Rezension

Schöne Unterhaltung, nicht nur für Pferdeliebhaber

Im Schatten das Licht - Jojo Moyes

Im Schatten das Licht
von Jojo Moyes

Bewertet mit 3.5 Sternen

Sarah ist bei ihren Großeltern aufgewachsen. Seit dem Tod der Großmutter gibt es nur noch ihren Opa Henri und sie. Und natürlich ihr Pferd Boo, an dem ihr Herz ganz besonders hängt. Boo ist in einem kleinen Straßenstall mitten in London untergebracht. Henri war früher selbst ein erfolgreicher Dressurreiter und trainiert seine Enkelin und ihr Pferd streng, aber liebevoll. Sarah hat alles, was sie braucht. Doch dann hat Henri eines Tages einen Schlaganfall und nichts ist mehr wie vorher. Noch dazu soll der Pferdestall verkauft werden und der neue Besitzer ist längst nicht so nachsichtig in Sachen Bezahlung wie der bisherige. Sarah befindet sich in einer schrecklichen Zwickmühle und hat niemanden, dem sie sich anvertrauen kann.

Durch Zufall gerät Sarah an Natasha und Mac, die sie als vorübergehende Pflegeeltern bei sich aufnehmen. Doch eigentlich sind die beiden schon längst getrennt, wollen sich scheiden lassen und ihr gemeinsames Haus verkaufen. Also ist hier kein dauerhaftes Zuhause für Sarah in Sicht – oder vielleicht doch?

Seit „Ein ganzes halbes Jahr“ ist der Name Jojo Moyes aus der Literaturszene kaum noch wegzudenken. „Im Schatten das Licht“ hat sie bereits vorher geschrieben, doch erst jetzt wurde es auf deutsch veröffentlicht.

Da ich dies wusste, bin ich mit eher geringen Erwartungen an das Buch herangegangen. Doch ich wurde durchaus gut unterhalten. Ich finde zwar, die Geschichte hätte einige Kürzungen vertragen können, aber insgesamt hat sie mir gut gefallen. Die Figuren sind gut ausgearbeitet und bekommen auf fast 600 Seiten auf jeden Fall ausreichend Raum, um sich zu entfalten. Ich fand ihre Gefühle und Handlungen glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt.

Auch wenn ich kein „Pferdemädchen“ bin und niemals war, hat mich die Geschichte um Sarah und Boo mitgenommen und berührt, auch wenn ich sie streckenweise gerne ein bisschen geschüttelt hätte. Dass es ihr an Vertrauen mangelt, ist durchaus verständlich und bei einem Teenager kann man eben auch nicht immer vernünftiges Verhalten erwarten, aber selbst einem Teenager sollte an irgendeinem Punkt klarwerden, dass Verschweigen und Weglaufen keine Lösung sein kann.
Andererseits haben es auch die Erwachsenen in diesem Buch nicht so mit der Kommunikation und so ist Sarahs Verhalten dann doch auch wieder irgendwie nachvollziehbar.

Die Geschichte verläuft über weite Strecken sehr ruhig und gemächlich, erst gegen Ende zieht das Tempo dann massiv an, bis zu einem leider recht vorhersehbaren Schluss. Hier hätte ich mir etwas weniger Pathos gewünscht.

Dennoch insgesamt schöne Unterhaltung, nicht nur für Pferdeliebhaber!