Rezension

Zauberhaft und magisch, melancholisch und tragisch

Ein Lied für die Geister
von Louise Erdrich

Bewertet mit 5 Sternen

Inhaltlich gibt es wenig zu sagen und darauf kommt es auch nicht an: Der kleine Dusty wird aus Versehen (ein Jagdunfall) von Landreaux Iron erschossen. Das stürzt beide beteiligten und eigentlich befreundeten Familien ins Unglück. Landreaux lebt im Reservat und beschließt nach indianischer Sitte zusammen mit seiner Frau Emmaline, ihren jüngsten Sohn LaRose der Familie des Getöteten zu übergeben. Er soll dort als Sohn aufwachsen, bei Peter und der psychisch instabilen Nola und deren eigenwilliger Tochter Maggie.

"Es war eine uralte Form von Gerechtigkeit."

LaRose fügt sich und schafft es mit seiner mitfühlenden verständnisvollen Art in die Herzen aller. Vor ihm trugen schon vier Vorfahren diesen seltsamen Namen, allesamt Frauen, deren Geschichte wir nach und nach erfahren und damit auch einiges über das Schicksal der Indianer, das Unrecht, das ihnen angetan wurde und wie sie heute zwischen zwei Welten leben.

Das klingt nach einem deprimierenden Buch, aber Louise Erdrich, selbst mit indianischen Vorfahren, schafft es, Hoffnungsfünkchen und Humor aufblitzen zu lassen.

Das Besondere an diesem Buch ist für mich die wunderbare Sprache der Autorin, die diese geradezu virtuos anpasst: mal im Jugendlichen-Jargon, mal wird mit zwei, drei Sätzen die Landschaft so beschrieben, dass man sie bildhaft vor Augen hat. Vor allem schafft sie es auf geradezu magische Weise, die Gefühle und Gedanken der Hauptfiguren zu verdeutlichen.

Ein lesenswerter Roman über Verlust und Schuld, über Hoffnung und Vergebung.

 

Kommentare

naibenak kommentierte am 14. Dezember 2016 um 09:01

Wenn es nicht schon auf meiner WuLi wäre, dann wäre es jetzt raufgewandert ;) Sehr schöne Rezi. Danke dir! Klingt für mich nach einem ganz "warmen" Roman :)

Federfee kommentierte am 14. Dezember 2016 um 09:17

'Warm' passt gut, warmherzig ist er. Die Personen haben alle ihre Fehler, schlimme sogar, werden aber mit viel Verständnis dargestellt. Am meisten tut sich da der kleine LaRose hervor, ein ganz liebenswertes Kind, quasi ein Mittler zwischen den Welten.