Rezension

Feuriges Mädchen

Feuerkind - Stephen King

Feuerkind
von Stephen King

Bewertet mit 4 Sternen

Charlie ist ein kleines Mädchen und kann allein durch ihre Gedanken Feuer entfachen. Einst versprach sie ihren Eltern, dass sie es niemals wieder machen wird. Doch was, wenn ihr Leben in Gefahr ist?

Mit „Feuerkind“ hält man einen interessanten King-Roman in den den Händen, der sich mit geheimen Experimenten, Verschwörungen der amerikanischen Regierung und dem Leben eines kleinen Mädchens auseinandersetzt.

Charlie ist das Ergebnis eines Experiments. Ihre Eltern nahmen einst als Studenten für ein paar Dollar an Versuchen teil und hatten seither mit eigenen Problemen zu kämpfen. Doch niemand ahnte, dass aus dieser Verbindung ein Kind mit einem Hang zur Pyrokinese entsteht. Dadurch steht die Familie im Brennpunkt des Interesses. Denn die Regierung ist sehr wohl an diesen Entwicklungen interessiert und das Leben mit einem feurigen Kleinkind kann durchaus brenzlig sein.

Charlie weiß, was sie mit ihren Fähigkeiten anrichten kann und ist durch die Ereignisse verstört. Sie kann nicht abschätzen, was und wie ihr geschieht, und möchte nur bei ihrem Vater sein. Obwohl Charlie ein tolles Mädchen ist, das mit der Pyrokinese zu kämpfen hat, hat sie mich nicht ganz überzeugt. Ich mochte sie. Ihre Entscheidungen und Handlungen waren meiner Ansicht nach logisch durchdacht, doch für ein Mädchen von 8 Jahren ziemlich weit hergeholt.

King erzählt Charlies Geschichte mittels zwei Strängen und mehreren Figuren. Zu Beginn steht ihr Vater Andy im Zentrum der Aufmerksamkeit. Durch ihn erfährt man, wie die damalige Versuchsreihe abgelaufen ist, wie er dadurch seine Frau Vicky kennenlernte und mit welchem Konsequenzen das Paar seither zu kämpfen hat.

Besonders die Beschreibung der Experimente mochte ich sehr. Eindringlich und bedrohlich geht King den Ursachen von Charlies Fähigkeiten auf die Spur. Er lässt den Leser die Versuche durch Andys Augen erleben. Dazu zählen sein Medikamentenrausch und die Besuche merkwürdiger Gestalten am Krankenbett. Es entsteht eine dichte, beklemmende Atmosphäre, jedoch weiß Andy nicht, ob er sich alles nur eingebildet hat.

Der zweite Strang - der in Andys Gegenwart spielt - ist von der Flucht vor der Regierung geprägt. Gerade in Zeiten des kalten Krieges sind die Agenten erheblich an Charlies Fähigkeiten interessiert und natürlich wissen sie nur zu genau, dass von dem kleinen Mädchen große Gefahr ausgeht. 

Der Aufbau der Handlung mit den beiden Strängen hat mir sehr gut gefallen, weil schon allein daraus feurige Dynamik entsteht. Actionszenen wechseln sich mit fesselnden Begebenheiten ab, und beinhalten Abschnitte, die vergleichsweise ruhig zu lesen sind.

Erwähnenswert ist Kings Liebe zum Detail und das flammende Leben, das er selbst Nebenfiguren einhaucht. Jeder Charakter ist tief, im Grunde glaubhaft, wirkt authentisch und nachvollziehbar.

Während mich King mit Handlung und Figuren an die Seiten gebannt hat, habe ich brenzlige Szenen, eine feurige Verfolgungsjagd und einen flammenden Showdown erlebt, der mir dann eine Spur zu lau abgeklungen ist. Ich hatte das Gefühl, als sei die Geschichte nicht vollständig erzählt. Natürlich kann ich mir gut vorstellen, dass genau das Kings Absicht war.

Insgesamt ist Stephen Kings „Feuerkind“ ein spannender Roman, der mit eindringlichen Figuren, brisanten Hintergründen und einem fesselnden Handlungsaufbau durchaus entflammen kann.