Rezension

Mitreißend, intensiv, voller teuflisch-genialer Musik ;)

Vintage
von Grégoire Hervier

Bewertet mit 4.5 Sternen

Thomas ist ein junger Gitarrist und Journalist aus Paris, der in einem Gitarrenladen aushilft. Eines Tages bekommt er den Auftrag, eine sehr wertvolle Gitarre persönlich nach Schottland zu einem gewissen Lord Winsley zu bringen. Dieser Besuch wird das Leben von Thomas aber komplett auf den Kopf stellen. Er soll sich für diesen Lord Winsley auf die Suche begeben nach einer spektakulären Gitarre – der „Gibson Moderne“ aus dem Jahr 1957 - und beweisen, dass diese tatsächlich existiert. Bei Erfolg winkt ihm eine ansehnliche Prämie. Selbst ein passionierter Gitarrennarr, begibt sich Thomas auf die Suche. Oder sagen wir lieber: auf die Jagd ;)

 

Hervier schreibt dieses Abenteuer aus der Sicht von Thomas, in der Ich-Erzähler-Perspektive und in sehr nüchterner, aber lockerer und mitreißender Sprache. Der Autor katapultiert den Leser mitten ins Geschehen, ohne viel drumherum. Das nimmt mich sofort an die Hand und lässt mich von Anfang an sehr neugierig an den Seiten kleben. Ein bisschen gerät der Lesefluss dann für mich ins Stocken, da viele Informationen über verschiedenste Gitarren und die Berühmtheiten, die diese gespielt haben, nicht so ganz mein Interesse wecken können. Aber dann! Als endlich die „Jagd“ beginnt, wird es immer spannender. Thomas folgt einem recherchierten Hinweis nach dem nächsten, und bereist die ganze Welt. Schließlich geht er einer heißen Spur in Amerika nach und stößt auf einen faszinierenden Musiker namens Li Grand Zombie Robertson, der vielleicht das Geheimnis um die „Moderne“ entschlüsseln kann. Obwohl dieser Musiker schon lange nicht mehr lebt, gibt es Möglichkeiten und sehr kompetente Unterstützung für Thomas, die ihn auf musikalische Pfade führen, an die er im Traum nicht gedacht hat.

 

Diese musikalische Reise in die Geschichte - quer durch die Anfänge des Blues und Rock'n'Roll, durch die Aufnahmetechniken von Musikstudios in den 1960er Jahren, durch die musikalischen Klangerlebnisse jener Zeit, durch Möglichkeiten und vermeintliche Unmöglichkeiten des Musizierens – genau diese musikalische Reise hat mich total gepackt. Am Beispiel des außergewöhnlichen, undurchsichtigen, besessenen und sogar ein wenig mystisch inspirierten Musikers Li Grand Zombie hat Hervier ein musikalisches Bild der damaligen 1960er Jahre gezeichnet, das mich sogar einen ganzen Moment lang die Jagd nach der Gitarre vergessen lässt. So sehr bin ich in der Musik gefangen. Die unendliche Neugier und Faszination von Thomas ist wahnsinnig ansteckend! Aber auch interessante geschichtliche Eckdaten werden nahezu beiläufig in die Story gewoben und für die Popcorn-Spannung zwischendurch sorgen Szenen, die einem Thriller das Wasser reichen könnten. Bei alledem kommt Thomas seinem Ziel Schritt für Schritt näher...

 

Fazit: Ein Buch über Gitarren. Okay... klingt erst einmal nicht unbedingt für jeden so spektakulär, ist tatsächlich aber eine absolut mitreißende, intensive und beeindruckende Reise in die musikalische Vergangenheit von Blues und Rock'n'Roll. Eine faszinierende Schnitzeljagd mit Thrillerelementen und diabolisch-mystischen Zwischentönen, die mich total in ihren teuflisch-genialen Bann gezogen hat. Irre gut!!!

Kommentare

katzenminze kommentierte am 20. September 2017 um 21:46

Und wenn man sich dann noch an der richtigen Stelle den Tritonis anhört: Gän-se-haut pur! (Danke fürs aufklären übrigens... ;) ) Schöne Rezi! Mir ging es ja ähnlich! :)

naibenak kommentierte am 20. September 2017 um 21:53

Hihi... ohjaaa!!!! Dieser Tritonus ist schon ne geniale und teuflische "Erfindung" - lach ;)  Danke dir!!! Ist echt ein seeeeehr cooles Buch!!!!!^^

LySch kommentierte am 21. September 2017 um 00:22

Puhhhh, ihr macht mich ganz schön neugierig mit euren tollen Rezis, ihr beide!!! :D Ganz schön fies ist das und ich bereue es schon, dass ich anfangs dachte, diese Geschichte könnte eher nicht so mein Fall sein... ;) Irgendwann mal muss ich dieses Buch auf jeden Fall lesen! :) Danke für die schöne Rezi, Bi <3