Rezension

Ziemlich nah an perfekt

All die verdammt perfekten Tage
von Jennifer Niven

Bewertet mit 4 Sternen

" 'Glaubst du, dass es sowas wie einen perfekten Tag gibt? [...] Einen perfekten Tag. Von Anfang bis Ende. Wenn nichts Schlimmes oder Trauriges oder Normales passiert. Glaubst du, sowas ist möglich?' " 

Mit "All die verdammt perfekten Tage" ist Jennifer Niven eine Geschichte gelungen, die zwar nicht verdammt aber dafür nah dran an perfekt ist und dabei trotzdem mitten ins Herz trifft. Niven beschäftigt sich hier mit Selbstmord sowie psychischen und emotionalen Störungen. Bei Finch merkt man das immer relativ deutlich, denn er spricht und verhält sich manchmal wirklich seltsam, sodass man sich fragen möchte, was genau mit ihm los ist. Trotzdem legt sie den Fokus oft auf die Beziehung zwischen Finch und Violet. Dennoch behandelt die Autorin alle Themen mit einer gewissen Sensibilität und abwechselnd aus der Ich-Perspektive sieht man die verschiedenen Entwicklungen - sowohl einzeln als auch zusammen.

Finch ist ein ziemlich faszinierender Charakter, der mehrere Facetten aufweist. Der 80iger Finch, der brave Finch, der Nerd Finch, der verrückte Finch. Aber leider auch ein Finch, der Suizidgedanken hat und den Selbstmord an sich ziemlich interessant findet. Die Frage nach dem großem Warum, warum er diese Gedanken hat, muss der Leser sich selbst erarbeiten. Bei Violet dagegen ist das Warum dagegen deutlicher, der Grund, warum sie ebenfalls auf diesem Glockenturm stand. 
Zusammen erleben Finch und Violet Tage, die nicht nur ziemlich, sondern verdammt perfekt sind. Finch kann all seine Facetten bei Violet ausleben und kann so sein, wie er wirklich ist, ohne Angst haben zu müssen in eine Schublade gesteckt zu werden. Und Finch ist auch derjenige der Violet aus der Reserve lockt, sie teils proviziert, damit sie aus sich rauskommt. Violet lernt durch Finch wieder zu leben, nachdem diese es durch ein einschneidendes Erlebnis aufgegeben und sich vollkommen zurückgezogen hatte.

Obwohl die beiden all diese wunderbaren Tage miteinander erleben, fand ich den Mittelteil der Geschichte im Gegensatz zu Anfang und Ende eher nett als perfekt. Es war zwischendrin zwar eine süße aber eben nur nette, typische Lovestory zwischen zwei Jugendlichen. Nach dem berauschenden Anfang, ging der Funke zwischendrin bei mir verloren. Auch war ich mit dem Handlungsverlauf nicht immer zufrieden, sodass das gute Gefühl vom Anfang schnell verloren ging. Zum Ende hin muss man aber sagen, dass Jennifer Niven den Funken wieder zurückgebracht hat. An dieser Stelle sei nichts weiter gesagt. Ihr werdet wissen, warum ich den Handlungsverlauf nicht mochte und das Ende trotzdem perfekt fand. 

ABSCHLUSSWORT
"Denn es geht nicht um das, was man mitnimmt, sondern um das, was man zurücklässt"

Zu Finch wurde oft gesagt: "Pass auf dein Herz auf". Auch der Leser von "All die verdammt perfekten Tage" muss auf sein Herz aufpassen, weil diese Geschichte herzzerreißend, ehrlich und trotzdem verrückt und bezaubernd ist. Mit dem Handlungsverlauf war ich zwar nicht immer zufrieden und der Mittelteil war eher nett als berauschend, aber Anfang und Ende waren dafür verdammt perfekt.