Rezension

Munins Rückkehr

Der Klang der Erinnerung
von Anna Smaill

Bewertet mit 4 Sternen

Jeden Morgen erschüttert ein gewaltiger Klang das Land, eine Musik, die jede Erinnerung gnadenlos auslöscht. Körpererinnerung bleibt, aber ansonsten leben die Menschen eigentlich nur von Tag zu Tag. Sie stehen auf, machen, was sie immer machen und denken auch kaum an die Zukunft, denn ohne Vergangenheit, wer bräuchte da schon eine Zukunft? Die Ordnung hat dieses System eingeführt, die Ordnung schafft Musik und bestimmt das Leben der Menschen. Ihre ersten Opfer waren die Vögel, jetzt leiden nur noch Menschen darunter - doch das wissen sie nicht. Wer sollte sich auch erinnern? Simon ist einer von denen, die Erinnerungen festhalten können, doch auch das begreift er erst, als er zu einem Paktläufer von Lucien wird. Lucien wird nicht nur seine Erinnerungen wecken, sondern auch Gefühle, die er nie kannte, und gemeinsam werden sie sich auf die Suche nach etwas machen, um die Ordnung aufhalten zu können.

Das war mal mit Sicherheit kein Wohlfühlbuch, weshalb es auch von den Rezensenten ziemlich abgewatscht wird. Jemand, der bereit ist, selbständig zu denken, sollte sich von den schlechten Bewertungen nicht abhalten lassen. Ja, für Musikkenner ist es zumindest anfangs Kopfschmerzen verursachend (ein Grund, warum ich wirklich ewig gebraucht habe, um das Buch weiterlesen zu können); man hat aufgrund der bildhaften Beschreibungen das Gefühl, permanent einer gewaltigen Klangkakophonie ausgesetzt zu sein. Doch das Buch geht noch tiefer, denn es verlangt danach, begriffen zu werden, und Begreifen entsteht durch Nachdenken und eventuell durch Kundigmachen. Wie funktioniert das mit der gewaltigen Musik und den Raben/Vögeln, die verschwunden sind? Wie können Schallwellen tatsächlich Erinnerungen löschen? Welche Gemeinsamkeiten hat die Ordnung mit den Nazis? Und wie zufrieden oder dankbar sind Leute, wenn sie keine Erinnerungen haben - also auch nicht über alles Mögliche nachdenken müssen? Abzug bekommt das Buch bei mir nicht, weil ich sonst nur Prinzessinnenbücher lese und somit nicht verstehe, was es mir sagen will, sondern weil zwischendurch eine Prophezeiung auftaucht, die recht unnötig ist und das Ganze zu einer Sache von "Auserwählten" macht. Ansonsten ist das Buch so anders, dass ich es wirklich nicht reinen Gewissens an alle empfehlen kann.

Kommentare

katzenminze kommentierte am 04. Oktober 2017 um 12:27

Ich hab mich verlesen. Dachte du rezensiert ein Buch über die Mumins. Bin jetzt enttäuscht...

 

;)

E-möbe kommentierte am 04. Oktober 2017 um 13:36

Enttäuschen wollte ich dich nun gerade nicht. Aber solange du weißt, wer Munin ist, ist auch alles gut in meinem Universum. ;)

katzenminze kommentierte am 04. Oktober 2017 um 16:55

Tzz, keine Gefahr für dein Universum. Ich hab' doch letztens dieses Mythen/Sagen-Buch vom Gaiman gelesen...

E-möbe kommentierte am 04. Oktober 2017 um 23:10

Eine der Millionen Leserunden hier, für die ich nicht ausgewählt wurde. ;) War es wenigstens gut?

Ich habe mir jetzt bei dem neuen LR-Buch von Meade eine Liste angefertigt mit 20 Namen, von denen ich glaube, dass die ausgewählt werden. Mal sehen, wie oft ich recht habe.

lesesafari kommentierte am 04. Oktober 2017 um 14:20

;D Ich war auch schon empört. HAha. Aber die Rezi klingt wie meistens vielversprechend. Und jetzt will ich auch Klangkakophonie. ;D

E-möbe kommentierte am 04. Oktober 2017 um 16:50

Fang erst mal mit a brez'n an. :P

wandagreen kommentierte am 04. Oktober 2017 um 16:57

War mir doch so, als ob du ständig Prinzessinenbücher liest, und dann noch welche, die abnehmen müssen und Sport treiben, sonst ... ! gibts keinen Prinzen! Oder war das doch anders ... Fragen! über Fragen. Antworte mir nicht, bitte, morgen mit dem Gongsong habe ich doch alles wieder vergessen! :D.

E-möbe kommentierte am 04. Oktober 2017 um 23:10

Das mit dem Prinzen war doch der Hase. Der lässt immer Mädchen an Bahnhöfen umkippen, damit er sie retten und sie sich rettungslos in ihn verlieben können.