Rezension

Spannender Politthriller mit zeitgeschichtlichem Hintergrund

Innere Sicherheit - Christa Bernuth

Innere Sicherheit
von Christa Bernuth

Bewertet mit 5 Sternen

„Nicht wir haben das System im Griff, das System hat uns im Griff.“ (Zitat Seite 74)

Inhalt:

An einem kalten Sonntag im November wird eine tote Frau, getötet durch einen Schuss in den Hinterkopf, an Rügens Küste angeschwemmt. ABV Martin Beck, Volkspolizist, beginnt zu ermitteln und klärt die Identität der Toten: Johanna Schön, loyal, hilfsbereit – und es war nicht die DDR Küstenbrigade, die geschossen hat. Da erhält Beck die Weisung von oben, die Ermittlungen unverzüglich einzustellen. Doch es gibt zu viele Ungereimtheiten und Martin Beck recherchiert heimlich weiter, obwohl er sich in eine Gefahr begibt, deren Dimensionen er nicht abschätzen kann. Kann er überhaupt noch jemandem vertrauen? 

Die Geschichte spielt in der DDR, auf der Insel Rügen und in Berlin. Thematik sind die unterschiedlichen Akteure und Auswirkungen des Kalten Krieges, aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit den einzelnen Staatsformen:  westliche Demokratie gegen DDR, Machtgefüge und die Haltung einzelner Protagonisten auf beiden Seiten. Es ist jedoch kein reines Hinterfragen des Systems DDR, sondern es geht vor allem darum, wie die Menschen damit umgehen.

Der Hauptprotagonist Martin Beck sieht den Sinn der DDR auf Ideale begründet, Ideale, welche gerade die jungen Menschen mittragen. Man ist bereit, Opfer zu bringen für das, was noch im Aufbau ist, auf manche Annehmlichkeiten zu verzichten. Auch er teilt diese Ideale, kann jedoch die Augen nicht vor den Entwicklungen verschließen, kritisch nimmt er wahr, was um ihn vorgeht, was vor allem in den Menschen vorgeht. Schon vor Jahren ist seine Mutter in den Westen geflohen, während er und sein Bruder in der DDR geblieben sind. Dadurch hat Martin Beck kaum Chancen auf Beförderungen. Dies kann er nachvollziehen, doch die Dinge, die er im Laufe seiner heimlichen Recherchen herausfindet, führen dazu, dass er umzudenken muss. Ein sympathischer Hauptcharakter, um den man sich als Leser Sorgen macht.

Die Autorin verpackt die zeitgeschichtlichen Themen in einen aufregenden Politik- und Spionagethriller in dem kaum etwas so ist, wie es scheint. Immer wieder neue Wendungen halten die Spannung aufrecht und doch sind alle Entwicklungen realistisch. Dennoch nimmt sich die Autorin auch Zeit für Beschreibungen der Örtlichkeiten, der Natur und der einzelnen Personen. Der Schreibstil und die flüssige Sprache erzeugen ein positives Leseerlebnis.

Ein spannender Politthriller, den man nicht aus der Hand legen will, bis die letzte Seite gelesen ist. Hier wird leise gemordet, um der Ziele willen, nicht aus gewaltbereiter Brutalität. Ein Buch für Fans von Spionagethrillern mit zeitgeschichtlichem Hintergrund und für alle, die mehr über die Insel Rügen zu DDR Zeiten erfahren wollen, verpackt in eine packende Geschichte. Wer leichte Regionalkrimis sucht, wird von dieser dichten, intensiven Geschichte eventuell enttäuscht sein.