Rezension

dieses Werk sollte man sich nicht entgehen lassen!

Stadt der tanzenden Schatten - Daniel José Older

Stadt der tanzenden Schatten
von Daniel J. Older

Bewertet mit 5 Sternen

Zitate:

"Plötzlich zitterte die glänzende gemalte Träne, und dann rollte sie dem alten Mann über das Gesicht." Seite 10

"Es kannte ihren Namen. Sie sah auf. Es grinste." Seite 28

"Sie wusste, dass etwas im Gang war, aber heute Abend hatte sie zum ersten Mal in ihrem Leben gespürt, dass sie dem Tod ins Auge sah." Seite 120

Meinung:

Sierra bemerkt beim Zeichnen eines Wandbildes etwas Seltsames. Nicht nur, dass alle bereits bestehenden Wandbilder irgendwie verblassen, auch in den Augenwinkeln der Zeichnung von Papa Acevedo entdeckt sie eine Träne, von der sie sicher ist, dass diese vorher noch nicht da war. Als diese Träne jedoch anfängt zu laufen, weiß sie, dass etwas passieren wird. Am selben Tag erwacht ihr Abuelo aus seiner Lethargie, in der er sich seit seinem Schlaganfall befindet und warnt sie, dass "sie" kommen um alle Schattenbildner zu holen. Und dass sie mit Hilfe ihres Schulkameraden Robbie sofort ihr Wandbild beenden muss, um alle retten zu können. Danach verstummt er und Sierra ist auf sich allein gestellt, ohne zu verstehen, was das bedeuten soll. Und niemand, der ihr Wissen dazu vermitteln könnte, will darüber reden...

Wow, ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Selten hat mich ein Buch dermaßen überrascht und geflasht, wie dieses! Eigentlich wollte ich gestern erstmal nur anlesen, aber das war schlicht unmöglich! Einmal angefangen, zog es mich so in seinen Bann, dass ich es am Stück lesen musste. Aufhören war schlicht undenkbar!

Aber beginnen wir am Anfang :)

Der Autor spielt etwas mit der Stimmung. Einerseits überraschend und bedrohlich -durch auftretende Geschehnisse und Gefahren-, lockert er diese immer mal wieder durch jugendliche Szenen auf, in denen wir sehen, dass Sierra eigentlich bislang eben auch nur ein ganz normaler Teenager ist. Freunde treffen, Tanz und ganz wichtig Musik, machen einen großen Teil ihres Lebens aus. Zusätzlich unterstreicht er das mit einem recht jugendlichen und hippen Schreibstil, wenn du weißt, was ich meine "Bro" :) Dies macht er jedoch in einem Stil und Ausmaß, so dass auch die nicht mehr jugendlichen Leser keinerlei Probleme damit haben werden. Ich empfand es jedenfalls als passend und habe mich zu keiner Zeit daran gestört.
Diese Wechsel zwischen unheilvoll und heiter, lassen den Leser deutlich spüren, dass sich etwas zusammenbraut, das Sierra nach und nach wie ein Puzzle zusammensetzen wird und uns durchgehend mitfiebern lässt.
Und so kommt es dann auch. Die Geschichte nimmt von Seite zu Seite mehr Fahrt auf. Wird spannender, unheimlicher, aber auch grausamer. Ja, es kommen auch recht gruselige, horrorartige Passagen vor, die einfach nur genial durchdacht und in Szene gesetzt wurden.
Ich war zwischendurch etwas unsicher, ob der Autor diesen Nervenkitzel bis zuletzt halten kann, aber seid unbesorgt! Atemlosigkeit von Anfang bis Ende garantiert ;) Ich hätte nie für möglich gehalten, dass sich das noch steigern ließe, wurde aber eines Besseren belehrt!

Die Geschichte um Sierra, inklusive sich ändernden Wandbildern, verschwindenden Menschen und zu lösenden Geheimnissen, ist gleichzeitig grauenvoll -dies jedoch nur auf Grund der Dinge, denen sie sich stellen muss, also nicht die Geschichte selbst ;)- und wunderschön! Die Bilder und der Fantasiereichtum, mit denen die Story erzählt wird, haben mich jedenfalls komplett umgehauen! Eine klare Leseempfehlung von mir, dieses Werk sollte man sich nicht entgehen lassen!