Rezension

Nicht das beste Buch von Gerhard Tötschinger

Kaiser,Gärtner, Kapitän
von Gerhard Tötschinger

Bewertet mit 3 Sternen

Gerhard Tötschinger versucht in diesem Buch Beweise für die langjährige Überlieferung, „jeder Habsburger müsse ein Handwerk erlernen“, zu finden. Allein, es gibt keine. Kaiser oder Kronprinz zu sein, ist schon tages- und abendfüllend. Für eine Ausbildung zu einem Tischler, Goldschmied oder Gärtner nach der gängigen Gewerbeordnung ist kein Platz.

Die meisten Habsburger sind eher der Gruppe Berufssoldaten zuzuordnen, auch wenn sie niemals Sold sondern nur eine (gut dotierte) Apanage erhalten.

Auch Geistliche sind unter den Erzherzögen zu finden, wie Maximilian Franz, der jüngste Sohn Maria Theresias oder ihre Tochter Elisabeth, die Äbtissin in Innsbruck wurde (die wird allerdings im Buch nicht erwähnt).

Als Paradebeispiel für einen Kaiser mit Beruf muss immer wieder Franz II./I. (1768-1835) herhalten. Ja, er gärtnert in seiner kargen Freizeit gerne. Ich gehe davon aus, dass er zum Umstechen und Unkraut jäten seine Bediensteten hatte. Ein Lehr- oder gar Meisterbrief lässt sich ebenfalls nicht auftreiben. Das lässt vermuten, dass die „Berufsausbildung“ der Herrscher eher eine gut erfundene Anekdote ist. Denn wie ist es zu erklären, dass jede Viertelstunde des Unterrichts penibel und detailliert aufgeschrieben ist, die aufwändige Lektionen zu einem Lehrberuf sind es aber nicht wert dokumentiert zu werden? Kaum zu glauben, bei der Akribie mit der Lese-, Schreib- und Rechenkünste für die Nachwelt protokolliert wurden.

Viele Habsburgerinnen und Habsburger sind musisch begabt, spielen mehrere Instrumente oder verfügen über eine gute Stimme (siehe Maria Theresia). In der Hofoper geben sie ihr Können zum Besten, aber ihren Lebensunterhalt könnten oder konnten sie davon nicht bestreiten. Das wird erst den Generationen nach dem Zusammenbruch der Monarchie vorbehalten sein. Heutzutage sind die Nachkommen des Kaiserhauses Land- und/oder Forstwirte, Autoren, Politiker, Juristen und die eine oder andere Goldschmiedin ist darunter.

Meine Meinung:

Leider ist dieses Buch nicht das beste von Gerhard Tötschinger. Er springt recht häufig durch Zeit und Raum. Mit Franz Stephan von Lothringen (dem Gemahl von Maria Theresia) beschäftigt er sich ausführlich. Doch auch er hat kein Handwerk erlernt, sondern „dilettiert“ nur herum. Allerdings wurde Begriff dem italienischen dilettante (Kunstliebhaber) entlehnt. Diese geht auf das lateinische Verb delectare (erfreuen, unterhalten, interessieren) zurückgeht. Dilettanten sind also Laien oder Amateure, die sich mit Hingabe und Interesse für eine Sache einsetzen. Leider wird die Bezeichnung Dilettant heutzutage immer wieder als Synonym für „Stümper“ verwendet.

Die Querelen im Kaiserhaus, die aber nichts mit einem Beruf zu tun haben, werden ausführlich behandelt.

Erst am Ende des Buches finden sich sechs Seiten in denen die Herrscher mit ihren angeblichen Handwerksberufen aufgelistet sind.

Fazit:

Der Titel „Kaiser, Gärtner, Kapitän“ hat irgendwie mehr versprochen, als das Buch gehalten hat. Leider nur 3 Sterne.