 17:54

Soeben habe ich den ersten Teil auch beendet und will sofort meine Eindrücke wiedergeben.

Ich habe mich auch gefragt, ob es besser/spannender wäre, wenn jede Geschchte in einem Block erzählt würde. Es git ja für diese Erzählweise Vorbilder, z.B. "Transantlantik" von Colum McCann. Aber in diesem Fall finde ich die gewählte Lösung optimal, denn durch die Mischung der verschiedenen Geschichten ergibt sich eine ganz besondere Spannung.

Der Einstieg wurde mit Tao nicht leicht gemacht, denn ihre Geschichte ist sehr dunkel und deprimierend. Dass Kinder keine umfassende Schulbildung bekommen und schon mit acht Jahren in den Arbeitsprozess eingegliedert werden, ist für mich schockierend, ihnen wird die Kindheit geraubt. Auch das Leben als Bestäuberin ist karg, nur alle paar Monate mal ein freier Tag..., keine gute Zukunftsaussicht!

William hätte alle Chancen gehabt, hat sie aber nicht genutzt und aus seinem Leben nichts gemacht, dass das zu Deprssionen führt, kann man nachvollziehen. Man kann nur hoffen, dass er nun in ein besseres Fahrwasser gerät.

Aus George werde ich noch nicht wirklich schlau. Sein Ehrgeiz ist ja, das der Sohn die Farm übernimmt, aber der ist eher musisch veranlagt. Ein Konflikt, den schon viele Firmenbesitzer aushalten mussten!

Durchgehendes Thema im ersten Teil des Buches ist die Sprachlosigkeit, an der alle Ehepaare und besonders die Männer leiden. Die Töchter von William schnattern ja noch den ganzen Tag, aber auch das wird ihnen sicher bald ausgetrieben.

Der erste Teil ist für mich sehr vielversprechend, das Buch fällt mir leicht zu lesen und ich bleibe gern dran!

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aimée kommentierte am 18. April 2017 um 10:36

"Dass Kinder keine umfassende Schulbildung bekommen und schon mit acht Jahren in den Arbeitsprozess eingegliedert werden, ist für mich schockierend, ihnen wird die Kindheit geraubt. Auch das Leben als Bestäuberin ist karg, nur alle paar Monate mal ein freier Tag..., keine gute Zukunftsaussicht!"

Ja, und wenn ich es richtig verstanden hab, dann ist das noch die einzige Region der Erde, in der es sich einigermaßen leben lässt! Da wird es einem schon ein wenig anders...

In dem Text wird auch angedeutet, dass es in dieser Region Chinas in den 1980ern so wenig Bienen gab, dass sie das künstliche Bestäuben entwickeln mussten - weiß jemand von euch, ob es sich hierbei um Fiktion handelt? Gab es das tatsächlich?

Würde mich auch bei dem akkuten Bienensterben in Georges Geschichte interessieren, obs das tatsächlich gab, aber vielleicht wird darauf ja im Lauf der Geschichte noch näher eingegangen.

 

 

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Sabine_AC kommentierte am 18. April 2017 um 11:40

Bienensterben war und ist durchaus in den letzten Jahren immer mal wieder ein Thema (auch in den Medien), aber Details dazu - ob es tatsächlich so abläauft wie in Georges Geschichte - kenne ich leider auch nicht.

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qwertzy kommentierte am 18. April 2017 um 12:25

Ich habe hier eine Seite gefunden zu "menschlichen Bienen" in China: http://www.bee-careful.com/de/initiative/menschliche-bienen-china/

oder auch hier: http://www.presseportal.de/pm/25171/3047184 (mit einem Bild) und Video: http://www.galileo.tv/weltweit/die-menschlichen-bienen-aus-china/

http://selbstbewusstgesund.de/naturundumwelt/welt-ohne-bienen-in-china-b... in Sichuan seit 25Jahren schon keine Bienen mehr

und zur Forschung mit Drohnen als Bienenersatz: http://www.chip.de/news/Bestaeubung-2.0-Zufalls-Entdeckung-macht-Forsche...

 

googelt man Bienensterben mit verschiedenen Ländern als Zusatz, dann wird deutlich, dass das wirklich ein sehr großes Problem ist...

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aimée kommentierte am 18. April 2017 um 12:39

Danke für die Links!! Schau ich heute abend gleich mal durch :D

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Sabine_AC kommentierte am 18. April 2017 um 14:19

Vielen Dank für die Links.

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Susi kommentierte am 18. April 2017 um 14:46

danke, die links gucke ich mir bald in Ruhe an !

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westeraccum kommentierte am 19. April 2017 um 17:53

Das ist gut, man erfährt doch etwas zu den Hintergründen. Ich hatte bisher nur von der Varoa-Milbe gehört, die viele Bienenvölker vernichtet hat.

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naibenak kommentierte am 25. April 2017 um 09:16

Auch von mir ein dickes Dankeschön für die Links!!!!!!!!!!!!!!! Super :-)

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milkshake kommentierte am 17. April 2017 um 20:10

Hallo, ich muss  mich leider entschuldigen, ich werde erst später in die Leserunde einsteigen können, da ich morgen kurzfristig ins Krankenhaus muss.

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naibenak kommentierte am 18. April 2017 um 09:39

Oh nein, milkshake! Das tut mir leid :'( Ich drück die Daumen, dass alles schnell wieder gut wird!!! <3

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Sabine_AC kommentierte am 18. April 2017 um 11:38

Gute Genesung!

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naibenak kommentierte am 17. April 2017 um 21:26

Wow, ihr seid so schnell!!! Mein Buch ist noch nicht mal angekommen... ;-)

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aimée kommentierte am 18. April 2017 um 10:39

Oh! Ja, hat mich auch total gefreut, dass meins schon am Ostersamstag in der Post war und sich die Zustellung durch die Feiertage nicht verzögert hat - ich drück die Daumen, dass du's heute auch endlich in Empfang nehmen kannst ;-)

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Sabine_AC kommentierte am 18. April 2017 um 11:54

Meins kam auch bereits am Samstag - und die freien Tage wurden ausgiebig zum Lesen genutzt. :-) Und vom Stil her ist es danna uch sehr zügig zu lesen.

Hoffe, dein Exemplar erricht dich nun auch schnell.

 

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naibenak kommentierte am 20. April 2017 um 09:43

Ich habe mein Buch am Dienstag bekommen :) Aber nun seid ihr alle schon durch (zumindest die meisten, die es bereits vorher hatten^^). Eigentlich wollte ich mein aktuelles Buch unterbrechen und mit den Bienen durchstarten. Aber oh wehhhh- ich bin so gefangen und komme nicht vom Buch los ;-))) Müssen die Bienen sich also doch noch ein-zwei Tage gedulden *lach*... Zeit ist ja eh noch genug für die Leserunde!!!

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aimée kommentierte am 20. April 2017 um 16:01

Freut mich, dass es bei dir nun auch geklappt hat! Und keine Sorge, ich bin gerade mal bei der Hälfte angekommen - und muss gestehen, dass ich mich gerade auch ein bisschen zwingen muss, dranzubleiben...

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Susi kommentierte am 18. April 2017 um 14:56

Was habt ihr nur alle gegen Tao ? Dass die Chinesen wie die Arbeitsbienen arbeiten müssen, sich Traditionen unterwerfen müssen und Gehorsam ein hohes Gut ist, dass man eigene Bedürfnisse dem Wohl der Gemeinde unterordnet usw. ist ja schon ewig so und dafür kann Toa ja nichts.

Dass sie aber dennoch so ein Freigeist ist, dass sie ihrem Sohn das gleiche triste Leben ersparen will, indem sie ihm eine Schulbildung ermöglichen will, welche nur besonders klugen Kindern zukommt und dass sie deshalb versucht, ihn zu fördern, macht sie in meinen Augen menschlich und das kann man doch nachvollziehen.

Was mich mehr stört in allen 3 Geschichten, ist die Unfähigkeit aller, miteinander zu reden.

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Diamondgirl kommentierte am 18. April 2017 um 15:33

Die Unfähigkeit oder Probleme (miteinander) zu reden machen m. E. 85 % der Literatur aus.  ;-)

Tao hat für mich kein Leben in sich. Sie ist mir fremd wie ein Roboter. Sie jammert einerseits darüber, dass sie nur 2 Std. Zeit mit ihrem Kind verbringt und in der Zeit drillt sie es lieber mit Rechenübungen statt mit ihm zu spielen wie sein Vater. Gerade wenn die Kindheit mit 9 endet, dann nehme ich doch nicht von diesen wenigen Kinderjahren noch was weg "weil er es einmal besser haben soll". Das erinnert mich stark an Chinesischunterricht im Kindergarten und für mich ist das eher unmenschlich. 

 

Thema: Lektüre, Teil I (Seite 1 - 162)
Sabine_AC kommentierte am 18. April 2017 um 16:48

Ich empfinde Tao gar nicht so als Freigeist, sondern vielmehr als eine Mutter, die ihre eigenen geplatzten Träume auf ihr Kind umlenkt.  Und währnd sie einerseits damit hadert, dass ihrem Kind nur eine kurze Kindheit vergönnt ist und es bereits mit 8 Jahren wird arbeiten müssen, scheint sie andererseits sämtliche Freizeit des Kindes nur zum Lernen vorzusehen (während das Kind offensichtlich auch mal spielen möchte) und nimmt ihm somit ebenfalls die Kindheit.

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Susi kommentierte am 18. April 2017 um 21:22

Also als Mutter hat sie doch nur 2 Möglichkeiten in der Geschichte.

1. Sie spielt mit dem Kind und läßt ihn Kind sein, so wie ihr das von ihr gewünscht hättet und er muß ab 8 arbeiten ohne Freizeit

oder

2. Sie sorgt dafür, dass er nicht mit 8 Jahren auf den Bäumen arbeiten muß. Und da gibt es nur 1 Ausweg : Nur sehr kluge/begabte Kinder dürfen weiter zur Schule gehen, um später einer anderen Arbeit nachzugehen. Und das versucht sie, indem sie ihn fördern will ( dass ihr Kind nicht hochbegabt ist, hält sie nicht von ihren verzweifelten Versuchen ab und ich kann sie da in ihrer verbissenen Verzweiflung verstehen, vor allem wenn ich daran denke, dass sie selbst diese Möglichkeit von ihrer Intelligenz her gehabt hätte, ihr dies aber von den Eltern verwehrt wurde, weil diese lieber wollten, dass sie sich anpasst auf Kosten ihrer Wünsche und Interessen. Da will sie wenigstens ihrem Sohn eine Chance geben.)

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Diamondgirl kommentierte am 19. April 2017 um 09:35

Ich will ja nicht sagen, dass es nicht erklärbar ist - aber ihre Person ist für mich nicht nachfühlbar. Ich kann zu ihr keinerlei Kontakt herstellen. Selbst bei William habe ich weniger Probleme, weil dessen Zeit für mich fassbar ist und vieles einfach nachvollziehbar. Bei Utopien, die so unwirklich sind, habe ich einfach Probleme damit. 

Tao hat m. E. den gleichen Plan wie William: Der Sohn soll das erreichen, was beide selbst nicht erreichen konnten. Sie projizieren ihre eigenen Wünsche auf die Kinder, ohne diese selbst zu berücksichtigen. George verplant seinen Sohn ja ebenfalls, jedoch aus m. E. vollkommen anderen Gründen. Ihn treibt das, was fast jeden Firmenbesitzer antreibt: Der Betrieb soll weitergeführt werden - das eigene Werk soll weiterleben über das Kind und später über einen Enkel. Tom soll nicht das eigene Unvermögen kaschieren, sodass man sich wenigstens einreden kann, dass man stolz auf sein Kind sein kann, wenn schon nicht auf sich selbst.

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aimée kommentierte am 19. April 2017 um 10:11

Ja, das sehe ich ähnlich wie du. Ich kann zwar verstehen, dass sie sich ein besseres Leben für ihr Kind wünscht, finde aber, dass sie das viel zu verbissen und unter allen Umständen versucht, durchzuprügeln. Der Kleine wird sich später vermutlich mit einem Lächeln an seinen Vater zurückerinnern, der versucht hat, ihm die gemeinsame Zeit so schön wie möglich zu machen, und mit Bauchgrummen an seine Mutter, deren Ansprüche auch noch zu Hause Druck auf ihn ausgeübt haben. 

Was mir auch nicht so ganz klar geworden ist: Welche Auswirkungen hätte es auf Tao und ihren Mann, sollte ihr Sohn zu den wenigen Auserwählten gehören? Vermutlich würde das doch eine endgültige Trennung bedeuten, da sie beide für die Feldarbeit vorgesehen sind, oder?

In jedem Fall eine schwer verstörende Zukunftsvision.

An Taos Stelle würde ich vermutlich Williams Weg gehen und einfach as Bett nicht mehr verlassen :-P

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2017 um 22:49

:D Über diese Möglichkeit denkt jede Mutter früher oder später wohl nach. ;)

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Sabine_AC kommentierte am 20. April 2017 um 20:16

Klar, Tao hat - einfach bedingt durch die Zeit und die Umstände, in denen sie lebt - eigentlich keine "gute" Option.

Dennoch ist Tao mir einfach unsympathisch, und ich finde keinen Zugang. Wie sie mit dem Kind umgeht erinnert mich an so typische "Eislaufmamis".

Und wie jemand (aimée?) so treffend schrieb: Taos Sohn würde sich vermutlich immer mit einem Lächeln an den Vater erinnern, aber mit Groll/Wehmut ob der versäumten Kindheit an die Mutter.

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kleineHexe kommentierte am 26. April 2017 um 22:05

ich stimme dir völlig zu.

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Federfee kommentierte am 20. April 2017 um 15:29

Ich habe nix gegen Tao und kann sie gut verstehen, auch wenn sie wirklich besser daran täte, mit ihrem Sohn zu spielen. Die Sprachlosigkeit bei allen Hauptpersonen in allen Zeiten ist mir auch aufgefallen.

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naibenak kommentierte am 25. April 2017 um 09:22

Ich sehe Tao als eine zutiefst verzweifelte Mutter. Diese Verzweiflung spiegelt sich in ihrer Verbissenheit wider. Sie will einfach unbedingt, dass es Wei-Wen einmal besser hat. Sie könnte es nicht ertragen, wenn er mit 8 bereits in den Bäumen hängen müsste tagein tagaus...

ABER...was ich in diesem Zusammenhang eigenartig finde, ist, dass Tao und Kuan noch ein zweites Kind wollen. Das macht irgendwie keinen richtigen Sinn. Oder?

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2017 um 22:51

Das ist Natur! Die Hormone! ;) Nach meiner persönlichen Erfahrung ist die Entscheidung für Kinder in den wenigsten Fällen rational 'schlau'...

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naibenak kommentierte am 26. April 2017 um 12:26

Lol...okay okay, MrsFraser ;) Da hast du wohl wirklich Recht *haha*...

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Diamondgirl kommentierte am 26. April 2017 um 17:28

@MrsFraser

Also das ist doch etwas einfach gedacht. So hormongesteuert scheint sie ja nicht zu sein und auch Er hat da ja ein gutes Wörtchen mitzureden und bei ihm stecken garantiert keine Hormone dahinter. 

Es stimmt schon, dass es sehr merkwürdig ist, dass jemand sehenden Auges ein 2. Kind in eine solche Welt setzen möchte, von der man selbst der Meinung ist, dass sie grausam ist und Kindern keine Kindheit lässt. Ein Kind zur Befriedigung der Hormone - okay. Aber weitere? 

Schließlich gibt es auch genügend Paare, die gewollt kinderlos sind. Und die haben auch Hormone  ;-)

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MrsFraser kommentierte am 26. April 2017 um 18:53

Hormone sind ja trickreiche Biester... ;) Sie lassen einen dann auf einmal zig rationale Gründe finden, wo man vorher keinen einzigen hatte. Die meisten würden das aber natürlich nicht zugeben. Und wenn man erst mal ein Kind hat, ist das beim zweiten nur noch eine bruchteilhaft so große Überwindung, komischerweise auch, wenn man das erste Kind schon als Herausforderung empfunden hat. 

... Ich weiß, meine Einstellung ist schrecklich unemotional, aber nur weil ich denke, dass dem Trieb keine Emotionen zugrunde liegen, heißt das ja nicht, dass er nicht mit Emotionen einhergehen kann.

Ich schweife glaub ich ziemlich ab. :D

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Federfee kommentierte am 20. April 2017 um 15:39

Im Gegensatz zu anderen hier habe ich mich im 1. Teil ziemlich gelangweilt. Sorry. Bisher hat dieses Buch mir nicht viele zu bieten. Es ist nicht so, dass ich Action brauchte oder sympathische Personen zum Identifizieren, aber hier finde ich wenig, was mir gefällt. Die Sprache finde ich auch sehr simpel, z.B. der Dialog zwischen George und Gareth.

Die Sache mit den drei Handlungssträngen. Es ist ja im Moment modern, in mehreren Handlungssträngen zu erzählen oder in ständigen Hin- und Herblenden. Ich bin mir nicht sicher, ob ich durchgehend besser fände. Netterweise steht ja unten immer der Name, was ich so noch nie gefunden habe und was ich hilfreich finde.

Wen ich nun ganz und gar unglaubhaft und unsympathisch finde, ist William. Ich denke, dass man auch Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Frau stehen kann, die man geheiratet hat anstatt sie herunterzumachen. Und wenn man so viele Kinder macht, muss man auch dazu stehen und die Verantwortung übernehmen, zumal das ja ganz nette Kinder zu sein scheinen.

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aimée kommentierte am 20. April 2017 um 16:03

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn die drei Geschichten unabhängig voneinander erzählt worden wären, würde ich mir noch schwerer tun. Finde die Geschichte schon irgendwie interessant, merke aber jedes mal, wenn ein neues Kapitel anfängt, dass ich denke "ach nö, der/die schon wieder" :-/

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Federfee kommentierte am 20. April 2017 um 18:34

Ich bin jetzt beim 2. Leseabschnitt und es stört mich zunehmend. Die einzelnen Teile der Handlungsstränge finde ich doch allzu kurz. Ganz nacheinander muss es ja nicht sein, aber ein bisschen länger hätte ein Kapitel einer Person/eines Zeitabschnitts schon sein dürfen.

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Sabine_AC kommentierte am 20. April 2017 um 20:10

...zumal das ja ganz nette Kinder zu sein scheinen.

Aber nur die Töchter. :)

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Diamondgirl kommentierte am 21. April 2017 um 11:48

"Die Sprache finde ich auch sehr simpel, z.B. der Dialog zwischen George und Gareth."

Simpel, aber vermutlich realistisch  ;-)

Ich kann mir vorstellen, dass nicht allzu viele Worte gewechselt werden, wenn 2 solche Landburschen sich begegnen. Die kann man nicht vergleichen mit Bücherratten, die nach der Lektüre noch stundenlang über die einzelnen Bücher debattieren können. Unter solchen Naturburschen wird idR nur das Nötigste gesprochen.

Interessant finde ich in dem Zusammenhang jedoch die Gedanken der Protagonisten zu sämtlichen Dialogen. Es ist ja ziemlich eindeutig, dass alle ein Problem damit haben, mit anderen zu reden - sich tatsächlich auszutauschen. Und dann wird eher geschwiegen statt etwas falsches zu sagen und sich dadurch angreifbar zu machen und Schwäche zu zeigen. Und da man "Freunde" oder gute Bekannte ebenfalls nicht dieser Situation aussetzen möchte, wird auch hier mit tröstenden Worten oder gar Körperkontakt gespart. 

 

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Federfee kommentierte am 21. April 2017 um 12:10

Da hast du Recht. Ich muss meine Einschätzung in diesem Punkt revidieren, zumal ich jetzt mal drauf geachtet habe. Die simple Art zu sprechen passt zu den beiden, auch wenn es etwas übertrieben klingt.

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cosmea kommentierte am 20. April 2017 um 20:25

Mich stört der Wechsel der Zeitebene und der Protagonisten nicht. Ich empfinde die Struktur des Romans wie eine Serie mit vielen Folgen, von denen jede mit einem Cliffhanger endet. Ich lese auch nach den Unterbrechungen gern die jeweiligen Episoden weiter. Auch die Charakterisierung der Figuren leidet meiner Ansicht nach nicht darunter. Auch wenn nicht alle gleichermaßen sympathisch sind, lernt man sie immer besser kennen und kann Einstellungen und Verhalten nachvollziehen.

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cosmea kommentierte am 20. April 2017 um 20:25

Mich stört der Wechsel der Zeitebene und der Protagonisten nicht. Ich empfinde die Struktur des Romans wie eine Serie mit vielen Folgen, von denen jede mit einem Cliffhanger endet. Ich lese auch nach den Unterbrechungen gern die jeweiligen Episoden weiter. Auch die Charakterisierung der Figuren leidet meiner Ansicht nach nicht darunter. Auch wenn nicht alle gleichermaßen sympathisch sind, lernt man sie immer besser kennen und kann Einstellungen und Verhalten nachvollziehen.

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naibenak kommentierte am 24. April 2017 um 10:09

Mich stört der Wechsel auch überhaupt nicht. Ich weiß immer sofort, wann und wo ich bin. Kann mich direkt umstellen. Ich mag das sehr - da hab ich schon viiieeel verzwicktere "Parallelgeschichten" gelesen ;) Hier ist es sehr gut umgesetzt!

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Oblomow kommentierte am 21. April 2017 um 21:21

Bisher hat mich das Buch leider nicht sonderlich angesprochen und ich bin enttäuscht. Ich bin keinem der Charaktere nahe, die Sprache wirkt, das kann sicher auch an der Übersetzung liegen, künstlich und die Erzählungen sind meiner Meinung teilweise sehr trivial und imitieren unterschwellig (oder sogar doch bewusst?) den Stil trivialer Fernsehunterhaltung ...

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Stefanie Schultz kommentierte am 22. April 2017 um 17:45

Der erste Teil hat die drei Hauptcharaktere gut beschrieben und ich finde jede Person auf seine eigene Weise interessant. Beim Lesen merkt man schnell in welcher Zeit sich das Ganze abspielt und man kann sich die Szenarien sehr gut vorstellen.

Ich kann jedoch bisher noch nicht erahnen, inwiefern die drei Geschichten eine Verknüpfung finden werden und bin deshalb sehr erpicht weiterzulesen. Musste mich gerade auch wenig zügeln nicht einfach weiterzulesen, sondern hier mal kurz mein Senf zu zugeben. :D Und natürlich eure Meinungen zu lesen. :)

Auch was mit dem kleinen Wei-Wen ist, lässt mich nicht in Ruhe. Bisher wurde ja noch nicht soviel verraten.. Hat das was mit dem Wald zu tun? Oder waren es doch nur die Pflaumen? Aber kann man so stark allergisch auf eine Frucht reagieren? Ich denke wohl eher nicht.. 

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Stefanie Schultz kommentierte am 22. April 2017 um 17:59

Die Idee bin dem Bienenstich, was ich hier gerade gelesen habe, wäre auch sehr interessant! Wäre ja so ein kleiner Lichtblick für die Zukunft der Natur und der Menschheit..

Aber da war nicht die Rede davon, dass dieses Waldstück für weitere Arbeitsfelder gerodet werden soll? Uiuiuiu, das lässt mich phantasieren, dass das noch recht spannend werden könnte... 

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Fasersprosse kommentierte am 23. April 2017 um 23:15

Anhand der Beschreibung wusste ich, dass die Geschichte von drei Personen handelt, jeweils in drei  unterschiedlichen Jahren. Ich bin davon ausgegangen, dass wir die Geschichten nacheinander erfahren. Das wäre O.K. für mich gewesen. Aber der fortwährende Wechsel gefällt mir viel besser.

So bleiben mir auch Parallelen präsenter. In allen drei Geschichten ist Bildung ein wesentlicher Aspekt. Tao will ihrem Sohn eine bessere Zukunft ermöglichen, ist selbst Lern- und Wissbegierig, wurde jedoch von ihren Eltern nicht unterstützt. William hat Bildung erlangt, ist jedoch blockiert in der Umsetzung. Seine Tochter Charlotte wird er wohl nicht in ihrem Wissensdrang unterstützen, denn sie ist kein Junge. Georges Sohn Tom soll eigentlich die Farm seines Vaters übernehmen, aber er studiert und will später … tja, soweit bin ich noch nicht zum lesen gekommen – ich bin „erst“ auf Seite 59 :-)

Super für meine Orientierung ist, dass in der Fußzeile jeweils der Name des Protagonisten steht, um dessen Geschichte es sich gerade handelt.

Ich lese nun weiter und melde mich wieder.

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naibenak kommentierte am 24. April 2017 um 10:07

Hey Fasersprosse... offenbar sind wir beide ungefähr gleich auf... ich habe nun 100 Seiten gelesen und mir gefällt das Buch richtig, richtig gut. Lässt sich alles schön fließend lesen. Die Charaktere werden toll eingeführt und die Parallelen - wie du beschreibst - sind auf diese Weise schön sichtbar. In allen drei Fällen geht es im Prinzip darum, was Eltern ihren Kindern einmal hinterlassen werden. Ein Erbe sozusagen, dass ihren Kindern eine gute und gesicherte Zukunft ermöglichen soll. Schönes Buch, das ich gern lese!

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Fasersprosse kommentierte am 24. April 2017 um 14:19

Hi naibenak, mir gefällt es bis jetzt auch sehr gut! Gerade die Frage nach dem "Erbe" hat für mich eine große Sog-Wirkung :-)  Ich finde auch, dass die Einführung der Charaktere sehr gelungen ist. Heute Abend versuche ich, etwas Lese-Rückstand aufzuholen :-)

 

 

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Fasersprosse kommentierte am 24. April 2017 um 23:55

Die Autorin hat William ein Buch über Bienen auf den Schreibtisch gelegt. Das war mir ein bisschen zu viel Zufall :-) Jedoch bin ich erleichtert, dass er aus dem Bett gestiegen ist. Richtig gut gelungen fand ich die Beschreibung seiner „Dunstwolke“.

Den Schreibstil finde ich generell sehr gut. Die Charaktere sind für mich klar herausgebildet. Einen Lieblingscharakter habe ich noch nicht. Mit William muss ich mich noch anfreunden.

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naibenak kommentierte am 25. April 2017 um 09:41

Ich habe den ersten Abschnitt sehr gern gelesen und ich mag tatsächlich alle Charaktere auf ihre Art. Natürlich sind es nicht unbedingt DIE Sympathieträger, aber sie sind alle sehr schön beschrieben in ihrem Umfeld und ihren Eigenarten. Ich kann mich gut in die Charaktere hineinfühlen. Wie schon erwähnt, haben sie alle gemeinsam, dass sie ein Erbe weitergeben möchten - etwas Besonderes für ihre Kinder schaffen/ bewirken/ ermöglichen. Jeder auf seine Art. Mir gefällt total gut, dass in einer Episode mehr auf die Bienen als Volk und die Imkerei eingegangen wird, in der anderen Episode eher auf die anfängliche Forschung und schließlich auf die Auswirkungen eines weltweiten Kollapses und u.a Bienensterbens. Das bildet insgesamt doch eine tolle Einheit und schon deshalb finde ich es super, dass abwechselnd erzählt wird. Etwas anderes könnte ich mir nur schwer vorstellen. Mir hat dieser erste Abschnitt richtig gut gefallen. Ich feue mich auf den nächsten! :-)

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Fasersprosse kommentierte am 25. April 2017 um 21:41

Den ersten Leseabschnitt habe ich beendet und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Ich bin sehr angetan von dem Schreibstil. Für jede Figur und für jede Zeit findet Maja Lunde die passenden Worte und Beschreibungen. So schnell bin ich noch nie durch die Jahrhunderte gereist. Wobei ich schon sehr froh bin, im Hier und Jetzt zu leben.

Im reglementierten China Ende des 21. Jahrhunderts muss man sich dem Staat unterordnen und zur Verfügung stellen, fahren Krankenwagen führerlos. Ich hoffe, wir lernen rechtzeitig dazu. Im England um 1852 ist von einer Aufbruchstimmung noch nichts zu erkennen, außer jedoch bei William. Mir gefällt seine Entwicklung. Er scheint es abgelegt zu haben, die Umstände dafür verantwortlich zu machen, dass er seine Ziele nicht erreicht hat und beginnt quasi jetzt sein Leben als erwachsener Mann. Die Beschreibung, wie er sich im Spiegel sieht, lässt mich das zumindest vermuten. In Ohio habe ich den Eindruck, dass wir uns in der sprichwörtlichen Ruhe vor dem großen Sturm (Kollaps) befinden.

 

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MrsFraser kommentierte am 25. April 2017 um 23:01

Was glaube ich noch keiner erwähnt hat, was mir gut gefällt, und was auch nicht zuu aufdringlich gemacht wird, ist der Vergleich zwischen dem Leben der Menschen und dem der Bienen. Am Anfang, als Tao das 'Hintergrund-Gesumme' der anderen Arbeiterinnen beschreibt und gerade jetzt zum Schluss, als William sich mit einer Drohne vergleicht. Auch zwischendurch war irgendwann mal was mit Zähflüssigkeit/Klebrigkeit, das doch sehr an Honig erinnerte. Das ist, so dosiert wie es bisher eingesetzt wurde, gut gemacht und unterstützt die natürliche Präsenz bzw. Erforderlichkeit der Bienen.

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Fasersprosse kommentierte am 26. April 2017 um 11:37

MrsFraser, jetzt, wo du es sagst :-)

Ja, unterschwellig ist mir das auch aufgefallen. Es ist, wie du sagst, "wohldosiert" integriert. Überhaupt finde ich bis jetzt alles raffiniert aufgebaut und dargestellt.

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Diamondgirl kommentierte am 26. April 2017 um 17:33

Gut beobachtet! Gefällt mir auch ausgesprochen gut. 

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kleineHexe kommentierte am 26. April 2017 um 21:56

>

Alle drei Geschichten finde ich sehr spannend und interessant. Gerade die kurzen Abschnitte und schnelle Wechsel lassen einen beim Lesen das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Sehr gut gefällt mir, dass viel Hintergrundwissen über Bienenforschung und -haltung so ganz nebenbei mitvermittelt wird; gerade über die frühe Erforschung finde ich einiges Neue obwohl ich als Hobbyimkerin schon etliche Bücher darüber gelesen habe.

 

Bei tao habe ich gar nicht so sehr das Gefühl, die Geschichte würde in der Zukunft spielen. Mein erster Gedanke war, dass Wei-Wen einen allergischen Schock erlitten hat – und ich hoffe auf Bienen, die zurückgekehrt sind..

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kleineHexe kommentierte am 26. April 2017 um 22:20

Ich wollte es gerade ergänzen, habe aber wohl beim Nachlesen eurer posts zulange gebraucht... deshalb hier zur Erklärung: Ich war ein paar Tage nicht wirklich fit, halte mich jetzt aber mit dem Lesen dran, was bei dem spannenden Buch gar nicht schwer fällt.

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aimée kommentierte am 28. April 2017 um 07:48

Ich hab hier nen aktuelle und wie ich finde sehr guten Beitrag zum Thema Bienensterben gefunden, auf dem auch einige Link sum BUND zu finden sind, der dagegen ankämpfen will:

http://www.deutschlandfunk.de/bund-zu-bienensterben-dramatisch-und-alarm...

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aimée kommentierte am 28. April 2017 um 08:15

Und hier noch einer:

http://www.deutschlandfunkkultur.de/insektensterben-muessen-wir-bald-die...

Lesen die gerade alle das Buch und denken sich, da muss man mal was drüber schreiben?

Vielleicht befinden wir uns ja tatsächlich nur ein paar Jahre entfernt vom Kollaps...

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aimée kommentierte am 28. April 2017 um 09:52

SWR 1 Leute hat heute (10-12) nen Professor zum Thema eingeladen (kann auf Homepage nach der Sendung auch als Potcast runtergeladen werden):

http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/haszprunar-gerhard-zoologe/-/id...

 

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Ceciliasophie kommentierte am 28. April 2017 um 09:42

Ich habe nun auch mal endlich den ersten Abschnitt beendet und finde das Buch bisher wirklich toll. Dennoch ist es (für mich) kein Buch, dass man einfach mal so schnell runterliest. Man braucht dafür definitv Zeit, denn es stimmt nachdenklich und sollte genrell honoriert werden.
Die drei Charaktere, so unterschiedlich sie auch sind, werden durch eins verbunden und das sind in meinen Augen nicht die Bienen. Sondern die Kinder.
Die Sprünge und Stränge der einzelnen Charaktere gefallen mir sehr gut und ich habe keinerlei Probleme, den einzelnen Strängen inhaltlich zu folgen. 
Schön finde ich auch, dass jeder Strang seinen eigenen Erzähltonfall hat. 
Mich reizt zur Zeit die Geschichte rund um William am meisten, von George möchte ich mehr über die Beziehung zu seinem Sohn erfahren und Tao, nun, da möchte ich natürlich auch erfahren, was mit Wei-Wen ist. Doch ist dies von allen drei Strängen derjenige, der mich zur Zeit noch am wenigsten reizt. Ich finde ich sehr gut, bitte nicht falsch verstehen, doch wenn es eine "Rangfolge" geben würde, würde diese bei mir mit Tao an dritter Stelle enden.
Doch ist Tao Strang in meinen Augen der wichtigste für unsere heutige Gesellschaft. Mit einem Freund als Gärtner und selber einem (abgebrochenen) Biologiestudium weiß ich natürlich um die Wichtigkeit der Bienen und finde es absolut phänomenal, ein so wichtiges Thema so geschickt zu verstricken und darauf in Form eines Buches aufmerksam zu machen.
Ich muss jedoch auch zugeben, dass ich anfangs etwas anderes von der Geschichte erwartet habe. Und das ist mehr Präsenz der Bienen beziehungweise mehr Informationen über diese. Dennoch bin ich nicht enttäuscht, auf gar keinen Fall. Und wer weiß, was da noch so alles kommt :)

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AhabsDaughter kommentierte am 28. April 2017 um 20:34

Ich bin dann wohl die Nachzüglerin dieser Leserunde. Ein anderes Buch wollte vorher beendet werden..

Mir gefällt das Buch bisher sehr gut. Ich habe kein Problem mit den parallelen Handlungssträngen und finde, dass sie den Reiz des Buchs ausmachen. Alles lässt sich leicht lesen.

Wie schon einige geschrieben haben, jeder Protagonist hat Schwierigkeiten, seine Gedanken und Gefühle zu äußern. Diese "Sprachlosigkeit" gefällt mir, denn sie wirkt authentisch. Am meisten identifizieren kann ich mich mit George. Er möchte sein Lebenswerk an den Sohn weitergeben und kann sich nicht die Wahrheit eingestehen. Und dann wird sein Lebenswerk wahrscheinlich ein Opfer des "Kollaps" werden, das macht es besonders tragisch. Aber mal abwarten..

Tao kommt mir auch fremd vor. Ihre verbissenen Versuche, einem Dreijährigen (!) Rechnen und Schreiben beizubringen, finde ich schrecklich. Spielen ist für Kinder immer noch das Wichtigste. Dabei lernen sie am meisten! Immerhin kann ich Taos Versuche, ihrem Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen, verstehen auch wenn ich es nicht mag.

Als ich die Beschreibungen der menschlichen Bestäuber las, musste ich direkt nachforschen, ob es in China wirklich schon so ist. Die erschreckende Wahrheit hat es mir wirklich kalt den Rücken runter laufen lassen.. Die dystopisch anmutenden Zustände zu Taos Zeit sind dem heutigen China gar nicht so fern und von der Autorin als nachvollziehbare Entwicklung dargestellt. Alles nahm wohl seinen Anfang, als Mao befahl, alle Spatzen zu töten. Ich gebe zu, dass meine Sympathien für dieses Land angesichts der menschen-, tier- und naturverachtenden Zustände dort sehr gering sind.

Zurück zu den Bienen. Dass die Menschheitsgeschichte untrennbar mit der der Bienen verknüpft ist, hat Maja Lunde meiner Meinung nach geschickt zwischen den Zeilen dargestellt. Die gelegentlich verwendeten Metaphern (Summen der Arbeiterinnen, Drohne) verstärken den Eindruck.

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