Rezension

​ Liebenswerte Geschichte, die einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubert

How to be happy 1: Liliennächte - Kim Leopold

How to be happy 1: Liliennächte
von Kim Leopold

Bewertet mit 3.5 Sternen

Inhalt

Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die 19-jährige Lilian nach New York, wo ihr Vater wohnt, den sie nie kennengelernt hat. Zu ihrem Entsetzen muss sie dort feststellen, dass ihre zwei vermeintlichen Mitbewohnerinnen Ash und Jamie eigentlich zwei Kerle sind, und zwar ziemlich sympathische.
Während sie noch versucht, sich ihrem entfremdeten Vater anzunähern und mehr über Ashs und Jamies geheimnisvolle Mitbewohnerin zu erfahren, mit der sie so oft verwechselt wird, steckt Lily auch schon mitten im bunten New Yorker Leben mit all seinen Herausforderungen und Gefühlsachterbahnen.

Meinung

Von "Liliennächte" hatte ich schon gehört, als es noch ein Blogroman war und "Love, Kiss, Cliff" hieß. Doch damals habe ich die Geschichte nicht wirklich verfolgt und jetzt erst durch die wunderschöne Neuauflage im Amrûn Verlag wiederentdeckt. Da es das eBook zu diesem Anlass zu einem unschlagbaren Preis gab, habe ich mich diesmal endlich an den Erstling der lieben Kim gewagt, die mir schon als Bloggerin immer so sympathisch war.

Kim Leopolds Reihe heißt zurecht "How To Be Happy", denn dieser erste Band zauberte mir mehr als einmal ein Lächeln aufs Gesicht oder brachte mich mitten in der Bahn zum Kichern. Die Geschichte wird oft mit einer solchen Leichtigkeit erzählt und die Figuren sind alle so liebenswert, dass man kaum anders kann, als sie alle gern zu haben. Vor allem die Beziehungen (freundschaftlich, familiär) zwischen den Figuren sind zum Teil wirklich herzerwärmend.
Tatsächlich war ich schon nach wenigen Seiten so von der Geschichte eingenommen, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen und das Buch ziemlich schnell verschlungen habe, obwohl ich dafür eigentlich keine Zeit hatte ;).

Gleichzeitig vergisst die Autorin nicht, ihren Figuren auch Tiefe zu verleihen, indem sie von ihren Träumen, Ängsten und Geheimnissen erzählt. Die Verarbeitung großer Verluste und Träume, die man zugunsten von anderen zurückstellt, finden in "Liliennächte" ebenso ihren Platz wie neue Freundschaften, romantische Momente und längst notwendige Aussprachen. Gegen Ende hin verliert "Liliennächte" sonein wenig von seiner Leichtigkeit zugunsten von mehr Tiefe, was keinesfalls eine schlechte Entwicklung ist.

Dabei hätte der Roman von mir aus gerne noch ein paar Seiten mehr haben können, denn insbesondere am Anfang und am Ende folgten viele Ereignisse (neue Freundschaften, der Status "beste Freunde", Flirts, Versöhnungen) sehr schnell aufeinander und laufen etwas zu reibungslos ab, für die man sich in meinen Augen mehr Zeit hätte lassen können. Andere Nebenfiguren dagegen "verschwinden" einfach ohne Erklärung, nachdem sie ihren Zweck für die Handlung erfüllt haben.
Teilweise wunderte mich in diesen Momenten auch das Verhalten der Hauptfigur und ich war froh, dass auch Lily selbst manchmal anmerkte, dass ihr bestimmte Entwicklungen zu schnell gingen.

Zum Teil merkt man dem Buch noch den Charakter eines Episodenromans an, was mitunter ganz unterhaltsam ist. So wird beispielsweise dieselbe Erklärung (Toby ist Jamies Bruder) kurz hintereinander zweimal geliefert (In der Zeit, die zwischen zwei Blogroman-Episoden vergeht, hätte man sowas noch vergessen können.) und es werden romantische Gefühle für mehrere Männer angedeutet, bis sich herauskristallisiert, wer "der Auserwählte" ist. Das macht die Handlung einerseits spannender, andererseits irritierte mich Lilys Verhalten und die Tatsache, dass sie diese ungewöhnliche Zwiegespaltenheit selten thematisiert, auch.

Auch kommt die Autorin mit immer wieder neuen, wirklich überraschenden Entwicklungen daher, was ich von dem Buch zunächst gar nicht erwartet hätte. Das artet zum Teil aber auch in Ereignissen aus, die mir ein bisschen zu an den Haaren herbeigezogen werden (Stichworte: Verschwinden, Bestechung).

Der Schreibstil des Romans ist im Allgemeinen sehr angenehm und leicht zu lesen, wirkt aber noch nicht ganz ausgereift. So stolperte ich zum Beispiel häufiger über Beschreibungen, die mir unnötig detailliert erschienen (Lily packt ihre Sachen, nimmt ihre Handtasche, geht ins Bad, putzt sich die Zähne und geht dann aus dem Haus.), doch solche Kleinigkeiten schmälerten das Leseerlebnis natürlich nicht wirklich.

Man darf sich natürlich nichts vormachen: "Liliennächte"' ist nicht die originellste und neuartigste Geschichte, die je geschrieben wurde, und viele Elemente (Tod der Mutter, Schuldgefühle, strenger Vater) kennt man bereits aus vielen anderen Romanen. Was jedoch zählt ist, dass es Kim Leopold gelungen ist, diese Bausteine mit ihren ganz eigenen Ideen zu einer Geschichte zu vereinen, die zu lesen einfach Freude bereitet.

Fazit

Mit "Liliennächte"' hat Kim Leopold einen wirklich süßen Roman geschrieben, der mir mehr als einmal ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Die Figuren und ihre Beziehungen zu einander musste man einfach liebhaben, sodass man auch über einige Klischees hinwegsehen kann. Etwas schade fand ich, dass sich viele Entwicklungen für meinen Geschmack zu schnell vollziehen, wodurch das Verhalten der Figuren zum Teil unglaubwürdig wirkt. Hier hätten dem Buch 100 Seiten mehr sicher gutgetan. Ich vergebe sehr gute 3,5 Sterne und eine Leseempfehlung für jeden, der auf der Suche nach einem Roman ist, der glücklich macht (und Suchtpotential hat).