Rezension

Viele Kleinigkeiten die mich gestört haben

Holmes und ich – Die Morde von Sherringford - Brittany Cavallaro

Holmes und ich – Die Morde von Sherringford
von Brittany Cavallaro

Bewertet mit 3 Sternen

"Holmes und ich", die Idee mal die nächste Generation des berühmtem Detektivduos unter die Lupe zu nehmen fand ich großartig, jedoch wurde bei der Umsetzung viel Potenzial verschenkt.

Fangen wir mit James Watson an. Er ist ein super Charakter geworden, auch wenn mir seine anfängliche Schwärmerei, ja beinahe Besessenheit bezüglich Charlotte Holmes auf die Nerven ging, hat sich das allerdings im Laufe gelegt. Er war schon arm dran mit Charlotte, die ihn, was Informationen und ihre Zuneigung anging, am langen Arm hat verhungern lassen. Seine Frustration darüber und auch seine Selbstzweifel, was Holmes Aufrichtigkeit oder seine Rolle in der ganzen Sache anging, war sehr überzeugend, aber auch dass er ihr immer wieder verzeihen musste. Ein Watson kann einer Holmes einfach nicht lange böse sein. Watson ist meistens ein liebenswerter Charakter, der oft ausgenutzt wird und dadurch einen leicht einfältigen Eindruck macht.

Charlotte Holmes ist nicht ganz einfach ... naja eben eine waschechte Holmes. Im Grunde ein interessanter Charakter und die holmsischen Charakterzüge kommen sehr gut zur Geltung, jedoch ist sie kein sympathischer Charakter. Sie hat wenige Züge, durch sie ich sie ein bisschen mochte. Dadurch, dass das Buch aus Watsons Sicht geschrieben ist, ist man genauso Arm dran mit Informationen wie James Watson selbst. Es hat mich beim Lesen frustriert, dass Charlotte ihn nicht immer mit einbezieht und grundsätzlich ihren eigenen Plänen folgt, ohne Watson einzuweihen. Es ist zwar typisch aber trotzdem anstrengend. Ein Holmes ist eben ein schwerer Charakter und dafür, hat die Autorin sie wirklich gut getroffen. Auch was die Deduktionen angeht und wie sie auf bestimmte Sachen schließt. 

Mit den Charakteren hatte ich mal mehr, mal weniger meine Probleme. Mich hat eher die Handlung gestört. Der Todesfall, die Reaktionen darauf und das Ewige in die Länge ziehen von August Moriarty. Der Todesfall war interessant aber das drum herum war für mich nicht überzeugend genug. Ein Schüler wurde ermordet, die Aufregung ist groß und die Schüler aus dem Haus wurden einfach wieder ins Bett geschickt? Der potenzielle Hauptverdächtige wird nicht unter Aufsicht gestellt oder sonst irgendetwas. Natürlich steckte noch mehr hinter der Geschichte und Dobson wurde nicht einfach so ermordet. Es hat einen viel tieferen Sinn, der erst nach und nach gelöst wurde. Die Auflösung am Ende war ziemlich gut gemacht und auch einigermaßen schlüssig aber der Weg dorthin war doch sehr chaotisch und hat immer mal wieder offene Fragen hinterlassen. 

Mit dem Thema August Moriarty hat die Autoren es geschafft, mich komplett zu nerven. Ich kann mir vorstellen, dass es ein sehr schwieriger Balanceakt ist, ein Thema geheim halten zu wollten und das Aufklären spannend hinauszuzögern. In diesem Fall hier wurde es für mich nicht spannend hinausgezögert. Es wurde immer wieder auf den Vorfall zwischen Holmes & Moriarty herumgeritten aber man hat nicht mal einen Krümel an Informationen bekommen. Es baute sich dadurch bei mir eine unheimliche Frustration auf, dann kam die Erlösung und sie war so nichtssagenden und unspektakulär, dass es einfach mehr geben muss, aber wieder blockt Holmes ab und man erfährt nichts. Das frustriert und das auf eine schlechte Art und weise. Ich war nicht mehr gespannt darauf zu erfahren, was los ist, sondern einfach nur genervt!

Es kommt noch dazu, dass die beiden Teenager sind, wobei ihr Alter mich weniger gestört hat, auch ihre Reaktionen waren gut durchdacht. James Watson, der immer von solchen Abenteuern mit Holmes geträumt hat, findet sich plötzlich genau dort wieder und plötzlich ist es nicht mehr so behaglich. Seine Reaktionen waren richtig gut gemacht. Eine Mischung aus Faszination und Unsicherheit und Überforderung, als er merkt, in was für eine gewaltige Sache er da hineingeraten ist. Charlotte Holmes war … naja einfach eine Holmes. Was die Sache für mich aber so „unrealistisch“ gemacht hat, waren die Reaktionen der Erwachsenen. Die Lehrer, die Schulleitung und besonders Watsons Vater.

Vielleicht merkt ihr, dass es mehrere Kleinigkeiten sind, die mir das Buch verdorben haben. Ich habe ewig gebraucht und mich teilweise durch die Seiten gequält. Sehr schade, dabei hatte das Buch potenzial.

Fazit:
Gut gelungene Charaktere - was gerade bei Holmes gar nicht so einfach ist - können leider nicht alles retten. Es gab zu viele Kleinigkeiten, die mich gestört haben und mir das Lesen dadurch erschwerten. Eine interessante Idee mit der jüngsten Generation des Detektivduos zu arbeiten aber die Umsetzung war in meinen Augen weniger gelungen. Sehr schade!