Rezension

Grandiose Mischung aus Familienepos und Krimi

Der schwarze Falter - Barbara Vine

Der schwarze Falter
von Barbara Vine

Bewertet mit 5 Sternen

Obwohl Ruth Rendell eine unheimlich erfolgreiche und sehr produktive Schreiberin war, kannte ich bisher nicht mehr als ihren Namen. Dass sie zudem noch unter dem Pseudonym Barbara Vine 14 weitere Romane geschrieben hat, war mir völlig unbekannt. Der schwarze Falter war ein simpler Flohmarktfund. Ein simpler Flohmarktfund allerdings, der mich nicht mehr losgelassen hat.

Dieser Roman lebt von seinen grandiosen Charakteren. Zum einen Gerald Candless: Er ist ein erfolgreicher Romanautor und Vater von Sarah und Hope. Einerseits ist er der liebevollste Vater der Welt, andererseits ist er zu seiner Frau Ursula kalt und abweisend. Ursula selbst wirkt sehr passiv. Sie musste schon viele emotionale Verletzungen erfahren, die sie zu der Person gemacht haben, die sie ist, eigentlich aber gar nicht sein will. Für Sarah und Hope gibt es nichts größeres als ihren Vater. Sie sind dementsprechend versnobt und verwöhnt aber auch klug und emotional. Das Schöne an alldem ist, dass jeder Charakter einen durchweg sympathischen und einen unsympathischen Zug hat. So fällt es schwer, sich auf eine Seite zu schlagen und man fühlt mit jedem einzelnen mit.

Der Roman beginnt mit Gerald Candless Tod und gewissen Ungereimtheiten, die daraufhin in seiner Biografie auftauchen. Irgendetwas ist in seiner Vergangenheit passiert, das ihn dazu brachte ein komplett neues Leben zu beginnen. So wird der Roman zu einer Mischung aus kriminalistischer Spurensuche und Familienstudie. Im Rückblicken schildert Vine Passagen aus Geralds und Ursulas Leben. Diese sind perfekt durchdacht. Sie Enthüllen immer genau die richtige Menge, halten die Spannung hoch und verraten dem Leser viel darüber, wie es zu den seltsamen Verhältnissen der Familienmitglieder untereinander kam. Diese Mischung aus Emotion und Spannung hat mich komplett gefesselt. Ich konnte dem Roman kaum aus der Hand legen. Und Vine wartet praktisch bis zur letzten Seite, bis sie endlich alles aufklärt.

Barbara Vine hat einen eleganten Schreibstil. Er passt zum Intellektuellen Candless-Clan, ist aber gleichzeitig einfühlsam und unaufgeregt. Ganz großartig fand ich, dass jedes Kapitel mit einem Zitat aus einem von Gerald Cadless fiktiven Romanen beginnt. Das macht die Geschichte nochmal ein ganzes Stück lebendiger.

Ich kann für diesen Roman eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Die Charaktere sind großartig und blieben mir noch lange im Kopf. Es ist unheimlich fesselnd und das nur durch ein simples Familiengeheimnis und die Frage Warum?. Zudem noch ein wunderbarer Schreibstil, dem man anmerkt, dass die Autorin genau weiß was sie tut. Einfach klasse.

Kommentare

naibenak kommentierte am 24. Juli 2016 um 13:34

Oh Mann, Minzi, das ist dann wohl die Revanche für meine Empfehlung, was? :D ♥

Richtig tolle Rezi und da ich momentan voll auf dem Familien-Roman-Trip bin, kommt dieses Buch unbedingt auf die WuLi! Klingt super :-) (schönen Dank auch!!! *grummel* ^^)

katzenminze kommentierte am 26. Juli 2016 um 13:22

Jaja, wir haben es schon schwer. ;) Aber bevor du grummelst, erinnere ich dich an die 5 (fünf!!) Bücher von St Aubyr, die wegen dir (ok... und wegen wunderhübscher Cover) auf meiner To Do Liste liegen.

(Ich gehe heute übrigens den Wells kaufen. ^.^)