Buch

Ich stelle mich schlafend

von Deniz Ohde

Ich stelle mich schlafend erzählt von den dunklen Seiten einer Liebe – und die Geschichte einer Befreiung. Ein eindringlicher Roman über den Versuch einer Auslöschung, eines Femizids, und über die Frage, ob es eine Begegnung gibt, die den Kern eines Menschen unwiederbringlich verändert.

Das Haus, in dem Yasemin bis vor kurzem gelebt hat, steht nicht mehr. Es musste bis auf die Grundmauern abgerissen werden. Von der Wohnung, die sie zuletzt mit ihrem Freund Vito geteilt hat, sind nur Erinnerungen übrig. Die Geschichte der beiden reicht bis in ihre Jugend zurück: Beide wachsen im selben Hochhauskomplex auf, und Yasemin verliebt sich mit dreizehn in den drei Jahre älteren Nachbarn. Von klein auf fasziniert von Glaubensfragen und Spiritualität, versucht sie durch einen Liebeszauber, Vito für sich zu gewinnen. Doch nach einem Sanatoriumsaufenthalt, wo ihre Skoliose behandelt wird, geht sie auf Distanz. Zu fremd ist ihr der eigene Körper, zu groß die Scham wegen ihres Korsetts. Erst zwanzig Jahre später, als die mühsam aufgerichtete Wirbelsäule droht sich wieder zu stauchen, begegnen sie sich erneut. Yasemin hält dieses späte Aufflammen der Jugendliebe für Schicksal. Aber dann zeigt Vito sein Inneres, das bedrohlich ist und leer.

Rezensionen zu diesem Buch

Keine "harmlosen" Berührungen

Yasemin sieht ihn zum ersten Mal auf dem Balkon der Nachbarwohnung. Vito ist gut aussehend, ein wenig verwegen, nicht wirklich durchschaubar, aber sie ist sich sicher, dass sie in ihn verliebt ist, denn gibt es nicht so viele Zeichen, die darauf hindeuten, dass sie füreinander bestimmt sind? So auch Jahre später, als sie sich nach Langem wiedersehen. Doch was das Schicksal vorherbestimmt zu haben scheint, wird für Yasemin zu einer folgenschweren, toxischen Beziehung.

Mich hat “Ich...

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Fight, flight, freeze, or fawn

Es sind die 1990er Jahre in Westdeutschland. Über die Bildschirme flimmert „Charmed“, viele Zuschauerinnen möchten wie die fancy TV Serienhexen via Magie das Schicksal (und vor allem ihr Liebesleben) beeinflussen. Yasemin, genannt Yase, kommt aus einfachen Verhältnissen. Als Deutsch-Türkin sitzt sie immer zwischen den Stühlen. Die Eltern malochen und sind mit sich selbst beschäftigt, die Wohngegend Betonwüste. Nach einem Reitunfall muss Yase in die Reha, ihre Skoliose ist dringend...

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Der Verlust der Unschuld

Yasemin verliebt sich als Teenager in Vito, der auch Jahrzehnte später noch eine große Anziehung auf sie auswirkt. Dazwischen ist sie in Behandlung einer körperlichen Fehlstellung nach einem Sturz vom Pferd und baut sich ihr eigenes Leben auf.

Mir gefiel die Darstellung kindlicher Fantasie, die Yasemin beim Spielen mit der Freundin oder beim Heraufbeschwören des Geliebten an den Tag legt. Und ich habe einige Stellen markiert, die mich durch eine poetische Sprache oder ihre humorvolle...

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Ein Roman über internalisierte weibliche Schuld und Scham

Yasemin ist Mitte 30 und steht in einer Hochaussiedlung vor der abgebrannten Ruine, die einmal ihr Zuhause war. Was ist passiert? Behutsam und in poetischer Sprache entwirft Deniz Ohde eine Erzählung über eine Frau, die schon seit ihrer Kindheit ein bestimmtes Frauenbild internalisiert hat. Die Frau als nettes, gefälliges Wesen, das Übergriffe geschehen lässt, auch gegen die eigenen Bedürfnisse, gegen den eigenen Willen. So sieht sie es bei ihrer Mutter, so erlebt sie es bei ihrer Freundin...

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Ich stelle mich schlafend

Als 14-Jährige verliebt sich Yasemin in ihren Nachbarn Vito. Wunderbar lassen sich auf den eher schweigsamen Jungen alle möglichen Dinge projizieren – was Yasemin auch ausgiebig tut. Vito genießt ihre Bewunderung, ist aber vor den Kopf gestoßen, als Yasemin sich nach einer Wirbelsäulenverletzung und dem darauffolgenden Sanatoriumsaufenthalt zurückzieht. Die Beziehung endet. Yasemin wächst zu einer sehr unsicheren Frau heran, die sich schwertut, Dinge zu genießen. Doch gerade als sie auf...

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Angeborene Schuld

"Ich stelle mich schlafend" von Deniz Ohde ist die Geschichte eines Frau-Seins, einer Jugend, die schon geprägt ist von Scham und Schuld.
Yasemin ist hier die Protagonistin, die ihre Geschichte erzählt. Yase hat schon viel erlebt und irgendwie versucht sie immer eine Schuld auf sich zu nehmen, die Schuld der anderen, auch der Männer. Yase fühlt sich minderwertig und in einer Opferrolle. Für mich wird hier nicht so klar, warum das so ist und deshalb kann ich ihre Gefühle und Reaktionen...

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Zu viel gewollt

Da ich das Debüt „Streulicht“ bisher nicht gelesen habe, war „Ich stelle mich schlafend“ mein erster Roman von Deniz Ohde. Die Grundthematik des Buches hat mich sehr angesprochen – wohl jede Frau wird in ihrem Leben mit Grenzüberschreitungen konfrontiert. Und anstatt uns selbstbewusst abzugrenzen, reagieren wir oft zögerlich, geben uns selbst die Schuld, schämen uns – denn schließlich wurden wir häufig noch dazu erzogen, brav und „pflegeleicht“ zu sein und uns und unsere Bedürfnisse im...

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Der wiederkehrende Willensbruch

Das Gebäude des KlickKlack steht nicht mehr. Dort, wo Yasemin einmal gewohnt hat, ist nur noch eine Brache. Die 35-Jährige ist in diesem Teil der Stadt aufgewachsen. Dort hat sie im Alter von 13 Jahren den drei Jahre älteren Vito kennengelernt. Eine Begegnung mit fatalen Folgen…

„Ich stelle mich schlafend“ ist ein Roman von Deniz Ohde.

Meine Meinung:
Der Roman beginnt mit einer Art Prolog, dem sich acht Kapitel anschließen. Erzählt wird aus einer personalen Perspektive,...

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Grenzüberschreitungen

Deniz Ohde erlangte große Bekanntheit durch ihren vielfach gelobten Debütroman „Streulicht“. In ihren zweiten Roman „Ich stelle mich schlafend“ wird sie nicht minder gesellschaftskritisch.

Die Geschichte begleitet Yasemin, genannt Yase, die bereits seit frühster Kindheit gelernt hat das ihr Körper nicht gut genug ist. Erst durch ihre Mutter, die ihre Haltung kritisiert, später durch Ärzte und Physiotherapeuten, die ihre Skoliose behandeln und sie nur auf ihre Erkrankung beschränken,...

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Meine Erwartungen konnten leider nicht erfüllt werden

Leider hat mich das Buch nicht so berührt, wie ich mir gewünscht hätte. Aufgrund der Inhaltsangabe hätte ich mehr erwartet. Der Schreibstil bei mir zu distanziert, ich konnte keinen Bezug zu den Hauptpersonen herstellen. Insgesamt war meiner Meinung nach vielleicht zu viel gewollt, aber die Umsetzung konnte das nicht erfüllen. Yasemin und auch die anderen Personen waren für mich nicht wirklich greifbar … vielleicht war es so gewollt, dass man manches nur zwischen den Zeilen lesen kann – bei...

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Ein Trugbild von Schuld

Vorab sei bemerkt, dass dies mein erster Roman der 1988 in Frankfurt a.M. geborenen Deniz Ohde ist, die mit ihrem Debut "Streulicht" viel Aufmerksamkeit erregte. Die Erwartungen nach einem solchen Erfolg sind hoch, doch ich durfte unvoreingenommen mit diesem Roman dank der freundlichen Unterstützung des Wld-Teams der Mayerschen starten.

Schon das Cover beeindruckte mich durch die statische Vergänglichkeit, die das Spieglebild eines Wohnkomplexes in einer Pfütze zeigt, dessen Ränder...

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Nein heißt leider nicht Nein

„Ich stelle mich schlafend“ ist ein eindringlicher Roman, der die tiefen Wunden, die Missbrauch und Manipulation hinterlassen können, auf erschütternde Weise darstellt. Die Geschichte beginnt mit der Zerstörung des Hauses, in dem Yasemin bis vor kurzem gelebt hat. Diese Zerstörung symbolisiert den Neuanfang, nach dem sich Yasemin sehnt, nachdem sie die Beziehung mit ihrem Freund Vito hinter sich gelassen hat. Die Beziehung der beiden reicht zurück bis in ihre Jugend, als Yasemin sich im...

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Niemand will zu einem Passfoto werden

„Ich stelle mich schlafend“ von Deniz Ohde, erschienen 2024 im Suhrkamp Verlag, ist ein Buch, das mit leiser Stimme eindringlich das Aufwachen einer Gesellschaft einfordert. Auf dem Schutzumschlag in einer Pfütze auf Asphalt, die wahrscheinlich bald verschwinden wird, eine Häuserfassade in Ockertönen – die Erinnerung an ein Leben, das einfach weggerissen werden kann und einem dennoch ein Leben lang den Spiegel vorhält, wie die Spiegelung in der Pfütze. Das Gefühl von Brache, Abrisshalde,...

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Wirkt leider zu gewollt, die Anliegen zu künstlich eingebracht

Obwohl ich den Debütroman von Deniz Ohde „Streulicht“ wirklich geliebt habe und mir gleichzeitig das Anliegen der Autorin im vorliegenden Roman „Ich stelle mich schlafend“ - Frauen, denen Schuld, Scham und fehlende Abgrenzungsfähigkeit bezogen auf sexuelle Übergriffe über Generationen anerzogen werden - persönlich sehr wichtig ist und mich grundsätzlich sehr interessiert, konnte mich die Autorin diesmal nicht überzeugen.

Eine personale Erzählstimme folgt größtenteils Yasemin durch ihr...

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Die Vergangenheit lässt einen nie ganz los

Das Cover ist interessant gehalten, man sieht den ehemaligen Wohnort von Yasemin und Vito durch eine Pfütze gespiegelt, wo sie als Kinder und Jugendliche aufgewachsen sind. Die Geschichte selbst spielt von der Kindheit von Yasemin bis hin zu ihren 30er-Jahren. Der Schreibstil ist flüssig geschrieben, wobei ich mich bei Personenwechsel in einem neuen Kapitel erst einmal zurechtfinden musste. Über Yasemins Vergangenheit und auch Gegenwart zu lesen empfand ich manchmal etwas schwierig, da auch...

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Weitere Infos

Art:
Buch
Sprache:
deutsch
Umfang:
250 Seiten
ISBN:
9783518431702
Erschienen:
2024
Verlag:
Suhrkamp
6.9375
Eigene Bewertung: Keine
Durchschnitt: 3.5 (16 Bewertungen)

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