Rezension

Klug, bewegend, witzig - einfach hinreißend!

Alle Toten fliegen hoch - Joachim Meyerhoff

Alle Toten fliegen hoch
von Joachim Meyerhoff

Bewertet mit 4.5 Sternen

Der Ich-Erzähler (wohl Joachim Meyerhoff höchstselbst) erzählt aus seiner Jugend Mitte der Achtziger Jahre. Damals nämlich hat er aus seinem gut behüteten, aber recht eintönigen Leben im hohen Norden Deutschlands ausbrechen wollen und hat sich deshalb für ein Austauschjahr in Amerika beworben. Und es hat geklappt. Nach Laramie, Wyoming hat es ihn verschlagen – in ein kleines Städtchen mitten in der Prärie. Während dieser Zeit in Amerika passieren viele schöne, aufregende, aber auch unschöne Dinge. Zwischendurch muss er aus traurigem Anlass zurück in die Heimat, flieht dann vor seiner Trauer erneut nach Laramie. Außerdem beginnt die Basketballsaison – ein weiterer Höhepunkt des Austauschjahres...

Joachim Meyerhoff hat mit seinem Debütroman einen wundervoll feinfühligen, charmanten, humorvollen – ja hinreißenden Entwicklungsroman vorgelegt. Er versteht es fantastisch, so zu erzählen, dass alles lebendig wird. Dass ich mich als Leser voll und ganz in den Erzähler hineinversetzen kann – dass wir quasi „Eins“ werden. Er beschreibt die Gefühle und Gedanken des Erzählers, all seine positiven wie negativen Eindrücke und Ängste sehr eindrücklich und berührend einerseits, andererseits mit so viel Ironie und Witz, dass es einfach herrlich amüsant ist. Wie er mit der tiefen Trauer umgeht beispielsweise, das ist unglaublich nahegehend geschrieben. Oder wie er die Basketballsaison hautnah und aktiv miterlebt. Für herrliche Lacher wiederum sorgen die anfänglichen Probleme mit der Sprache. Während des Austauschjahres nutzt Meyerhoff für die direkte Rede mit der Gastfamilie und den anderen Einheimischen die englische Sprache. Die ist aber extrem gut verständlich und macht diesen Roman noch um einiges lebendiger. Auch geht man auf diese Weise die etwas holprigen sprachlichen Hürden des Erzählers und lernt gemeinsam mit ihm, sich auch in dieser Hinsicht immer besser zurechtzufinden.

Ein kleines bisschen allerdings zieht es sich zwischendurch, das will ich ehrlicherweise zugeben und deshalb gibt es auch einen klitzekleinen (halben) Punkteabzug ;-)

Fazit: Ich möchte hier mit einem Zitat der Frankfurter Rundschau enden, weil es genau das auf den Punkt bringt, was mir an diesem Entwicklungsroman so unheimlich gut gefallen hat. Ich werde noch alles andere von Meyerhoff lesen (müssen). Eine tolle Entdeckung!

„Eines der lustigsten und schlauesten Bücher […]. Mit unbefangenem, staunendem Blick, einer subtilen Komik und in ironischer Distanz betrachtet Meyerhoff den modernen Taugenichts, der er war.“

Kommentare

LySch kommentierte am 31. August 2017 um 11:58

Ach schön, dass es dir so gut gefallen hat! ♡ Schöne, liebevolle Rezi!
Für mich war's nichts, aaaber ich freue mich, dass das Buch in liebe Hände gekommen ist und so gemocht wird! :)

Buchliese kommentierte am 31. August 2017 um 15:12

Ich lese die Rezi mal noch nicht, sondern dann ganz bald das Buch! Deinen Empfehlung kann ich gut mit geschlossenen Augen folgen. ;-) <3

katzenminze kommentierte am 02. September 2017 um 10:15

Ach, schön. Ich habe vor einiger Zeit ganz unchronologisch "Wann wird es endlich wieder so wie es nicht war gelesen und möchte seitdem Meyerhoffs andere Bücher lesen. Hört sich so an als trifft das hier den selben Ton! Danke fürs erinnern. ;)

Steve Kaminski kommentierte am 25. September 2017 um 12:10

Eine schöne Rezi! Ich habe dieses Buch und das letzte mit der Lücke sehr gerne gelesen; das, welches seine Kindheit behandelt, fand ich langatmig - ich hatte mit der Häufung kurzer Episoden Probleme. (Andere fanden aber auch oder gerade dieses Buch toll.)

naibenak kommentierte am 25. September 2017 um 12:20

Danke Stevie^^ Stimmt, die Leute, die ich kenne, lieben das 2.Buch am meisten. Also das, welches du kritisierst ;-) Ich bin gespannt, wie es mir ergeht!!! :)