Rezension

Auf Null

Auf Null - Catharina Junk

Auf Null
von Catharina Junk

Bewertet mit 4 Sternen

"Die Scheißkrankheit hat mir meine Unschuld geklaut. Und jetzt sitze ich da, weiß nicht mehr weiter und bestehe nur noch aus Angst." S. 117

„Auf Null“ ist zwar wieder mal ein Buch über Krebs, aber doch anders. Es beginnt schon damit, dass die Protagonistin nicht an der Krankheit stirbt, sondern den Krebs besiegt und nun versucht in ein normales Leben zurückzufinden. So normal, wie das Leben einer 20-Jährigen halt sein kann, nachdem sie erst mit der Diagnose Leukämie überfallen wurde und schließlich ein Jahr ums Überleben kämpfte.

Die Geschichte von Nina beginnt gar nicht mit der Krankheit selbst, sondern dort, wo sie den Krebs – zumindest vorläufig – besiegt hat und sie nach einem Jahr Krankenhausaufenthalt endlich nach Hause darf. Dort, wo sie darum kämpft, in ein normales Leben zurückzufinden. In ihrem Kopf die Frage, wie es weitergeht, ob sie ihrem Körper wieder vertrauen kann oder ob sie womöglich einen Rückfall erleidet. Ja, der Krebs ist weg. Die Angst ist aber da. Nina fällt es nach ihrer Heilung schwer, Vertrauen zu fassen und andere Menschen in ihr Leben zu lassen. Sie ist zwar gesund, aber nicht geheilt und könnte immer noch einen Rückfall erleiden. Dadurch stoppt sie sich oft selbst und neigt zu verletzenden Handlungen, auch wenn sie es vermutlich nicht mit Absicht macht. Manchmal fiel es mir aber genau dadurch auch schwer sie zu mögen. Ihre Angst machte sie einfach teilweise unausstehlich, obwohl ich ihre Situation und Gedankengänge, die sehr authentisch sind, eigentlich gut nachvollziehen konnte. Die Leukämie baut halt immer noch eine Mauer zwischen ihr und der restlichen Welt auf.

In „Auf Null“ wird ein sehr interessantes und wie ich finde spannendes Thema behandelt. Wie gesagt, sonst sterben die Charaktere in Büchern dieser Art immer. Dass jemand den Krebs überlebt, ist eher die Ausnahme. In Rückblicken erfährt man von Ninas Diagnose und ihren folgenden Behandlungen mit all den unschönen Nebenwirkungen. Manchmal war es ziemlich heftig und einige Male hatte ich ordentlich zu schlucken und musste das Buch kurz beiseitelegen, um mich wieder zu sammeln. Doch es geht nicht nur um Nina. Catharina Junk befasst sich auch mit Ninas Eltern, geht auf ihren kleinen Bruder Theo ein, der durch Ninas Krankheit vernachlässigt wird und auf Ninas beste Freundin Bahar, der es nach anfänglichem Optimismus immer schwerer fällt mit Ninas Krankheit umzugehen. Nach der Genesung sieht Nina sich vielen Problemen und Fragen gegenüber, die sie versucht zu bewältigen. Dadurch wird das Buch sehr vielschichtig. Einige Probleme und Situationen wurden für mich aber nur oberflächlich angekratzt wie z.B. Ninas Beziehung zu Erik oder ihrer Freundin Bahar. An einigen Stellen fehlte einfach die Tiefe. Trotzdem war das Buch an vielen Stellen gefühlvoll und regt eindeutig zum Nachdenken an.

ABSCHLUSSWORTE
Ninas Geschichte ist sehr emotional, echt und facettenreich. Manchmal fehlte leider einigen Themen nach Ninas Genesung die Tiefe. „Auf Null“ kann trotzdem weitestgehend überzeugen. Erstens weil Ninas Krankheitsverlauf teilweise sehr heftig ist. Andererseits regt das Buch zum Nachdenken an, denn schließlich zeigt Catharina Junk, dass dieser verdammte Krebs einfach jeden unvorbereitet treffen kann. Dadurch, dass Nina den Krebs besiegt hat, wird es trotzdem zu einer anderen Art Krebsbuch, das man nicht verpassen sollte. Einfach weil es zwar einerseits erschreckend, aber gleichzeitig auch eine Message für den Kampf und mehr Mut für das Leben ist.