Rezension

Wenn nicht demokratisch sein keine schlechte Idee ist

Leere Herzen
von Juli Zeh

Bewertet mit 5 Sternen

Leere Herzen von Juli Zeh, gelesen von Ulrike C. Tscharre. Dieses gekürzte Hörbuch ist im der Hörverlag am 13. November 2017 erschienen.

Britta Söldner und Babak Hamwi haben eine kleine Firma, die Brücke, die vordergründig eine psychotherapeutische Praxis ist um suizidgefährdeten Menschen zu helfen. In Wirklichkeit vermitteln die Beiden die Kandidaten mit absolutem Todeswunsch an Terroristische Vereinigungen die hochmotivierten Selbstmordattentäter für ihre Anschläge nun frei Haus geliefert bekommen. Babak hat inzwischen einen Algorithmus geschrieben, der die Bevölkerung auf mögliche Kandidaten für die Brücke durchsucht. Die Brücke hat sozusagen das Monopol auf Selbstmordattentäter. Als dann ein stümperhafter Anschlag mit nicht von der Brücke qualifizierten Leuten geschieht, sind die Unternehmer sofort alarmiert.

Britta und Babak leben in einer Welt wo die Ignoranz und Gleichgültigkeit es haben geschehen lassen, dass die "Bewegung besorgter Bürger" die Regierung Merkel abgelöst haben und nun seit 10 Jahren eine Politik der Abschottung und Intoleranz durchsetzen. Würde man die Menschen zwischen dem Wahlrecht und ihrer Waschmaschine wählen lassen, sie würden gerne aufs Wahlrecht zugunsten bequemer sauberer Wäsche verzichten. Die Menschen bekommen ein bedingungsloses Grundeinkommen und haben das Gefühl, dass es ihnen doch gut geht.

Juli Zeh tritt uns mit ihrem neuen Buch auf die Füße, aber wir dürfen wenigstens lachend untergehen. Wie schon früher schreibt sie mit einem zwinkernden Auge und netten Seitenhieben auf die heutige Politik. Jemand der mit der aktuellen Politik zufrieden ist, oder gar völlig unpolitisch, für den ist dieses Buch nichts. Es wird niemanden wecken der nicht bereits wach ist, aber vielleicht kann es diesen oder jenen motivieren wieder aktiver am politischen Geschehen teil zu nehmen als bisher und den Politikern zu sagen, dass es nicht auf Prozente, sondern auf Inhalte ankommt.

Gelesen wurde dieses sehr politische Buch von einer überzeugenden Ulrike C. Tscharre die ihr Können auch schon bei Boyle Buch „die Terranauten“ unter Beweis gestellt hat. Ich finde es schade, dass dieses Buch gekürzt wurde.
 

Kommentare

sphere kommentierte am 15. Januar 2018 um 20:48

Das liest sich sehr gut, kommt auf die Wunschliste. Irgendwie ist die Veröffentlichung an mir vorbei gegangen...

Galladan kommentierte am 15. Januar 2018 um 23:31

Vermutlich ist nicht viel Wirbel um die Veröffentlichung gemacht worden. Ich bin durch Unteruns auf die Autorin aufmerksam geworden.