Rezension

Zu ausschweifend...

Mädchen Nr. 5 - Howard Linskey

Mädchen Nr. 5
von Howard Linskey

Bewertet mit 3 Sternen

Der Journalist Tom Carney und DI Ian Bradshaw haben etwas gemeinsam. Beide sitzen im Job auf dem absteigenden Ast. Tom ist beim grössten Sensationsblatt Londons angestellt, und seit einem Artikel, in dem er behauptet hat, dass ein Kabinettsmitglied in eine krumme Sache verwickelt ist, bei seinem Chef nicht mehr gut angesehen. Und Ian wurde von seinem Boss in die "Blindgängertruppe" eingeteilt und auf einen Skelettfund angesetzt, für den er hauptsächlich Tür zu Tür Befragungen leisten muss.

Als die 15 jährige Michelle aus Great Middleton, nachts vor einem Bushäuschen verschwindet, haben die beiden offiziell nichts mit dem Fall zu tun. Michelle ist das fünfte Kind, das innerhalb von elf Wochen verschwindet, und Angst geht in der Bevölkerung um. Doch die beiden wollen ihren Vorgesetzten unbedingt beweisen, dass auch sie gute Leistung erbringen können.

 

 

Dieser Thriller startet ganz spannend mit einem Prolog, der es in sich hat. Denn ohne grosses Vorspiel zeigt er den Täter während der Tat und, dass dieser absolut krank sein muss. Gefolgt von einer langen und guten Einführung in die Situation des Opfers. Man lernt die 15jährige Michelle sehr gut kennen, und fühlt so automatisch stärker mit.

Hier hätte ich eigentlich hellhörig werden müssen…denn wer die familiäre Situation, den Charakter und das Opfer so detailliert beschreibt, hat vielleicht einen Hang zum Ausschweifen? Doch ich war (noch) ahnungslos und habe weiter gelesen.

Was danach folgt ist ermüdend. Verschiedene und wechselnde Erzählstränge, zwei Zeitebenen, sehr viele Figuren und zwei Verbrechen, die nebeneinander laufen, machen die Story zu einer Herausforderung. Dazu kommt ein Schreibstil, den ich nur, und wiederum, als ausschweifend beschreiben kann. Der Autor hat einen Hang, vom Hundersten ins Tausendste zu kommen und für die Geschichte nicht relevante Informationen einzustricken. Es geht mir entschieden zu weit, wenn die Eheprobleme der Eltern einer Nebenfigur langanhaltend thematisiert werden. Oder wenn vor dem Skelettfund sechs Ebookseiten lang eine Baulanderschliessung und die Folgen daraus erklärt werden. Und das, weil zufälligerweise das für die Geschichte relevante Skelett genau auf diesem Gelände gefunden wird. Auch ganz toll war die Passage, als zwei Journalisten vier Ebookseiten lang die zurückliegenden Beziehungen und die Geschwisterfolge der einen Person bequatschen.

So geht einfach der Mordfall und leider auch die Spannung flöten. Und dafür lese ich schliesslich einen Thriller. Mehrere Male habe ich den Faden verloren und das obwohl ich an und für sich eine geübte Thrillerleserin bin.

Witzig war, dass die Geschichte plötzlich zurückspringt ins 1936, sich da zwei, im Hauptstrang ältere Damen, in der Vergangenheit um einen Mann streiten…mitten in einer Liebesgeschichte landet man hier.

Leider waren beide Fälle, die Geschichte um die verschwundenen Mädchen und der Skelettfund inhaltlich eher schwach und an und für sich schnell gelöst. Dies auch, weil die Auflösung um den Kiddy Killer, wie er genannt wird, einer zufälligen Verkehrskontrolle gipfelt, in der er enttarnt wird. Vielleicht musste der Autor durch die vielen detaillierten Ausführungen die beiden, eher mageren Fälle aufpeppen?

Die Hauptfiguren Tom und Ian sind Loser und überzeugen in ihrer Rolle. Ich kann nicht verstehen, dass sie sich so viel gefallen lassen und nicht den Hut nehmen. Doch überzeugt haben sie mich, und das ist das Wichtigste. Schlussendlich wird einer der beiden zum Helden durch eine mutige Tat. Und der andere zeigt mit einer Wahnsinnsstory seinem Chef noch die lange Nase. Ende gut alles gut?

Mir hat es leider eindeutig an Spannung gefehlt. Ausser zu Beginn gibt es sehr wenige Gänsehaut-szenen. Zudem hätte dringend abgespeckt werden dürfen, in der Anzahl Figuren und den ausschweifenden Nebengeschichten.