Rezension

Spannendes Familiengeheimnis

Die Schwestern von Sherwood - Claire Winter

Die Schwestern von Sherwood
von Claire Winter

Bewertet mit 5 Sternen

Berlin 1948. Melinda lebt im Nachkriegsberlin und kämpft sich irgendwie durch. Sie will Journalistin werden, doch ihr Verlobter ist überhaupt nicht angetan von ihren beruflichen Plänen und ihre Beziehung scheitert. Da erhält sie eines Tages ein anonymes Paket, in dem sich einige Briefe und Zeichnungen befinden sowie eine einzelne Schachfigur. Wer hat ihr diese Dinge zukommen lassen und warum? Melinda findet heraus, dass die Zeichnungen wohl das Dartmoor im Süden Englands darstellen und als sie die Gelegenheit erhält, auf eine Fortbildung nach London zu reisen, ergreift sie diese Chance, um mehr über den mysteriösen Inhalt des Paketes herauszufinden.

Parallel zu Melindas Geschichte erfährt der Leser mehr über die Amalia und Cathleen, zwei Schwestern, die in den 1880er Jahren in England aufgewachsen sind. Nach einer schweren Erkrankung hat Amalia ihr Gehör verloren, was ein schwerer Schlag für ihre Mutter Elisabeth ist, die sich mithilfe ihrer Töchter den Eintritt in die bessere Gesellschaft erarbeiten wollte. Geld hat die Familie Sherwood genug, aber den adligen Kreisen in ihrer Umgebung sind sie als Emporkömmlinge ein Dorn im Auge, was die ehrgeizige Elisabeth nicht hinnehmen will. Die Erkrankung von Amalia bedeutet für sie das Ende ihrer Hoffnungen, beide Töchter gut zu verheiraten, also richten sich nun all ihre Bemühungen auf eine gute Verbindung von Cathleen.

Mehr möchte ich gar nicht zum Inhalt verraten, denn die Verbindung der beiden Handlungsstränge und Zeitebenen ergibt sich natürlich erst nach und nach. Als Leser kann man schon recht früh einige Vermutungen aufstellen, andere Details enthüllen sich hingegen erst am Ende. So bleibt die Spannung konstant erhalten und da beide Handlungsstränge äußerst liebevoll und detailreich erzählt sind, verfliegen die Seiten nur so. Ich persönlich fand die Handlung um Amalia und Cathleen ein klein bisschen fesselnder als die Gegenwartshandlung um Melinda, aber auch hat sich wirklich wunderbar lesen lassen. Besonderen Charme entwickelte die Geschichte durch die vielen kleinen Verknüpfungen, die oft nur am Rande stattfanden und auffielen, bei denen man aber einfach merkte, wie durchdacht die Handlung auf beiden Zeitebenen angelegt ist.

Die Charaktere sind ebenfalls sehr liebevoll dargestellt, nicht nur die jeweiligen Hauptfiguren, sondern auch die ganzen Nebengestalten. Auch wenn einige Handlungen aus heutiger Sicht entsetzen, darf man nie den geschichtlichen Kontext vergessen, in dem die Geschichte spielt. Vieles entwickelt sich daraus und so hat man als Leser unwillkürlich auch Verständnis wenn die Figuren so und nicht anders handeln - auch wenn man es sich als Leser an einigen Stellen sehr wünschen würde, da einem einige der Figuren richtig ans Herz gewachsen sind und man mit ihnen mitleidet! Der Autorin ist es wirklich großartig gelungen, den Leser hier tief in die Geschichte der Sherwood-Schwester eintauchen zu lassen und auf eine kleine Zeitreise mitzunehmen - ich war richtig traurig, als das Buch nach knapp 580 Seiten schon vorbei war!