Rezension

Außergewöhnliches Setting begeistert mit moderner Märchenwelt

Almost a Fairy Tale
von Mara Lang

Bewertet mit 3.5 Sternen

Was mich an diesem Buch am meisten begeistert, ist das Setting. Das Buch spielt in einem fiktiven Deutschland 2030, in einer Welt, in der Magie selbstverständlich ist. Die Geschichte ist oftmals an die tatsächliche Geschichte angelehnt, jedoch mit magischen Elementen ergänzt oder erklärt. In Deutschland gibt es ein Parlament mit einer repräsentativen Monarchie, die Welt ist hoch technisiert, allerdings nicht in dystopischem oder utopischem Ausmaß, stattdessen erinnert sie an unsere Gesellschaft, wie sie in anderthalb Jahrzehnten aussehen könnte.
Viele Märchen der Gebrüder Grimm haben tatsächlich stattgefunden, Prinzessinnen werden echte Namen gegeben und viele Elemente aus der Märchenwelt werden im Alltag aufgegriffen, wie beispielsweise in einem Tischlein-deck-dich-Restaurant, sodass es unheimlich viel Spaß macht, diese Welt und vor allem die Versetzung dieser märchenhaften Elemente in eine moderne Gesellschaft zu entdecken.

Doch diese Welt hat auch ihre Schattenseiten. Viele Märchenwesen wie Trolle, Einhörner und Drachen werden in Zoos eingesperrt, Menschen mit magischer Veranlagung in ein Klassensystem eingeteilt und diskriminiert, außerdem als Sündenböcke genutzt. Das erinnert teilweise stark an Rassismus in unserer Gesellschaft, bei dem ebenfalls Angst vor dem Fremden geschürt wird.

Die Protagonistin Natalie ist ebenfalls eine Magische, gehört jedoch der A-Klassifikation an, der höchsten Stufe, was bedeutet, dass sie ein privilegiertes Leben fast wie ein gewöhnlicher Mensch führen kann. Somit ist ihr die Diskriminierung nicht ganz klar - bis sie selbst Magie wirkt, eigentlich, um Menschen zu schützen, darin aber scheitert und als die Schuldige dargestellt wird. Auf einmal sieht sie sich mit der wirklichen Position der Magischen konfrontiert - und mit dem Hass, der in einigen Menschen auf diese schlummert.
Im Verlauf der Handlung muss sie einige Verluste einstecken, hier ist die Autorin alles andere als zimperlich und geht teilweise schonungslos, fast grausam mit ihren Charakteren um. Natalie, anfangs noch ein wenig naiv, entwickelt sich weiter im nachvollziehbaren Rahmen. Generell handelt sie meist entschlossen und loyal. Dennoch wird sie nicht plötzlich reif und abgeklärt, man merkt ihr immer ihr junges Alter und die Herkunft aus weitgehend glücklichen Verhältnissen an, sodass sie eben nicht dauernd stark ist und die ganze Zeit bewusst bleibt, dass sie eigentlich noch nur ein Mädchen ist.

Die Liebesgeschichte ist ... interessant. Kilian, der Love Interest, ist nicht nur Prinz sondern auch Agent der OBM, der Organisation für magische Belange, die die strengen Auflagen für Magische kontrolliert. Dennoch ist er kein abgehärteter Held, sondern auch ihm merkt man seine Jugend an, was erfrischend ist.
Tatsächlich kennen sich die beiden schon vorher und schreiben sich seit längerem Nachrichten, sodass die beiden schon zu Beginn der Handlung verliebt sind - was man deshalb von beiden weiß, da die Handlung abwechselnd aus Natalies, Kilians und Paiges Sicht - einem Charakter, auf den ich gleich noch zurückkomme - erzählt wird. Dadurch ist es nicht diese typische Liebe auf den ersten Blick, weil die Entwicklung im Vorfeld stattgefunden hat und sich das auf diese typische ganz übliche erste Verliebtheit beschränkt. Und es gibt kein Hin und Her. Allerdings bedeutet das auch, dass man als Leser diese Entwicklung nicht mitverfolgen konnte, aber wie gesagt, es handelt sich um diese typische Verliebtheit zu Beginn einer Beziehung, wie zwischen zwei ganz normalen Jugendlichen.

Natalies beste Freundin Jolly und deren Halbschwester Paige bringen mit ihrem Sarkasmus immer wieder auch Humor in die Story. Auch bei Paige, unserer dritten Erzählerin, gibt es eine Liebesgeschichte, die sich allerdings auch vor den Ereignissen entwickelt hat, bei der zumindest anfangs aber der Funke spürbar ist.
Was die Antagonist*innen angeht, so fand ich es hier bemerkenswert, dass man ihre Gründe absolut verstehen kann, dass man sie sogar teilt, aber die Mittel, zu denen sie greifen, falsch ist.

Die Handlung ist durchweg unvorhersehbar und vom Verlauf auch meist eher ungewöhnlich, da sie nicht üblichen Maßstäben folgt. Allerdings wiederholten sich mir manche Geschehnisse zu oft und gerade zum Ende hin rissen Action und Kämpfe nicht mehr ab, ohne dass jedoch viel dabei herumkam. Dadurch kamen mir die Handlungen der Protagonisten teilweise etwas unüberlegt vor, das Ganze etwas hektisch und ich hatte das Gefühl, mich im Kreis zu drehen.
Nichtsdestotrotz bin ich gespannt auf den zweiten und letzten Band der Dilogie.

Fazit: Außergewöhnliches Setting mit ernster Grundthematik, das mich mit der Einwebung von Märchenelementen und der Verbindung von Magie und moderner Gesellschaft absolut begeistert hat; Protagonisten, denen man ihr junges Alter anmerkt und Antagonisten mit nachvollziehbaren Handlungsgründen; unvorhersehbare, aber teilweise auch wiederholende Handlung, die vor allem zum Ende hin aus im Kreis drehender Action besteht