Rezension

Männergetue

Die Herzen der Männer
von Nickolas Butler

Der 13jährige Nelson tut sich schwer damit, den Maßstäben seines Vaters gerecht zu werden. Der möchten einen echten Kerl aus ihm machen. So erteilt der Vater seinem Sohn Lektionen mit dem Gürtel. „Männer tun so etwas nicht, du hörst sofort auf zu heulen! Ist das klar?“ Einzig seine Mutter scheint ihn zu lieben wie er ist. Nelson strebt nach Anerkennung und sucht diese bei den Lehrern, dadurch macht er sich bei seinen Mitschülern als Streber unbeliebt. Niemand mag ihn. Er hat keine Freunde. Zur Party zu seinem 13. Geburtstag kommt kein einziger der eingeladenen Jungen, erst ganz spät, als niemand mehr erwartet wird, taucht der zwei Jahre ältere Pfadfinderstammesführer Jonathan Quick auf.

Nelson will im Pfadfinderlager Camp Chippewa weitere Abzeichen sammeln. Seine Schärpe ist bereits mit Abzeichen gespickt, das erweckt Neid, um nicht zusagen Mitleid bei den anderen. Auch hier ist er ein Außenseiter, wird schikaniert und angefeindet und wird von allen nur der „Trompeter“ genannt. Jonathan Quick scheint ihn zwar nicht zu mögen, aber er steht ihm in einer schlimmen Situation bei.

„Sei stärker als sie“, sagt Wilbur Witheside, der 80jährige Pfadfinderführer und Leiter des Camps. Wilbur sieht in Nelson Großes: „Sie ärgern dich, weil sie Angst vor dir haben.“ Aber ist das wirklich so? Wilbur hat im 1. Weltkrieg gedient und ist vom Krieg traumatisiert. Er hat Schlimmes erlebt. Er wurde zum Helden erklärt, trotzdem scheint er ein einsamer Mann zu sein. Er sieht in Nelson einen Sohn, den der nicht hat.

Meine Meinung:
Die Männer in diesem Buch sind alle zutiefst gespaltene Persönlichkeiten, geprägt vom Krieg. Es zählen Werte wie Männlichkeit, Härte, Disziplin und Mut. Freundschaften werden nur im Krieg geschlossen. ‚Ich sage dir jetzt mal, wo du Freundschaften schließt. Freundschaften schließt man in der Armee, im Schützengraben und an der Front. Mit Männern, die sich für dich vor eine Kugel werfen, die mit dir ihre letzte Zigarette und den letzten Tropfen Wasser aus ihrer Feldflasche teilen.‘ (Seite 17f).

Mich hat dieses Männergetue ziemlich abgestoßen. Ich sag es ehrlich, es war nicht mein Roman. Ich konnte mich mit niemanden der Protagonisten wirklich anfreunden. Erschütternd fand ich persönlich, dass Nelson, der seine Mutter doch so liebte, sie so dermaßen in Stich gelassen hat.

Der Schreibstil des Autors ist sehr intensiv und hat mich angesprochen. Allerdings hatte das Buch auch unnötige Längen durch die man sich quälen muss.