Rezension

Wie wichtig ist dir die Freiheit?

Die Macht der Clans - Gabi Büttner

Die Macht der Clans
von Gabi Büttner

Bewertet mit 4.5 Sternen

Dass es sich bei diesem Buch um ein Debüt handelt, merkt man nicht an einer Stelle. Der Schreibstil ist flüssig, leicht und lässt einen durch die Seiten fliegen. Durch die bildhaften Beschreibungen, die die Autorin zustande gebracht hat ohne dabei ausschweifend zu werden, konnten sehr stark von sich überzeugen.

Der Klappentext klingt, als würde sich dieses Buch hauptsächlich um die Liebe drehen. Ganz so falsch ist das nicht, die Liebesgeschichte ist in „Die Macht des Clans“ sehr stark vertreten, allerdings sollte man dafür nicht den Rest der Worte aus dem Klappentext ausblenden. Die Welt, die in dem Buch Terra zwei heißt, wird in verschiedene Schichten aufgeteilt. Die Oberschicht wird geführt von der Clansherrschafft, die sich durch Reichtum, Etikette und Machtspiele auszeichnet. Die Unterschicht hingegen, hat zwar nicht viel Reichtum, aber sie haben ihre Freiheiten, einen liebevollen Zusammenhalt und sie geben nicht viel Wert auf das Machtgehabe anderer Menschen. Nun ja, das war zumindest so, bis die Clans die Abgaben immer erhöht haben, die sich kaum einer von der Unterschicht leisten konnte. Wer es nicht kann, stirbt oder wird versklavt. Die Oberschicht bekommt von diesen Machenschaften nicht immer alles mit, manche sogar gar nichts und dazu gehört auch Larissa.

Zusammen mit Chris, stellen die Beiden die Protagonisten des Buches dar und man bekommt dadurch immer mal wieder einen Sichtwechsel. Chris gehört der Unterschicht an und hat sich der Rebellion angeschlossen, seit Krieger des Clans seine Eltern vor seinen Augen ermordet haben. Larissa ist zwar von der Oberschicht, gibt aber keinen Murks auf die Macht des Clans und gibt sich auch mit den unteren Schichten ab. Diese Andersartigkeit einer Oberschichtlerin, zieht natürlich sofort Chris Aufmerksamkeit auf sich, weshalb er während seiner Mission versucht, sie immer näher kennenzulernen.

Larissa ist wirklich ein ganz eigener Charakter, kämpft und beißt sich durch alles, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Dass sie keinen Wert auf die Macht des Clans gibt, macht sie besonders, aber auch leichtsinnig. Mit ihren Aktionen bringt sie nicht selten ihre Freunde in Gefahr, einfach weil sie ihren Kopf wieder durchsetzen wollte oder sich wieder provozieren lassen hat. Als Leser ist es klasse, eine starke Protagonistin zu haben, die nicht so schnell klein beigibt, aber leider denkt sie viel zu selten an die Konsequenzen. Weil sie von diesen geheimen Machenschaften des Clans nichts weiß - wie der Sklaverei von Kindern in den Minen oder der Arbeit von vielen Mädchen in Bordellen, die nur ausgeführt wird, damit sie die Abgaben zusammen kriegen - ist Larissa leider auch nicht selten naiv. Besonders am Anfang des Buches, war sie so stur und festgefahren in ihrem Denken, dass man hin und wieder mal die Augen verdreht hat. Dennoch war das mehr als realistisch. Sie hat den Argumenten der Rebellion nicht von Anfang an vertraut. Warum auch? Wem würdet ihr mehr glauben, einer Rebellion, deren Anhänger ihr kaum kennt, die euch Hass entgegenbringen oder dem Wissen, dass ihr bisher hattet, eurer Familie, euren Bekannten mit denen ihr aufgewachsen seid? Erst als sie anfängt immer mehr mit eigenen Augen zu sehen, mehreren Menschen zuhört und mit ihnen leidet, fängt sie an sich eine neue aber dennoch eigene Meinung zu bilden.

Dieses Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven. Die mehr oder weniger geheimen Machenschaften des Clans sind grausam, brutal und schockierend. Mit Details wird hier nicht gespart und ein Schuss ins Auge, bei dem die Kugel direkt durchs Gehirn geschossen ist, war aus meiner Sicht einer der harmlosesten Situationsbeschreibungen. Dafür kann ich guten Gewissens behaupten, dass dieses Buch durchzogen ist von ständiger Spannung. Auf jede Seite wurde ich gefesselt und hatte die Geschichte viel schneller durch als erwartet (könnte daran liegen, dass ich einen Tag noch bis 4 Uhr morgens an diesem Buch gesessen bin). Es ist einfach ständig etwas passiert, bei dem man wissen wollte, wie die Situation ausgeht.

Die Liebesgeschichte in dem Buch ist durchzogen von vielen Vorurteilen, Misstrauen und ständigen Auseinandersetzungen. Ich muss zugeben, dass mir die zwei Hauptfiguren damit ein wenig auf die Nerven gegangen sind und ich hätte mehrere Argumente auf Lager, warum die Zwei definitiv dafür verantwortlich sind, dass wieder eine Auseinandersetzung eingetroffen ist (aus ihrer Sicht war ja natürlich immer der jeweils Andere daran Schuld). So nervig man das als Leser auch findet, so authentisch wären deren Reaktionen in der Realität gewesen. Die Protagonisten begehen beide Fehler, sehen es nach einer Weile auch oft ein, besitzen ein gesundes Misstrauen und haben ein Leben in unterschiedlichen Welten geführt.

Bevor ich jetzt noch zu lange weiter vor mich hinschwafele, versuche ich die für mich noch wichtig zu erwähnenden Sachen aufzuzählen. Es gibt auch einige Nebencharaktere, bei denen manche wirklich nur eine Nebenrolle bekommen und andere schon besser ausgearbeitet sind. Man erhält einige Informationen über diese Welt, deren Ordnung und System und einen guten Einblick in beide Schichten.

Fazit:

Ein Auftakt, der definitiv von sich zu überzeugen weiß. Mit einem tollen Schreibstil, einem wahnsinnig genialen Grundsetting und einer ausgearbeiteten Welt, überzeugt die Autorin restlos. Die Charaktere wurden ausgearbeitet, haben ihre Schwächen, Fehler, Ecken und Kanten, aber auch Stärken und Sympathiegehalt. Die Liebesgeschichte besteht aus einem großen hin und her, was ich allerdings auch als authentisch beschreiben würde. Wer schwache Nerven hat, sollte lieber die Finger davon lassen. Wer allerdings Spannung sucht, an die Seiten gefesselt werden will und gegen etwas Brutalität nichts einzuwenden hat, der sollte definitiv zugreifen.