Rezension

Diese Rezension enthält Spoiler. Klicken, um alle Spoiler auf dieser Seite lesbar zu schalten.

Die Majestäten des Meeres - ein absolutes Leseerlebnis

Der Geist des Ozeans - Kurt de Swaaf

Der Geist des Ozeans
von Kurt de Swaaf

Bewertet mit 5 Sternen

Keiner taucht tiefer, keiner ist lauter, keiner hat ein größeres Gehirn. Ob es die Rettung eines gestrandeten Wals ist, der durch Menschenhand geheilt und wieder in die Freiheit entlassen wird, oder der legendäre Moby Dick: Die Wucht seiner physischen Gestalt, sein ebenso schnelles Auftauchen wie Verschwinden inspiriert Schriftsteller und fasziniert die Menschheit. Insbesondere die Forscher.

Im April 1981 spülte das Meer einen jungen Pottwal an den Strand von Oak Beach. Als die Leute feststellten, dass er noch lebte, versuchte man mit allem was machbar war, ihn zu retten. So wurde er von der Sandbank in den kleinen Yachthafen gezogen. Und er bekam einen Namen "Physty". Den Menschen gelang es, ihn zu retten und danach wurde er wieder in die Freiheit entlassen. Jahre später sah sein Retter eine Gruppe Pottwale und erkannte "Physty".
Zitat S. 9
Der Wal reagierte auf seine Retter, erkannte sie, hatte Vertrauen. Und sie sahen in seine Augen, berührten ihn, und spürten, wie einzigartig das Leben ist. Mitgefühl kann grenzenlos sein, der Mensch wächst über sich hinaus. Nie werden sie es vergessen."

"Der Geist des Ozeans" erzählt nicht nur die Geschichte um "Physty", sein Erwachsenwerden. Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft mit den Riesen des Meeres. Etliche Dokumentarfilme über diese majestätischen Tiere, die mich wirklich faszinieren, aber dennoch die Angst vor der Tiefe des Meeres nicht nehmen können, ist es immer etwas Einzigartiges, Besonderes, diesen Bildern zu folgen. Desweiteren wird die Geschichte von der Griechin Kalliopi Gkikopoulou, die schon in jungen Jahren den Entschluss fasste, Forscherin zu werden. dass selbst im Mittelmeer Pottwale leben, mag so manchen erstaunen. Meeresbiologie, Walforschung, das wurde Kalliopis Leben, ihre Bestimmung. Und sie legte ihre Fokkus später auf die Bioakustik. Allerdings war es auch für sie nicht einfach mitzuerleben, wie tief der Mensch in die Natur eingreift.
Zitat S. 17
"Man will etwas beschützen, was sich nicht selbst helfen kann", sagt Kalliopi. Aber wie soll das gelingen, ohne zu wisssen, wie es lebt und was es braucht? Ohne Forschung keine Zukunft.

Wir erinnern uns: Im Jahr 2016 strandeten etliche Pottwale an der Nordseeküste. Sie hatten keine Chance. Warum sie ihren Weg, ihre Orientierung verloren hatten, man weiß es nicht. Untersuchungen haben ergeben, dass sich Unrat von den Menschen, Plastikmüll, sogar ein Fischernetz in den Mägen der jungen Pottwalbullen befanden. Unrat vom Mensch, tödlich für den Wal.

In den zwölf Kapiteln wird nicht nur über das Erwachsenwerden von Physty geschrieben, viele sachliche Erläuterungen, wissenschaftlich hinterlegt, fließen im Text mit ein. Sehr hochinteressante Berichte. Man sollte sich dafür interessieren.
Ebenso werden die Anfänge der Geschichte zum Walfang beschrieben. Mitte 1980 wurde offiziell der Walfang verboten. Nur die Japaner halten sich mal wieder nicht daran und begründen es mit "wissenschaftliche Walfänge", um dieses Verbot zu umgehen.
Kommunikation unter den Tieren, ja die gibt es. Jede Tierart auf ihre Weise. Bei den Pottwalen nennt man sie "Klicks". Ebenso haben die Tiere eine starke Familienbindung, welches durch wissenschaftliche Forschung bekannt wurde.

Ergänzt wird das Buch durch ein Glossar wissenschaftlicher Namen, Grafik Größenvergleich Wale, dem Literaturverzeichnis und einer Danksagung.

Einmal in das Buch eingetaucht, lässt es einen nicht mehr los. Trotz der sehr ausführlichen und großartigen aufschlussreichen Ausführungen ist es dem Autor gelungen, ein wahrhaft interessante Buch über den Pottwal zu schreiben. Giganten des Meeres, Majestäten, Lesewesen, die es gilt zu schützen. Den Überlegungen, Walschutzzonen einzureichen, sollte man intensiv nachgehen. Wir Menschen haben es in der Hand, unsere Schatzkammer, unsere Erde, nicht vollständig auszurotten.
Meine Bitte, greift einmal zu einer anderen Lektüre als das, was ihr sonst lest. "Der Geist des Ozeans" von Kurt de Swaaf ist ein absolutes Leseerlebnis. Ihr werdet es nicht bereuen.

Kommentare

Emswashed notierte am 08. Juni 2017 um 20:48

Danke für die Rezension! Ich stelle mir das Buch ähnlich faszinierend vor, wie "H wie Habicht". Da konnte ich mir anfangs auch nicht vorstellen, dass diese Vögel mich regelrecht in den Bann gezogen haben. Den Geist des Ozeans werde ich mir auf meine Wunschliste schreiben. :-)