Rezension

Ein spannender Wissenschaftsthriller und die Quantenphysik

Der Schlüssel des Salomon - J. R. Dos Santos

Der Schlüssel des Salomon
von J. R. Dos Santos

Bewertet mit 5 Sternen

„Wenn es niemanden gäbe, der den Mond anschaut, würde er schlicht und einfach nicht existieren.“ (Zitat Seite 167)

Inhalt:

Ein bahnbrechendes, wissenschaftliches Experiment im CERN in Genf muss auf Grund eines plötzlichen Alarms abgebrochen werden. Im Hochsicherheitsbereich liegt ein Toter: Frank Bellamy, Wissenschaftsdirektor der CIA. In der Hand hält er einen Zettel, welcher auf Tomás Noronha hinweist. Damit ist für die CIA klar, wer der Mörder ist: der portugiesische Geschichtsprofessor und Kryptologe.

Eine geheime Jagd auf Tomás Noronha beginnt. Dieser muss nicht nur vor seinen Verfolgern, Spezialagenten der CIA, fliehen, sondern gleichzeitig den Fall aufklären und den wahren Mörder finden. Dazu muss er das Pentakel entschlüsseln, das ihm ein Unbekannter geschickt hatte.

Doch worum geht es hier wirklich? Was genau ist das Quantenauge, das die CIA unbedingt in die Hände bekommen will?

Dieser Roman ist ein Wissenschaftsthriller und beschäftigt sich mit den großen physikalischen Entwicklungen im Bereich der Quantenphysik, Teilchenexperimente im Mikrokosmos-Bereich und modernen Theorien in Bezug auf das Universum, was ist Zufall, was ist Realität. Wie passt das menschliche Bewusstsein tatsächlich in dieses Gesamtbild, ist ebenfalls ein Thema. Auf der Suche nach Antworten in Bezug auf den Mord an FRank Bellamy müssen sich Tomás und seine Freundin Maria Flor immer wieder mit den aktuellsten Entwicklungen in diesem Bereich auseinandersetzen.

Der Autor bindet die neuesten Erkenntnisse der Quantenphysik und Bewusstseinsforschung in eine spannende Verfolgungsjagd ein, Tomás wird von erfahrenen CIA Agenten gejagt und die Geschichte hält den Leser bis zum Show-down in Atem.

Tomás Noronha, den der Leser vielleicht schon vom Fall „Einstein Enigma“ kennt, ist ein sympathischer Hauptprotagonist und es fehlt ihm trotz seines umfassenden Wissens jegliche Überheblichkeit. Im Prinzip ist er ein friedlicher, begeisterter Wissenschaftler, doch wenn es die gefährlichen Situationen erfordern, reagiert er schnell und durchaus kreativ.

Wenn man „Das Einstein Enigma“ nicht gelesen hat, ist das kein Nachteil, der vorliegende Roman kann für sich alleine gelesen werden und es gibt einige Hinweise auf die Vergangenheit.

Die Sprache ist packend und liest sich sehr flüssig, aber auf Grund der Thematik ist dieser Thriller doch eine anspruchsvolle Herausforderung an den Leser. Auch wenn die Erklärungen der Schrödingergleichung, des Doppelspaltexperiments und weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse im Bereich der Quantenphysik verständlich formuliert sind, kann man nicht so einfach darüber hinweglesen. Doch gerade dieses Thema macht diesen Roman nicht nur extrem spannend, sondern auch hochinteressant. Der Autor wirft hier Fragen auf, über die man bisher vielleicht noch wenig wusste und die zum intensiven Nachdenken anregen, die mit der letzten Seite dieses Romans noch längst nicht abgeschlossen sind.

Obwohl man Genre, Thema und Protagonist mit Dan Browns Büchern vergleichen kann, sind die Geschichten, die uns diese beiden großartigen Autoren erzählen, völlig unterschiedlich und ich sehe das auf jeden Fall positiv, da es noch zu wenig gute Bücher und Autoren in diesem speziellen Genre gibt. 

Ein Buch für alle Leser, denen nur ein spannender Thriller zu wenig ist, die sich zusätzlich brisante, interessante Themen wünschen. Nur Leser, denen Origin, der neueste Dan Brown, „zu langweilig“ war, werden auch mit J.R. Dos Santos keine Freude haben.