Rezension

Vom männlichen Sein.

Die Erziehung des Mannes
von Michael Kumpfmüller

Bewertet mit 5 Sternen

Mein erstes Buch von Michael Kumpfmüller, der schon mit anderen Romanen auf meiner Leseliste steht, habe ich ausgesprochen gerne gelesen!

Es geht um das Leben eines Mannes, Georg, Komponist, mehr oder weniger erfolgreich. Georg ist ein Mittelmaß und so ist auch sein Leben. Bis auf die letzte Seite war mir nicht einleuchtend, warum das Buch seinen, diesen Titel trägt. Bis es mir klar wurde, das Leben ist die Erziehung, es erzieht uns alle. Und die Erziehung des Mannes, heißt es, ganz banal, weil Georg eben ein Mann ist.

Michael Kumpfmüller hat einen sehr angenehmen Erzählstil. Unversehens ist man in der Geschichte, obwohl man eigentlich gerade ein anderes Buch lesen wollte. Dabei ist Georg so normal, seine Story ist die, die man schon tausendmal gehört hat, Frauen hören sie von Männern, die sich an der Bar aussprechen, ein wenig jammern, ein wenig stolz sind, ein wenig hilflos, ein wenig unentschlossen, frei scheinen und doch niemals frei sind. Denn Georgs sind diejenigen, die mit ihrem Leben mehr oder weniger gut zurechtkommen, die Entscheidungen treffen vornehmlich dadurch, dass sie keine treffen, die nicht verstehen wollen, was passiert ist und doch sich irgendwie arrangieren, wie Männer sich eben arrangieren.

„Die Erziehung des Mannes“ von Kumpfmüller enthält ausnahmsweise einmal ausschließlich die männliche Perspektive. Wie die ganze Sache aus Jules Sicht aussieht, des weiblichen Gegenparts, entnimmt man nur der notwendigerweise subjektiven (falschen?) Wahrnehmung Georgs. Das geht ganz in Ordnung.

Klar habe ich meine Ansichten über Georg, die eventuell von seiner Eigensicht abweichen werden. Wie jeder Leser eine Ansicht über Georg entwickeln wird und ein Urteil fällen wird über sein Leben. Das ist die Absicht.

Fazit: Ein sehr angenehmer Roman über das männliche Geschlecht, über das männliche Sein mit seinen Höhen und Tiefen, wie es sich in einer Vielzahl von Fällen eben darstellt. Tausendmal gehört und doch immer wieder neu. Das Buch „Die Erziehung des Mannes“ von Michael Kumpfmüller, (mindestens) auf die Longlist 2016 des Deutschen Buchpreises gesetzt, wird in die schmale Sammlung meiner Lieblingsbücher aufgenommen.

Kategorie: Gute Literatur
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2016

Kommentare

naibenak kommentierte am 20. September 2016 um 11:10

Leider "nur" Longlist... weiter ging es für diesen Roman nicht, wie ich soeben las. Aber schön, dass du so begeistert bist und uns diese feine Rezi beschert hast! Vielen Dank! Wäre bestimmt auch was für mich ;-)

Aacher kommentierte am 20. September 2016 um 12:11

Klingt, als hätte ich mich wieder zu Tode gelangweilt. Nachdem jetzt die Shortlist draußen ist, müsste man ja doch fast bei Netgalley um Hool anfragen.