Rezension

Spannende Grundidee, dürftige Umsetzung

Immerwelt 1 - Der Anfang
von Gena Showalter

Bewertet mit 3.5 Sternen

 „Ich habe großen Reichtum kennengelernt und große Armut. Und in jeder Phase war ich sowohl glücklich als auch unglücklich. Gefühle unterscheiden nicht.“ – S. 282

Tenley soll sich endlich entscheiden, für Myriad oder Troika, den Ort an dem sie nach ihrem Tod ihr Zweitleben verbringen wird. Da sie sich vehement weigert, bei Myriad zu unterzeichnen und rebelliert, wie junge Menschen das gerne tun, greifen ihre Eltern zu drastischen Mitteln und lassen sie einweisen. In der Anstalt in der sie nun schon ein Jahr einsitzt, sind Folter, körperliche wie psychische, an der Tagesordnung, um die Ungezeichneten zu brechen und sie zur Auswahl einer Sphäre zu zwingen. Tenley denkt aber gar nicht daran, sich zu einer Entscheidung zwingen zu lassen und so versucht der Anstaltsleiter mit immer grausameren Mitteln, sie zu brechen.

MEINE MEINUNG

Wer nicht gern über ausgedehnte Folterszenen und ausufernde Brutalität liest, sollte sich die Wahl dieser Lektüre doppelt überlegen. 
Ich kenne auch Frau Showalters  ‚White – Rabbit – Chronicles‘ – Reihe rund um Alice und die Zombiejäger, von der ich restlos begeistert war. Man sollte meinen, dass es in einer Zombieserie blutiger zugehen würde. Weit gefehlt. 
‚Immerwelt‘ liest sich wie eine Adaption von Alice im Wunderland, in der Alice sich nicht für einen Zugang zum Wunderland entscheiden kann und dafür gefoltert und erniedrigt wird

Durch die ersten Seiten habe ich mich ehrlich gesagt gekämpft. Der Klappentext und das Cover lassen nicht darauf schließen, wie düster diese Geschichte in Wahrheit ist und wie viel Verzweiflung und Aussichtslosigkeit zunächst in Tens Leben herrschen. Vermutlich habe ich mich deswegen so schwer getan. Die Welt der Sphären hat mich schon fasziniert, leider werden wichtige Informationen sparsam eingesetzt, sodass ich zunächst verwirrt durch Tens Erzählung gestolpert bin. Wichtige Dinge wie Verschmelzung, Viele Enden und Verträge zwischen Menschen im Erstleben und den Sphären werden zu spät aufgelöst, wenn überhaupt. 
Bei der Stange gehalten haben mich in der ersten Hälfte nur die Charaktere und die Hoffnung darauf, dass doch wieder etwas Licht in Tens Leben scheinen wird und die beiden gutaussehenden Kerle, die plötzlich in der Anstalt auftauchen.

Der Schreibstil war gut, aber wie gesagt, wurden viele Stellen einfach zu sehr in die Länge gezogen (besonders die grausamen) und einige Dinge wurden zu kurz und oberflächlich abgehandelt. Da blieben die Emotionen zu sehr auf der Strecke. 
Die Dynamik zwischen Ten, den anderen Insassen und den Jungen, die in ihr Leben treten, ist auf jeden Fall ein dicker Pluspunkt. Mir gefielen ihre Freunde und ihr love interest sehr gut. Die waren mein Lichtblick innerhalt der Geschichte. 
Ab der zweiten Hälfte hat sich das Ganze gebessert, es kam Schwung in die Geschichte und viele Fragezeichen, die sich über mir gehäuft hatten, wurden aufgeklärt. Trotzdem gab es auch hier wieder Ecken und Kanten über die ich gestolpert bin und wenn ich es nicht innerhalb einer Leserunde gelesen hätte, weiß ich nicht, ob ich es durchgehalten hätte. 

FAZIT

Mir hat ‚Immerwelt – Der Anfang‘ mittelmäßig gefallen. Ich mochte die Charaktere und die Grundidee, die in meinen Augen mehr Möglichkeiten geboten hätte, als von der Autorin genutzt wurde. Der Schreibstil liest sich locker, leicht und mit viel schwarzem Humor. 
Für mich fühlte sich der erste Band nach einem Auftakt an, der nichts anderes darstellt. Ich habe das Gefühl eine 500 seitige Einleitung gelesen zu haben und am spannendsten Punkt, wenn es endlich eine Wendung gibt, wird mitten im Satz abgebrochen, was mich ein wenig frustriert zurücklässt. Ich werde den zweiten Band auf jeden Fall lesen und hoffe, dass Tens Geschichte nun endlich richtig durchstartet. 
Von mir gibt es dafür 3.5 Sterne.