Rezension

Der Rechtsprecher und andere Psychopathen

Du sollst nicht leben - Tania Carver

Du sollst nicht leben
von Tania Carver

Bewertet mit 2 Sternen

Ein Mann erwacht, gefesselt und gefangen. Ihm gegenüber sitzen seine Frau und sein neugeborenes Kind. Ein maskierter Mann stellt ihn vor die Wahl: dein Leben oder das deiner Familie als Gerechtigkeit für das Töten einer anderen Frau und Kind durch Fahren unter Drogeneinfluss. Der Mann entscheidet sich für sein Leben, Frau und Kind sterben. Durch diesen Fall kommt Inspector Phil Brennan mit einem Psychopathen in Kontakt, der sich der "Rechtsprecher" nennt. Er behauptet, nur Gerechtigkeit ausüben zu wollen und mordet weiter. Zur gleichen Zeit ist die Psychologin Marina in der Psychatrie, um eine Patientin zu begutachten, die möglicherweise noch gefährlicher ist als der Rechtsprecher.

Den Anfang fand ich zwar nicht sehr originell, aber gut gemacht, wirft er doch auch Fragen nach mehr als reiner Moral auf. Doch dann ging das Buch den Bach runter. Man bekam immer mehr das Gefühl, dass Carver keine Ahnung hatte, was eigentlich passieren sollte, viel zu sehr zusammengestückelt erschienen die Handlungsstränge, viel zu sehr konstruiert alles, um es irgendwie zusammenführen zu können. Da ist dieser Rechtsprecher, der mal eben einen ganzen Polizeiapparat austrickst, nebenbei hat er von einem Hacker gelernt, sich auf Bankkonten eines mächtigen Bankers zu hacken. Völlig sinnlos die Szenen mit den Straßengangs und der ehemaligen Gangsterbraut, nur Lückenfüller für gar nichts. Die Psychopathin schafft es, einen Mann anzugreifen, während sie hinten im Fond sitzt. mit auf dem Rücken gefesselten Händen und sich wie ein Vampir in dessen Halsschlagader zu verbeißen. Dieser Mann macht nicht das, was jeder vernünftige Mensch in so einer Situation tun würde, nämlich einfach mal seinen Ellenbogen rückwärts zu dreschen und der Angreiferin das Gesicht zu zerschmettern, nein, er erwägt, ob er erst mal an den Straßenrand fahren soll. Ich kenne die Vorgänger dieses Buches nicht, aber Spaß am Schreiben, finde ich, sieht anders aus. Ich hatte das Gefühl, dass der Verleger gesagt hat: Los, schreib doch noch ein Buch, das läuft so gut. Und Carver meinte: Ach, nee, echt nicht. Und der Verleger wedelte mit Geldscheinen. Und Carver stampfte trotzig mit den Füßen auf und sagte: Ok, aber nur weil du mich zwingst - mit Geld. Dafür bringe ich mal ein paar Leute um, die vielleicht gemocht werden, so! Verleger: *shrug*
Und ehrlich, mehr bleibt mir auch nicht, außer mit den Schultern zu zucken.

Kommentare

wandagreen kommentierte am 27. Juni 2017 um 11:05

haha, ja die Vielschreiber schreiben sich um Kopf und Kragen ;-).

Aacher witzelte am 27. Juni 2017 um 15:24

Sie können nichts dafür, wenn man sie mit Geld zwingt.

katzenminze kommentierte am 27. Juni 2017 um 11:42

Ach, wunderbar. Was wäre das Leben ohne Verrisse... :) Dabei klang deine Zusammenfassung so spannend! Schade drum. *shrug*

Aacher kommentierte am 27. Juni 2017 um 15:25

Ja, die Idee ist nicht schlecht. Geschrieben ist es auch routiniert, nur nicht durchdacht.

Finya kommentierte am 05. Juli 2017 um 21:31

Echt schade. Das Buch hatte ich schon mehrfach in der Hand und es klang wirklich gut, aber wenn es echt so komisch geschrieben ist, ist es wohl reine Verschwendung es zu lesen...-

Aacher kommentierte am 06. Juli 2017 um 10:20

Es gibt ganz viele Fans der Reihe, die sehen das vielleicht nicht so verbissen.

calimero8169 kommentierte am 10. Juli 2017 um 11:47

Puh, eigentlich klang der Plot echt interessant. Aber da wir ja oftmals auf der gleichen Schiene sitzen, lasse ich es lieber. 

Aacher kommentierte am 10. Juli 2017 um 19:12

Probier's doch erst mal über die Bücherei (weiß nicht,ob ihr in eurem Outback schon so fortschrittlich seid, aber selbst hier an der Grenze gibt's so was ;D).

MrsFraser kommentierte am 10. Juli 2017 um 13:51

Der Dialog zwischen Carver und dem Verleger: :D

Über Bücher, die man schlecht findet, kann man sich so herrlich lustig machen, gell?

Aacher kommentierte am 10. Juli 2017 um 19:13

Ich mache mich nie über ein Buch lustig ... oder? ;)

Buchliese kommentierte am 06. August 2017 um 13:56

Ich kann dir da nur zustimmen. Im Gegensatz zu den anderen Teilen war der hier wirklich schlimm. Die ständigen Wiederholungen und Rückblenden in die Vorgänger braucht kein Leser. Dann wiederum hättest du nicht deine erheiternde Rezi schreiben können und das wäre schon schade gewesen. Danke dafür!

 

Aacher kommentierte am 10. August 2017 um 12:13

Also sind die anderen Bücher besser? Mich hat das hier so abgeschreckt, dass ich nie einen der Vorgänger anfassen wollte, aber mal sehen - vielleicht Flohmarkt oder Bibliothek.

Buchliese kommentierte am 12. August 2017 um 17:44

Den ersten Teil fand ich nicht schlecht. Natürlich sollte man immer im Auge behalten, dass es sich um Bücher handelt, die für die Masse der Leser und vor allem für einen entsprechenden Umsatz geschrieben werden. Und weil es offensichtlich funktioniert, zeichnet sich ab Band zwei schnell auch dann ein gewisses Muster ab. Der Bösewicht kann nur mit Hilfe von Psychologen aufgespürt werden, natürlich kann es nur Marina sein. Es gibt auch immer verletzte oder tote ermittelnde Beamte. Im Laufe der Reihe verlagert sich zwar alles von London nach Birmingham und es wird auch mal Marina in den Mittelpunkt gestellt, aber ausgesprochen große Abweichungen vom erfolgreichen Konzept gibt es nicht. Und was noch auffällt: Mit jedem Buch der Reihe nehmen die Rückblenden zu. Wieder und wieder werden Erlebnisse aus vorangegangenen Büchern erzählt. Die Leser, die die Reihe nacheinander lesen, langweilt es wahrscheinlich. So ging es mir zumindest. Leser, die nur mal ein einzelnes Buch lesen, werden nur unnötig verwirrt. 

Aacher kommentierte am 31. August 2017 um 00:06

Danke für die super Einschätzung. Also ist das eine Reihe, um die ich einfach in Zukunft einen Bogen machen werde. :D