Rezension

Leider kein Buchglück für mich ...

Die erstaunliche Wirkung von Glück
von Susann Rehlein

Bewertet mit 2 Sternen

Dorle lebt in einem herrschaftlichen Haus, zwar im Souterrain, aber dafür in einer tollen Gegend. Zu früheren Zeiten wurde ihre Wohnung für den Concierge genutzt und irgendwie ist der Gedanke bei den älteren Bewohnern hängen geblieben und sie sehen Dorle eher als Dienstmädchen, statt als Mitbewohnerin an. Nun macht es Dorle aber auch nicht aus und übernimmt so einige Arbeiten, aber am liebsten verkriecht sie sich und steckt Kristalle für eine Kronleuchtermanufraktur zusammen. Diese Arbeit macht sie gern und ist auch ihr einziger großer Kontakt nach draußen, durch Joe, der ihr das Material liefert. Aber dann tritt Frau Sonne in ihr Leben und Dorle soll drei Monate auf deren Wohnung aufpassen, aber das allein ist nicht alles. In der Wohnung lauern ein Kater und ein Fax, was ständig neue Aufgaben für Dorle ausspuckt und ihr kaum Zeit zum Luft holen lässt. Wird Dorle dem allen gewachsen sein? Was verbirgt sich hinter dieser Aktion von Frau Sonne? Und ob Joe auch endlich eine Chance bei Dorle bekommt?

Ich mag ja etwas abgedrehte Geschichten und fand die Idee von der einsamen zurückgezogenen Frau, deren sich dann ein ganzes Haus ältere Leute annehmen wirklich herzallerliebst. So freute ich mich unglaublich auf die Geschichte und kuschelt mich zum Lesen hübsch ein und dann, war es vorbei mit dem Charme und dem Zauber. Warum erzähle ich euch jetzt.

Dorles zu Hause ist eine winzige kleine Wohnung, wo kaum zwei Leute reinpassen und dort fristet sie ihr Dasein. Allerdings nur, bis der nächste Mieter, wieder auf die Idee kommt, Dorle als Concierge einzuspannen und diesem Schicksal nimmt sie sich an. Sie putzt, kümmert sich um die Pflanzen, oder holt auch mal Brötchen. Einen Dank bekommt sie nicht und so plätschert ihr Leben so dahin, aber was sie eigentlich möchte, ist, ihre Ruhe haben, nur kann sie dafür, leider nie Nein sagen. Tja und dann kommt Frau Sonne, energiegeladen mit vierundachtzig daher und möchte das Dorle in ihrer Abwesenheit auf die Wohnung aufpasst, und zwar gegen Bezahlung. Was sie dafür tun muss, nicht soviel, Pralinen essen, kochen, den Kater pflegen und so eine oder andere Aufgabe aus dem Fax erledigen. Klingt doch nicht schlecht, ist für Dorle aber eine Herausforderung und eine absolute Schwerstarbeit, da sie dafür ihr Leben verlassen muss. Aber das Geld lockt und so versucht sie ihr Glück und stellt fest, das Glück auch was Tolles sein kann.

Ganz ehrlich, ich bin kein Dorle Fan. Naja, den Grundgedanken an ihrer Person, finde ich schon gut. Immerhin denkt sie selbst zu selten an sich, arbeitet immer nur und lässt sich zu leicht ausnutzen, dass da so ein Engel in Form von Frau Sonne und ihrer Gesellschafterin Frau Schräubchen erscheinen, kommt natürlich zur rechten Zeit und bringt Bewegung in ihrem Handeln und Tun. Allerdings schwebt mir Dorle zu oft in einem Zwischenraum, den ich nicht greifen konnte und was ich auch total unrealistisch fand, dass sie nix von den Helfern mitbekommen hat. Uns Lesern war es von Anfang an klar, was Frau Sonne vorhat, nur Dorle kämpfte mit ihren Alltagsschwächen und diesen Aufgaben.

Mir persönlich fehlte die Nähe zur Hauptfigur und auch alle anderen konnten nicht wirklich überzeugen. Bei Joe, den angeblichen festen Freund, hatte ich immer den Eindruck, er wäre irgendwie zurückgeblieben, dabei war er es am Ende nicht und auch einige andere Eindrücke bestätigten sich nicht. Am liebsten waren mir da die älteren Figuren, die durch ihre „Niedlichkeit“ sich einfach ins Herz schleichen wollten, aber immer mehr Klischees bedienten. Zudem fand ich es oft überdreht, unglaubhaft, wiederholend, schräg und mir fehlte, oft die Lust weiterzulesen. Der Zauber den so viele Leser verspürten, wollte sich einfach nicht bei mir einstellen und so schlug ich die letzten langatmigen Seiten einfach zu und bekam kein Glanzgefühl. Der Weg zum glücklichen Leser ist nicht immer einfach und hier fehlte mir meine Frau Sonne.