Neuvorstellungen

Deutscher Buchpreis 2017 – Die Longlist naht / Logo: (c) Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

Deutscher Buchpreis 2017 – Die Longlist naht

Am Dienstag ist es wieder so weit: Die zwanzig Titel umfassende Longlist "Deutscher Buchpreis 2017" wird bekanntgegeben – und natürlich gibt es bereits zahlreiche Spekulationen über die diesjährigen Nominierungskandidaten.

Wir könnten die Ruhe bewahren und die dienstägliche Verkündung abwarten; stattdessen stürzen an dieser Stelle jedoch in den Spekulationswahn und präsentieren die "Vielleicht-Longlist".
Gespeist wird diese aus persönlichen Wünschen, mutmaßlichen Jury-Urteilen und Vorjahres-Erfahrungen ... Kritik und Ergänzungen ausdrücklich erwünscht!

Also: Was schätzt ihr, wie viele der genannten Titel es tatsächlich auf die Longlist schaffen werden? Ist unter den vorgestellten Büchern ein Titel, zu dem ihr euch eine Leserunde wünschen würdet? Und: Was wäre euer ganz persönlicher Top-Anwärter auf eine Longlist-Nominierung (gerne auch abseits dieser Liste)? Zu dieser Frage könnt ihr auch HIER mitdiskutieren; FIRIEL hat im Forum nämlich bereits eine entsprechende Diskussion eröffnet.

Mein persönliches Lieblingsbuch des Jahres ist bislang – unumstritten – Mariana Lekys Roman "Was man von hier aus sehen kann". Nach den Erfahrungen der Vorjahre gehe ich zwar insgeheim davon aus, dass es der Titel NICHT auf die Longlist schaffen wird (kein großes und / oder politisches Thema behandelt) ... auf meiner "Vielleicht-Longlist" landet das Buch aber dennoch. ;-)

Weitere Links zum Thema:

Was man von hier aus sehen kann

Was man von hier aus sehen kann - Mariana Leky

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman.

'Was man von hier aus sehen kann' ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan ...

Der Club

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Als ihm seine einzige Verwandte ein Stipendium für die Universität in Cambridge vermittelt und er als Gegenleistung dort ein Verbrechen aufklären soll, weiß er noch nicht, worauf er sich einlässt. Er schafft es, Mitglied im elitären Pitt Club zu werden, und verliebt sich in Charlotte, die ihn in die Bräuche der Snobs einweiht. Schon bald muss er feststellen: Vor der Kulisse alter Chesterfield-Sessel, kristallener Kronleuchter, Intarsienmöbel und Tiertrophäen ereignen sich Dinge, über die keiner spricht. Und auch Charlotte scheint etwas zu verbergen. Hinter den schweren Türen des legendären Pitt Clubs wird Hans vor die Wahl gestellt, ob er das Falsche tun soll, um das Richtige zu erreichen.

Rezensionen zu diesem Buch von:

Gott ist nicht schüchtern

Gott ist nicht schüchtern - Olga Grjasnowa

"Hier kommt die Welt zu Ihnen, wie sie noch nie zu Ihnen gekommen ist." Elmar Krekeler, DIE WELT.
Amal und Hammoudi sind jung, schön und privilegiert, und sie glauben an die Revolution in ihrem Land. Doch plötzlich verlieren sie alles und müssen ums Überleben kämpfen. Sie fliehen. Ein erschütterndes, direktes und unvergessliches Buch.
"Amal schaut den Frauen auf der Straße nach. Plötzlich wird ihr bewusst, dass sie nicht mehr dazugehört. Niemand beachtet sie mehr. Wo ist ihr Haus? Ihre Karriere? Und ihre Straße, die immer nach Jasmin roch? Wo sind ihre Bücher und Schallplatten? Wo die Freunde und Verwandten? Die Partys und der Sommer vor dem Pool?
Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge, Refugees, Muslime oder Newcomer. Die Herablassung ist in jedem Atemzug spürbar."

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Das Rauschen in unseren Köpfen

Das Rauschen in unseren Köpfen - Svenja Gräfen

"Svenja Gräfens Sprache ist kunstvoll und von einer eigentümlichen Schönheit." Benedict Wells

Lene lebt mit ihrer besten Freundin in einer WG in einer großen Stadt, ihre liebevolle Familie und der Freundeskreis geben Halt. Als sie Hendrik begegnet, scheint ihr Glück perfekt. Sie plant eine gemeinsame Zukunft, doch Hendriks Vergangenheit schleicht sich in ihr Leben ein. Da ist seine zerrüttete Familie, sein bisweilen merkwürdiges Verhalten. Und Klara.

"Die Abende, die Nächte gehörten uns. Wir gingen nicht raus. Wir hatten hier alles, was wir brauchten, das heißt: uns. Wir hätten uns auch in einer Bar gehabt, im Kino, in einem Restaurant; aber eben nicht so, wir hätten uns teilen müssen mit einer ganzen Welt, die nach Aufmerksamkeit schrie."

"Svenja Gräfen erzählt eine kleine Weltbewegung: Wer schon mal verliebt war, weiß es ja: Die Liebe ist - wenn auch nur für eine Zeit - alles. Wie wir's nicht planen können, nichts im Leben, das erzählt Gräfen tastend und ernst. Ich hab's gern so." Nora Gomringer

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Ein fauler Gott

Ein fauler Gott - Stephan Lohse

Sommer 1972. Benjamin ist vor einigen Wochen elf geworden. Im nächsten Schuljahr wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Ben hat mit dem Leben zu tun, er muss für das Fußballtor wachsen, sein bester Freund erklärt ihm die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm. Mit seiner neuen Armbanduhr berechnet er die Zeit.

Voller Empathie und mit anrührender Komik erzählt Stephan Lohse in seinem Debütroman vom Aufwachsen Anfang der Siebzigerjahre, von Teenagernöten und dem Trost der Freundschaft. Vor allem aber erzählt er vom Mut und dem Einfallsreichtum eines Kindes, das seine Mutter das Trauern lehrt und ihr zeigt, dass das Glück, am Leben zu sein, auch noch dem größten Schmerz standhält.

So tun, als ob es regnet

Der Erste Weltkrieg bringt einen österreichischen Soldaten in ein Karpatendorf. Eine junge Frau besucht nachts die "Geheime Gesellschaft der Schlaflosen". Ein Motorradfahrer ist überzeugt, dass er sterben und die Mondlandung der Amerikaner versäumen wird. Eine Frau beobachtet die Ausfahrt eines Fischerbootes, das nie mehr zurückkehren wird. - Über vier Generationen des 20. Jahrhunderts und vier Ländergrenzen hinweg erzählt Iris Wolff davon, wie historische Ereignisse die Lebenswege von Einzelnen prägen. Zwischen Freiheit und Anpassung, Zufall und freiem Willen erfahren ihre Protagonisten: Es gibt Dinge, die zu uns gehören, ohne dass wir wüssten, woher sie kommen. Und es gibt Entscheidungen, die etwas bedeuten, Wege, die unumkehrbar sind, auch wenn wir nie wissen werden, was von einem Leben und den Generationen vor ihm bleiben wird.

Iris Wolff hat ein poetisches und beglückendes Buch geschrieben, schonungslos, klug und sprachlich brillant.

Mit sensiblen Beobachtungen, atmosphärisch dichten Dialogen und starken, eigenwilligen Figuren zeichnet sie in ihren Erzählungen behutsam eigene Welten, die im Zusammenspiel neue Tiefe entfalten und vielschichtige Perspektiven aufeinander eröffnen.

Katie

Katie - Christine Wunnicke

Vielleicht liegt es am Nebel. Davon jedenfalls gibt es in London um 1870 genug, und wer weiß, vielleicht trübt er der Stadt die Sinne. Kaum einer, der nicht dem Medium seiner Wahl vertraut, um in schummrigen Séancen mit dem Jenseits zu parlieren. Florence Cook ist das It-Girl der Branche - verschnürt im Schrank, die Haare an die Schrankwand genagelt, bringt sie die aufregendste aller Erscheinungen zutage: Katie, 200 Jahre jung und in gleißendes Weiß gewandet, früher Piratenbraut, heute eine unruhige Seele auf der Suche nach Erlösung. Oder...? Es hilft nichts, die Wissenschaft muss ran. Und zwar in Person von Sir William Crookes und seinem Gehilfen Pratt, die Florence (und Katie) nach den Regeln der damaligen Kunst unter die Lupe nehmen - nur um am Ende erschöpft zu konstatieren, dass die Wissenschaft im Grunde auch nur ein Spuk ist. Eine herrlich übersinnliche Geschichte. Und das Beste: Es ist alles wahr. Wirklich.

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Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster - Susann Pásztor

Wie begegnet man einer Frau, die höchstens noch ein halbes Jahr zu leben hat? Fred glaubt es zu wissen. Er ist alleinerziehender Vater und hat sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden lassen, um seinem Leben mehr Sinn zu geben. Aber Karla, stark, spröde und eigensinnig, arrangiert sich schon selbst mit ihrem bevorstehenden Tod und möchte nur etwas menschliche Nähe - zu ihren Bedingungen.
Als Freds Versuch, sie mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, grandios scheitert, ist es nur noch Phil, sein 13-jähriger Sohn, der Karla besuchen darf, um ihre Konzertfotos zu archivieren. Dann trifft Hausmeister Klaffki in einer kritischen Situation die richtige Entscheidung - und verhilft Fred zu einer zweiten Chance.
Susann Pásztor erzählt in ihrem dritten Roman eine berührende Geschichte über die erstaunliche Entwicklung einer Vater-Sohn-Beziehung - unpathetisch und humorvoll, einfühlsam und mit sicherem Gespür für menschliche Gefühlslagen.

Sieh mich an

Sieh mich an - Mareike Krügel

Man kann ja nicht einfach sterben, wenn die Dinge noch ungeklärt sind. Das denkt Katharina, seit sie vor Kurzem das Etwas in ihrer Brust entdeckt hat. Niemand weiß davon, und das ist auch gut so. Denn an diesem Wochenende soll ein letztes Mal alles wie immer sein. Und so entrollt sich das Chaos eines ganz normalen Freitags vor ihr. Während sie aber einen abgetrennten Daumen versorgt, ihren brennenden Trockner löscht und sich auf den emotional nicht unbedenklichen Besuch eines Studienfreundes vorbereitet, beginnt ihr Vorsatz zu bröckeln, und sie stellt sich große Fragen: Ist alles so geworden, wie sie wollte? Ihre Musik, ihre Kinder, die Ehe mit dem in letzter Zeit viel zu abwesenden Costas? Als der Tag fast zu Ende ist, beschließt sie, endlich ihr Geheimnis mit jemandem zu teilen, den sie liebt. - Die Heldin in Mareike Krügels rasantem, klugem Roman gehört ganz sicher zu den einnehmendsten Frauengestalten in der deutschen Gegenwartsliteratur.

Tiere für Fortgeschrittene

Tiere für Fortgeschrittene - Eva Menasse

Raupen, die sich ihr eigenes Grab schaufeln, Enten, die noch im Schlaf nach Fressfeinden Ausschau halten, Schafe, die ihre Wolle von selbst abwerfen. Jede von Eva Menasses Erzählungen geht von einer kuriosen Tiermeldung aus und widmet sich doch ganz der Gattung Mensch.
Ein alter Despot, der sich gegen jede Veränderung wehrt, kann nicht verhindern, dass die Demenz seiner Frau auch die eigene Vergangenheit löscht. Einer engagierten Mutter, die ein muslimisches Kind gegen Anfeindungen in Schutz nimmt, verschwimmen schließlich selbst die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch. Eine Frau realisiert, wie sehr das Schicksal ihres Vaters sie geprägt hat, in ihren Marotten und in ihren tiefsten Ängsten. Und eine Gruppe handverlesener Künstler und Wissenschaftler probt in südländischer Gluthitze eine groteske Revolution.
Jahrelang hat Eva Menasse Tiermeldungen gesammelt, die ihr, wie umgekehrte Fabeln, etwas über menschliche Verhaltensweisen zu verraten schienen. Wer daran Vergnügen hat, kann teilhaben am Gestaltungsprinzip ihrer Erzählungen, indem er Mustern und Motiven nachspürt. Alle anderen werden sich, wie bei Menasses bisherigen Büchern, von ihrem erzählerischen Talent mitreißen lassen, einer Mischung aus pointiertem Witz, Geheimnis und melancholischem Ernst.

Walter Nowak bleibt liegen

Walter Nowak bleibt liegen - Julia Wolf

Jeden Tag schwimmt Walter Nowak seine Bahnen im Freibad. Eines Morgens bringt eine Begegnung ihn aus der Fassung, mit fatalen Folgen: Der Länge nach ausgestreckt findet er sich wenig später auf dem Boden seines Badezimmers wieder, bewegungsunfähig und auf sich allein gestellt. "Von nun an geht es abwärts, immer abwärts", schießt es ihm durch den Kopf. Zunehmend verliert er die Kontrolle, Gedankenfetzen, Bilder aus der Vergangenheit stürzen auf ihn ein: das Weihnachtsfest mit seiner ersten Frau Gisela, ihr Schweinebraten, ihre Tränen; der Blick seines Sohnes Felix, als er von der Trennung erfährt; Erinnerungen an seine eigene Kindheit als unehelicher Sohn eines GIs; und, vor kurzem, eine Diagnose seiner Ärztin. Während nach und nach alles vor seinen Augen verschwimmt, ziehen seine Gedanken immer engere Kreise, nähern sich einem verborgenen Zentrum, dem Anfang, dem Ende ... Als das Hitzegewitter endlich losbricht, steht plötzlich sein Sohn Felix vor der Tür.
Mit verblüffender erzählerischer Souveränität und großer Empathie zeichnet Julia Wolf in ihrem zweiten Roman ein eindrückliches Männerporträt: Walter Nowak, Kind der Nachkriegszeit, steht an einem Scheidepunkt. Seinem Gedankenstrom folgend macht der Leser eine faszinierende Reise in die menschliche Psyche.

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Blaupause

Luise Schilling ist jung, wissbegierig und voller Zukunft. Anfang der brodelnden zwanziger Jahre kommt sie an das Weimarer Bauhaus. Sie studiert bei Professoren wie Gropius oder Kandinsky und wirft sich hinein in die Träume und Ideen ihrer Epoche. Zwischen Technik und Kunst, Kommunismus und Avantgarde, Populismus und Jugendbewegung lernt Luise gesellschaftliche Utopien kennen, die uns bis heute prägen. Rasant und äußerst gegenwärtig erzählt Theresia Enzensberger von einer jungen Frau in den Wirren ihres Lebens: von den Konflikten zwischen Rechts und Links bis zum Sprung eines jungen Liebespaares in einen nächtlichen Fluss.

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Sieben Nächte

Schließt die Augen und zerbrecht das Glas Es ist Nacht, ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst. Davor, sich entscheiden zu müssen. Für eine Frau, einen Freundeskreis, einen Urlaubsort im Jahr. Er hat Angst, dass ihm das Gefühl abhandenkommt. Dass er erwachsen wird. Doch ein Bekannter hat ihm ein Angebot gemacht: Sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen. Er muss gierig, hochmütig und wollüstig sein, sich von einem Hochhaus stürzen, den Glauben und jedes Maß verlieren. Sieben Nächte ist ein Streifzug durch die Stadt, eine Reifeprüfung, die vor zu viel Reife schützen soll, ein letztes Aufbäumen im Windschatten der Jugend. Simon Strauß erzählt von einem jungen Mann an der Schwelle, der alles aufbringt, um sich Gewohnheit und Tristesse zu verwehren. Er muss gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Sich dem Leben preisgeben, um sich die Empfindung zu erhalten. Im Schutze der Nacht entwickelt er aus der Erfahrung der sieben Todsünden die Konturen einer besseren Welt, eines intensiveren Lebens. 

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Ellbogen

Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.

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Trutz

"In diesen Roman geriet ich aus Versehen oder vielmehr durch eine Bequemlichkeit." Dieser Satz eröffnet eine Recherche, über das Leben zweier Familien während des vergangenen Jahrhunderts. Ein Roman also des 20. Jahrhunderts, der des Schriftstellers Rainer Trutz und der von Waldemar Gejm, einem Professor für Mathematik und Linguistik an der Lomonossow-Universität, der seit Jahren ein neues Forschungsgebiet entwickelt: die Mnemotechnik, die Lehre von Ursprung und Funktion der Erinnerung. Die partei-offizielle Gedächtnissteuerung staatlicher Stellen wird Trutz wie Gejm in den darauffolgenden Jahren zum Verhängnis: Der Deutsche wird in einem sowjetischen Arbeitslager erschlagen. Die Umschwünge der Politik des Genossen Stalin führen im Falle Gejm zur Deportation mit anschließendem Tod. Nur die beiden Söhne, Maykl Trutz und Rem Gejm, überleben und begegnen sich Jahrzehnte später, im wiederhergestellten Deutschland und machen fast dieselben Erfahrungen wie ihre Väter.

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Betrunkene Bäume

Betrunkene Bäume - Ada Dorian

"Ein wunderschöner, ein perfekter Text."
Klaus Kastberger, Jurymitglied des Bachmann-Preises

"Kraftlos ließ er sich auf die Matratze fallen und legte den Kopf auf das Kissen. Durch die weit geöffneten Fenster drang die warme, duftende Sommerluft und bewegte die Blätter über seinem Kopf. Erich schloss die Augen und lauschte für einige Sekunden dem leisen Knistern, das die Äste an der Tapete erzeugten. Der Stamm reichte bis zur Decke und sorgte dafür, dass die Krone sich fächerförmig ausbreitete.
Erich liebte den Geruch der Pflanzen, er erleichterte ihm den Schlaf. Seit die Nachbarin unter ihm gefragt hatte, ob auch er ein Problem mit feuchten Decken habe, war er noch vorsichtiger geworden. Niemand sollte ihm seinen Wald nehmen. Es war alles, was er noch hatte."

Erich ist über achtzig und verliert Stück für Stück seine Unabhängigkeit. Außerdem trauert er um die Liebe seines Lebens. Als junger Forscher hatte Erich eine Expedition in die Taiga unternommen. In jener Zeit hat er Schuld auf sich geladen, die bis heute nachwirkt und Erich vereinsamen lässt. Dann jedoch tritt Katharina in sein Leben. Sie ist von zu Hause ausgerissen, als ihr Vater die Familie verlassen hat.

Berührend und poetisch beschreibt Ada Dorian die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die um Schuld und Verrat, um Heimat und Entwurzelung kreist.

Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk

Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk - Andreas Stichmann

Andreas Stichmann, für "Jackie in Silber" und "Das große Leuchten" gefeiert, zählt zu den begabtesten literarischen Stimmen der Gegenwart. Sein Sinn für Komik, seine Sympathie für Verlierer und Verlorene sind unübertroffen, ebenso sein Sprachgefühl und seine Ausdruckskraft. Das zeigt sich einmal mehr in diesem hoch komischen und zutiefst ernsthaften Roman, der von den Rändern der Gesellschaft direkt ins Herz der Sache trifft.
Alles beginnt in Hamburg Osdorf. Der Sonnenhof - früher alternatives Wohnprojekt, heute eher betreutes Wohnen - hat schon bessere Zeiten gesehen. Findet Ramafelene, genannt Raffi, 35, der seit seiner Kindheit dort lebt. Von seiner Mitbewohnerin und Mutter kommt jedenfalls nicht mehr viel. Ihr scheint in den 80ern mit dem Mann auch die Menschenliebe verlorengegangen zu sein.
Schlimm. Findet auch Bianca, 17, die auf dem Sonnenhof ihre Sozialstunden ableistet. Bianca, mit den blauen Haaren, in die Ramafelene sich verliebt. Was Küwi nicht gefällt, obwohl er gerade selbst einen neuen Freund gefunden hat: einen Mann ohne bürgerlichen Namen. Einen Mann mit einer Vision. Die den Sonnenhof miteinschließt. Und die Entführung eines Millionenerben.
Schlimm? Man wird sehen. "Hat jedenfalls erst mal nichts mit Gefährlichkeit zu tun", findet Küwi. "Ist was Politisches mit Solidarität. Ist Inhalt von dem Lied 'Die Internationale', das man mag." Der Sonnenhof hat schon bessere Zeiten gesehen, ja, aber warum sollten nicht die besten - und zwar für alle Menschen - noch kommen?

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Kraft

Kraft - Jonas Lüscher

Richard Kraft, Rhetorikprofessor in Tübingen, unglücklich verheiratet und finanziell gebeutelt, hat womöglich einen Ausweg aus seiner Misere gefunden. Sein alter Weggefährte István, Professor an der Stanford University, lädt ihn zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Preisfrage ins Silicon Valley ein. In Anlehnung an Leibniz' Antwort auf die Theodizeefrage soll Kraft in einem 18- minütigen Vortrag begründen, weshalb alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können. Für die beste Antwort ist eine Million Dollar ausgelobt. Damit könnte Kraft sich von seiner anspruchsvollen Frau endlich freikaufen ...

Komisch, furios und böse erzählt Jonas Lüscher in diesem klugen Roman von einem Mann, der vor den Trümmern seines Lebens steht, und einer zu jedem Tabubruch bereiten Machtelite, die scheinbar nichts und niemand aufhalten kann.

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So, und jetzt kommst du

Aufregend, wenn die Eltern auf der Flucht vor der Polizei ihre Kinder mitschleppen. Aber für die drei Geschwister verwandelt sich das Abenteuer bald in einen Albtraum. Ihre Odyssee führt sie quer durch Europa. Ein Roman wie ein Roadmovie. 
Eine ebenso tragische wie komische Familiengeschichte. Vater, Mutter und drei Kinder in der pfälzischen Provinz der Achtzigerjahre. Der Autoverkäufer Jürgen und seine Frau Jutta sind verschuldet, aber glücklich. Als auf einmal das »große Geld« da ist, wandert die Familie fluchtartig nach Südfrankreich aus. Dort leben vor allem die drei Geschwister wie im Paradies, doch die Eltern benehmen sich immer seltsamer – bis ein Zufall enthüllt, dass der Vater ein Hochstapler ist. Er hat das Geld unterschlagen und bereits aufgebraucht, als sich die Schlinge enger zieht. Im letzten Moment flieht die Familie vor dem Zugriff der Behörden und die Jagd durch Europa geht weiter. Es ist ein freier Fall auf Kosten der Kinder, bis es unweigerlich zum Aufprall kommt …

Liebwies

Eine unbegabte Sängerin wird gefeiert, eine talentierte Komponistin bleibt unbemerkt: Der herrlich böse Debütroman von Irene Diwiak.

Kommentare

LySch kommentierte am 10. August 2017 um 14:34

Oh, ich wäre ja totaaal für "Der Club"! Es ist ein geniales Buch über Schuld und Verantwortung, märchenhaft und düster - ich mochte es sehr!

Ansonsten kenne ich leider keinen Roman, aber über "Was man von hier aus sehen kann" liest/hört man nur Gutes - das liegt schon auf dem SuB! 4 weiter Titel wollen ebenfalls noch gelesen werden und ich denke, da sind auf jeden Fall ein paar Schätze dabei, die es auf die Longlist schaffen könnten! :)

Fasersprosse kommentierte am 10. August 2017 um 16:42

Hätte ich fünf Stimmen zu vergeben, würden sie folgende Bücher von mir bekommen:

Gott ist nicht schüchtern - Olga Grjasnowa

Eva Menasse – Tiere für Fortgeschrittene

Jonas Lüscher – Kraft

Christoph Hein – Trutz

und mit ganz vielen Herzchen: Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann

westeraccum kommentierte am 10. August 2017 um 16:54

Ich habe von der Liste "Der Club" und das Buch von Arno Frank gelesen, beide haben mir sehr gut gefallen. Ich bin gespannt auf die Shortlist!

Galladan kommentierte am 10. August 2017 um 17:28

Ich habe 2 Titel schon gelesen und einen werde ich wohl noch lesen. Das sind dann schon mal 3 Titel die nichts auf der Longlist zu suchen haben da zu Mainstream und lesbar. Da darf nur Ladenhüterpotential drauf. 

katzenminze kommentierte am 10. August 2017 um 17:33

Cool, auf deiner LIste steht einiges aus meinem Wunschregal. Ich werde mich in nächser Zeit noch an den Club wagen und derade lese ich das hochgelobte Okapi-Buch. ^.^

Auf die Liste bin ich auch gespannt. Leider waren die meisten Bücher die ich von der Buchpreis-Shortlist gelesen habe nicht der Renner... Vielleicht wird es ja dieses Jahr ander. :)

LySch kommentierte am 10. August 2017 um 17:43

Letztes Jahr hat mich auch kaum eine der Longlist-Leseproben vom Hocker gehauen. "Am Rand" klang total spannend und "Weit über das Land" liegt wartend auf dem SuB :) War ja traurig, dass Peter Stamm nicht gewonnen hat - ich liebe seinen Schreibstil!

wandagreen kommentierte am 10. August 2017 um 17:40

Die Hauptstadt - Robert Menasse.

wandagreen kommentierte am 10. August 2017 um 18:17

Blaupause räume ich ne Chance ein - falls es ordentlich geschrieben ist, das kann ich auf die Schnell nciht nachprüfen. Aber vom Sujet her, hat es sicherlich Aussicht.

Brocéliande kommentierte am 10. August 2017 um 19:27

Ich stelle immer wieder fest, dass ich wohl ganz andere Bücher lese als die für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominierten.... Ist aber völlig ok, da mich hier nicht alle ansprechen. Einige jedoch schon, unter anderem das von Dir zitierte Werk von Leky, lieber Torsten. "Sieh mich an" habe ich mal angelesen, aber es hat mich auf Anhieb stilistisch nicht angesprochen....

Wie auch immer, die Longlist ist ja nicht die Shortlist - und meine Liste sieht - etwas anders aus ;-)

Torsten Woywod kommentierte am 10. August 2017 um 20:19

Hat jemand von euch in diesem Jahr zufällig schon etwas von JUNG UND JUNG gelesen? Im Programm des österreichischen Indieverlags gibt's ja nicht nur zuverlässig gute Literatur, sondern auch Buchpreis-Nominierungen ... :-)

Fasersprosse kommentierte am 10. August 2017 um 23:06

In diesem Jahr noch nicht. Aber aus den vorherigen Jahren "Landgericht" und "Unter der Hand". Toller Verlag!

wandagreen kommentierte am 11. August 2017 um 10:26

"Landgericht" habe ich auch gelesen. Ein wenig trocken ist es schon!

Fasersprosse kommentierte am 11. August 2017 um 22:44

Stimmt :-)

Ich fands aber auch sehr zutreffend und die Sprache an das Thema angepasst.

Aacher kommentierte am 11. August 2017 um 09:52

Über das "gute" Literatur von Jung & Jung sollte man diskutieren. Die Witwen letztes Jahr waren jedenfalls ein krampfhaftes Thema.

wandagreen kommentierte am 11. August 2017 um 10:27

Sag doch mal, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit du es als gute Literatur auffasst. (Unterhaltung ist, wie ich finde, kein Kriterium).

 

Aacher kommentierte am 11. August 2017 um 11:15

Es muss einen guten Schreibstil besitzen (was die Witwen jedenfalls besser konnten als Widerfahrnis, dessen Stil einfach nur unterirdisch war), und wenn es schon um belanglose Dinge geht, dann bitte nicht um langweilige Dinge wie alternde Frauen, die vor lauter Wohlstand nicht mehr wissen, was sie tun sollen oder einem alten Misanthrop, der allen anderem die Schuld gibt, nur nie bei sich sucht.

Und krampfhaft ein aktuelles Thema einzubringen wie Flüchtlinge, nur um auf der Shortlist zu landen, ist billig - aber effektiv.

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 10:49

Man könnte ja öfters was von Jung und Jung vorstellen: die haben es doch schon wieder geschafft!!

hobble kommentierte am 11. August 2017 um 07:07

-Der Club- würde mich interessieren

Nadine B. kommentierte am 11. August 2017 um 10:59

Einen Teil der oben stehenden Bücher habe ich mir bei der Onleihe geliehen.

Dazu gehören:

  • Kraft von Jonas Lüscher
  • Trutz von Christoph Hein
  • Gott ist nicht schüchtern von Olga Grjasnowa

Zur Zeit lese ich Marschmusik von Martin Becker. Ein interessantes Buch, aber meiner Meinung kein Buch für die Long- oder Shortlist.

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 10:08

"Kraft" ist dabei, soweit ich auf die Schnelle gucken konnte! Guter Riecher!

Cassandra kommentierte am 12. August 2017 um 16:28

Außer "Was man von hier aus sehen kann" sagen mir die Bücher alle nichts. Aber dieses Buch würde ich gerne lesen. Kommt auf meine Wunschliste.

wandagreen kommentierte am 14. August 2017 um 08:48

Nur noch ein Tag. Die Spannung steigt.

Ich fände es übrigens toll, wenn über diverse Buchpreise hier berichtet würde! Es gibt ja unzählige davon!

wandagreen kommentierte am 14. August 2017 um 18:21

Noch einmal schlafen und dann hoffen, dass die Jurymitglieder nicht allzu lange frühstücken!

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 09:06

Noch 54 Minuten!

naibenak kommentierte am 15. August 2017 um 09:12

Spannung Spannung Spannung...*nägelkau* lach....

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 09:32

Manchen Autoren könnts durchaus so gehen!

naibenak kommentierte am 15. August 2017 um 09:42

Haha...oh ja, das denk ich auch ;)

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 10:07

Wow - was für eine Liste. Und "dieser" Franzobel ist auch dabei. Das hörte sich auch so grauenhaft an mit seiner Fäkalsprache bei der Vorstellung im Literarischen Quartett. Ah, Die Hauptstadt hat es tatsächlich auf die Longlist geschafft. Ich warte mal auf die Zusammenstellung durch Torsten. Das ist immer so schön!

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 10:50

Das Floss der Medusa kommt auf die Shortlist. Ich wäre beinahe geneigt, eine Wette darüber einzugehen ;-).

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 10:09

KATIE ist dabei. (Sehr gut, Torsten ;-)).

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 10:10

Walter Novak bleibt liegen ist auch dabei. Schon 2 Treffer!

wandagreen kommentierte am 15. August 2017 um 10:47

3 Treffer. Man muss schon richtig zählen. Na, immerhin.