Rezension

Überraschend vielschichtiger und zarter Roman

Der Club - Takis Würger

Der Club
von Takis Würger

Bewertet mit 5 Sternen

Takis Würgers Debütroman „Der Club“ ist vielschichtiger, als er auf den ersten Blick scheint. Gekonnt verwebt der Autor verschiedene Genres - Kriminalroman trifft auf Entwicklungsgeschichte, eine zarte Liebesgeschichte entsteht vor dem Hintergrund eines scharfen Gesellschaftsportraits – und erschafft durch subtilen Spannungsaufbau Figuren und Welten, die zugleich berühren und schockieren.

Der Roman beginnt märchenhaft und fast schon idyllisch. Ein Haus in einem niedersächsischen Wald, liebevolle Eltern und eine Kindheit inmitten friedlicher Natur. Doch über dieser Idylle liegt von Anfang an auch eine düstere und verwunschene Atmosphäre, die sich mit der Zeit immer weiter ausbreitet. Hans Stichler ist ein sonderbares Kind, das in der sozialen Umwelt aufgrund seiner Eigenheiten keinen Anschluss findet und sich dadurch nach und nach zum Einzelgänger und -kämpfer entwickelt. Die einzigen Hilfsmittel, um die Welt zu verstehen und seine Gedanken zu ordnen, stellen für ihn die Literatur, der Rückzug in die Natur und das Boxen dar. Nach einigen Schicksalsschlägen in seiner Jugend deutet sich eine erste Wendung zum Guten in Form eines Angebots seiner Tante Alex an: Sie kann ihm ein Stipendium an der Universität in Cambridge vermitteln, wenn er im Gegenzug an der Aufklärung eines Verbrechens mitwirkt, dessen Zentrum sich hinter den elitären Mauern des Pitt-Clubs verbirgt. Hans lässt sich auf den Deal ein und findet sich schon bald in einem Strudel von Ereignissen wieder, in welchem die Grenzen zwischen richtig und falsch immer mehr verschwimmen…

Takis Würger ist mit diesem Roman ein starkes Debüt gelungen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht verschiedener Personen, die alle eine mehr oder weniger große Rolle darin spielen. Die raffinierte Konstruktion der Perspektivwechsel wirkt zu keinem Zeitpunkt verwirrend oder aufgesetzt, sondern erzeugt beim Leser einen differenzierten Blick auf das Geschehen und entfaltet dadurch eine fesselnde Sogwirkung. Trotz der ruhigen Erzählweise schreitet die Handlung rasant voran und entwickelt eine Spannung, die einen das Hörerlebnis nur schwer unterbrechen lassen. Der Schreibstil des Autors ist bestechend schlicht und klar, aber trotzdem auch detailverliebt. Ganz zart beschreibt er Stimmungen und Gefühle und fängt Sinneseindrücke präzise ein. Man schmeckt förmlich das Blut und riecht den Schweiß, wenn die Boxkämpfer in den Ring steigen oder spürt die Kälte der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Im Allgemeinen greife ich eher zur Printversion eines Romans, doch dieses Hörbuch hat mich komplett begeistert! Es ist wirklich hervorragend umgesetzt und eingelesen worden durch großartige Sprecher wie Matthias Köberlin und Anna Maria Mühe. Jeder Einzelne von ihnen verleiht seiner Rolle durch die jeweils individuelle Stimmlage und Akzentuierung gekonnt eine unverkennbare Persönlichkeit und bereitet dem Hörer so ein differenziertes und spannendes Hörerlebnis.

 

Fazit

Dieses Hörbuch hat mich von der ersten Minute an gefesselt und nicht mehr losgelassen! Takis Würger überrascht mit einem vielschichtigen und mitreissenden Roman, der die Frage nach Richtig oder Falsch aufwirft und große, zwischenmenschliche Themen wie Zugehörigkeit, Liebe, Hass, Rache und Verantwortung in den Blick nimmt.

Von mir gibt es 5 Sterne und eine klare Hörempfehlung!

Kommentare

katzenminze kommentierte am 02. April 2017 um 21:19

Sehr cool. Ich hätte mir zwar als Auto ein nettes Pseudonym zugelegt, aber der Roman klingt echt klasse! :)

LySch kommentierte am 02. April 2017 um 23:28

Jaa, das dachte ich mir auch :D Und es ist auch ausgerechnet die Stimme des Autors, die mich am wenigsten begeistert hat...er sollte einfach besser beim Schreiben bleiben ;)
Aber der Roman ist klasse und das Hörbuch einfach der Hammer! :)

naibenak kommentierte am 03. April 2017 um 09:02

Tolle Rezi, LySch :) Dieses Buch ist ja momentan in aller Munde... zumindest lese ich ständig etwas drüber ;) Ich habe es schon auf der WuLi und so langsam werde ich ganz kribbelig, weil ich es am liebsten ganz bald lesen will *lach*.... aber naja, man kann nicht alles (sofort) haben :D

LySch kommentierte am 03. April 2017 um 09:15

Danke! :)
Jaaa, ich kenne das Gefühl! So geht es mir gerade mit Benedict Wells oder mit "Die Geschichte der Bienen" usw. ;) Da bin ich auch ganz hibbelig und würde am liebsten 100 Bücher gleichzeitig lesen (was unrealisisch ist, weil ich leider leider eher ein langsamer Wenig-Leser bin :D)

Aber bei "Der Club" empfehle ich wirklich das Hörbuch!!

Sursulapitschi kommentierte am 03. Juli 2017 um 09:10

Ok, du hast mich überzeugt. Ich überlege schon eine ganze Weile, ob ich dieses Buch brauche. ich glaube, ich brauche es. 

Du kannst ausdeücklihc das Hörbuch empfehlen? Vielleicht investiere ich dafür mein nächstes audible-Guthaben. :-)

Danke!

LySch kommentierte am 03. Juli 2017 um 09:40

Hihi Sursu - das mit dem ewigen Überlegen kenne ich auch... ^^

Also ich habe natürlich keinen Vergleich zur Printversion, weil ich nur das Hörbuch gehört habe, aber das ist wirklich sehr zu empfehlen!! Jeder Sprecher arbeitet seinen Charakter toll heraus und so wird die ganze Atmosphäre einfach viel lebendiger, finde ich. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob der Funke dieses Buches mit der Printversion so auf mich übergesprungen wäre... ;)

Sursulapitschi kommentierte am 03. Juli 2017 um 09:52

So ging es mir mit "Geister". Ich habe es auch gehört, aber es ist lang und auch hier und da sehr ausschweifend. Vermutlich hätte ich beim Buch öfter mal was überblättert, auch wenn es ein tolles Buch ist. Das Hörbuch lässt du laufen und zupfst gemütlich dein Unkraut. Da ist mir das wurscht. Da bin ich geduldiger. :-)

katzenminze kommentierte am 19. September 2017 um 17:32

Falls du noch am Überlegen bist: Ich habe es jetzt gelesen, kann es mir aber sehr gut auch als Hörbuch vorstellen. Auf jeden Fall ist es ein tolles Buch!! ;)

Sursulapitschi kommentierte am 19. September 2017 um 19:00

Ok, ich tu´s jetzt. :-)