Rezension

kommt langsam in Fahrt, ist dann aber komplex und spannend

Totenfang - Simon Beckett

Totenfang
von Simon Beckett

Bewertet mit 4 Sternen

Nach 5 Jahren Wartezeit hat Simon Beckett endlich seine erfolgreiche Thriller-Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter fortgesetzt. In diesem 5.Band mit dem Titel „Totenfang“ wird Hunter zu einer Leichenbergung hinzugezogen in den Backwaters, einem unwirtliches Mündungsgebiet in Essex. Die Polizei vermutet, dass die Leiche dem seit einem Monat als vermisst gemeldeten Leo Villiers gehört, dem 31-jährigen Sohn einer einflussreichen ortsansässigen Familie. Villiers wurde ein Verhältnis mit der verheirateten Emma Darby nachgesagt, die ebenfalls bereits seit einiger Zeit vermisst wird. Er stand im Verdacht, erst seine Geliebte und später sich selbst umgebracht zu haben. David Hunter soll zunächst nur die Bergung beaufsichtigen, durch einen unglücklichen Zwischenfall muss er jedoch länger in der Gegend verweilen, und nachdem er einen einen einzelnen Fuß im Wasser auffindet, der eindeutig nicht zu Leo Villiers gehört, kommen Hunter Zweifel an der Identität der Leiche. 

5 Jahre sind eine lange Lücke zwischen den Bänden, geht der Reihe die Luft aus? Zumindest braucht diese Geschichte eine Weile, bis sie in Fahrt kommt und Spannung aufbaut. Ich kenne alle vorangehenden Geschichten, musste nach dieser langen Zeit aber trotz einiger Andeutungen zu Hunters Vorgeschichte meine Gedächtnis erst wieder auffrischen, um ein klares Bild von seinem Charakter und den früheren Ereignissen zu bekommen. Man kann diese Geschichte problemlos auch ohne Vorkenntnisse lesen, da dies nicht unbedingt der stärkste Band ist, würde ich das als Einstieg jedoch nicht empfehlen.

Sprachlich ist die Geschichte auch dieses Mal wieder brillant, in den ersten Kapiteln steht jedoch David Hunter mit seinen persönlichen Problemen etwas sehr im Vordergrund, der Fall scheint zunächst eine Nebensache zu sein. Dabei passt das düstere und bedrohliche Szenario der Backwaters zu Hunters psychischer und physischer Verfassung. Die Hintergrundinformationen über Wasserleichen tragen ebenso zum Gruselfaktor bei, wobei die Hunters wissenschaftliche Betrachtung der Dinge dieses Thema eher interessant als eklig werden lässt. Und wenn die Geschichte im letzten Drittel Tempo aufnimmt und sich mehr und mehr Spannung aufbaut, wird klar, wieso die detaillierten Charakterisierungen notwendig waren. Ich habe schon Bücher von Beckett mit mehr psychologischem Thrill gelesen, aber auch hier hat mir die komplexe und überraschende Geschichte wieder gut gefallen.