Rezension

Sehr spannend, aber nicht herausragend

Aisha - Jesper Stein

Aisha
von Jesper Stein

Bewertet mit 4 Sternen

„Er war Axel Steen und er verstand die Prioritäten nicht, die es in ihrer Welt gab und auf die man Rücksicht nehmen musste.“ (Zitat S 382)

Inhalt:

Kommissar Axel Steen ist seit neun Monaten zurück im Einsatz und wird an den Tatort eines Mordes gerufen. Erste Recherchen ergeben, dass der Ermordete ein Charmeur mit vielen Frauengeschichten war, doch Axel glaubt nicht an ein Eifersuchtsdrama, als er erfährt, das der Tote bis vor zwei Jahren als Spezialagent an Anti-Terror Einsätzen beteiligt war. Er muss in der Vergangenheit ermitteln, vier Jahre zurück, doch er stößt auf eine Mauer des Schweigens, kaum vorhandene Unterlagen und immer wieder rät man ihm, sich nicht in Vermutungen und Gerüchte zu verrennen und die Vergangenheit ruhen zu lassen. Kann er seinem neuen Mitarbeiter trauen, Khalid Taleb, der ihm vom PET zu Seite gestellt wird? Wird diese Ermittlung seine persönliche Beziehung zu Henriette Nielsen beeinflussen, ebenfalls PET, die damals an diesem Einsatz beteiligt war? Doch er wäre nicht Axel Steen, ließe er sich durch irgend etwas oder jemanden aufhalten, wenn es darum geht, ein Verbrechen aufzuklären …

Dieser spannende Thriller, der vierte Band um Kommissar Axel Steen, ist im Umfeld der aktuellen Anti-Terror Einsätze angesiedelt und stellt auch die Frage, ob der Zweck wirklich alle eingesetzten Mittel entschuldigt. „Wir befinden uns im Krieg, und im Krieg gibt es Verluste.“ (Zitat S 387) Das persönliche Abwägen der leitenden Einsatzkräfte ist ebenfalls ein Thema und die Aufstiegschancen von Kollegen mit Migrationshintergrund wie Khalid, ungeachtet der Qualifikationen. Gesellschaftskritisch erfasst der Autor auch die Entwicklung einzelner Stadtteile von Kopenhagen. Unter der Fülle der Problematiken, die der Autor in dieser Geschichte unterbringen und weiterführen will, leidet die Logik der Handlung an manchen Stellen.

Der Autor erzählt die Geschichte abwechselnd in zwei Erzählsträngen, den Einsatz 2007 und die Ermittlungen 2011, sodass der Leser mit dem Fortschreiten der Ereignisse im Jahr 2007 ein genaues Bild darüber erhält, was damals tatsächlich vorgefallen ist, während Axel Steen im Zuge seiner Ermittlungen im Jahr 2011 mühsam nachforschen muss, was damals passiert ist und ob es einen Zusammenhang zum aktuellen Mordfall gibt.

Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen, mit notwendigen kurzen Rückblenden auf Axel Steens frühere Ermittlungen. Das örtliche und gesellschaftliche Umfeld in Kopenhagen ist interessant und gut beschrieben.

Der Hauptprotagonist Axel Steen, als Ermittler vielen Lesern schon aus den früheren Büchern bekannt, hat sich verändert, versucht weniger verbissen zu ermitteln und bemüht sich um seine Tochter Emma. Er ist aber auch ein von Selbstzweifeln bis hin zu depressiven Momenten Getriebener und genau diese Einblicke in seine Befindlichkeiten, die sich immer wieder in die Handlung schieben, unterbrechen den Handlungsfluss und nehmen dadurch leider auch mehrfach die Spannung aus dem Geschehen. Als bedingungslos korrekter Ermittler, der sich nicht beeinflussen lässt, gefällt er mir sehr gut, seine persönlichen Entscheidungen im Privatleben sind teilweise für mich schwer nachvollziehbar.

Insgesamt sind die Charaktere, sowohl im PET, als auch bei der Kriminalpolizei, gut beschrieben und die Geschehnisse sind durchaus glaubwürdig.                                                              

Ein spannender Thriller, auf alle Fälle für Leser, die Axel Steen schon aus früheren Büchern kennen, jedoch ist es auch kein Problem, mit diesem vierten Band in die Thriller-Serie einzusteigen. Hier wird der Autor Leser ansprechen, die Thriller im Bereich von Geheimdiensten und mit unterschiedlichen, ermittelnden Interessensgruppen schätzen, auch wenn mich der Autor nicht vollkommen überzeugen konnte.