Rezension

Seelenkummer

Sommernachtstod - Anders de la Motte

Sommernachtstod
von Anders de la Motte

Bewertet mit 4 Sternen

Seelenkummer

Vera/Veronica, die Protagonistin in "Sommernachtstod" ist ganz gar nicht sympathisch. Als Teenager musste sie erleben, wie ihr kleiner Bruder spurlos verschwand und nie wieder auftauchte. Doch es gibt viele Gründe, warum sie in die Stadt zieht, sobald es ihr vom Alter her möglich ist. Sie macht dort eine Ausbildung zur Trauertherapeutin. Die Geschichten der Trauernden geben ihr insgeheim einen Kick, ebenso wie Drogen und Alkohol. Eine unglückliche Liebesgeschichte lässt sie sogar zur Stalkerin werden. Es kommt zum Totalabsturz, von dem sie sich erst langsam erholt. Ein neuer Patient in ihrer Trauergruppe reißt alte Wunden wieder auf. Er macht Andeutungen zu ihrem verschwundenen Bruder, sieht ihm in gewisser Weise sogar ähnlich. Sie beginnt selbst mit Nachforschungen, aber das Dorf, eine eingeschworene Gemeinschaft rund um ihren dominanten Onkel, macht es ihr nicht einfach... 

Die Geschichte braucht lange, bis sie in Fahrt kommt. Der Erzähler hat ein gutes Auge für Details und kann viel Unausgesprochenes zwischen die Zeilen legen. Man braucht einfach Geduld, um sich auf den Roman einzulassen, der aber gegen Ende in dunkler Gewitternacht einen atemlosen Schlussspurt hinlegt. Mir fehlt irgendwie ein Sympathieträger und die erste Hälfte des Buches hätte für mich mehr Schwung haben können. Aber ansonsten bleiben die Familiengeheimnisse fast bis zum Schluss gewahrt und die Auflösung ist überraschend. "Sommernachtstod" entspricht vielleicht nicht ganz dem gängigen Skandinavien-Krimi-Klischee, aber weiß doch auf seine Art zu fesseln.