Rezension

Poetisches und melancholisches Drama

The Girls - Emma Cline

The Girls
von Emma Cline

Bewertet mit 4.5 Sternen

So schnell kann es gehen: Obwohl ich vom einsetzenden Hype um The Girls rein gar nichts mitbekommen habe, bin ich durch eine WLD-Rezension und das unglaubliche Cover aus das Buch aufmerksam geworden. Gleich am nächsten Tag habe ich mir The Girls gekauft und innerhalb von nur drei Tagen durchgelesen. Und was soll ich sagen, ich bin verliebt.

Suzannes Lächeln, das wie ein Feuerwerk in mir erstrahlte, ehe sein bunter Rauch, seine hübschen, schwebenden Glutpünktchen verwehten.
S. 107

The Girls ist ein poetisches und melancholisches Drama voller intelligenter Metaphern und wundervoller Sprache. Clines Ton passt perfekt zum kalifornischen Sommer, zum Geist der Hippie-Bewegung und zu Ich-Erzählerin Evie, die zwischen Kindheit und Erwachsenwerden schwebt. Cline schafft es zudem, dass zwischen den Zeilen immer wieder eine drohende Gefahr spürbar ist. Kleinigkeiten, die nicht ins Bild von Freiheit und Frieden passen, von Evie aber immer wieder verdrängt werden. Der etwas schachtelige und verträumte Satzbau der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Ich schreibe selten Zitate raus, aber hier konnte ich einfach nicht anders.

The Girls ist ein Roman, der ohne viel Personal auskommt. In erster Linie geht es um die 14-Jährige Evie. Ihre Gefühle, ihre Unsicherheiten, ihr Schmerz und ihre Hoffnungen sind großartig beschreiben. Sie wirkt einfach authentisch. Alle anderen Figuren werden eher gestreift, nur Suzanne steht im Mittelpunkt von Evies Aufmerksamkeit. Durch Evie bekommt die Geschichte, die auf der Manson-Family basiert einen ganz neuen Dreh. Allerdings: Gegen Ende schwächelt die Geschichte etwas. Man weiß ja eigentlich worauf alles hinausläuft. Aber die Sprache und die Ehrlichkeit mit der Evie sich selbst beschreibt haben mich über den kleinen Makel hinweggetragen.

The Girls möchte mit ein wenig Aufmerksamkeit gelesen werden. Und diese Aufmerksamkeit ist verdient. Ich mochte den melancholischen Ton und die gammelige Hippie-Ranch. Den Hauch von Gefahr und die kleinen Sprachperlen. Einerseits war es viel zu schnell durchgelesen, andererseits war die Länge genau richtig. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. Allein schon für Sätze wie diesen:

Ich spielte ohne besonderes Ziel mit den Worten, wie man ein Zitronenbonbon gedankenlos gegen die Zähne klappern lässt.
S.130

Kommentare

wandagreen kommentierte am 20. August 2016 um 19:19

Oh, das fand ich ganz furchtbar, Minzi!

katzenminze kommentierte am 20. August 2016 um 20:01

Ach schade!! Aber das scheint auch wieder so ein Top oder Flop Buch zu sein. Ich geh gleich mal gucken bei dir. ;)

naibenak kommentierte am 22. August 2016 um 13:49

Aaaahhh ja! In meinem persönlichen Lieblingsrezensent/inn/en-Umfeld steht es nun 2:1 FÜR dieses Buch ;-))) Soll heißen: ich werde es auch lesen... bei Zeiten ;) Danke für die tolle Rezi, Minzi!