Rezension

"Lies das nicht! Noch nicht!"

Der Schmied von Großholzingen - J. R. R. Tolkien

Der Schmied von Großholzingen
von J. R. R. Tolkien

Bewertet mit 5 Sternen

"Lies das nicht! Noch nicht!"
Als Tolkien gebeten wurde, eine Einleitung für das Buch eines anderes Autors zu schreiben, wollte er so beginnen. Er war der Meinung, dass sich jeder Leser selbst sein Bild von einer Erzählung machen soll, unbeeinflusst von den Ansichten anderer. Und bei der Arbeit an dieser Einleitung skizzierte er eine eigene Erzählung, die sein Bild vom Feenland zeichnet. Es störte ihn sehr, dass fairy tales als Kindergeschichten abgetan wurden und fairies als winzige, niedliche Gestalten. In seiner Vorstellung sind sie beeindruckend, mächtig und gefährlich, das Feenland ist ein "gefährliches Königreich". So kennen wir auch die Gestalten aus seinem bekanntesten Werk, dem "Herrn der Ringe", die von den Übersetzern dann auch nicht als Feen oder Elfen, sondern als Elben bezeichnet wurden.

Nun also dieses Buch, sein letztes, das lange nach "Herr der Ringe" entstand. Es ist eine poetische kleine Erzählung: In Großholzingen gibt es alle 24 Jahre ein Kinderfest, auf dem ein ganz besonderer Kuchen serviert wird. Als der Koch einen kleinen Stern findet, gibt er ihn mit anderen Kleinigkeiten als Glücksbringer in den Teig. Der Stern wird vom Sohn des Schmiedes verschluckt, und seither ist der kleine Junge ein wenig verwandelt. Er wächst heran zu einem Erwachsenen, der ein Sternmal auf der Braue trägt und immer wieder in das Elbland wandert. Dort beobachtet er vieles - Schönes, Angsteinflößendes, Faszinierendes. Schließlich begegnet er sogar der Elbenkönigin, die ihm eine Botschaft an den König aufträgt...

Tolkiens Geschichte richtet sich nicht an Kinder; er bezeichnet sie als "das Buch eines alten Mannes, das schon mit der Vorahnung von Trauer befrachtet ist". Die Lektüre lohnt sich allemal! Und diese Neuausgabe ist ein Schmuckstück: Ein handliches, kleines Format; der Text, illustriert mit den Bildern von Pauline Baynes aus der Originalausgabe. Dazu aber dann viel Hintergrund: Ein Nachwort, die Entstehungsgeschichte der Erzählung, Tolkiens erster Entwurf, verschiedene veränderte Fassungen, teils als Faksimile, ein Essay über die Erzählung von Tolkien selbst, Anmerkungen. Damit bietet diese neue Ausgabe weit mehr als nur den Text. Für wahre Tolkien-Fans eine Schatzkiste!