Rezension

Das dunkle Herz des Waldes

Das dunkle Herz des Waldes - Naomi Novik

Das dunkle Herz des Waldes
von Naomi Novik

Bewertet mit 4 Sternen

Klappentext:

Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen. Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia, sondern Agnieszka.
Quelle: cbj

 

Meine Meinung:

Auf dieses Buch hatte ich wahnsinnig große Lust und kaum hatte ich damit begonnen, war ich auch schon total gefesselt von er Geschichte, den Charakteren und dem Setting.

Protagonistin Agnieszka wächst in dem Glauben auf, dass sie ihre beste Freundin Kasia an den Drachen verlieren wird, der alle zehn Jahre kommt und sich eine junge Frau wählt, die er mit in seinen Turm nimmt und sie dort behält, bis er zehn Jahre später wiederkommt.
Am Tag der Wahl kommt es allerdings anders und der Zauberer wählt nicht Kasia, sondern Agnieszka und so findet sich diese in einer absolut fremden Situation wider.
Agnieszka ist eine sehr tollpatschige Protagonistin, die aber wahnsinnig liebenswert ist. Sie ist zwar nicht auf den Mund gefallen, gerade zu Beginn allerdings sehr eingeschüchtert und zurückhaltend, was ich in dieser seltsamen Situation allerdings auch total nachvollziehen konnte. Mit der Zeit taut sie allerdings etwas auf und begegnet dem Drachen von Zeit zu Zeit auch auf Augenhöhe, sodass auch dieser einsehen muss, was alles in der jungen Frau steckt.
Ich fand sie als Protagonistin wirklich klasse, denn neben ihrer doch sehr offenen Art, ist sie auch mutig und gibt alles für die Menschen, die ihr etwas bedeuten.

Der „Drache“ ist ein Zauberer, der schon wahnsinnig alt ist, allerdings noch ziemlich jung wirkt. Man weiß über ihn zu Beginn sehr wenig und die Informationen die wir bekommen, kennt Agnieszka von Erzählungen her, von Begebenheiten einiger Jahre zuvor oder von Liedern und Gedichten, die man sich vorträgt.
Auf jeden Fall hat der Drache ein wirklich bescheidenes Image, sagen wir mal so. Er sorgt dafür, dass die Menschen in den umliegenden Dörfern sicher leben vor dem dunklen Wald und deren Kreatur, im Gegenzug geben diese Menschen ihm eben alle 10 Jahre eine Frau. Da bleibt einem nicht viel übrig, als ihn irgendwie blöd zu finden, oder? =)
Trotzdem steckt hinter diesem Charakter natürlich weit mehr, als es zu Beginn den Anschein macht und je mehr ich den Drachen kennenlernen durfte, umso lieber wurde er mir. Er ist ein starker Magier, der einfach irgendwie… einsam und nicht verstanden leben muss, aber die Geschichte offenbart mit der Zeit noch weitaus mehr. Nur verrate ich euch das natürlich nicht. *hehe*

Die beiden nehmen schon den Großteil der Geschichte ein, es gibt aber natürlich auch noch andere Charaktere und auch diese sind so authentisch und persönlich dargestellt, wie unsere beiden Protagonisten. Viele Charaktere waren auch sehr spannend für mich, da ich mich von Anfang an gefragt habe, ob sie im Laufe der Geschichte auch noch eine Entwicklung durchmachen würden, oder ob sich meine Meinung über sie nicht mehr ändern wird. Was dabei raus gekommen ist… hm, ich wurde zumindest nicht enttäuscht, aber im Detail werde ich euch nicht verraten, wer es noch geschafft hat mein Leserherz zu erobern und wer nicht. Fakt ist: Die beiden Protagonisten haben es geschafft und das ist schon mal die Hauptsache, nicht wahr?! =)

Die ganze Story hat mir direkt gefallen und ich war ziemlich gefesselt von dem Weltenaufbau und den Entwicklungen. Es geht um Magie, um Gut und Böse und um Liebe und Hass. Ich fühlte mich an einige Märchen erinnert, während ich die Geschichte las und dabei rausgekommen ist ein ganz eigenes Märchen mit ganz eigenen Handlungen und ganz eigenen Charakteren.

Neben dieser „märchenhaften Komponente“, schafft die Geschichte es mit Gefühl und Spannung zu überzeugen, denn es gibt sowohl actionreiche Spannung, als auch unterschwellige Spannung, die nichts mit einem direkten Kampf zu tun hat, sondern mit den Menschen an sich. Auch Gefühle spielen eine Rolle, werden aber etwas klein gehalten, zumindest die romantischen Gefühle. Familie und Freundschaft sind stärker betont und ich habe es bedauert, dass die Romantik nur ein so kleines Stückchen abbekommen hat. Dann wäre gar keine Romantik vielleicht besser gewesen… hmmm. =)
Da das Buch ziemlich dick ist (fast 600 Seiten), war ich in der Hälfte des Buches dann tatsächlich auch ein Weilchen an einem Punkt der leichten Lustlosigkeit angelangt, weil es sich dann doch etwas zu sehr gezogen hat. Allerdings legte sich dieses Gefühl zum Glück auch wieder und es ging aufregend weiter.

Der Schreibstil ist auf jeden Fall eher leicht und nicht so gekünstelt, wie es in Märchen oder „märchenähnlichen Geschichten“ leider der Fall ist. Es liest sich wunderbar weg, ist ein schönes Fantasy-Jugendbuch, das wirklich rein von den Storyelementen an ein Märchen erinnert, vom Stil her aber absolut toll ist. =)

 

Fazit:

Eine wunderschöne Geschichte, die ich wahnsinnig gerne gelesen habe. Ich freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin und bin gespannt in welche Richtung es gehen wird. =)
Gute 4 von 5 Pfotenherzen von mir