Rezension

Das Grundgerüst hat viel geniales Potential, allerdings hat mir die Umsetzung gar nicht gefallen.

Auf Leben und Tod - Martin S. Burkhardt

Auf Leben und Tod
von Martin S. Burkhardt

Dieses Buch beginnt bereits sehr grausam. Henry ist noch ein Kind, wird regelmäßig von seiner Mutter missbraucht, von seinem Vater auch nicht besser behandelt. Dadurch bekommt er schon in seiner Jugend einen gewaltigen Knacks in seiner Psyche und zeigt erste Ansätze seiner späteren Persönlichkeit. 
Da die einzelnen Kapitel immer zwischen den Zeiten wechseln - Also seiner Jugend und seiner Regentschaft als „König“- kann man genaue Bezüge sehen, wie sich Erlebnisse in der Vergangenheit auf sein selbstgeschaffenes Königreich ausgewirkt haben. Und deswegen wirkt auch diese Welt, die er mit seinen irren Regeln beherrscht, wie die kranke Fantasie eines gestörten Kindes. 
Ich muss dazusagen, dass dieses Buch eher eine sehr krasse Was-Wäre-Wenn-Situation beschreibt und keinen realen Horror. Man sollte die Idee, eine eigene Welt unter der Erde zu erschaffen, nicht allzu ernst nehmen, sondern es eher als einen skurrilen und abstrusen Einfall auffassen. Zwar haben in der Geschichte der Menschheit grausame Leute ähnliche Taten vollbracht, aber „Auf Leben und Tod“ spitzt das Ganze nochmal auf eine ganz eigene Art sehr zu. 

Henry ist meiner Meinung nach nie wirklich erwachsen geworden. Es wird beim Lesen sehr deutlich, wie er sich von einem gequälten Jungen in ein krankes und gefährliches Schwein verwandelt, geistig aber nie über maximal 13 Jahre hinauswächst. Es tut mir sogar richtig leid um den lieben Jungen, der er anfangs noch ist. Allerdings werden nach und nach immer schlimmere und ekelhaftere Themen angeschlagen und ich, als absolute Tierliebhaberin, habe mir größte Mühe gegeben, über einige Stellen schnell hinwegzulesen. So habe ich auch aus der Zuneigung, zu dem kleinen unschuldigen Jungen eine starke Abneigung gegen das entwickelt, was er geworden ist.
Die Bewohner, also die „Untertanen“ Henrys sind bunt gemischt. Manche von ihnen hat er viele Jahre zuvor auf der Erdoberfläche gefangen, andere sind dort unten geboren und haben nie Tageslicht gesehen. Aber sie alle wissen ganz genau, wo sie leben. Jedoch haben die Kinder nie erfahren, wie es „dort oben“ aussieht und dass sie eigentlich Gefangene sind. Aufgefallen ist mir, dass sie alle so ziemlich das gleiche Vokabular haben: Nicht besonders weit entwickelt und anstandslos. Worauf das zurückzuführen ist, kann man sich denken.
Zwar klingt das alles bisher sehr schlimm, doch hat der Autor auch dafür gesorgt, sympathische Figuren in die Geschichte einzubinden: Aldiana und Alona. Die beiden Kinder führen den Leser durch die spätere Welt, die Henry erschaffen hat und bringen immerhin hin und wieder Lichtblicke. Die beiden scheinen die Einzigen zu sein, die nicht vollkommene Freaks geworden sind.

Da ich bereits „Ausradiert“ von Martin S. Burkhardt kenne, war ich etwas enttäuscht, da ich dieses Buch wirklich super fand. Natürlich habe ich eine ganz andere Geschichte erwartet, aber auch sein fesselnder Schreibstil fehlt in „Auf Leben und Tod“ irgendwie. Es lässt sich trotzdem leicht und schnell lesen, doch hat es auf mich immer so gewirkt, als wäre er als Autor nicht ganz bei der Sache gewesen. Erschwerend kam hinzu, dass es nie wirklich spannend wurde. Als Leserin habe ich kein Ziel gesehen, auf das das Buch hinarbeitet und nie wirklich mitfiebern können. Vielleicht lag hier der Fehler aber auch an mir, da ich durch die Leseprobe auf Amazon bereits unfreiwillig das Ende kannte. Ich muss aber zugeben, dass ich die Geschichte auch nicht aufregender gefunden hätte, wenn ich das Ende nicht bereits gewusst hätte.
Aus dem Finale hätte man auch mehr machen können. Es plätschert eher unaufregend dahin, als in einem großen Knall zu enden, wie es eher gepasst hätte.

Fazit

Das Grundgerüst hat viel geniales Potential, allerdings hat mir die Umsetzung gar nicht gefallen.
Vielleicht bin ich einfach nicht für diese Art von Buch gemacht.