Rezension

Traurigkeit verbindet

Ein bisschen wie Unendlichkeit - Harriet Reuter Hapgood

Ein bisschen wie Unendlichkeit
von Harriet Reuter Hapgood

Bewertet mit 3 Sternen

Meine Meinung zum Jugendbuch:
Ein bisschen wie Unendlichkeit

Aufmerksamkeit:
Diesen Punkt findet ihr auf meinem Blog, nebenbei verlinke ich auch noch eine andere liebe Bloggerin, die auch dieses Buch gelesen hat.

Inhalt in meinen Worten:
Wenn ein geliebtes Familienmitglied stirbt, dass auch noch so etwas wie ein Vater ist, dann steht die Welt Kopf. Und vor allem dann, wenn auch noch ein langjähriger bester Freund, den man Jahrelang nicht gesehen hat, auf einmal wieder da ist. Dann gibt es erst einmal Gefühlsverwirrung, und das ist für Gottie nicht ganz leicht zu verstehen, vor allem weil sie mit dem Schmerz der in ihrem Inneren tobt,  nicht zurecht findet. Und dann gibt es auch noch diese Wurmlöcher, die sie immer wieder in die Vergangenheit katapultiert. Erst nach und nach wird ihr bewusst, woran das liegt, und was ihr das Universum sagen möchte.
Was das ist, und was sie mit Thomas, und ihrem Bruder erlebt, das soll euch das Buch verraten.

Wie ich das Buch empfand:
Ich konnte das Buch recht schnell durchlesen, denn die Sprache ist bis auf gewisse Wurmlöcher und Matheformeln sehr leicht zu verstehen. Und ich wollte bis zum Ende erfahren, was mit Gottie und ihren Wurmlöchern so alles passieren wird.
Doch irgendwie wurde es bis zum Ende sehr konfus und es war nicht mehr realistisch. Das fand ich dann etwas schade.

Charaktere:
Thomas ist der lang geliebte Freund aus Gotties Vergangenheit und er wird zur Zukunft,  und nachdem die beiden sowieso miteinander verbunden sind, aufgrund dessen, dass sie eine Blutsbrüderschaft haben, doch Gottie kommt nicht so gut zurecht, dass er wieder da ist.
Dann gibt es natürlich Gottie, sie ist die Hauptakteurin in diesem Buch, ihr Bruder und ihre beste Freundin, so wie ihren Großvater, der zwar selbst nicht mehr im Buch anzutreffen ist, aber dennoch immer präsent da ist. Ein sehr wichtiger Protagonist in diesem Buch ist Umlaut. Eine Katze, die es schafft, immer dann aufzutauchen, wenn jemand zu tief abtaucht.
Diese Mischung an Charakteren war an sich eine tolle Idee, wenn es  nicht diese Irrungen und Wirrungen gegeben hätte, mit denen ich mir etwas schwer getan habe.

Gottie:
Normalerweise gehe ich nicht einzeln auf die Protas ein, doch gerade in diesem Fall muss ich es machen, damit ihr meine Rezension evtl  besser verstehen könnt.
Gottie hat ihren Großvater verloren, und das ist wirklich nicht einfach, ich weiß wie meine Ur-Oma gestorben ist, und da war ich erst 9 Jahre alt, und ich litt sehr lange und sehr tief an dieser Situation, und nachdem ich dann auch fast ein Jahr lang ständig in das Krankenhaus gekommen bin, weil ich dauernd Bauchschmerzen hatte, kann ich mich auch nur begrenzt an diese Zeit und an die Menschen erinnern, die eigentlich um mich waren. Und deswegen kann ich Gottie hier gut verstehen. Dennoch fand ich es schwierig mich immer wieder neu auf das Buch einzustellen. Die Wurmlöcher waren nicht unbedingt leicht  zu verstehen, und passten für mich nicht wirklich dazu. Natürlich halfen sie, die Geschichte wahr zu nehmen, auch die Spannung baute es dadurch auf. dennoch verfing ich mich irgendwie in diesen Zeitsprüngen.

Bis mir bewusst war, um was es in diesem Buch wirklich geht, war ich schon so gut wie am Ende, und fand den letzten Zeitsprung etwas unpassend. Weil er zu abrupt das Buch beendet hat und dadurch irgendwie etwas auf der Strecke geblieben ist.

Gut fand ich aber, als Gottie erfahren hat, was die anderen empfunden hatten, als Gottie abwesend und nicht wirklich erreichbar war, und dadurch sah ich, was Trauer einerseits mit dem Umfeld anstellen kann, aber eben auch mit dem Menschen, der gerade trauert und diesen Grundgedanken fand ich sehr hilfreich und kann Menschen die gerade selbst in einer Trauer stecken helfen, um wieder aufzutauchen aus dem Schmerz.

Gottie an sich ist eine Jugendliche, die den Schmerz zu lange Zeit in sich einnisten lies, erst nach und nach wird ihr bewusst, was um sie  herum geschieht und erschrickt und fasst zugleich wieder Lebensmut und will aus der Trauer ausbrechen.
Was für sie nicht ganz leicht ist, sie wuchs auch ohne Mutter auf, und verlor somit in ihrem kurzen Leben gleich zwei sehr wichtige Bezugspersonen, das das wirklich nicht einfach ist, das ist nachvollziehbar.
Auch ist sie hochbegabt in Mathematik und kann gut mit Formeln und Gleichungen umgehen, nur oftmals passen solche Ansätze nicht in ein Leben. Und als sie das erkannt hat, und sah, wohin der Schmerz sie brachte musste sie lernen zu vergeben, und wieder den Kopf aufzuheben zu den Sternen, die ihr ganz viel bedeuten.
Als ihr das gelingt, trifft sie wieder Menschen und Bezugspersonen, die die ganze Zeit auf sie gewartet haben.

Schreibstil:
Wie schon erwähnt ist der Schreibstil in diesem Buch sehr einfach, bis auf manche Matheformel, die aber nicht allzu oft auftaucht. Und dadurch hat sich das Buch gut lesen lassen, auch und gerade wenn ich mir mit dem Rest etwas schwer getan habe.

Was ich gut fand:
Trauer ist für jeden schwer, gerade weil es auch vier Phasen gibt, die jeder Trauernde in irgendeiner Form durchläuft und gerade dieses Buch geht mit Gottie in diese Phasen, auch wenn diese nicht bewusst angesprochen werden.
Deswegen denke ich, dass derjenige der gerade selbst in einem solchen Schmerz gefangen ist, Hilfe erfahren kann, und dadurch vielleicht wieder neuen Mut schöpfen kann.
Jedoch auch für das Umfeld, können wichtige Aspekte vorhanden sein. Denn wenn jemand trauert, dann schließt er sich oft in sich selbst ein, und bis da wieder jemand durchkommt, braucht es Zeit und Geduld, und das beweisen Thomas, und viele andere in diesem Buch. Lassen ihr Zeit wieder zu sich finden aber geben auch klare Signale, dass es so nicht weitergehen darf, das nicht alles grau in grau ist, es gibt auch Farbe.
Deswegen empfehle ich jedem das Buch, der selbst in einer Trauer steckt.

Was mir nicht gut gefallen hat:
Ich tat mir mit den Zeitsprüngen und Wurmlöchern wirklich sehr schwer. Sie waren für mich teilweise nicht nachvollziehbar und ich hatte das Gefühl, dadurch wird das Buch sehr in die Länge gezogen. Vor allem als dann am Ende noch wichtige Schlüsselszenen, die sonst im Buch nicht auffindbar waren, kommen, war ich etwas enttäuscht, diese Schlüsselszenen hätte ich mir wirklich auch während dem Buch gewünscht.
Die Liebesgeschichte die letztlich im Klappentext zu erwarten war, war für mich nicht wirklich vorhanden, das fand ich schade.

Die Autorin: 
Ich habe irgendwie das Gefühl das diese Debüt die Lebensgeschichte von dieser Autorin ist, natürlich nicht eins zu eins, aber es mutet etwas an. Gerade weil ihr Großvater, dem diese Geschichte gewidmet ist ein deutscher Mathematiker war.

Bewertung:
Nachdem ich mir letztlich mit dem Buch nicht ganz leicht getan habe und mir wirklich immer wieder die Frage stellt, um was es in diesem Buch geht, war ich dann zwischen drin schon eher bei der Bewertung von 2 Sternen.
Jedoch hat mir gerade das Ende wo endlich die wichtigsten Szenen positiv aufgefallen sind, und auch der Schreibstil sehr gut gefallen hat und ich es im Endeffekt nachvollziehen konnte, gebe ich drei von fünf Sternen.