Rezension

gute Story, toll gelesen

Ein untadeliger Mann
von Jane Gardam

Bewertet mit 4.5 Sternen

Zur Autorin:

Jane Gardam wurde in North Yorkshire im Jahre 1928 geboren. Sie wurde zweimal mit dem Whitbread/ Costa Award ausgezeichnet. Ihr Roman „Ein untadeliger Mann“ stand auf der Shortlist des Orange Prize und „Letzte Freunde“ auf der Shortlist des Folio Prize 2013. Sie ist Fellow der Royal Society of Literature und lebt in East Kent.

Die Story:

Im Mittelpunkt des Romans steht der ehemalige Richter und Anwalt Edward (Eddie, Teddy) Feathers. Zu Beginn sehen wir ihn aus der Sicht junger Kollegen im Inner Temple: seine untadelige Haltung, seine elegante, aber altmodische Aufmachung als Gentleman und erfahren, dass er selbst seinen Spitznamen Filth prägte. Filth steht für „Failed in London Try Hongkong“ – „Gescheitert in London, versuche Hongkong“. Ein echtes Wrtspiel, denn im Englisch steht „Filth“ für Schmutz, während Feathers stets makellos nach außen hin war. Im Fernen Osten hat Feathers Karriere gemacht und seine Frau Betty kennengelernt. Sie ist gebürtige Schottin und genau wie er Raj-Waise, d.h. sie wurden als Kinder von ihren Eltern getrennt und aus Asien zurück ins Heimatland England auf Internate geschickt.

 

Wir blicken aus der Sicht des Protagonisten, der inzwischen in England lebt, wo er seinen Ruhestand in Wohlstand mit Haushälterin und Gärtner verbringt, zurück auf sein Leben. Die Geschichte setzt ein, nachdem Betty im Tulpenbeet tot zusammengebrochen ist. Der Leser begibt sich auf die Reise gemeinsam mit Feathers durch seine frühe Vergangenheit (Kindheit, Jugend, Studium). Hong Kong wird ausgespart. Physisch macht er sich auch auf die Reise. Er entschließt sich seine Cousinen zu besuchen, die damals in seiner Kindheit mit ihm bei einer Pflegefamilie gelebt haben. Er möchte vor seinem Tot noch eine Art Absolution für etwas, was damals passiert ist, und für das ihm eine Schuld auf der Seele lastet.

Eine nette Anekdote in der Geschichte ist, dass Feathers sich eines Tages im Schneesturm aussperrt und zu seinem alten Erzfeind Terry Veneering, der seit neustem das Haus neben ihm hat, gehen muss. Vennering hatte einst eine Liebesaffäre mit Betty.  Und hat interessanterweise einen Schlüssel zum Haus der Feathers. Die Männer nähern sich an und spielen Schach miteinander.

Mehr möchte ich zum Inhalt nicht verraten.

Fazit:

Gardam schildert die Erinnerungen genauso, wie sie stattfinden: alle durcheinander, hin und her in Zeit & Raum. Das macht es unglaublich authentisch und für den ein oder anderen vielleicht etwas anstrengend zu lesen/zu hören. Die Personen sind toll ausgearbeitet, die Sprache passend. Ulrich Noethgen liest das Hörbuch sehr gut und trifft meines Erachtens auch genau den Ton des alten Feathers.

Im BookClub hat uns allen das Buch so gut gefallen, dass wir beschlossen haben, gleich den zweiten Band der Triologie „Eine treue Frau“, in dem es um die Geschichte aus Sicht von Betty geht, zu lesen.