Rezension

Eine schöne Geschichte über das Erwachsen werden

Die Mitte der Welt - Andreas Steinhöfel

Die Mitte der Welt
von Andreas Steinhöfel

Bewertet mit 5 Sternen

"Die Mitte der Welt" gehörte wieder zu den Hörbüchern, welche ich mir eines Tages von Freunden ausgeliehen habe, ohne dabei auf den Klappentext zu achten. Hier bin ich einfach nur nach dem Titel gegangen und dachte, dass es sich hier sicher um eine Art philosophischen Roman, oder einen Reiseroman handeln müsste.
Schon nach wenigen Minuten wusste ich, dass es egal war, ob die Geschichte gut oder schlecht werden würde, denn: Der Sprecher war perfekt!

"Die Mitte der Welt" wird von Rufus Beck gelesen. Bei Hörbüchern von Beck habe ich das Gefühl in eine alt bekannte Welt einzutauchen, obwohl ich die neuen Protagonisten der aktuellen Geschichte überhaupt nicht kenne. Beck macht es einem leicht, in die Geschichte einzutauchen.

Obwohl er, im Vergleich zu Harry Potter, schlicht liest, schafft er es die richtige Stimmung des Romanes zu transportieren. Er nimmt Fahrt auf, wenn es spannend wird und wird ruhiger, wenn Protagonist Phil nachdenklich wird.

Inhaltlich geht es um zwei Handlungsstränge. Zum einen bewegt sich Ich-Erzähler Phil in der Gegenwart. Allerdings gibt es immer wieder Situationen, die ihn an Ereignisse aus der Vergangenheit erinnern, weswegen er dem Leser oft von solchen Momenten erzählt. So erfährt der Leser beispielsweise, wie er und siene Zwillingsschwester aufgewachsen sind und wie sie sich in der Gegenwart verstehen.

Unser Hauptcharakter Phil ist sehr sensibel und würde wahrscheinlich von bösen Zungen als "Memme" bezeichnet werden. Er setzt sich mit dem Thema Liebe auseinander, versucht für sich zu klären, wie er diese definiert und was er bereit ist, dafür zu geben.

Die verschiedenen Facetten der Liebe werden anhand der unterschiedlichen Charaktere, wie beispielsweise Phils bester Freundin, seiner Schwester, oder auch der Mutter der Zwillinge, beleuchtet. Das Schöne ist, dass an keiner Stelle das Gefühl aufkam, sich in einem typischen kitschigen Liebesroman zu befinden.

Die Spannung wurde durch die richtige Mischung an Tiefgründigkeit und Lebendigkeit getragen. Während Phil über den Sinn des Lebens philosophieren kann, bleibt die Geschichte inhaltlich trotzdem nicht stehen.

Die Spannung wurde auch dadurch transportiert, dass Phil uns an seinem Innenleben teilhaben ließ und wir mitbekamen, wie er und seine Umwelt darauf reagiert.

Ich-Erzähler Phil berichtet überwiegend in Präsens. Obwohl ich Präsens nicht so gerne lese, habe ich hier erstmals festgestellt, dass es darauf ankommt, wie man die Erzählperspektive spannend verpackt. Erst nach der Hälfte des Buches ist mir der Schreibstil wirklich bewusst geworden.

Der Schreibstil gleicht dem typischen Jugendbuch Stil, der für eine Leichtigkeit sorgt, die mich regelrecht an das Hörbuch fesselte und dafür sorgte, dass ich es innerhalb weniger Stunden verschlang. Die Geschichte wird lebendig erzählt, hat aber trotzdem die richtige Tiefe an den passenden Stellen.

Was den Gesamteindruck der Geschichte betrifft, hatte ich überhaupt keine Erwartungen an die Geschichte. Als ich erfuhr, dass das Hörbuch von Rufus Beck gelesen wurde, war meine Vorfreude auf "Die Mitte der Welt" natürlich noch größer. Zudem begann mich auch die Geschichte zu überzeugen.

Sowohl die Hörbuchfassung als auch der Inhalt der Geschichte haben wunderbar miteinander harmoniert.

Kommentare

Leuchtturmwaerterin kommentierte am 05. Dezember 2016 um 16:41

Das Buch fand ich auch total toll.