Rezension

Ich bin nicht warm geworden mit diesem Roman

Pfaueninsel - Thomas Hettche

Pfaueninsel
von Thomas Hettche

Bewertet mit 2.5 Sternen

Eine Insel auf der Havel voll von exotischen Pflanzen auf der die Königen flanieren und auf der es Zwerge, Riesen und andere außergewöhnliche Gestalten gibt. Soweit die Beschreibung, aufgrund derer ich mir ein buntes Spektakel und kurzweilige Unterhaltung vorgestellt habe. Ich lang ein bisschen daneben.

Der Tenor der Pfaueninsel ist fast ausschließlich traurig. Die Geschwister Marie und Christian – beide Kleinwüchsig – kommen als Kinder auf die Pfaueninsel. Eigentlich werden sie hierher abgeschoben, da im 19. Jahrhundert niemand etwas mit Kleinwüchsigen anfangen konnte. Außer vielleicht ein König als Unikum auf seiner Lustinsel. Die beiden kennen es nicht anders, aber besonders die sensible Marie trägt schwer daran, nicht dem Ideal zu entsprechen, vermeintlich fehlerhaft zu sein und nichts dagegen tun zu können.

Vieles was im Roman beschrieben wird ist berückend: Das Fernweh. Der Umgang mit den Kleinwüchsigen und andern Menschen, die nicht der Norm entsprechen. Auch der Umgang mit der Insel, die je nach belieben der Könige, der Gärtner und der aktuellen Mode komplett verändert wird. Die künstlichen Wege und Sichtachsen, die vermeintliche Perfektion, das Mehr und Mehr nach dem gestrebt wird. Man sträubt sich beim lesen gegen den Raubbau, der an diesen natürlich schönen Ort und seinen Bewohnern betrieben wird. Das Leid der dort ausgestellten Tiere war schwer zu ertragen. Aber auch das Leid Maries, für die die Insel genauso zum Gefängnis wird, wie die Käfige für die Tiere. Das Buch ließ mich fast gänzlich bedrückt zurück. Für eine wirklich traurige Geschichte fehlte mir aber die Verbindung zu den Charakteren. Ich konnte Maries Tatenlosigkeit nicht nachvollziehen. Auch ihre Gedanken waren mir teilweise wenig verständlich. Maries große Liebe Gustav war von Anfang an kein Sympathieträger und alle anderen Charaktere blieben eher blass. Auch hat sich mir nicht erschlossen, warum Hettche an mehreren Stellen der eher ruhigen Geschichte mit stark sexualisierten Szenen daherkommt.

Sprachlich fand ich den Roman eher sperrig. Hier und da verwendet Hettche unglücklich verschachtelte Satzkonstellationen die den Lesefluss stören. Sie sollen wohl ein wenig die Sprache des 19. Jahrhunderts untermalen, waren mir dafür aber nicht konsequent genug eingesetzt und so eher störend. Immer wieder werden reale geschichtliche Ereignisse eingestreut, Philosophen werden zitiert und diskutiert.

Für einen einzigen Roman war mit alles zu bedrückend und zu lethargisch. Nur die Insel scheint sich zu verändern. Ihre Bewohner entwickeln sich kaum. Dafür, dass nicht so viel passiert, hätten dem Roman ein paar Seiten weniger gut getan. Die geschichtlichen Details hätte ich nicht gebraucht, dafür hätte Hettche detailreicher auf Marie und Christian und ihr Leben eingehen können.

Leider konnten mich weder die Geschichte, noch die Sprache der Pfaueninsel mitreißen. Vielleicht liegt es daran, dass ich etwas ganz anderes erwartet habe. Ich bin einfach nicht warm geworden mit diesem Buch.