Rezension

Poetisch, klar, anspruchsvoll - eine beeindruckende Reise nach Kenia!

Der Ort, an dem die Reise endet - Yvonne Adhiambo Owuor

Der Ort, an dem die Reise endet
von Yvonne Adhiambo Owuor

Bewertet mit 4 Sternen

Ajany kehrt aus Brasilien nach Kenia zurück, um gemeinsam mit ihrem Vater ihren geliebten Bruder Odidi zu Grabe zu tragen. Dieser ist in Nairobi auf offener Straße am helllichten Tag erschossen worden. Gemeinsam bringen sie ihn nach Hause – nach Wuoth Ogik, den Ort, an dem die Reise endet. Es ist ein Ort im Norden Kenias, der schon bald viele Erinnerungen wachruft. Erinnerungen an schöne Zeiten der gemeinsamen Kindheit, aber auch an traurige und tragische Ereignisse. Nach und nach erfahren wir mehr über Kenia und erkennen die Tragweite der Geschehnisse, die zurückreichen in die grausame Kolonialherrschaft, den Mau Mau – Aufstand,  der sich gegen diese Herrschaft richtet bis hin zu den blutigen politischen Unruhen in den Jahren 2007/2008. Zu diesem Zeitpunkt stirbt auch Odidi…

Die Autorin dieses beeindruckenden Debütromans ist Kenianerin. Es ist daher nur verständlich, dass der Roman eine ganz tiefe Verwurzelung zu ihrem Land spüren lässt. In ihrer poetischen Sprache lese ich in vielen Teilen die Liebe und gleichzeitig Trauer der Autorin gegenüber ihrem Land heraus. Oftmals extrem knappe Sätze & Einwortsätze machen die Zerrissenheit und Unruhe der Menschen in Kenia – insbesondere der Familie von Odidi & Ajany – deutlich. Dann wiederum werden häufig Sätze - ob bspw. in Gedichten oder Wasserliedern -  in der Landessprache Swahili eingefügt (mit Übersetzung), was dem Roman viel Authentizität und einen gewissen Ruhepol verleiht.  Für mich ist diese kraftvolle, poetische Sprache aber auch anstrengend. Denn es wird sehr deutlich, dass hier eine völlig andere, mir fremde Kultur „spricht“, an deren Ausdrucksform  ich mich gewöhnen muss. Dennoch kommt die Gewöhnung mit der Zeit und offenbart mir einen Roman, der mehr und mehr zu fesseln vermag.

Die Geschichte von Ajany und ihrer Familie wird in vielen Zeitsprüngen erzählt. So erfahren wir aus der Vergangenheit ihres Vater, der Mutter, des Bruders Odidi… aber auch von Odidis britischem Freund Isajah, der auf der Suche nach seinem Vater nach Wuoth Ogik reist und auf Ajany trifft, sowie von anderen Angehörigen und Freunde der Familie.  Diese Zeitsprünge verlangen dem Leser einiges an Konzentration ab. Es ist oft nicht sofort klar, wann und wo und mit wem wir uns gerade befassen.

Fazit: Yvonne Adhiambo Owuor beeindruckt mit großer poetischer und einfühlsamer Kraft in diesem Kenia-Roman, der ein Land zeigt inmitten blutiger Kriege, Zerrissenheit und extremer Trockenperioden. Aber auch ein Land voller Schönheit und nie versiegender Hoffnung. Nicht ganz einfach zu lesen, jedoch sehr beeindruckend und für mich eine Reise in eine völlig fremde Welt. Empfehlenswert für Liebhaber anspruchsvoller Literatur!
 

Kommentare

wandagreen kommentierte am 15. März 2016 um 21:50

Schöne Rezi. Wir wissen viel zu wenig über die Welt. Letztlich. (Einwortsatz;-).

naibenak kommentierte am 16. März 2016 um 08:45

;-)

Danke dir! Ja, ist so! Und u.a. deshalb sind Bücher so toll ♥ ;)