Leserunde

Longlist-Leserunde zu "Das Floss der Medusa" (Franzobel)

Das Floß der Medusa
von Franzobel

Bewerbungsphase: 04.09. - 13.09.

Beginn der Leserunde: 25.09. (Ende: 11.10.)

Im Rahmen dieser Longlist-Leserunde stellen wir – 15 Freiexemplare von "Das Floß der Medusa" (Franzobel) zur Verfügung.

ÜBER DAS BUCH:

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?

ÜBER DEN AUTOR:

Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, ist einer der populärsten und polarisierendsten österreichischen Schriftsteller. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 1995 den Ingeborg-Bachmann-Preis und 2002 den Arthur-Schnitzler-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Krimis " Wiener Wunder" (2014) und  " Groschens Grab" (2015) sowie 2017 sein Roman " Das Floß der Medusa".

11.10.2017

Thema: Lektüre, Teil I (Seite 1 - 175)

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sphere kommentierte am 21. September 2017 um 17:01

Ich habe heute einen Blick reingeworfen; ich finde den Schreibstil für mich etwas befremdlich, dennoch wurden mal schnell 20 Seiten daraus. Der Autor ist gemein.

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wandagreen kommentierte am 21. September 2017 um 19:25

Mein Buch ist jetzt da. Wir bräuchten allmählich eine Unterteilung, Firi. Hast du dein Buch schon?

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FIRIEL kommentierte am 21. September 2017 um 20:52

Ja, es ist angekommen. Aber, wie schon gesagt: Die Einteilung kann doch hier jeder setzen! Egal, ich erledige es jetzt.

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wandagreen kommentierte am 21. September 2017 um 21:49

Super! So kann der Read beginnen. Ich warte noch ein bisschen bis alle starten. Danke Firi.

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FIRIEL kommentierte am 21. September 2017 um 20:54

Um Spoiler zu vermeiden, wird eine kleinere Einteilung gewünscht. Hier ist sie:

S. 7 bis S. 54

Ein fetter Morgen / Der Schlammmann / Keine Ratten

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sphere kommentierte am 25. September 2017 um 13:15

Den ersten Abschnitt habe ich nun fast durch; wie ich eingangs schrieb, finde ich den Autor "gemein": er stellt von Anfang an klar, dass wir "Beobachter" sind, so als ob er uns schon klar macht, worauf wir  uns einlassen - so in der Art: wollt ihr wirklich weiterlesen? Seid ihr Gaffer? Möglicherweise interpretiere nur ich das so, beeinflusst durch die häufigen Meldungen über das Gaffen in den letzten Monaten. 

Der Roman ist anders als bisherige, auf Tatsachen beruhende Romane, hauptsächlich durch zahlreiche Anmerkungen aus entweder der Gegenwart oder auch Geschehnissen nach 1816.

Das schlimme ist (bleiben wir beim Gaffen): das Buch hat mich in seinen Bann gezogen.

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Curin kommentierte am 25. September 2017 um 14:26

Beim lesen hatte ich nicht den Eindruck, dass der Erzähler uns als Gaffer bezeichnen will. Allerdings weiß ich auch noch nicht so recht, ob es mir gefällt, dass es so einen präsenten Erzähler gibt, der ständig alles kommentiert. Man lesen, wie es im weiteren Verlauf der Handlung wird.

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calimero8169 kommentierte am 25. September 2017 um 22:10

Ich habe auch nicht empfunden, dass der Erzähler uns Leser als Gaffer bezeichnet, sondern eher vielleicht zu schützen versucht.

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katzenminze kommentierte am 26. September 2017 um 19:53

Curin, genau das habe ich mich auch gefragt! Ob ich einen so präsenten Erzähler auf Dauer gut finde. Bisher geht es und ich könnte mir denken, dass er sich im Laufe der Zeit zurücknimmt. Aber mal sehen.

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Raveneye kommentierte am 28. September 2017 um 13:08

Mir gefällt dieser Erzähler und seine Art die Geschichte zu präsentieren. Und damit, alles zu kommentieren bzw. den Leser anzusprechen, hat der Autor bei mir einen Nerv getroffen, den ich habe ein Faible für gute, lebendige Erzähler

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 23:10

So was kann total daneben gehen, aber hier ist es sehr gut gemacht!

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calimero8169 kommentierte am 25. September 2017 um 22:07

Ich kann Dir nur zustimmen, mich hat es auch gefangen genommen. Allerdings sehe ich es nicht als gaffen, sondern eher als Andenken an die Überlebenden, dass ihre Geschichte niedergeschreiben wurde und als eine Art Ehrenbezeugung, dass sie nicht vergessen werden, dadurch das wir über sie lesen.

 

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 18:31

Ich weiß, was du mit "Gaffen" meinst, würde es aber nicht so krass formulieren.

Meine Interpretation ;):
Er hebt die Härte der kommenden Geschichte hervor, betont sie und macht klar, dass dem Leser schwere Kost serviert werden wird.

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katzenminze kommentierte am 26. September 2017 um 19:54

Hmhm, aber er soll nicht zu doll machen. Sonst erwarte ich sonstwas und bin enttäuscht, wenn es nicht so schlimm war wie ich es mir ausgemalt habe...

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Sursulapitschi kommentierte am 26. September 2017 um 20:48

Sie haben auf jeden Fall Menschen gegessen. Das wissen wir schon. An der Stelle ist vermutlich der Spaß vorbei.

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sphere kommentierte am 27. September 2017 um 09:03

Ich habe nochmal nachgeschaut, an welcher Stelle ich diesen Eindruck besonders hatte: Auf S. 15, der letzte Absatz; in Nachhinein habe ich den doch missinterpretiert ("...wir sind anders, bei uns kommt sowas nicht vor. Doch ist das wirklich so?") - in meinen Gedanken habe ich den Satz weiter gedacht: kommt hereinspaziert und schaut zu, zu was der Mensch fähig ist, und du bist hautnah dabei.

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FIRIEL kommentierte am 28. September 2017 um 20:51

Ei verflixt - bei uns kommt sowas nicht vor???

Zwei Seiten vorher erwähnt Franzobel die Flüchtlingsschiffe im Mittelmeer... Und an die musste ich auch denken, als ich von diesem Buch hörte. Es ist eine historische Begebenheit, aber so etwas Ähnliches gibt es heute immer noch. Und sind wir, die wir nicht auf dem Floß sitzen, sondern aus der Ferne zuschauen und nicht handeln, weniger unmenschlich??

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calimero8169 kommentierte am 28. September 2017 um 22:20

Unmenschlich würde ich es nicht bezeichnen, eher ohnmächtig. Denn wo siehst du die Handlungsalternative - den Staat, der diese Flüchtlinge aufnimmt mal ausgeklammert. Was könnte der Einzelne schon tun, das ich doch das riesen Problem.

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 22:29

Als Thea Dorn das Buch im Literarischen Quartett vorstellte, war ich erst sicher, dass ich so was Gruseliges nicht zu lesen brauche, dann aber stellte sie den Kapitän (unfähig aber legitimiert) mit Gelbhaar gleich und meinte, der ganze Roman hätte Gegenwartsbezug. Sie hat recht. Also zumindest mit dem Gegenwartsbezug.

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 21:01

Ich mag den präsenten Erzähler SEHR. Dadurch hebt sich der Roman von einem "normalen" historischen Schinken ab. Und der Erzähler ist so herrlich ironisch.

Dass F. uns schützen möchte, nein, er will sich präsentieren. Und das gefällt mir. Ich habe die Geschichte und ich habe Franzobel, ein selten dämlicher Autorenname, ich nehme den Franz.

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 21:19

Franzobel ist sein Künstlername. Mit Franz liegst du goldrichtig. Er heißt gebürtig Franz Stefan Griebl. ;)

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katzenminze kommentierte am 26. September 2017 um 21:26

Ein dämlicher Künstlername. Da bin ich ganz bei Wanda. ;)

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 21:35

Ich hab gelesen, den Namen verdanke er einem Studentenstreich, der nicht näher erklärt wurde.

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calimero8169 kommentierte am 27. September 2017 um 08:45

Ich finde Franzobel ganz witzig. Auch damit hebt er sich von der Masse ab.

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sphere kommentierte am 11. Oktober 2017 um 11:45

Nachtrag zum Erzählstil (den ich so nicht kenne):

Letztes Wo-Ende habe ich begonnen, mir die Serie "House of Cards" anzuschauen; dort schaut bzw. spricht der Protagonist in verschiedenen kleinen Sequenzen mit dem Zuschauer. Wurde Franz möglicherweise davon inspiriert?

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Curin kommentierte am 25. September 2017 um 14:34

Ich habe den ersten Abschnitt auch fast durch. Das Buch beginnt so, wie ich es mir auch vorgestellt habe. Das Floß mit den Überlebenden wird gefunden und der Kapitän der Argus ist entsetzt, was er da sehen muss. Der Erzähler beschreibt hier wirklich detailliert, wie die Menschen aussehen und was die Zeit auf dem Floß mit ihren Körpern gemacht hat.

An Hosea Thomas sieht man deutlich, was die Zeit auf dem Floß mit seiner Seele und mit seinem Verstand gemacht hat. Ich hatte beim lesen die Befürchtung, dass er den wirklich unfreundlichen und unverschämten Kutscher angreift und womöglich in Folge eines Flashbacks versucht, jemand umzubringen und danach aufzuessen. Die Situtation, wo er vom Kutscher angepinkelt wird und den Urin auch noch versucht zu trinken, war aber echt schon widerlich.

Vom Schreibstil her ist das Buch bis jetzt eigentlich ganz gut. Bin gespannt, wie es dem Autor gelingt, die Zeit auf der Medusa und vor allem auf dem Floß nachher zu beschreiben.

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 18:34

"An Hosea Thomas sieht man deutlich, was die Zeit auf dem Floß mit seiner Seele und mit seinem Verstand gemacht hat."

Das stimmt absolut. Ich finde, dass generell sehr gut herausgearbeitet wurde, was die Erlebnisse für jeden der beteiligten für unterschiedliche Auswirkungen hatten - direkte wie indirekte, psychische wie physiologische.

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 21:02

In dieser Zeitebene (19. Jh) war einfach vieles widerlich.

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calimero8169 kommentierte am 27. September 2017 um 08:46

Stimmt - und viele Länder sind genau dort stecken geblieben.

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wandagreen kommentierte am 27. September 2017 um 10:49

Die Saudifrauen dürfen doch jetzt Auto fahren, ein Zuckerl! Und ins Stadion. Aber immer noch mit Zelt bekleidet! // Mit dem Namen hast du schon recht, Cali, aber er schreibt sich doof.

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calimero8169 kommentierte am 27. September 2017 um 20:36

Klar, werden aber vermutlich immer noch gesteinigt, wenn sie ansatzweise schräg schauen.

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calimero8169 kommentierte am 25. September 2017 um 22:04

Ein Einstieg, der gleich mit Pauken und Trompeten beginnt. Ich war sofort mitten drin, statt nur dabei. Allerdings beginnt das Buch mit einem Spruch, den ich niemals verstehen werde - "drei mal neu ist Donnerstag". Kann mir das einer erklären o.o ?

Ich finde die Perspektive mit diesem präsenten Erzähler total faszinierend und habe - warum auch immer - einen Tom Hanks vor Augen, der Studenten im Hörsaal das Schicksal der Medusa näher bringt.

Hosea hat mich mitgenommen, bei ihm wird sehr deutlich, dass nicht nur ein Körper zerstört wurde, sondern noch schlimmer die psychischen Qualen sind. Vermutlich irreparable Schäden bleiben werden. Ich denke nicht, dass er jemals über dieses Erlebnis hinwegkommen wird.

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katzenminze kommentierte am 26. September 2017 um 19:58

Die "drei mal neun" habe ich auch ca 5 mal lesen müssen, bis ich verstanden habe, dass ich es nicht verstehe. Google sagt es gab eine deutsche TV Show in den 70ern die 3 mal 9 hieß und Donnerstags lief... Hilft mir allerdings auch nicht beim verstehen.

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 21:04

Das ist nur ein Franz-Scherz. Hat mich an Pippi Langstrümpfels Song erinnert.

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calimero8169 kommentierte am 26. September 2017 um 22:26

Ein reiner Franz Scherz ist es nicht, denn ich kenne diesen Spruch schon Ewigkeit. Aber wie gesagt, verstehen... Fehlanzeige.

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 21:22

Stimmt, aber die Show lief wohl immer Donnerstags und unser Autor wusste das. Deshalb passt es. ;p

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Sursulapitschi kommentierte am 26. September 2017 um 21:23

Oh, mir aber schon. Danke Minzi. 

Vielleicht bist du zu jung, um das zu verstehen. Das ist 70er Jahre Humor. :-)

 

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katzenminze kommentierte am 26. September 2017 um 21:29

Ja, für 70er Jahre Humor bin ich ein Jahrzehnt zu spät. Aber schön, dass ich dir helfen konnte. ;)

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FIRIEL kommentierte am 28. September 2017 um 20:59

Der Spruch hat mich auch irritiert - ist das einfach nur netter Blödsinn oder ist das ein wirklich überlieferter Spruch? Ihr kennt ihn anscheinend, also hat Franzi ihn sich offensichtlich nicht ausgedacht. Er hat ja noch mehr davon; so heißt es auf S. 25, "der Sommer war nicht ... mit Zimt gekommen" - auch das ist ein Lied, das ich nicht kenne (und ich assoziiere Zimt immer mit der Weihnachtszeit).

Hosea ist offensichtlich traumatisiert. Das Wort wird zurzeit m.E. inflationär gebraucht; selbst eine kleine Erschütterung wird manchmal so bezeichnet. Aber hier passt es wirklich. Ob Hosea das je überwindet, bezweifle ich.

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calimero8169 kommentierte am 28. September 2017 um 22:23

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er diese Geschichte jemals überwinden konnte. Gibt es eigentlich eine Steigerund von traumatisiert, denn ich denke sein Stadium ist bei weitem höher.

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 22:52

katatonisch.

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calimero8169 kommentierte am 29. September 2017 um 21:45

Also geistig und körperlich komplett Error - danke.

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schwadronius ergänzte am 02. Oktober 2017 um 00:08

... oder apathisch.

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wandagreen kommentierte am 03. Oktober 2017 um 08:20

Na guck an, wer das seine Möhrchen zeitweilig im Stich gelassen hat ....

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FIRIEL kommentierte am 02. Oktober 2017 um 06:36

Ich kenne Katatonie als eine schwere Form der Schizophrenie. Eine sehr schwere Form!

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katzenminze kommentierte am 29. September 2017 um 00:29

An den Sommer mit Zimt erinnere ich mich auch. Ebenfalls noch nie gehört diese Wendung aber gemerkt weil ich Zimt liebe...

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yvy kommentierte am 29. September 2017 um 17:59

Meine Interpretation (auch ich kenne das Lied nicht):
Vielleicht ist damit gemeint, dass ein Sommer, der mit Zimt kommt eher an Winter erinnert (kalt). Hier sagt er ja, dass es sogar noch schlimmer war, denn es gab quasi gar keinen Sommer, nicht nur einen zu kalten.

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katzenminze kommentierte am 30. September 2017 um 15:29

Macht Sinn. Hätte ich ähnlich interpretiert und versuche mal, mir die Wendung zu merken, weil ich sie hübsch finde.

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Sursulapitschi kommentierte am 26. September 2017 um 08:34

Ich bin erstaunt, wie hübsch sich dieses Buch liest, ein netter Erzählstil mit lauter spaßigen Seitenhieben. "Wir werden Zucker auf den Honig streuen!" 

Eigentlich dachte ich, Long- oder gar Shortlistbücher müssten zwingend anstrengend zu lesen sein. Dieses hier liest sich locker weg (Das kann gar nicht gewinnen. :-) )

Es ist auch schön, wie gnadenlos er die Protagonisten skizziert. Unfassbar, wie so jemand Kapitän einer Flotte werden kann. 

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Curin kommentierte am 26. September 2017 um 11:03

Ich bin auch überrascht davon, dass sich das Buch ganz gut wegliest. 

Der Kapitän der Flotte ist einfach unqualifiziert. Unglaublich, dass man so jemandem das Schiff anvertraut.

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 18:35

Den wohldosierten Humor mag ich auch sehr.

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schwadronius fragte am 02. Oktober 2017 um 00:18

Wie zum Beispiel der gewölbte Bauchnabel, der Hämorrhoiden darstellte?

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 21:05

@Sursu. Doch, es wird gewinnen! "Die Hauptstadt" liest sich auch flockig. Alle anderen, die ich bisher noch angefasst habe, waren sehr bemühte Kunst.

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Sursulapitschi kommentierte am 26. September 2017 um 21:10

Aber waren nicht die letzten Gewinner nahezu unlesbar anstrengend?

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 21:16

Doch! Aber es kann ja auch mal anders sein! Die Kathrin Schmidt hatte auch mal gewonnen, das war auch gut. Oder heiß die anders? Seufz. Ginseng kaufen geh.

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katzenminze kommentierte am 26. September 2017 um 21:30

Kirchhoff war doch nicht anstrengend!

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 21:31

Stimmt. Er nicht. Witzl aber und Seiler.

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Aacher kommentierte am 03. Oktober 2017 um 21:38

Wenn der nicht anstrengend war, weiß ich auch nicht.

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katzenminze kommentierte am 03. Oktober 2017 um 22:18

Sag mal Archie, durchsuchst du das Netz nach Kirchhoff um überall böse Kommentare abgeben zu können?! :D Es ist ja schön fast gruselig wo du plötzlich auftauchst! ^.^

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Aacher kommentierte am 04. Oktober 2017 um 11:11

Ich durchsuche doch nichts. Hab nur eure Rechner infiltriert. Geht ganz einfach, wenn man nicht zur Generation "Internet ist doch für uns alle Neuland" gehört. :P

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Raveneye kommentierte am 28. September 2017 um 13:19

Ich war auch erstaunt, dass sich das Buch so locker-flockig lesen lässt. Hatte am Anfang etwas bammel davor, weil ich mich Innerlich schon auf so einen schwer verständlichen Schinken voller verklausulierter Wortgebilde eingerichtet hatte, den man ganz langsam leben muss um ja keine versteckte Bedeutung zu überleben. Aber nein, das Buch erscheint auf den ersten Blick sehr offen und frei herraus. Direkt ohne den Versuch, das unschöne hinter schönen, verschachtelten Wortschöpfungen zu verstecken.

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katzenminze kommentierte am 28. September 2017 um 17:55

Es list sich echt wesentlich angenehmer, als das Meiste, was ich von der Shortlist deutscher Buchpreis der letzten Jahre bisher gelesen habe. Da sind schon anstrengende Sachen bei. Ich will mich noch nicht auf "am besten" festlegen, aber auf den Weg dahin sind wir. ;)

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FIRIEL kommentierte am 28. September 2017 um 21:02

Zum Gewinnen: Das Buch hat einen fetten Pluspunkt: Die Parallelität zur aktuellen Flüchtlingsproblematik. Ich bin gespannt, wie oft der Autor darauf hinweisen wird. Das erste Mal tut er es auf S. 13.

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 23:14

:DD. Dann klappts besimmt. Die Hauptstadt ist geistreicher, kränkelt aber mit dem Schluss herum.

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FIRIEL kommentierte am 15. Oktober 2017 um 18:57

... aber sie hat es trotzdem geschafft!

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 18:25

Auch ich habe unseren ersten Teilabschnitt beendet und bin bis dato total begeistert.

Den allwissenden Erzähler finde ich großartig und ich mag auch die hin und wieder eingestreuten Voraussagen seinerseits. Stephen King macht das auch gern und ich finde, dass die Atmosphäre dadurch erheblich intensiviert wird.

Die Geschichte selbst wird gut eingeleitet, wenn auch zeitlich nicht geradlinig, kann man den Geschehnissen gut folgen.
Probleme bereiten mir momentan noch die vielen Charaktere, das wird sich aber geben mit der Zeit, denke ich. Und obwohl der Autor die Personen oft nur kurz umreißt, sind sie schon sehr gut ausgearbeitet.

Alles in allem ein sehr guter Einstieg, der so richtig Lust auf die Geschichte macht.

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katzenminze kommentierte am 26. September 2017 um 20:01

Ja, die vielen Charaktere... Da bin ich mal gespannt wie ich durchsteige. Normalerweise habe ich da keine Probleme, aber französische Namen finde ich immer super schwer zu unterscheiden. Weil ich die nicht aussprechen kann überfliege ich die immer und merke sie mir so nicht richtig... Bemühe ich jetzt aber! ;)

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Raveneye kommentierte am 28. September 2017 um 13:28

Oh ja, die Franzosen und ihre Namen. Da weiß ich auch nie wie man die aussprechen soll. Welche Buchstaben sind denn nun wichtig und welche nicht, oder soll man alle ignorieren, weil die Aussprache komplett daran vorbeigeht? Man weiß nie so recht, deswegen überlese ich die auch meistens, wenn sie mir unter kommen.

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 21:07

So gehts mir auch. Mit wenigen Zeilen sind die Personen griffig. Eine Zitrone im Gesicht des Kapitäns konnte ich mir aber nicht vorstellen.

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 21:24

Bildlich schon: Zitrone = sauer = Grimasse

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 21:30

Hi yvy, gut dass du mir auf die Sprünge hilfst, mit der Show, mit dem Künstlernamen, ei wie findig du bist. Ich profitiere.

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Curin kommentierte am 27. September 2017 um 10:47

Stimmt, die vielen Charaktere machen es ein bisschen unübersichtlich. Ich denke nach und nach prägen sich die Namen aber ein.

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schwadronius meinte am 02. Oktober 2017 um 00:10

Keine Probleme mit dem Namenmerken der Charaktere. Solange sie europäisch "klingen".

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katzenminze kommentierte am 26. September 2017 um 20:04

Ja, ich hab ja das meinste schon per Kommentar gesagt. Es liest sich flüssig, ist teilweise witzig und der erzählstil gefällt mir generell auch. Ich weiß nur nicht, wie er mit dem etwas flapsigen Ton wirkliches Grauen beschreiben will und habe etwas Angst, dass er letztlich mehr verspricht, als er halten kann oder nur über die Ekel-Schiene geht. Wir werden sehen.

Die Einteilung finde ich übrigens super, Firi!

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wandagreen kommentierte am 26. September 2017 um 20:27

Ja, ich auch. Aber wie kriege ich es nur hin, dass ich, wenn ich oben anfange und mich nicht z.B. an Minzi hänge, im richtigen Unterabschnitt lande? (Ah, ich muss mich an Firis Eintrag hängen - das nächste mal dann).

So. Das Buch hat mich von der ersten Zeile an voll am Wickel! Ich finde es (bis jetzt) großartig!

Ich mag es, wie der Autor zwei Kapitel "vorschaltet" und das Geschehen, das schon geschehen ist, sofort in einen ethischen Zusammenhang stellt. Ist es nciht immer so und wird es nicht immer so sein, Homini homus lupus? Dazu ist er sowohl in der Vergangenheit wie in der Gegenwart, das wird Fanzobel auch später immer wieder machen, einen Bezug zur Gegenwart herzustellen, bei den Vergleichen der Offiziere mit Alain Delon, Lino Vintura etc. musste ich einfach lachen. Oder der Verweis auf eine künftige Verfilmung, die es mit Sicherheit geben wird!

In Schlammmann ist man froh, dass man diese grausame Zeit überwunden hat und ja, ich denke, dass man früher grausamer war als heute, weil das Kastendenken so ausgeprägt war und ein Menschenleben nichts wert war. Wer störte, bekam "die Brustwarzen abgezwickt" und gut ist. (Wow, ich kann nit mie, Annemie). Und F. ist so schön lakonisch. Dabei gemächlich und schön in seiner Erzählart, so dass ein toller, interessanter Kontrast besteht, zwischen der "Belle - etrisik" und dem, was erzählt wird, was gar nicht schön ist.

Dann gehts los.

Toll: Hätte, hätte Fahrradkette. Wie doch eine Katastrophe auf dem Zusammenwirken mancherlei unberechenbarer Faktoren beruht, dem Ehrgeiz von Hugo, dem Onkel, der den Ehrgeiz anstachelt, beinahe hätte der Kapitän noch einen Rückzieher gemacht, aber der Blender Antoine hat es durch seine Tiraden verhindert, die Familie Picard war eigentlich einem anderen Schiff zugeteilt, a b e r  Adelaide ... und so fort und so fort. DAS IST grandios.

Ich mag es, wie Franzobel Informationen gibt, über Schiffsuntergänge dieser Zeit, z.B, über den Kolonialismus, über die Städtchen, die er beschreibt

und ich mag viele seiner Sätze: z.B. Die See war weiblich ... (obwohl sie männlich ist, der Ozean, ist ja klar).

Tscha-Tscha, S. 38, erinnert mich mit seiner Frisur an Arturo Vidal!!

 

 

 

 

 

 

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yvy kommentierte am 26. September 2017 um 21:33

Wanda, deine Beispielsätze habe ich mir auch markiert und empfinde es genauso. Einfach herrlich bis jetzt.

Die Schauspielervergleiche fand ich auch genial, nur hab ich die jetzt so vor Augen. Danke Franz. *lol

Bei allem Witz, den ich übrigens auch für ein stilistisch clever angewandtes Mittel halte, um der Brutalität entgegenzuwirken, beeindrucken mich aber auch die tiefgründigen Parts ungemein.
Ein Beispiel: "Etwas ist eigenartig, die großen Katastrophen geschehen oft im Verborgenen. Wie bei den Konzentrationslagern, (...)"

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calimero8169 kommentierte am 26. September 2017 um 22:34

Ich denke, den Witz und Sarkasmus werden wir im Laufe der Geschichte noch brauchen, weil sie sonst gar nicht zu fassen ist. Frage ist auch noch, wann de moralische Zeigefinger erhoben wird, ob der Tatsache, dass Menschen gegessen wurden.

Klar finden die großen Katastrophen im "Verborgenen" statten. Über menschliches Versagen aus Arroganz, Profitgeilheit und Vetternwirtschaft redet keienr gerne und lässt sich auch nicht in die Verantwortung ziehen, während über die kleine Katastrophen noch gelacht werden kann, weil sie einfach peinlich sind.

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Raveneye kommentierte am 28. September 2017 um 13:04

So, das erste Drittel des ersten Abschnitts habe ich durch. Und ich muss sagen, ich bin positiv überrascht. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang ein bisschen bammel vor dem Buch hatte und eine viel kompliziertere Erzählart erwartet hatte. Aber nein, der Autor schreibt sehr ansprechend und scheut auch keine derbe Matrosensprache. Auch den Blick aus der Gegenwart auf die Ereignisse finde ich recht interesasant, so eine Erzählperspektive ist mir noch nicht begegnet, aber sie gefällt mir.

Ansonsten gefällt mir auch die Personendarstellung, weil sie einen guten Blick auf die einzelnen Charaktere und ihren Gemütszustand bietet. Und Chaumereys scheint als Flottenkommandant vollkommen ungeeignet.

Auch wenn man den Ausgang der Geschichte schon kennt, bin ich trotzdem gespannt wie der Autor die weiteren Geschehnisse in Wort packt.

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FIRIEL kommentierte am 28. September 2017 um 21:15

Ich bin bis jetzt auch ganz angetan, aber noch nicht wirklich gefesselt. Der Schreibstil ist locker, aber dennoch anspruchsvoll (z.B. die "bovine Bestimmung" verstehe ich dank meines Lateinunterrichtes, auch wenn er schon über vierzig Jahre vorbei ist, aber zu meinem aktiven Wortschatz gehört so etwas nicht). Er ist humorvoll; allerdings verstehe ich manche Anspielungen auf Filme vermutlich nicht, weil ich so selten welche sehe. Ich bin gespannt, ob der Stil locker bleibt oder irgendwann bemüht wirkt. Und auch, wie er sich wohl ändert, wenn die Katastrophe naht. Dass ich noch nicht gefesselt bin, liegt vermutlich daran, dass so viele Charaktere eingeführt wurden, aber noch keiner näher; so kann ich mich noch in keinen wirklich einfühlen. Aber das war ja erst die Einleitung und es ist noch viel Zeit dafür. 

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schwadronius erwähnte am 02. Oktober 2017 um 00:14

Bei "boviner Bestimmung" dachte ich an BSE - artige Anfälle.

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parden kommentierte am 30. September 2017 um 13:30

Ich bin nun auch dabei - der erste kleine Abschnitt ist gelesen. Die Art des Schreibens erinnert mich an Schriftsteller vergangener Jahrhunderte, was mir sehr gut gefällt. An manchen Stellen war ich daher fast überrascht, wenn plötzlich wieder ein Bezug zur Gegenwart auftauchte. Der Schreibstil ist anspruchsvoll, aber gut lesbar. Und diese Mischung aus schöngeistiger Literatur, Humor, Einblicken in das (oft nicht so nette) Wesen der Menschen und Andeutungen der noch zu erwartenden Schrecken gefällt mir ganz gut. Auch ich hatte angesichts der Prämisse 'Shortlist' etwas deutlich schwieriger Lesbares erwartet...

Mit der Vielzahl der Charaktere habe ich momentan auch noch so meine Probleme, allerdings nur teilweise, weil ich um den Überblick kämpfe. Oft ist es vielmehr so, dass ich bei einem Abschnitt in die Erzählung einzutauchen beginne und dann wieder ein abrupter Wechsel zu einer anderen Person stattfindet. Insgesamt ist Franzobel diese Verwebung von Vergangenheit und Gegenwart bislang gut gelungen, auch das Einfließenlassen von historischen Gegebenheiten der damaligen Zeit - für mich nicht zu überfrachtet, sondern authentisch...

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schwadronius erwähnte am 02. Oktober 2017 um 00:15

Schön! :).

Während Franzobel (ich muß immer an eine Zobelstola im Französischen Design denken) bei "Ein fetter Morgen" und "Der Schlammmann" ziemlich schnell zu seiner Kapitelüberschrift kommt, liest man ewig, bis "Keine Ratten" kommen.

Dreimal neun Donnerstag - mußte ich auch Google befragen. Sah die Sendung eigentlich irgendjemand? Wie lief die so ab?

Credits kommen eher zum Schluß, aber Franzobel streut sie hier und da ein. Vorhin kommentierte ich bei "Cover" etwas zum Louvre und Théodore Géricault und dann wird er gleich darauf in der Geschichte erwähnt.

Lachen mußte ich, als Louis XVIII meinte, daß diese "Floß - Geschichte" nichts für die Menschen dieser Zeit wäre. Erfreulicher waren "Vierteilen", "Guillotinieren", "Brustwarzen mit glühenden Zangen abzwicken", undsoweiter, aber Menschenfleisch im Überlebungskampf verzehren, nein, das ist zu viel für die damaligen Gemüter!

Kurz wird auch das zwiegespaltene Verhältnis von Wissenschaft und Gottesglauben erwähnt.

Hattet ihr Mädels einen gischtigen Schaum vor dem Mund, als erwähnt wurde, daß die See weiblich wäre?

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yvy kommentierte am 02. Oktober 2017 um 17:47

kein gischtiger Schaum bei mir. Ich finde es sogar passend. ;P

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FIRIEL kommentierte am 03. Oktober 2017 um 15:14

Auf Französisch heißt es ja "la mer".

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 19:54

Vor allem "guillotinieren" finde ich eine sehr interessante Wortschöpfung.

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 20:50

Sowas stand auch immer am Rande meiner Deutschaufsätze ... :).

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schwadronius fragte am 02. Oktober 2017 um 01:11

Wer ist in diesen drei Kapiteln euer Lieblingscharakter?

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FIRIEL kommentierte am 02. Oktober 2017 um 06:39

Ich mag Alphonse. Und Adelaide möchte ich im wirklichen Leben nicht als Nachbarin haben, aber von ihr zu lesen ist unterhaltsam.

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yvy kommentierte am 02. Oktober 2017 um 17:49

Irgendwie mag ich Picard (Charlieeeee) ganz gern, auch wenn er sich unterbuttern lässt von seinem garstigen Weib.

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wandagreen kommentierte am 03. Oktober 2017 um 08:28

Jerome Clutterbucket. Er tut mir irgendwie leid. Es gibt ja einen Grund, warum Menschen so werden wie er. Undich finde ihn ziemlich autenthisch. "Solche" gibt es immer wieder mal.

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 17:32

Er taucht doch erst in den Eingeweiden auf.

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FIRIEL kommentierte am 21. September 2017 um 20:56

S. 55 bis S. 104

Guter Wind / In den Eingeweiden der Medusa

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sphere kommentierte am 27. September 2017 um 11:06

Im nächsten Abschnitt kommen noch eine Menge weiterer Namen vor, doch Franz macht es ganz toll, indem er zwischendurch einige bereits bekannte Namen  dazwischen wirft ("nicht Picard", oder "Charlieee"), sodass sie dem Leser in Erinnerung bleiben und er von der aktuellen Figur differieren kann. Gut gemacht!

Was mir nicht so gefällt, ist der Aufbau der Kapitel, die finde ich zu lang; mitunter ist seitenweise auch kein Absatz zu sehen, das ermüdet zumindest meinen Lesefluss.

Mein Satz des zweiten Abschnittes:

"Es waren abgestumpfte Gesichter, besonders den Soldaten sah man an, dass sie das Leben nur als Abfolge von Befehlen begriffen. Sie hatten ihre Wünsche und Träume am Kasernentor abgegeben,...".

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yvy kommentierte am 28. September 2017 um 18:00

Bei Charlieeeee muss ich immer an diesen Einhorn-Blödsinn denken, da gab es mal ein Video auf YT. ;P

Ansonsten gebe ich dir recht, diese speziellen Erläuterungen sind sehr einprägsam.
Der Satz ist super, sehr bildhaft.

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katzenminze kommentierte am 28. September 2017 um 18:59

NAAAAAAIN, warum sagst du sowas???? Aaargh, das werde ich jetzt nie wieder los! :D

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yvy kommentierte am 29. September 2017 um 18:00

Minzi, warum soll es dir anders ergehen als mir. *gg ;P

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 17:44

Ich auch, ich auch - ich liiiiiiebe Charlie und noch mehr seine Gefährten.

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Sursulapitschi kommentierte am 27. September 2017 um 21:16

Ich bin dazu übergegangen, mir ein Personenverzeichnis zu schreiben, sonst komme ich nicht mehr mit. Es ist toll, wie gründlich hier alle vorgestellt werden, aber es sind schon viele Menschen und es kommen immer noch mehr dazu.

Der Franz muss sich wirklich gründlich mit nautischen Details auseinandergesetzt haben. Man hört fast den Wind in den Segeln. Und wenn er die grausamen Zustände hier und da beschreibt, kommt mir das sehr glaubwürdig vor. So eine Schiffsreise war kein Spaß.

Oh je, und jetzt leiden wir alle mit Victor. Ich mache mir Sorgen. Bei den Überlebenden wurde er eingangs nicht erwähnt, oder? Ich habe extra nochmal zurückgeblättert. Vielleicht ist die Menschenesserei gar nicht das Schlimmste. Vielleicht sterben jede Menge Menschen, die man lieb gewonnen hat. 

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wandagreen kommentierte am 27. September 2017 um 22:17

Vllt ist Victor der erste?

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Sursulapitschi kommentierte am 28. September 2017 um 07:55

Der erste, der gegessen wird? Igitt, das ist so fies, dass es wirklich sein könnte. 

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calimero8169 kommentierte am 28. September 2017 um 22:37

Ich denke eher, dass er die Behandlung des Kochs und seines Schergen nicht überleben wird und es somit gar nicht auf das Floss kommen wird.

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Sursulapitschi kommentierte am 28. September 2017 um 22:42

Das klingt auch realistisch. 

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Raveneye kommentierte am 01. Oktober 2017 um 17:57

In die Richtung gehen meine Gedanken auch, zumal mir Victor recht sympathisch ist - Ganz im Gegensatz zu diesem Smutje.

Aber ich habe auch immer die Frage im Hinterkopf, wer ein Opfer des Hungers der Anderen wird.

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 19:57

Darauf bin ich auch gespannt und die Zeit bis zum großen Knall baut sich irre fesselnd auf. 

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katzenminze kommentierte am 28. September 2017 um 17:59

Deine Sorgen teile ich! Auch wegen Viktor, aber ich denke vor allem die ganze Zeit ganz klassisch an die Frauen und Kinder. Die etwa AUCH? Das Mohnblumenmädchen? Der kleine aufgeweckte Rotzbengel? Die junge Schönheit? Ich frage mich jetzt schon, was mit den Rettungsbooten passiert ist. Die gab es ja, wenn auch zu wenige.

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yvy kommentierte am 28. September 2017 um 18:04

Ich meine mich an Victor zu erinnern in Form von einem kurzen Satz von unserem Schlammmenschen (wie hieß er noch gleich?)
So ein Personenverzeichnis ist keine schlechte Idee. *lol

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 18:22

Hosea Thomas.

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yvy kommentierte am 28. September 2017 um 18:41

Danke Wanda, hatte das Buch gerade nicht dabei um nachzuschauen. ;)

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 17:47

Die Mädels wieder ... ihr seid hier nicht auf der Titanic! ;).

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 19:59

Na zum Glück. Eine Schmonzette mit so einem Milchbubi hätte ich nicht ertragen :-)

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yvy kommentierte am 05. Oktober 2017 um 17:56

@calimero8169

Wie wahr, wie wahr ...

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 08:23

Guter Wind:

Es geht los! Die Menschen reagieren verschieden darauf. Hugo sitzt auf dem Pott. Erst in Der Fluch wird erzählt, wie er die Flucht nach England angestellt hat. Interessant und charakteristisch für ihn. D.h. man kriegt vom Autor ein bisschen versetzt den Charakter zusammengesetzt. Mal da, mal dort ein Häppchen über die Leute.

Die jungen Mädchen tun mir leid. Wir wissen, es sind ihre letzten Tage. Wie lüstern sie von den Männern begutachtet werden. Was wird ihnen bervorstehen? Mir graut. Hin und wieder wirds zotig, das macht den Umgangston auf so nem Schiff plakativ.

Ansonsten: Märchen, Zoten und Aberglauben. /Alles sehr hübsch in guter Manier erzählt.

In den Eingeweiden der Medusa: lernt jeder Junge, der von zu Hause genug hat, dass er sich vorher einen möglichst realistischen Plan macht! Was für eine Bruchlandung. Ekelhafte Details über das Entsorgen von unliebsamem Getier, über Hierarchien, die gar nicht so sind, wie sich Viktor das vorstellt. Im Schiff herrscht Gewalttätigkeit. Schrecklich.

/ Ich weiß nicht, ob sich heute soooo viel geändert hat, wenn ich daran denke, wie das junge Mädchen auf der Gorch Fock zu Tode kam. Zu Tode schikaniert. Leider immer noch üblich beim Militär. Oder die Gewaltmärsche in der Sonne mit voller Montur. "Ach, die Armen, sind dabei gestorben, das hätte ich wirklich nicht gedacht, die Armen hatten wohl eine zu zarte Konstitution".

 

 

 

 

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Sursulapitschi kommentierte am 28. September 2017 um 09:15

Dass junge Mädchen begeiert werden, wenn sie mit eingefleischten Männerclubs in Berührung kommen, ist unschön, aber nicht so furchtbar ungewöhnlich, auch heute nicht. Denk mal an Pfiffe, wenn eine junge Frau an einer Baustelle vorbei geht. Viel schlimmer fand ich den Koch, der mal eben Viktors Hand auf die Herdplatte hält, nur um zu zeigen, dass er der Boss und Viktor Abschaum ist. Und dann hauen alle anderen auch noch mal drauf, nur weil sie können.

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 09:18

Victors Tag ist noch nicht um ;-)).

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katzenminze kommentierte am 28. September 2017 um 18:10

Musste mich auch arg zusammenreißen an der Stelle aufzuhören zu lesen und erstmal hier zu schreiben. Böser Cliffhanger...

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yvy kommentierte am 28. September 2017 um 18:15

Die Gafferei und die Herdplatte sowie die Prügel - alles ziemlich krass aber auf so einer Fregatte ging es nun einmal rauh zu, vor allem zur damaligen Zeit.

Als Victor bewusstlos geprügelt wird, dachte ich schon, die haben ihm den Schädel eingeschlagen. Wirklich heftig. Und die Verbrennung hat mich auch sehr schockiert, zumal sich sowas doch ohne Versorgung entzünden muss. Er arbeitet ja unter nicht gerade hygienischen Umständen damit weiter.

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Curin kommentierte am 30. September 2017 um 11:26

Mir gehts da wie dir. Umso mehr man die Menschen auf dem Schiff kennenlernt, umso mehr graut einem vor dem Moment, indem sich alles ändern wird.

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katzenminze kommentierte am 28. September 2017 um 18:09

Unser zweiter Leseabschnitt hat mich noch mehr begeistert, als der erste. Ich finde sie Sprache und den Erzählton toll!

"[...] und seine kräftigen, von blaugrünen Adern durchzogenen Unterarme glänzten von einem Flaum rötlich blonder Haare - zart wie verblühter Löwenzahn. Sähe man nur diesen Flaum, hätte man Lust, ihn anzublasen."
Wie toll ist das bitte? So eine Beschreibung beim "Klischeepiraten", finde ich total gelungen.

Ansonsten habe ich einen guten Eindruck bekommen, was uns so erwartet. Wenn SCHON JETZT, wo wir uns ja noch in der "Normalität" befinden Hände verbrannt werden, geprügelt wird und Kätzchen totgeknüppelt werden, dann will ich gar nicht wissen, was auf dem Floß so alles passiert. WAS muss passieren, dass jemand wie Hosea, der mit allen Wassern gewaschen ist und den rauhen Ton der Matrosen kennt, den Verstand verliert? Das hat Franzobel klasse hinbekommen. Und trotz allem ist es schön zu lesen.

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yvy kommentierte am 28. September 2017 um 18:40

Einfach wunderbar zu lesen, ich bin nach wie vor begeistert. Inhaltlich geht es langsam zur Sache und dabei kommt das Schlimmste ja noch.
Die Sprache ist wunderbar bildhaft und steht in gutem Kontrast zu den dreckigen "Eingeweiden der Medusa".

Dass Hosea (danke Minzi, der Name war mir gerade nicht im Gedächtnis geblieben) seinen Papagei William Shakespeare genannt hat finde ich herrlich.
Es scheint sich ja eine Freundschaft zwischen Hosea und Victor anzubahnen. Doch ich ahne schon, dass es unser verträumter Victor mit tödlicheren Monstern als Drachen zu tun bekommt und diese Begegnung wohl nicht überleben wird ... :(

Unser unfähiger Kapitän schießt den Bogen ab, ich nenne ihn gedanklich immer Pfau.

Der unheilschwangere Start der Medusa (die Andeutungen) haben mir einen Schauer über den Rücken laufen lassen. Toll gemacht.

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 21:17

Falls es jemanden interessiert, "Hosea" ist hebräisch und bedeutet "Heil" / "Rettung". Er steht für bedingungslose Liebe und Erbarmen. "Gott liebt uns so sehr, dass er uns schwer zu bewältigende Aufgaben stellt, um uns dann zu helfen, sie zu erledigen."

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 22:15

Danke für die Erklärung. Dann hoffe ich aber, dass Gottes Hilfe für Hosea sich nicht nur auf das Erledigen beschränkt. Sondern weiter reicht um das Ganze zu verarbeiten.

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yvy kommentierte am 05. Oktober 2017 um 17:57

@ schwadronius

Das ist ja interessant, danke für die Erklärung. Ob der Autor die Namen wohl bewusst ausgewählt hat?

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calimero8169 kommentierte am 28. September 2017 um 22:34

"In den Eingeweiden der Medusa" - das finde ich abslout passend. Was für ein widerliches Gewürm doch die beiden in der Küche sind. Und in der Schikane gegen Victor vereint, abartig. Ich habe mich doch ein bißchen in den kleinen verguckt, so rein mütterlich, füchte aber, dass es mit ihm kein gutes Ende nehmen wird.

Adelaide ist so richtig der Typ Geschlechtsgenossin, auf die ich abgehen wie eine Haubitze. Jung, dynamisch, erfolglos - zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen. Eine dieser Damen, die Kinder auf die Welt bringen und ab dem Zeitpunkt meinen die Krone der Schöfpung zu seinen und ihren Mann unter der Fuchtel halten. Trotzdem mit nichts zufrieden, außer sich selbst. Bin gespannt wie es mit ihre weitergeht.

Bisher komme ich noch ganz gut klar mit den vielen Personen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die einzelnen im Laufe der Geschichte noch so wichtig sind, sondern eher die Gesamtheit zu betrachten ist.

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yvy kommentierte am 29. September 2017 um 18:02

"Adelaide ist so richtig der Typ Geschlechtsgenossin, auf die ich abgehen wie eine Haubitze. Jung, dynamisch, erfolglos - zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen. Eine dieser Damen, die Kinder auf die Welt bringen und ab dem Zeitpunkt meinen die Krone der Schöfpung zu seinen und ihren Mann unter der Fuchtel halten. Trotzdem mit nichts zufrieden, außer sich selbst. Bin gespannt wie es mit ihre weitergeht."

Das ist böse aber zutreffend. ;)

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calimero8169 kommentierte am 29. September 2017 um 21:48

Du weißt doch, gute Mädchen kommen in den Himmel - die Bösen überall.

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sphere kommentierte am 29. September 2017 um 19:41

"Jung, dynamisch, erfolglos - zu allem fähig, zu nichts zu gebrauchen. Eine dieser Damen, die Kinder auf die Welt bringen und ab dem Zeitpunkt meinen die Krone der Schöfpung zu seinen und ihren Mann unter der Fuchtel halten. Trotzdem mit nichts zufrieden, außer sich selbst. " 

Woher kennst du meine Frau?

:D

Hast du sehr gut zusammengefasst!

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calimero8169 kommentierte am 29. September 2017 um 21:50

Loooool - meiner war, wie man mir sagte schon böse. Deiner ist gemein :-)

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yvy kommentierte am 02. Oktober 2017 um 17:50

Hahahaha, you made my day!!!!!!

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Curin kommentierte am 04. Oktober 2017 um 14:07

Der arme Victor bekommt es in der Küche wirklich mit dem schlimmsten Koch zu tun, den ich je in einem Roman erlebt habe. Und der andere Junge dort ist auch ein Widerling, der selbst nichts tut und Victor auch noch schlecht macht.

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FIRIEL kommentierte am 29. September 2017 um 16:54

Die Fahrt geht los, und von Anfang an gibt es schlechte Vorzeichen und prophetische Skepsis. Die fehlenden Ratten zum Beispiel! Und immer wieder kommt am Rande "Davy" vor, der die Leute holen wird. Ist Davy der Teifi, der Teufel, der Satan, den man nicht beim Namen nennen möchte, um ihn nicht herbeizurufen? Kurz vor Schluss gibt es ein Kapitel, das "D wie Jones" heißt; vielleicht lernen wir da Davy Jones kennen...

Mit Viktor haben wir dann endlich einen sympathischen Protagonisten, in den ich mich einfühlen kann. Etwas zu wenig bodenständig, mit dem Kopf in den Wolken. "Ein Phantast! Ein Träumer!" Ich ergänze: "Ein Leser!" Viktor ist absolut blauäugig und kann sich das Leben auf dem Schiff mit seiner Brutalität nicht vorstellen - wie wir heutigen Leser. Da sträubt sich doch alles gegen diese ungerechte, sadistische Behandlung! Das hat Franz gut gemacht - nun habe ich ein Identifikationsobjekt.

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yvy kommentierte am 29. September 2017 um 18:06

Ich hab mal den Davy gegoogelt.
Wiki sagt: "Davy Jones wird von Seefahrern als Spitzname verwendet, um den Teufel des Meeres zu benennen."
Zum Ursprung dieser Sagengestalt Davy Jones gibt es wohl verschiedene Theorien.

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calimero8169 kommentierte am 29. September 2017 um 21:52

Eine weitere schaurige Seemansgeschicht, danke für's googlen.

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sphere kommentierte am 30. September 2017 um 09:42

Danke für die Info, habe ich so nicht erwartet.

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Raveneye kommentierte am 01. Oktober 2017 um 18:08

Ich muss gestehen, dass ich wohl zu viel "Fluch der Karibik" geschaut habe. Denn bei Davy Jones musste ich immer an den 3. Teil denken, wo Davy mit seinem Tentakelgesicht und der Flying Dutchman nicht gerade für gute Stimmung sorgte. Da war seine Aufgabe eigentlich, die auf See verstorbenen ins Jenseits zu geleiten.

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parden kommentierte am 03. Oktober 2017 um 11:54

An diesen Davy Jones aus 'Der Fluch der Karibik' musste ich auch die ganze Zeit denken... :) Wir sind Walt Disney geschädigt... ☻

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katzenminze kommentierte am 30. September 2017 um 15:35

Ja Firi! Viktor ist perfekt um uns mit ihm zusammen in die - sehr sehr - raue Seefahrerwelt einzuführen. Und dan hat er noch Robinson Crusoe (Robinschon Cruschoe) und ein Tagebuch dabei. Sweet. Und der Roman ist thematisch passend...

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 21:06

Ich dachte zuerst, Smutje wäre ein Schwabe gewesen. Und freute mich schon auf schwäbische Küche.

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Raveneye kommentierte am 01. Oktober 2017 um 17:50

Also, diesen Smutje hätte ich am liebsten selbst auf die Herdplatte gedrückt. So ein widerliches, sadistisches Schwein. Und sein Gehilfe ist auch nicht besser. Armer Victor. In seinen Träumen sah das alles ganz anders aus, aber ich bezweifle trotzdem, dass es den Kapitän allzusehr interessieren würd, was in der Kombüse passiert. Oder der Smutje und sein Helfelein stellen Victor als Lügner da, den wer sollte einem kleinen Grünschnabel schon glauben.

Mein Lieblingsspruch dieses Abschnittes kommt von 1ten Offizier Joseph Reynard "[...] geschminkte Nudel mir Perücke." Das macht recht deutlich was er von Kapitän hällt.

Mal gespannt wie es weitergeht und was Victor hinter der Tür entdeckt hat.

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yvy kommentierte am 02. Oktober 2017 um 17:52

... und der Spruch schafft so herrliches Kopfkino.

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 20:04

TzTzTz - woran Du bei einer geschmickten Nudel mit Perücke wohl denkst, also ehrlich....

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parden kommentierte am 03. Oktober 2017 um 12:05

Mir fiel eine andere Formulierung auf, die allerdings nichts mit dem Kapitän zu tun hatte, die mir aber einen leichten Ekelschauer verpasste: "Mein Vater hat Parmesan immer Schwiegermutterferse genannt" (S. 101) - uäh...

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yvy kommentierte am 03. Oktober 2017 um 14:43

Ohhhh ja einfach nur ekelhaft dieses Bild.

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 17:58

Ich amüsiere mich köstlich über diese Bilder. Darf ich das eigentlich?

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wandagreen kommentierte am 04. Oktober 2017 um 20:29

Ja, klar, das ist Teil des Lesespaßes. Der Franzl macht das super, denn ohne seine Bildersprache, seine darinliegende Ironie und seine Kommentare immer wieder zwischendurch, könnte man diese ganzen Scheußlichkeiten gar nicht lesen.

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 20:02

Ihhhhhh - jetzt weiß ich nicht, wann ich mir das nächste Mal eine riesen Portion Spagetten Bolognese mit reichlich Parmesan gönnen kann ohne daran zu denken. Das ist fiiiiiiies.

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 21:03

Die Frage ist, ob der Parmesan eine bröselige oder eine weich-labberige Ferse darstellen soll?

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 22:16

Oh Gott, das wird ja immer schlimmer :-) Buähhhhh

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yvy kommentierte am 05. Oktober 2017 um 17:59

Bähhhhhhh! *würg*
Ihr habt ja echt eine ausschweifende Fantasie.

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parden kommentierte am 03. Oktober 2017 um 12:01

Irgendwie will sich bei mir der Lesefluss noch nicht so richtig einstellen. Die Kapitel sind arg lang, oft dauert es auch lang, bis überhaupt ein nächster Abschnitt kommt. Dabei finde ich die Lektüre nicht uninteressant. Viktor kommt einem näher als jeder andere, der bislang näher beleuchtet wurde, aber das scheint mir gefährlich. Das wird uns noch leid tun - nicht umsonst ruft der nach der Floßfahrt irre gewordene Hosea wohl nach 'Viktor, Viktor'... Die Szenen in der Kombüse waren für mich nur schwer erträglich, mir scheint, Franzobel führt uns mit diesem Buch an die Grenzen des Erträglichen in punkto Ekel und Gewalt. Das ist sicher erst die Spitze des Eisberges, aber bei Ungerechtigkeiten, Willkür und Spaß an Brutalität hört doch der Spaß auf.

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yvy kommentierte am 03. Oktober 2017 um 14:48

Womöglich härtet uns der Autor bewusst oder unbewusst ab, denn ich vermute mal stark, dass sich das Maß an Unerträglichkeit noch gehörig steigern wird.

Was die Rufe nach Viktor angeht, sehe ich das so wie du. :/

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schwadronius erwähnte am 03. Oktober 2017 um 17:55

Die Zeiten damals waren rauh. Es gehört dazu. Weniger wäre "unbefriedigend" gewesen, oder anders "nicht authentisch" genug.

"Viktor" ist ein ziemlich gut gewählter Name. "Sieg, Sieg" - worüber?

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sphere kommentierte am 03. Oktober 2017 um 22:06

Ach, was ich noch unbedingt loswerden möchte: auf S. 155 (oder 156?) las ich doch tatsächlich: "...schwadronierten..." 

:)

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yvy kommentierte am 05. Oktober 2017 um 17:53

@schwadronius
Da stimme ich dir zu.
Aber ob Viktor einen Sieg erringen wird bleibt abzuwarten.

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schwadronius meinte am 03. Oktober 2017 um 17:51

Beim Lesen frage ich mich grad, ob die Personen, denen Franzobel mehr Charakterisierungszeit gönnt, zu den fünfzehn auf dem Floß gehören?

Den Humor, der auch immer wieder in den Metaphern steckt, mag ich. So herrliche Bilder. Wie muß ich mir "orgienfeiernde Misteln" vorstellen?

Nun weiß ich endlich, wo genau sich Fort Boyard befindet. Als damals die Sendung mit Alexander Mazza, Steven Gätjen und Sonya Kraus über die Mattscheibe flimmerte, war ich noch zu klein, um mich für geographische Lagen zu interessieren.

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 20:07

Ohhhh - die Serie fand ich echt genial. Ich habe mich auch immer gefragt wo das ist. Wozu das Teil wohl heute genutzt wird.

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FIRIEL kommentierte am 21. September 2017 um 20:58

S. 105 bis S. 175

Der Fluch / Fleisch / Der gespreizte Adler

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 18:12

Im "Fluchkapitel" zeigt sich schon, wes Geistes Kind der Kapitän ist. Obwohl wir das ja schon wussten. Alles versprechen, nichts halten. Abergläubisch bis zum geht nicht mehr und auf sich auf seinen sich aufspulenden Freund stützen, den ich nach dem Kap. Fleisch sonst wohin wünsche. 

Sehr interessant, dass der Arzt, vor dem der Schlammmann ja am meisten Angst hatte, also der Hosea Thomas, als Idealist und Humanist dargestellt wird.

Frauen (Reine Schmalzt) kommen bisher nicht gut weg im Roman: es wird erklärt, warum sie so schrecklich ist und das erinnert mich an die Äußerungen einer Psychologenfreundin, die immer kund tat: "Es hat alles einen Grund". Was ist wohl "Blutschwamm". Wäre das heute behandelbar?

In Corréard, S. 141, meine ich die Stimme des Autors zu vernehmen. Mal sehen, ob die Figur auch weiterhin Meinungstransporteur von Franz ist.

Die Auspeitschung verlangt uns Lesern viel ab. Beinah mein ich, es kann nimmer schlimmer kommen.

 

 

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yvy kommentierte am 03. Oktober 2017 um 14:57

Ja das Frauenbild ist alles andere als beschönigend. Das sind aber auch Weibsbilder in dieser Geschichte. Tstststs

Heutzutage ist Blutschwamm behandelbar. Kannst es ja mal googeln, da wird es genau erklärt. ;)

Corréard als Stimme des Autors: Das finde ich interessant und durchaus vorstellbar. So oder so, von der kurzen Beschreibung her ist er mir schon sympathisch. Ich bin gespannt, was wir noch von ihm hören werden.

Die Auspeitschung hat mich doch schockiert, weil man so gar nicht mit diesem fatalen Ausgang gerrechnet hat und dieser Tod einfach nur völlig sinnlos war.

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parden kommentierte am 07. Oktober 2017 um 21:48

@ wandagreen: Ein Blutschwamm ist ein Hämangiom, ein gutartiger Tumor, eine Ansammlung von Adergewebe, meist im Gesicht, gibt es aber auch am ganzen Körper. Und ja, es gibt heute Behandlungsmethoden. Meist ist dies aber gar nicht nötig, weil diese Blutschwämme sich oft von selbst zurückbilden. Falls nicht, gibt es Laserbehandlungen, Vereisungen, Medikamente... :)

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wandagreen kommentierte am 28. September 2017 um 18:16

Nette Einfälle: Das Absingen von "Wir winden dir den Jungfernkranz", obwohl es noch nicht komponiert wurde.

Dekadent: Reines Vorstellungen der Schwarzen: S. 130. Das ganze menschenverachtende Gedankengut  des Kolonialismus wird vorgeführt.

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FIRIEL kommentierte am 29. September 2017 um 17:14

Na ja - das Lied vom Jungfernkranz und der veilchenblauen Seide ist absolut unpassend. Der Autor findet es anscheinend lustig, solche Gegensätze nebeneinander zu stellen. Ich mag das nicht.

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wandagreen kommentierte am 29. September 2017 um 18:33

Ich schon. Das Singen, damit man das Geschrei nicht hört, ist absolut realistisch. Dass es ein Song ist, den es (noch) nicht gibt, finde ich wiederum sehr witzig. Allerdings sagt Franz, um nicht ganz aus der Geschichte zu fallen, die Vorläufer des Songs wären schon im Schwange gewesen und ganz von der Hand zu weisen ist das nicht.

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calimero8169 kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:26

Ich denke der Song ist total unwichtig bei der ganzen Sache, soll wohl eher den widerlichen Akt als solches für die zivilen Passagiere nicht ganz so offensichtlich in den Vordergrund treten lassen.

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Sursulapitschi kommentierte am 29. September 2017 um 18:37

Das ist die pure Ironie. Magst du nicht? 

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FIRIEL kommentierte am 30. September 2017 um 13:39

Nein, das mag ich nicht. Ich mag auch keine Comedy und Ähnliches. 

Das hier erinnert mich an den Verfremdungseffekt bei Brecht. Ich verstehe ja, was das soll - es reißt einen aus der Identifikation und zwingt zur Distanz und Reflektion. Aber es gefällt mir trotzdem nicht. Ich gebe zu, es ist gut gemacht, aber es ist dennoch nicht mein Stil.

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schwadronius erwähnte am 08. Oktober 2017 um 02:20

Es ist eher Zynismus. So wie von Corréard.

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calimero8169 kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:22

Bei ihren Vorstellungen fiel mir ehrlich gesagt nichts mehr ein.

"Wie wunderbar würde es erst in Afrika werden, wo sich die Darkies danach verzehrten, einer weißen Frau die Füße zu schlecken."

Hallo? Als wenn die Senegalesen nichts besseres zu tun gehabt haben. Vor allem konnten die Schwarzen und übrigens auch die Indianer die Weißen überhaupt so gar nicht ertragen, was die Hygiene anging. 

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sphere kommentierte am 03. Oktober 2017 um 00:21

Es wird ja nur die Vorstellung dargestellt, die die Europäer von der Bevölkerung Schwarz-Afrikas (ach was, von der ganzen restlichen Welt) hatten...

Auch hier ist der aktuelle Bezug zum Weltgeschehen nicht so weit entfernt...

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 22:23

Da sprichst Du ein wahres Wort gelassen aus. Gerade zu Zeiten des Menschen mit dem toten Meerschweinchen auf dem Kopf muss man sich ja echt Gedanken machen, ob wir bald wieder in getrennten Bussen fahren. Und der Blick auf die Strömungen hier in Deutschland sind ja auch nicht gerade Herz erwärmend menschenfrendlreundlich.

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yvy kommentierte am 03. Oktober 2017 um 15:00

Ich mag diese Gegenüberstellungen ebenfalls, kann aber auch Firiel verstehen. Das ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache.

Die dekadente, menschenverachtende Vorstellung des Denkens hinsichtlich des Kolonialismus - ja, das ist wirklich heftig und abstoßend.

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Sursulapitschi kommentierte am 28. September 2017 um 22:55

Meine Güte, dass Victor noch lebt ist ein Wunder. Jetzt häufen sich die Grausamkeiten schon arg. Sehr ekelhaft, besonders die blutigen Hautfetzen. Da herrscht ja schon im Normalbetrieb der Wahnsinn an Bord. 

Schön beschrieben war die erste Prügelszene (hab ich das wirklich geschrieben?), wo zwischen den Schlägen immer der Chor von veilchenblauer Sa-eide singt. Das hat was. 

Die Sinnlosigkeit des Ganzen kommt gut rüber. Und jetzt hört Viktor auch noch Stimmen? Es soll nicht nur brutal, sondern auch noch gruselig sein? Er lässt nichts aus, der Franz.

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Sursulapitschi kommentierte am 28. September 2017 um 23:14

Wenn man nach der krassen Hackordnung geht, ist Viktor wol tatsächlich der erste, der gegessen wird.

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katzenminze kommentierte am 30. September 2017 um 15:50

Mit dem passiert noch irgendwas. Hosea wird ihn zu Beginn in seiner geistigen Umnachtung nicht umsonst erwähnt haben. Die Frage ist was. Weil das was er jetzt durchmacht ist ja eigentlich schon krass genug.

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calimero8169 kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:29

Ich gehe davon aus, dass er es nichteinmal auf das Floss schafft. Ihm wird noch lange bevor die Medusa auf Grund läuft etwas zustossen fürchte ich. Seine "Visionen" finde ich sehr spannend und passen eingearbeitet.

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FIRIEL kommentierte am 29. September 2017 um 17:12

Der Fluch: Viktor lernt sich zu wehren - er schlägt Jerome k.o. und revanchiert sich beim Koch für die Verbrennungen. Da sollte man meinen, er findet seinen Platz in dieser rauhen Welt. Aber nein: Direkt darauf wird er fast vergewaltigt.

Fleisch: Eine absolute Brutalität, völlig ungerechtfertigt. Merkwürdig ist das Verhalten des Arztes: Er hat das Recht, die Strafe abzubrechen, macht aber keinen Gebrauch davon. Er hält es für humaner, alles in einem durchzustehen??? Dass das zum Tod führt, scheint ihn gar nicht zu berühren. Ihn interessiert nur seine Forschung. Er möchte die Leiche sezieren und entfernt das Gehirn zu Forschungszwecken. Jetzt kann ich schon ein wenig phantasieren, weshalb Hosea solche Panik vor ihm entwickelt.

Der gespreizte Adler: Viktor fällt in die Hände des Kochs und wird fast gefoltert. Er wird zwar gerettet, doch auf eine andere Art gemartert; immerhin nicht lebensbedrohlich - dafür muss man auf diesem Schiff ja anscheinend noch dankbar sein. Nach dem ersten Zusammenstoß mit dem Koch wollte er noch dem Kapität voller Empörung davon berichten; von dieser Idee ist er nun gründlich geheilt und verrät nichts.

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wandagreen kommentierte am 29. September 2017 um 18:38

Es i s t humaner. Den Überlegungen konnte ich gut folgen. Denn wenn er die Auspeitschung abgebrochen hätte, wären die fehlenden Hiebe gefolgt, sobald alles geheilt gewesen wäre!

Was kann er dafür, dass Peter Prust ein Gehirngerinnsel hat (oder so was). Sonst wäre er nämlich nicht gestorben, das har der Arzt ganz richtig eingeschätzt.

Nicht vergessen, dass der Arzt von Franz als "Der wahre Idealist, Humanist und Menschenfreund" dargestellt wird. Er ist ein echter Wissenschaftler. Von seiner Gefühlswelt wird natürlich nichts berichtet.

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FIRIEL kommentierte am 30. September 2017 um 06:41

Den Überlegungen des Arztes kann auch ich folgen; "Schuld" hat er wohl nicht. Aber was mich irritiert, ist seine Emotionslosigkeit. Es geht nur um die Sache, nämlich ein frisches Gehirn zu Forschungszwecken. "Idealist, Humanist und Menschenfreund" kann da für mich nicht wahr sein - vielleicht sieht er sich selbst so, aber Selbst- und Fremdwahrnehmung gehen nun mal oft nicht zusammen.

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wandagreen kommentierte am 30. September 2017 um 18:35

@Firi: So ist das nicht gemeint, vom Franz, denk ich. Er will ihn bzw. die Humanisten/Ideologen demaskieren.

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calimero8169 kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:35

Ich glaube nicht, dass er emotionslos ist bzw. war. Er hat meines Erachtens das kleine Übel für Prust gesucht und gefunden. Eine erneute Auspeitschung wäre vermutlich erheblich schlimmer gewesen. Heute kann man teilweise ein Gerinnsel erahnen - an Augenstellung, Schwellung usw. - damals wohl noch nicht. Das er das Gehirn zu Forschungszwecken entnimmt, sehe ich auch nicht als emotionslos, sondern, als für einen Mediziner durchaus normal. Und er hat ja zu Viktor selbst gesagt, es ist nur noch die Hülle. Alles was den Menschen ausgemacht hat, ist lange gegangen. 

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katzenminze kommentierte am 30. September 2017 um 15:47

Ich verstehe Savignys Haltung bei der Auspeitschung. Über seine Gefühllosigkeit lässt sich streiten. Es ging ja schon das Gerücht, dass er gerne Leichen obduziert. Also hat er vom Tod ja in gewisser Weise profitiert. Das dürfte sein Mitleid gedämpft haben.

Interessant finde ich, wie Franzobel den Bogen schlagen will vom schon angesprochenen "wahren Idealist, Humanist und Menschenfreund" zu der Person, die später den Baum von einem Mann Hosea in solche Aufruhr versetzt und der im Gegensatz zum Piraten und allen anderen Überlebenden als einziger geistig gesund aus der Geschichte hervorgeht. Dass er an sich kein schlechter Mensch ist, merkt man ja schon daran, dass er Viktor vor der Auspeitschung bewahrt hat und aus der Kombüse "rettet".

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wandagreen kommentierte am 30. September 2017 um 18:36

Wie ich oben schon sagte. Franz baut den Arzt auf, um ihn abzubauen und zu zeigen, was er von den Idealisten und Humanisten hält.

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FIRIEL kommentierte am 30. September 2017 um 19:25

Da hast du vielleicht Recht - aber für mein Gefühl hat Franz den Arzt nie wirklich aufgebaut. Seine einzige positive Tat war, Viktor vor dem Kapitän zu retten. Ansonsten zeigt er sich für mich bisher weder idealistisch noch humanistisch. Habe ich da etwas übersehen?

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Sursulapitschi kommentierte am 30. September 2017 um 20:28

Finde ich eigentlich auch. So richtig hat man ihn gar nicht kennengelernt. Er wirkt etwas zynisch, etwas fatalistisch, schon wissenschaftlich interessiert, aber ein großer Menschenfreund scheint er nicht zu sein. Er war nett zu Viktor, aber man fragt sich fast, warum. 

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wandagreen kommentierte am 01. Oktober 2017 um 08:25

Darauf kommts gar nicht an, der Autor bezeichnet ihn so. Und damit fungiert er als Platzhalter für diese Gattung Mensch. / Er lässt Victor auch erzählen, dass der Gott des Arztes die Vernunft sei. Ganz im Sinne des Humanismus und Rationalismus. Es geht nicht drum, was wir uns unter einem "guten Menschen" vorstellen.

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FIRIEL kommentierte am 01. Oktober 2017 um 14:02

Savigny hält sich für einen Humanisten. Er ist überzeugt von seinen Idealen; da bin ich mit dir einer Meinung. Er handelt nicht immer danach, aber, nun ja, wer tut das schon. Seine Ideale werden jedenfalls noch tüchtig durchgerüttelt, das ist wahr. Ich bin mit der Lektüre nun fast am Ende und Savigny muss feststellen, dass in der Extremsituation seine Ideale nicht mehr zählen.

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calimero8169 kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:38

Würden wir in Extremsituationen nicht alle mehr oder weniger unsere Ideale über Bord werfen? Rein aus dem Überlebenstrieb heraus?

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calimero8169 kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:42

Ich sehe Savigny bisher auch nicht als gut oder böse an. Weil er als Arzt an Forschung interessiert ist und sich ein Forschungsobjekt nimmt, heißt es doch nicht, dass er gefühlskalt ist. Ohne Forschung wären wir nicht wo wir sind.

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sphere kommentierte am 01. Oktober 2017 um 22:00

Zu Fleisch: wie schon wanda geschrieben hat, ließ er die Auspeitschung fortsetzen, um die Wunden nicht ein zweites mal aufbrechen zu lassen; ich hatte schon den Eindruck, dass ihn (und auch viele andere) die Folter und der Tod berührt hat.

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yvy kommentierte am 03. Oktober 2017 um 15:15

Eine interessante Diskussion mit einigen Denkanstößen habt ihr da ins Rollen gebracht.
Ich für meinen Teil stehe unserem Arzt momentan noch recht neutral gegenüber. Er ist ein Mann der Wissenschaft und stellt alles andere in den Hintergrund, dennoch spreche ich ihm Mitleid oder Mitgefühl nicht ab (wie sonst könnte er Arzt sein) und das beweist er ja auch in seinem Handeln. Dass Prust einem Hirnschlag erliegt konnte niemand ahnen, womöglich wäre ihm dieses Schicksal auch ohne die Auspeitschung zuteil geworden. Savignys Enscheidung ist schlüssig und sein Verhalten, sprich das Streben nach Forschung nach dem Tod am Leichnam ist aus wissenschaftlicher Sicht nachvollziehbar. Wo wäre die Medizin heute ohne solche Menschen? Für Nichtwissenschaftler ist das Ganze natürlich nur schwer zu verdauen. Mich packt eher die Wut, wenn ich daran denke, dass diese Bestrafung völlig an den Haaren herbeigezogen war und unser eierloser Kapitän dafür verantwortlich ist. Hosea bringt es auf den Punkt, indem er sagt:
"Je schwächer der Kapitän, desto härter die Strafen (...)"

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 22:28

Genau so sehe ich das Ganze auch. Natürlich kann und darf ein Arzt nicht vor Emotionen zu einem Patienten zerfliessen, dann würde er an seinem Job zerbrechen. Von daher denke ich kommt das Mitgefühl eines Mediziners immer ein wenig schlechter weg als das eines Nicht-Mediziners. Ich sehe aber auch, dass er für Prust das Bestmögliche in der Situation versucht hat rauszuholen.

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parden kommentierte am 07. Oktober 2017 um 22:04

@yvy: "Er ist ein Mann der Wissenschaft und stellt alles andere in den Hintergrund, dennoch spreche ich ihm Mitleid oder Mitgefühl nicht ab (wie sonst könnte er Arzt sein)" - öhm. Die Idee, Ärzte würden Ärzte, weil Mitleid oder Mitgefühl sie auszeichnet, kann ich leider nur milde belächeln. Das mag sicher auf einige zutreffen. Aber ich kenne - sowohl aus der Geschichte als auch heute - ausreichend Beispiele, die deutlich machen, dass die Motivation, Arzt zu werden, viele Gründe haben mag, aber ganz sicher nicht Mitleid oder Mitgefühl: Prestige, hoher Lebensstandard, gesellschaftliche Stellung... So viele Ärzte haben möglicherweise einen ausreichenden IQ (Intelligenzquotienten), aber der EQ (emotionale Quotient) gleicht oft dem einer Qualle. Sorry.

Allerdings will ich Savigny sein Mitgefühl nicht prinzipiell absprechen, das mag bei allem wissenschaftlichen Interesse und der Neugier des Forschers auch gelegentlich aufblitzen...

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yvy kommentierte am 07. Oktober 2017 um 22:24

Oh oh Parden, da hoffe ich doch sehr, dass du nicht persönlich betroffen warst. Ich weiß, was du meinst und mag mit meiner Behauptung wohl etwas forsch gewesen sein. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Ärzte nach dem hippokratischen Eid handeln und eine gewisse Empathie mitbringen sollten, um ihren Job gut zu machen. Vielleicht bin ich da zu gutgläubig aber zumindest im Pflegebereich trifft das größtenteils zu. Natürlich gibt es immer Ausnahmen - in beiden Richtungen. ;)

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katzenminze kommentierte am 30. September 2017 um 15:58

Es geht ordentlich brutal zu auf dem Schiff. Das hätte ich eigentlich nicht vermutet. Ich dachte, die legen erst auf dem Floß los. Aber nein, den ersten Toten gibt es schon nach nur einem Tag auf See. So kann man sich täuschen.

Ich weiß zwar nicht wie realistisch das alles ist, aber die Beschreibungen des Schiffes, der Aufgaben der Matrosen und der Seefahrerrituale gefallen mir sehr gut. Selbst wenn Franzobel sich ein paar Dinge ausgedacht hat; für mich wirkt es. Ich fahre mit.

Am spannendsten fand ich hier zu lesen, wie schon jetzt die Meuterei vorbereitet wird. Ich bin gespannt, was mit dem gepuderten Kapitän passiert. Mitleid habe ich keines. Der kurze Blick in seine Vergangenhet sprach Bände! Was für ein Unsympath!

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FIRIEL kommentierte am 30. September 2017 um 16:50

Ja, der Kapitän hat es verdient - nur dass es ja nicht allein treffen kann. Schrecklich!

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sphere kommentierte am 01. Oktober 2017 um 22:03

Das habe ich mich tatsächlich auch gefragt, wie viel Brutalität bereits nach einem Tag realistisch sei, und habe ein bisschen im Netz nach der wahren Begebenheit gesucht. Nach dem Buch werde ich mir zumindest die deutsche Wiki-Seite durchlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A9duse

Auf Englisch

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katzenminze kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:23

Das ist ja super interessant sphere! Erstaunlich wie genau Franz an der Stroy geblieben ist. Nur viel bildhafter. Ich wollte mich nicht Spoilern und habe noch nicht alles gelesen... :) Die Offiziere kommen m.E im Buch wesentlich schlechter weg. Sie wirken tatenloser als sie es waren.

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calimero8169 kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:46

ich kann mir gut vorstellen, dass es durchaus realistisch ist. Es waren in frühen Zeiten der Seefahrt nicht immer die nettesten Genossen, die angeheuert haben. Viele hatten schon eine nette kriminelle Vergangenheit und sind schlichtweg dem Gesetz und der Bestrafung entflohen. Dazu kommt dann noch die Hackordnung, die in den unteren Schichten eben nicht mit Argumenten sondern Taten geklärt wurde.

Teilweise finde das doch in abgeschwächter Form heute noch statt. 

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yvy kommentierte am 03. Oktober 2017 um 15:17

Ich lese mir den Artikel dann auch erst nach der Lektüre durch. Danke für den Link.

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yvy kommentierte am 03. Oktober 2017 um 15:26

Puhhh, ein heftiger Abschnitt jagt den nächsten.

Zum Tod Prusts habe ich weiter oben schon kommentiert und auch zu dem eierlosen, gepuderten Pfau meine Meinung kundgetan.

Viktor, unsere Identifikationsfigur, wird beinhahe vergewaltigt und entgeht dem Ganzen nur knapp zwei Mal. Dennoch schlägt er sich tapfer und lässt sich nicht unterkriegen (bis jetzt). Die Regeln des Schiffs hat er schnell lernen müssen und spielt nun auch nach ihnen. Hoffentlich bewahrt er sich seine Menschlichkeit. Dass er als Einziger, die unheilvolle Stimme des Schiffs vernimmt, finde ich bezeichnend. Hat er womöglich so eine Art "Zweites Gesicht"?
Diese Sätze haben Eindruck hinterlassen:
"Sein ganzes Leben war nun dieses Schiff, auf dem eine eigene Zeit herrschte. Eine eigene Moral. Alles, was auf dem Festland galt, alle regeln und Gesetze, schienen außer Kraft gesetzt."

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sphere kommentierte am 03. Oktober 2017 um 22:00

Wahnsin wie schnell er sich wieder - nach fast zwei Vergewaltigungen - berappelt, oder? Ich habe jetzt nicht die Stelle parat, aber kurz danach steht er wieder an der Reeling (wo er ja laut Arzt nicht lange stehen bleiben soll) und denkt, dass es, ja doch, eine gute Entscheidung war, nach Afrika zu fahren. Ach ja, und eine verbrannte Hand ist da auch noch. 

Heutzutage bräuchten wir dafür erstmal eine sechsmonatige Auszeit inkl. Traumatherapie...

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yvy kommentierte am 04. Oktober 2017 um 11:58

Da sprichst du wahr aber nach Allem, was Viktor hier schon mitmachen musste, schockieren ihn wohl 2 Vergewaltigungsversuche auch nicht mehr.

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schwadronius erwähnte am 08. Oktober 2017 um 02:33

Das Leben war hart - damals, aber solange man lebte ...

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Raveneye kommentierte am 04. Oktober 2017 um 14:55

Ich kann diesen Koch einfach nicht leiden. Erst verbrennt er Victor die eine Hand, und als dieser dann nicht arbeten darf, will er ihn auch noch die andere verbrennen. Wer ist den Schuld daran? Victor schon mal nicht. Alles auf Gains eigenen Mist gewachsen. Aber als wäre das nicht genug, will er ihm später auch noch mit einem Schiffsnagel zu nahe kommen. Dieser Koch hat doch keinen Menschlichen Knochen mehr im Leib, wie es scheint. Aber auch unter Deck ist Victor ja nur knapp mit heilem Hintern davongekommen.

Und dann wieder diese hochnäsigen Leute. Wie der zukünftige Gouverneur und seien "Reine" Frau. Erst sehen sie voller Genugtuung der Auspeitschung zu und beschweren sich dann darüber, das dies alles verzögern würde. Auf wessen Wort wurde die den überhapt angesetzt - geneu, Reines. Und das Porst gestorben ist interessiert die auch nicht. Reynard, oder wer es war, sagt doch auch noch, das er nur gestorben ist um sie zu demütigen und das er ihnen nicht mal dankbar für die Auspeitschung ist. Gehts vielleicht noch unsensibler? Da weiß ich nichts drauf zu sagen.Solche Leute könnte ich den ganzen Tag durchschütteln.

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wandagreen witzelte am 04. Oktober 2017 um 20:43

Hey, hey, Raveneye, das Volk hat Vive la France zu rufen und ansonsten das Maul zu halten. Ab zum Deck schruppen! Speckschwarte gibt es heute auch keine. Wegen Meckerns! ;-))

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parden kommentierte am 07. Oktober 2017 um 22:16

Auch ich habe nun endlich den letzten Teil des ersten Abschnitts beendet und kann mich vielem, das hier bereits geschrieben wurde, nur anschließen. Unmenschlichkeit, Gesetzlosigkeit, doppelte Moral, Ekel und Gewalt, durchsetzt von aufblitzendem Humor - die Essenz menschlicher Gesellschaft. Franzobel treibt es zunehmend auf die Spitze. Dass immer noch ständig neue Leute hinzukommen, stört meinen Lesefluss immer wieder - es fällt mir irgendwie schwer, laufend aus einer Szene gerissen zu werden und mich wieder jemand Neuem zuwenden zu müssen, dessen Name ich zehn Seiten später vermutlich doch wieder vergessen haben werde, *seufzt*. Am liebsten würde ich bei Viktor bleiben. Aber er ist das geborene Opfer, und sicher müssen wir uns bald gänzlich von ihm verabschieden...

Ich fürchte, bis zum offiziellen LR-Ende werde ich den Roman nicht beendet haben. Mal schauen. Mehr als ein paar Seiten am Stück schaffe ich hierbei einfach nicht.

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schwadronius meinte am 08. Oktober 2017 um 02:12

Viktor ist also weiter unsere Augen durch die Geschichte. Franzobel hat so viele nichtige voll ausgearbeitete Details - wie die "Käseplatte" (Aufzählung der verschiedenen Käsesorten.).

Mir gefällt die Einstreuung lateinischer Sprüche, obgleich doch Französisch "Hofsprache" war.

Wortneuschöpfung dieses Abschnittes ist: Kombüsen - Inauguration.

Die roten Ohren sind wohl "Running Gag" in dem Buch.

"Bitter wie alter Urin" - herrlich solche Bilder. Kommt vom Harnstoff, der zu Ammoniak oxidiert wird.

Thema: Lektüre, Teil I (Seite 1 - 175)
Rotschopf kommentierte am 01. Oktober 2017 um 21:05

Die Zitate vorab, vor allem das zweite von Alexandre Dumas, stimmen mich auf das Buch ein - ich mag sowas. Man weiß ja schon, dass das Buch keine leichte Lektüre wird - ich denke, dass die Stil- und Zeitbrüche mit der für die Figuren zu modernen Sprache und die Überzeichnung der Charaktere das Thema für den Leser erträglicher machen sollen.

Nach den ersten Kapiteln vermute ich, dass das Unglück auch wegen des Kapitän, seiner Inkompetenz und dem Konflikt mit den Offizieren passieren konnte. Ich habe bisher keinen Roman von Franzobel gelesen, aber bisher finde ich das Buch sehr vielversprechend.

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calimero8169 kommentierte am 02. Oktober 2017 um 14:16

Was für ein gottverdammtes, mieses kleines, König gefördertes, schwaches Würstchen dieser Kapitän doch ist. 48 Peitschenhiebe, als wäre diese barbarische Handlung, die mit Menschlichkeit noch nie etwas zu tun hatte nicht genug ist - nein, auch noch für einen nichtigen, rein an den Haaren herbeigezogenen Grund und aufgrund einer Aussage von einer dieser frustirierten Ehefrauen und Mütter.Als Rache für den Blutschwamm im Gesicht ihrer Tochter (wobei ich die Beschreibung mit "brustwarenrot" schon zum piepen fand) und symbolisch für das Fleisch, dass ihr Mann nicht mehr begehrt. Sorry - aber er wird schon wissen warum. 

Auch Viktior war wieder an der Reihe, wegen des beschränkten Kochs. Was für eine Qual doch der gespreizte Adler sein muss. Ich möchte mir die Schmerzen gar nicht vorstellen, wenn die Gelenke und der Rücken langsam aber sicher das Gefühl verlieren.

Und hier zeigt sich, je weniger die Intelligenz vorhanden und schwächer der Charakter ist, umso grausamer sind Maßnahmen, die gegen andere ergriffen werden. Und erstaunlicherweise hat es nichts mit dem gesellschaftlichen Status zu tun.

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sphere kommentierte am 03. Oktober 2017 um 00:28

Beim Lesen dieser Zeilen hatte ich eine Assoziation zu Mel Gibsons "Passion Christi"; ich habe seinerzeit bei der Auspeitschung den Kinosaal verlassen und bin nicht wieder reingegangen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie man sich eine Folter anschauen kann...

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wandagreen kommentierte am 03. Oktober 2017 um 08:40

!!!

Was ist das Fernsehen ein Segen! Denn derartige Vorstellungen dienten ja als "Unterhaltung".

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FIRIEL kommentierte am 03. Oktober 2017 um 15:29

Wie bei dem Römern, "Brot und Spiele".

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calimero8169 kommentierte am 03. Oktober 2017 um 20:11

Ich hatte den Film auch angefangen zu schauen und bei der Szene hat mich dann inkl. meines Magens alles verlassen. Es ist unbeschreiblich, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun können. Und die Gaffer in diesem Fall - allem voran die Schmaltz - hätte man nicht abseits, sonder direkt davon platzieren sollen, damit sie auch recht viel davon gehabt hätte, wenn die Fleischfetzen und das Blut in ihre selbstgefällige Visage geflogen wären.

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schwadronius erwähnte am 08. Oktober 2017 um 02:40

Man kann. Ich konnte. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sich daran in Ekstase bringen kann. ... wahrscheinlich lebe ich im falschen Jahrhundert.

Mein Lieblingsfilm von Mel Gibson.

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schwadronius erwähnte am 08. Oktober 2017 um 02:41

Reine ist doch eine Königin!

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Rotschopf kommentierte am 06. Oktober 2017 um 16:38

Der erste Teil des Buchs hat mir sehr gut gefallen. Der Wechsel von einer Figur zur nächsten, mit einer Beschreibung, wenn es sich um einen neuen Charakter handelt, ist sehr gelungen. Was den Inhalt angeht, kann ich spätestens nach dem Geschehen in der Kombüse Viktor nur beipflichten:  "Menschlichkeit, Moral und Würde? All das schien hier nicht zu existieren" (Seite 98). Rohe Sitten, rohe Sprache, bald nur noch rohe Gewalt?