Rezension

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Spannende Jagd nach dem Täter

My Little Eye - Stephanie Marland, Stephanie Broadribb

My Little Eye
von Stephanie Marland Stephanie Broadribb

Bewertet mit 4 Sternen

Die junge Doktorandin Clementine hat sich nach den traumatischen Ereignissen vor 12 Jahren, bei denen ihr Vater ums Leben kam,  völlig von anderen abgeschnitten und lebt ein isoliertes Leben in Angst. Unter anderem durch ihre soziale Zurückgezogenheit begründet, beschäftigt sie sich intensiv mit dem Verhalten von Menschen im Internet und wie sie sich dort darstellen, insbesondere mit True-Crime-Fans. Dort trifft sie auf eine Gruppe die eine laufende Mordserie vor der Polizei aufklären möchte. Sofort ist sie Feuer und Flamme und setzt sich mit all ihren Fähigkeiten dafür ein, dabei überschreitet sie gewisse Grenzen, um zu beweisen, dass eine Laien-Ermittlergruppe aus dem Internet der Polizei zuvorkommen kann und effizienter arbeitet. Doch dabei bemerkt sie nicht, wie nahe sie dem Mörder tatsächlich kommt und schon bald schwebt sie in unmittelbarer Gefahr...

Der Leser bekommt gleich einen Eindruck in das ziemlich beschränkte Leben von Clementine und ihrer intensiven Liebe zu Kriminalfällen, korrupten Polizisten und einer gewissen Geringschätzung und Misstrauen gegenüber der Polizei. Sie ist im echten Leben übervorsichtig und leidet an dem Verlust ihres Vaters, hält sich selbst für gefährlich und eine Mörderin, dessen Begründung sich im weiteren Verlauf findet, genauso wie in die tatsächlichen Geschehnisse von damals. Durch ihre oft egoistischen und ünverantwortlichen Taten war sie mir eher weniger sympathisch.Der leitende Ermittler DI Dominik Bell hat auch sein Päckchen zu tragen, hat er doch das Gefühl jemand hat ihn bei seiner letzten sehr missglückten polizeilichen Ermittlung hinters Licht geführt. Der familiäre sowie dienstliche Druck lastet schwer auf ihm und ich fand ihn dadurch sehr authentisch und sympathisch. Er ist mitfühlend und nimmt seinen Job ernst, vielleicht zu ernst und dadurch nimmt er die Schuld oft auf sich, wie in der laufenden Mordserie. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und lässt derweil auch Spannung aufkommen, ganz besonders am Ende, als es dann zum Äußersten kommt und Clementine sich, überraschenderweise, durch fehlende Vorsicht in eine missliche und potentiell gefährliche Lage manövriert. Die Ermittlungen der Laiengruppe hatte ich mir interessanter vorgestellt. Es kommen zwar Ergebnisse daraus hervor, allerdings erhält sie viele Informationen indiskret über Maulwürfe der Polizei und leistet kaum eigene Arbeit. Das war leider nicht so spannend, auch wenn es zwischenzeitlich gewisse unvorhersehbare Momente gegeben hat. Die Entdeckung des Täters war zwar im ersten Augenblick schon überraschend, im Rückblick allerdings doch in gewisser Weise vorhersehbar durch sein ablehnendes Verhalten und die Unwahrscheinlichkeit das er der Täter ist, die daraus resultiert, was ihn wiederum sehr verdächtig macht. Leider wurden die genauen Hintergründe der Tat nur ansatzweise geklärt und so bleibt unverständlich was ihn zu so einer Tat getrieben hat. Die leichte Annäherung zwischen Dom und Clementine hat mir hingegen ziemlich gut gefallen und sie wären ein gutes Team, wenn sie zusammen arbeiten würden. Das Ende hätte meiner Meinung nach noch etwas ausführlicher sein können und Clementines Perspektive noch aufgreifen, aber sonst ein würdiger Abschluss.