Leserunde

Leserunde zu "Herr Katō spielt Familie"

Herr Kato spielt Familie
von Milena Michiko Flasar

Bewerbungsphase: 12.04. - 26.04.

Beginn der Leserunde: 03.05. (Ende: 24.05.)

Im Rahmen dieser Leserunde stellen wir 20 Freiexemplare von "Herr Katō spielt Familie" (Milena Michiko Flašar) zur Verfügung.

Wenn ihr eines der Freiexemplare gewinnt, diskutiert ihr in der Leserunde mit, tauscht euch über eure Leseerfahrungen aus und veröffentlicht am Ende eine Rezension zum Buch. 

ÜBER DAS BUCH:

Endlich Zeit. Er könnte nun das alte Radio reparieren oder die Plattensammlung ordnen. Doch als er der jungen Mie begegnet, die ihm ein seltsames Angebot macht, beginnt er die Dinge anders zu sehen. Ein zarter Roman über einen späten Neuanfang und über das Glück.

Die Tage dehnen sich, und zugleich schnurrt die Zeit zusammen. Die Uhr läuft ab, dabei könnte es gerade erst losgehen. Ob ein kleiner weißer Spitz daran etwas ändern würde?

Den ehemaligen Kollegen hat er immer beneidet. Um den Ruhestand, das Motorrad und die neue Freiheit. Doch jetzt steht er selbst frisch verrentet auf den bemoosten Treppen vor seinem Haus und weiß nicht wohin. Eine Krawatte braucht er nicht mehr, zu Hause ist er im Weg, die Kinder sind längst ausgezogen. Ob die junge Frau, die er jüngst auf dem Friedhof getroffen hat, ihm nur etwas vormacht, vermag er nicht zu sagen. Er ist aus der Übung. Und dennoch nimmt er ihren Vorschlag an, lässt sich von ihrer Agentur »Happy family« mal als Opa, mal als Exmann, dann wieder als Vorgesetzter engagieren und trifft auf fremde Menschen und Schicksale. Er spielt seine Rollen gut, und seine Frau bekommt von alledem nichts mit. Sie hat wieder angefangen zu tanzen …Ein nachdenkliches Buch über Erinnerungen und unerfüllte Träume, über Glücksmomente und Wendepunkte. Milena Michiko Flašar zeichnet mit wenigen Strichen, beredten Bildern und unnachahmlicher Wärme ein ganz gewöhnliches, ganz einzigartiges Leben.

ÜBER DIE AUTORIN:

Milena Michiko Flašar ist 1980 in St. Pölten geboren. Ihr Roman Ich nannte ihn Krawattewurde über 100.000 Mal verkauft, als Theaterstück am Maxim Gorki Theater uraufgeführt und mehrfach ausgezeichnet. Er stand unter anderem 2012 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde in zahlreichen Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Wien.

24.05.2018

Thema: Lieblingsstellen

Hier könnt ihr eure Lieblingszitate sammeln und euch über Absätze austauschen, die euch besonders gut gefallen haben.

Thema: Lieblingsstellen
Hermione kommentierte am 07. Mai 2018 um 13:14

Ich fand es nett, wie Herr Kato den Opa für den kleinen Jungen spielt oder wie er als "Chef" eine Rede auf das Brautpaar hält. Das war irgendwie berührend und so positiv.

Thema: Lieblingsstellen
dj79 kommentierte am 07. Mai 2018 um 22:57

Mir hat am Ende des zweiten Kapitels, die Stelle gut gefallen, als Mie Herrn Katō zum Tanzen auffordert und beide dann auch tatsächlich miteinander Tanzen. Hier gab es für mich Potential für eine Wendung im Buch. Leider kam es dann anders als mein Wunschdenken es haben wollte.

Thema: Lieblingsstellen
Galladan kommentierte am 08. Mai 2018 um 09:13

Mir hat es gefallen, wie Mei ihm beigebracht hat wie man Lächeln übt und sogar der kleine Zeh lächeln soll. Ich glaube, dass man mit so einer Übung vermutlich den Tag tatsächlich besser beginnen kann als mit dem müden Gesicht im Spiegel dem man sagt, ich kenn dich nicht, aber ich wasch dich trotzdem.

Thema: Lieblingsstellen
Hermione kommentierte am 10. Mai 2018 um 10:49

Das hast Du schön hervorgehoben. Er hat ja dann sogar kleine Punkte auf seine Zehen gemalt, das war richtig süß.

Diese Episode hätte man meines Erachtens noch ein bisschen weiter fortführen und zu einem schönen Abschluss führen können.

Thema: Lieblingsstellen
FrlSpatz kommentierte am 18. Mai 2018 um 15:13

... und ich hätte nie gedacht, dass er das umsetzen würde ;)

Thema: Lieblingsstellen
heike_e kommentierte am 08. Mai 2018 um 19:23

Ich bin noch nicht durch aber im ersten Kapitel hat mir der Satz gut gefallen wo er denkt "...so dass er sich dumm vorkam, er immer derjenige ist, der stolpert, währen sie - tanzt."

Thema: Lieblingsstellen
Schneeweißchen plauderte am 09. Mai 2018 um 07:55

Das gefiel mir auch sehr gut.

Thema: Lieblingsstellen
heike_e kommentierte am 09. Mai 2018 um 18:56

​Noch eine Stelle,die mir gut gefallen hat: seine Frau beschreibt die Veränderung,die sie an ihm bemerkt hat, seit er jeden Morgen mit den Zehen lächelt: wie ein Passagier der ersten Klasse, der den Wellengang betrachtet.

Thema: Lieblingsstellen
Magicsunset kommentierte am 09. Mai 2018 um 23:03

Seite 76, sie schauen gemeinsam den Mond an.

Thema: Lieblingsstellen
PrinzessinButterblume kommentierte am 11. Mai 2018 um 20:58

Mir hat die Szene am besten gefallen, in der Kato den Opa des kleinen Jungen spielt und dieser zugibt, dass er weiß, dass Kato nicht sein Opa ist, er aber seiner Mutter zu liebe weiter mitspielt. Das hat mich sehr gerührt :)

Thema: Lieblingsstellen
heike_e kommentierte am 12. Mai 2018 um 18:53

​Mir gefällt der Grund warum Kato seine Schallplattensammlung nicht ordnen kann. Das kann ich gut nachvollziehen.

Thema: Lieblingsstellen
Anna_thebookmanor kommentierte am 13. Mai 2018 um 21:13

Nach langen überlegen ist mir eine Szene eingefallen: Die Hochzeit, wo Herr Kato Chef spielte

Thema: Lieblingsstellen
solveig kommentierte am 15. Mai 2018 um 19:35

Gut gefallen mir die ironischen Stellen und Hinweise: etwa die Fußmatte vor Herrn Katos Haus "Welcome Happiness!" und den Namen von Mies Agentur "Happy Family".

Thema: Lieblingsstellen
FrlSpatz kommentierte am 18. Mai 2018 um 15:16

Mir hat ebenfalls gut der "Opa-Einsatz" bei Jordan gut gefallen, man merkte, dass Herr Kato wohl auch darauf hingearbeitet hat (Lächeln üben, Kekse besorgen) und er sich auch nicht durch Jordans "Geständnis" hat verunsichern lassen - und dann hat das Lächeln auch noch geklappt :)

Thema: Lieblingsstellen
Winterzauber kommentierte am 18. Mai 2018 um 19:30

Hier meine Lieblingsstellen

Seite 17 die Begegnung mit einem Taxifahrer

- sagt der Fahrer, er müsse ihm die Fotos von seinen Kindern, die er, ein Gesicht nach dem anderen aus der Geldbörse zieht. Er bewundert ihre Züge. Der schaut gescheit aus, die hübsch, der ein bisschen bockig, aber das gibt sich schon. Und sie lachen. Lauthals in der Nacht. Seine Frau sagte später. "Die ganze Nachbarschaft ist davon aufgewacht"! Aber was zählt das? Wenn einer lacht? Soll alle Welt bitte erwachen ! Was sie nicht lustig fand. Er schon. Und daran klammert er sich jetzt: dass es in der Stadt einen Taxifahrer gibt, wahrscheinlich steht er gerade im Morgenverkehr und summt ein Lied oder pfeift, kurz, dass es einen Menschen gibt, der etwas von ihm weiss und es, sumend und pfeifend für ihn bewahren wird.

Seite 117 - die Rede von der Braut, die totkrank ist

Seite 164 - der Parisreiseführer

Seine Frau war gerührt, als ihr beim Auspacken der Umzugskartons die Liste mit Paris-Flügen in die Hände fiel. Ob er sie denn überraschen wollte ? Ja, das habe er vorgehabt. Und der war selber gerährt, als sie ihn lachend, dann weinend einen - alten Heimlichtuer - nannte. Wenn sie das gewußt hätte. Sie sprach nicht weiter. Blätterte stattdessen durch den zerlesenen Reiseführer, lachte und weinte bei jeder Zeile, die er unterstrichen hatte, bei jedem Eselsohr und jeder Randnotiz.

 

Thema: Lieblingsstellen
Scylla kommentierte am 19. Mai 2018 um 02:21

Ich empfand die Hochzeit, auf der "Herr Kato" als Festredner auftritt, sehr bewegend. Die Situation der Brautleute und die wunderschöne Rede der Braut stimmen nachdenklich. Dennoch eine meiner Lieblingsstellen des Buches.

Ansonsten bin ich ein großer Fan des Obdachlosen, der mit seinen Worten jedes Mal bei "Herrn Kato", auch wenn dieser es sich nicht eingesteht, einen wunden Punkt zu treffen scheint.

Thema: Lieblingsstellen
einhorn4444 kommentierte am 20. Mai 2018 um 19:51

Meine Lieblingsstelle hat eigentlich nichts direkt mit Herrn Kato zu tun. Es ist die Rede der totkranken Braut, die mich sehr berührt hat, und vor dieser Frau und ihrer Einstellung ziehe ich meinen Hut.

Thema: Lieblingsstellen
orfe1975 kommentierte am 06. Juni 2018 um 23:06

Ich glaube, ich habe selten ein Buch gehabt, bei dem ich mir so viele Zitate notiert habe. Hier sind meine 4 Favoriten:

"Aufs Handy schauen, dessen Vertrag er nächstens kündigen möchte, weil ihn sowieso niemand anruft und weil er selbst es höchstens zum Golfspielen verwendet, und das er trotzdem mit sich herumträgt, weil es ihm ein Gefühl der Sicherheit gibt, es jederzeit griffbereit zu haben. Wer auf sein Handy schaut, wirkt beschäftigt, und wer beschäftigt ist, fällt nicht auf." (S. 62)
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"Denn genau das sei eben das Leid der Welt. Dass niemand mehr bei einem Thema bleibe. Man springe von einem zum nächsten und versäume dabei den Moment." (S. 67)
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"Was würde Mie dazu sagen? Wahrscheinlich, er hört sie lachen, dass 'wir nicht lügen, um die Wahrheit zu verfälschen, sondern um sie zu berichtigen'.[...] Ein Hauch von Schuldgefühl. Aber Fujimoto wollte es nicht anders haben. Und außerdem: Was ist schon wahr, fragt er sich, und was nicht? Kein Zaun trennt das eine vom anderen. Und wenn doch, dann gibt es Schlupflöcher, so groß, dass man problemlos durch sie hindurchsteigt, sich nicht verfängt an einem abstehenden Draht. Kaum auf der anderen Seite, ist es derselbe Boden, ein wenig feucht, aber nicht zu sehr: Man sinkt nicht ein. Hinterlässt keinen Abdruck. Erst weiter hinten wird es glitschig. Aber solange er sich nah am Zaun aufhält, wird er nicht ausrutschen. Jederzeit kann er zurück." (S. 69f.)
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"Nichts sollte dem Zufall überlassen bleiben, er ist der dankbar schlechteste Partner für uns Stand-Ins, so nennen wir uns. Wir springen ein, wo man uns braucht, und ersetzten den eigentlichen Darsteller, denn auch der, den wir spielen, stellt sich die meiste Zeit dar und ist somit ein Schauspieler. Ja, es gibt Leute, die sind noch im Schlaf nicht sie selbst. Beklemmend, oder?" (S. 71f.)
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"Die Grundlage von Glück, so wie ich sie Ihnen auseinandergesetzt habe, ist in Wahrheit ein schwankender Boden, und es mag uns gelingen die Balance zu halten, dem einen mehr, dem anderen weniger, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass er jederzeit unter uns einbrechen kann, und das zu wissen, ist schon das Meiste, was wir überhaupt, leisten können, zu wissen, wir stehen mit beiden Beinen über einem Abgrund." (S. 84)