Rezension

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Gute Mischung aus Fiktion und Politik

The President is Missing - President Bill Clinton, James Patterson

The President is Missing
von President Bill Clinton James Patterson

Bewertet mit 3.5 Sternen

'The President Is Missing' handelt von einer Bedrohung so gigantischen Ausmaßes, dass sie nicht nur das Weiße Haus und die Wall Street in Aufruhr versetzt, sondern ganz Amerika. Angst und Ungewissheit halten die Nation in ihrem Würgegriff. Gerüchte brodeln – über Cyberterror und Spionage und einen Verräter im Kabinett. Sogar der Präsident selbst gerät unter Verdacht und ist plötzlich von der Bildfläche verschwunden.

Zuerst ist mir das Buch ins Auge gefallen, weil dick und fett der Name Bill Clinton auf dem Umschlag prangte. Mensch, dachte ich, von dem habe ich bisher noch kein Buch gelesen! Und zusammen mit einem der beliebtesten Thrillerautoren, kann hier ja nur etwas Gutes entstanden sein.
Nachdem ich mir den Klappentext duchgelesen hatte, stand eigentlich fest, dass ich den Thriller haben muss. Kaum zu Hause, habe ich auch schon angefangen zu lesen.

Der Einstieg in diese Geschichte ist mir sehr leicht gefallen. Man ist schon nach den ersten Seiten völlig in der Welt der politischen Mächte eingetaucht und lernt einen amerikanischen Präsidenten von der eher privaten Seite kennen und wie er mit einer außergewöhnlichen Krisensituation umgeht.

Die handelnden Personen sind allesamt sehr realistisch dargestellt, was vor allem daran lag, dass hier jeder seine guten und schlechten Eigenschaften hatte und nicht das klassische und leider oftmals verwendete Schubladendenken von Gut und Böse vorherrschte.

Der Spannungsbogen wird schnell aufgebaut und dank vieler Kapitel, die mit einem Cliffhanger enden, noch betont.
Die Story schreitet rasant voran und hat mich völlig gefangen genommen.
Dank des tollen Gemisches aus Insiderinformationen Clintons und des ausdrucksstarken Schreibstils Pattersons, werden politische Ränke und Intrigen in einen spannenden Thriller verpackt.
Seitenhiebe auf Aussagen aktueller Politiker und Bezüge zu derzeitigen politischen Themen (Waffengesetze, Terrorismusbekämpfung, Cyberkriminalität etc...) werden ebenso in die Handlung einbezogen, wie fiktive Ereignisse. Alles zusammen gibt dem Buch eine erschreckend realistische Note.

Leider, so muss ich sagen, ist das Buch zum Ende dann doch wieder in Klischees abgerutscht, was mir auf den letzten Seiten etwas die Begeisterung verhagelt hat.

---SPOILER---

Neben dem steten Mitschwingen des typisch amerikanischen Heroismus, welchen man aus vielen Filmen kennt, gab es auch den klassischen Bösewicht: Russland. Natürlich.
Dieses allzu oft in Büchern und Filmen verwendete Feindbild ist mittlerweile so ausgelutscht, dass es mich nun doch nervte. 
Zudem driftete der Thriller im letzten Drittel mehr und mehr ins Langatmige ab.

Ich bin daher etwas zwiegespalten, wie ich dieses Buch bewerten soll. Einerseits gab es diesen spannenden, atemberaubenden Einstieg, der mich anfangs glauben ließ, dass dies mein Thriller des Jahres werden könnte. Doch dann, nach dem strahlenden Beginn, wurde die Handlung stellenweise etwas zäh und schlussendlich kamen doch diverse Klischees zum Einsatz, die mich störten.
Ich vergebe dreieinhalb Sterne.