Rezension

Von wenigen Morden und vielen Designerklamotten

Maestra - L.S. Hilton

Maestra
von L.S. Hilton

Bewertet mit 1.5 Sternen

"Maestra" wurde im Vorfeld der Veröffentlichung sehr stark beworben und man konnte den Eindruck gewinnen, der Buchtitel könne auch die Autorin umschreiben, da die Lobpreisungen klangen als haben mit L.S. Hilton die längst etablierten Thrillerautorinnen hier noch ihre große Meisterin finden können. Für mich entpuppte sich "Maestra" allerdings als am Meisten überschätztes Buch seit Langem.

Ich muss die Hauptfigur eines von mir gelesenen Romans nicht immer sympathisch finden, sondern weiss auch Protagonisten mit Ecken und Kanten durchaus zu schätzen. Doch Judith, in "Maestra" der federführende Charakter, war mir weder sympathisch noch konnte ich spezielle Ecken und Kanten ausmachen; stattdessen fand ich sie einfach nur blöd und absolut unangenehm. 
Zudem schien mir ihr Verhalten während der gesamten Geschichte absolut undurchsichtig und über ihre Beweggründe bin ich mir bis zuletzt nicht klargeworden: Anfangs wies sie ihren Chef auf eine vermeintliche Kunstfälschung hin, woraufhin sie von ihrem Boss abgewimmelt wurde und obschon hier schon offensichtlich war, dass der Chef bereits um die Fälschung wusste, versteifte sich Judith darauf, nachzuweisen, dass hier ein Betrug durchgeführt werden würde. Allerdings wird sie hier nicht zur investigativen Journalistin und erst recht nicht zur polizeilichen Ermittlerin, sondern scheint sich zunächst nur selbst beweisen zu wollen, dass sie mit ihrer Einschätzung bezüglich der Echtheit (oder eben Unechtheit) richtig liegt. Was sie mit dem Nachweis letztlich anzufangen gedenkt, bleibt bis zuletzt unklar, zumal sie selbst sehr schnell in kriminelle Sümpfe abdriftet und auch hier war für mich nicht ersichtlich, um was es Judith eigentlich ging: Geld, Macht...? 
Erstaunlich fand ich in diesem Zusammenhang, dass sie sich bald inmitten gewiefter Profiverbrecher mit langjähriger Erfahrung und von absoluter Skrupellosigkeit geprägt wiederfindet, diesen durchaus schonmal in die Quere kommt und dennoch nicht nach der ersten Hälfte des Buchs längst getötet worden war. Die einzige Spannung lag hier für mich in der Frage, ob Judith zum Schluss des Romans überhaupt noch unter den Lebenden weilen würde.
Glaubwürdig fand ich ihre kriminelle Karriere nun überhaupt nicht und für mich war sie definitiv auch keine "Maestra", sondern viel mehr jemand, der auf seinen krummen Touren einfach nur Glück hatte. 

Im Verlauf der Geschichte bewegt sich Judith an der Mittelmeerküste entlang, knüpft einen Kontakt nach dem Anderen und lernt dabei nie beliebige Menschen kennen, sondern immer nur schwerreiche und mächtige Männer, die sich auch gleich von ihr begleiten lassen. Prinzipiell ist sie auf sehr exklusive Weise als Anhalterin unterwegs; dabei kommt ihr der eigene Luxusescort-Nebenjob sehr zupass und sie hangelt sich mordend, Sex habend und einkaufend durch die gesamte Geschichte. 
Würde man diesen Roman verfilmen, müsste man ihn wohl als Dauerwerbesendung ausweisen, so viele Designer und Luxusmarken wie ständig erwähnt werden. 
Die "Erotik" in diesem Roman war eher vulgär, ich fand die detaillierten Beschreibungen und gewählten Worte eher abstoßend als prickelnd, und ohnehin war der Sex hier weitgehend nur ein Zweckmittel, welches mitunter Judiths eigenem Lustempfinden wohl eher zufällig tatsächlich entsprach. 

Letztlich ließ mich der Roman eher irritiert zurück, da ich Judiths Auftreten überhaupt nicht nachvollziehen konnte, und zugleich war ich erleichtert, die Geschichte endlich hinter mich lassen zu können. Ich fand "Maestra" doch eher ermüdend und sehr anstrengend; zudem habe ich den Roman zu keinem Zeitpunkt als Thriller empfunden, sondern rein als dramatische Erzählung, die zudem leider keinen klar ersichtlichen roten Faden verfolgte.