wandagreen fragte am 07.08.2019 | Fragen zur Community

Der Krimi hat sich verändert ...

NIchts bleibt wie es ist und es war ein Weg von Agathe zu Sebastian (u.a) - dennoch

WARUM muss ein Krimi/Thriller

abartig brutal und grausig sein (Ausweidung, habe ich jetzt wieder gelesen) - ja, nicht nur brutal, sondern geradezu grotesk über der Grenze ...

könnt ihr mir mal sagen, warum ihr so etwas lesen möchtet?

 

Oder ihr könnt mir sagen, wie ein Kriminalroman sein muss, den ihr mögt. (Spannend - klar, das versteht sich von selbst).

Gelingt es uns, über den modernen Kriminalroman zu diskutieren? (Gerne mit Beispielen).

Kommentare

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Paperboat kommentierte am 07. August 2019 um 10:07

Waren Krimis nicht schon immer brutal, schließlich wird häufig über Morde geschrieben?

sphere kommentierte am 07. August 2019 um 10:55

Na, es macht ja schon einen Unterschied, ob ich schreibe: "er wurde ermordet", oder eine halbe Seite detailliert darstelle, wie er ermordet wurde (Ausweidung, Haut bei lebendigem Leib abziehe etc.).

misery3103 kommentierte am 07. August 2019 um 10:31

Für mich MUSS ein Krimi/Thriller nicht brutal und blutig sein, aber es stört mich auch nicht, wenn er es ist.

Über das Warum muss ich erst noch nachdenken ...

sphere kommentierte am 07. August 2019 um 11:01

Diese Entwicklung kann man auch beim Krimifilm feststellen, optimal bei James Bond: Noch bis in Anfang des Jahrtausends stand die Frisur immer; mit Daniel Craig kam (glaube ich) erstmals auch die verletzliche (und blutende) Seite der Figur - das Publikum liebte es, endlich sei es mal eine realistische Darstellung.

Geht es also möglicherweise darum? Dass der Leser nicht nur das Katz-und-Maus Spiel á la Agatha möchte, sondern die Realität lesen möchte?

Z.B. bei Don Winslow und "Das Kartell" - selten habe ich so eine brutale Darstellung gelesen - und dadurch kann ich die Entwicklung des Protagonisten besser nachvollziehen.

Eulalia kommentierte am 07. August 2019 um 11:23

Genau das dachte ich gestern Abend auch, als ich in der ARD-Mediathek einen alten Edgar-Wallace-Film entdeckt habe. Da war vieles nur angedeutet, wo heute das Blut in Strömen fließen würde.

E-möbe kommentierte am 07. August 2019 um 11:03

Ich lese fast keine Thriller, weil ich die zu 90 Prozent langweilig finde. (Ja, ich finde detaillierte Beschreibungen von Folterungen und Morden langweilig, da springe ich drüber und nicht, weil ich so zartbesaitet bin.) 

Was mich fesseln kann, sind richtig gute Whodunnits, also Krimis, die logisch (!!! Auch da wackelt es bei den meisten Thrillern schon sehr) aufgebaut sind, die kluge Protagonisten haben, und zwar sowohl auf Ermittler- als auch auf Täterseite. 

Meine Ermittler müssen auch nicht kaputt sein, das dürfen völlig normale Leute sein. 

 

lesesafari kommentierte am 08. August 2019 um 16:29

der grund warum ich nie chris carter las. ich will doch wissen, wie der psycho tickt und wer es ist.

E-möbe kommentierte am 08. August 2019 um 17:02

Chris Carter lese ich schon aufgrund der saudummen Titel nicht. Hätte ich Angst, eine Bildzeitung in Buchform in den Händen zu halten. ^^

lesesafari kommentierte am 08. August 2019 um 21:58

ich würde eher die bild lesen.
sind das nicht xyz titel? ich wüsste keinen.

E-möbe kommentierte am 09. August 2019 um 12:56

Jagd auf die Bestie

Death Call. Er bringt den Tod

Totenkünstler

Der Todschläger

Blutrausch. Er muss töten

 

Wenn ich da ein paar Titel hintereinander lese, muss ich schon gähnen.

lesesafari kommentierte am 09. August 2019 um 16:23

klingt nach cody mcfadyen

Galladan kommentierte am 09. August 2019 um 20:00

Dir ist schon bewusst, dass der Verlag für die Titel zuständig ist? 

E-möbe kommentierte am 09. August 2019 um 22:05

Und was genau möchtest du mit der mir bewussten Aussage verdeutlichen, Galli? 

Natürlich ist der Verlag für Titel, Cover und Klappentext verantwortlich. Doch an all dem sehe ich, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Ich kaufe ja auch keine Produkte von Axel Springer. 

Steliyana Dimitrova kommentierte am 07. August 2019 um 11:06

Ich habe letztens einen gelesen, der mir einfach zu brutal war. Ich habe überhaupt keinen Spaß mehr daran gehabt, weil es mich nur geekelt hat. Morde sind eben brutal, aber man muss es nicht übertreiben. 

Steve Kaminski kommentierte am 07. August 2019 um 11:35

Nur kurz: Horwitz, Die Morde von Pye Hall, ist noch ein auf der Erzählung gründender Krimi ohne große Brutalität. Vargas in anderer Art genauso - da steht die Erzählung und das Zusammenspiel,der Protagonisten im Vordergrund. Das Herbste war von Minier "Wolfsbeute" - da wurden in längeren Passagen zwei Vergewaltigungen parallel erzählt. Sowas möchte ich nicht lesen.

wandagreen kommentierte am 07. August 2019 um 12:40

Eben. So etwas möchten wir nicht lesen. Und die Voyeure, die es lesen möchten, die sollten von den Herren/Frauen Schreibern nicht bedient werden. Wir müssen uns allmählich wehren und unsere Stimme dagegen hören lassen.

Paperboat kommentierte am 07. August 2019 um 21:47

Naja, du bist ja nicht gezwungen es zu lesen, und im Rahmen von sowas wie künstlerische Freiheit muss man den Autoren ja zugestehen sich auszutoben.

wandagreen kommentierte am 07. August 2019 um 23:02

"Das musst du ja nicht lesen", ist ein Totschlagargument.

Ich möchte mit euch diskutieren, ob es notwendig ist, so zu schreiben. Warum es zu solchen Auswüchsen gekommen ist und ob wir sie wollen.

Nimm doch dazu bitte Stellung. Es würde mich interessieren, was du selber für eine Einstellung dazu hast. Werden nicht die Menschen gepuscht, immer rücksichtsloser und brutaler zu werden und werden nicht ggf. manche Täter erst herausgefordert und gewisse Taten initiiert? Hältst du das für ausgeschlossen?

Paperboat kommentierte am 08. August 2019 um 07:36

Totschlagargument hin oder her, es ist die Option, die man hat; lediglich weil einem der Stil nicht gefällt, kann man doch Dinge nicht verbieten. Folglich ist man nicht gezwungen es zu kaufen und zu lesen.Ich halte es wohl aber richtig, in diesem Fall eine Altersfreigabe auf das entsprechende Buch festzusetzen wie es bei Filmen, Videospielen und Mangas bereits Praxis ist. Wobei, vielleicht regt so ein Altersverbot vielleicht manches lesefaule Kind mal anregt....

Ich halte es tatsächlich für ausgeschlossen, dass jemand einen Krimi zum Anlass nimmt ein Texas Chainsaw Massacre zu starten. Diejenigen, die austicken, denen geht eine Geschichte oder Prädisposition voraus. Bei (religiösen) Fanatikern reichen ja auch nicht nur Bibel, Koran oder die Tagebücher von Charles Manson. Es geht nicht einfach jemand los, weil er ein brutales Buch gelesen hat, um daraufhin die Szenen aus dem Buch nachzustellen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Top 10 der brutalsten Foltermethoden ganz ohne fiktionale Anleitung in die Welt kamen. Dem geht immer etwas anderes voraus, aber wie es eben auch bei Filmen und dann beim aufkommenden Videospiel gerne gemacht wurde: Man gibt einzig diesem Medium die Schuld dafür, wenn in den US of A Jugendliche mit den Schrotflinten ihrer Pa's zum letzten Schulunterricht kommen. Es versagen eben auch Eltern, das direkte Umfeld, gesellschaftliche Systeme und gesellschaftliche Sicherheitsnetze, wenn Menschen losziehen und ihre schlimmsten Phantasien umsetzen.
Ich bin mir einfach ziemlich sicher, dass die wenigsten Leute, die Personen auf die U-Bahn-Gleise schubsen wie es kürzlich in Essen passiert ist, ihre Idee vorher in einem Buch gelesen haben... Anders als bei Videospielen oder Filmen ist die Phantasie des Lesenden immer auf sein Vorstellungsvermögen (das sich auch aus der Erfahrung nährt), d.h. es kann noch so brutal beschrieben sein, wenn man es sich nicht vorstellen kann, dann wird es im Kopf nie so gänzlich brutal wie womöglich beim Autor aussehen.

Eigentlich ist es eine Huhn-und-Ei-Frage, ob der kaputte Mensch zuerst da war oder das in seinen Händen fragwürdige Medium, in dem er sich aufgehoben gefühlt hat.

wandagreen kommentierte am 08. August 2019 um 08:01

Jetzt verstehe ich dich besser.

Es geht in diesem Thread erst mal nicht ums Verbieten durch Gesetze. Höchstens Marktgesetze. Sondern darum, ins Gespräch zu kommen. Brauchen wir das? Wollen wir das? Wobei „wir“ auch noch zu definieren wäre.

Ich halte es für wichtig, gerade in dieser Thematik sensibel zu werden. Denn Käuferverhalten kann etwas bewirken. Darum muss man sowohl über den Konsum wie auch die Produktion sprechen.

Wer beeinflusst wen? Das ist gegenseitig, denke ich.

Verroht die Gesellschaft. Ich denke, ja. Liegt das an brutalen Krimis/Thrillern?  - Sie tragen ihren Teil bei.

***

Ich gebe dir recht damit, dass die Beeinflussung meist nicht so direkt ist, dass Menschen Handlungen in Büchern nachahmen. Es gibt aber durchaus eine Gewöhnung an Brutalität, Grausamkeit. Die Empfindsamkeit stumpft ab. Und dies hat durchaus Auswirkungen auf unseren Alltag.

Sicher sind die Bilder (von Filmen) die Vorreiter. Aber hier reden wir eben mal über Bücher.

 

Paperboat kommentierte am 08. August 2019 um 23:18

Die Abstumpfung der Menschen ist aber nicht durch den falschen Lesestoff geprägt. Es ist meine feste Überzeugung, dass ein Mensch, der überhaupt liest (und ich red nicht von den Grammatikunfällen auf Facebook à la Nachdenkliche Sprüche mit Bilder) kein schlechter sein kann, denn man bildet sich ja gewissermaßen.
Die Abstumpfung der Menschen liegt darin begründet, dass wir uns nur noch für uns und unsere begrenzte Scheiße interessieren. Ich treffe laufend Menschen, denen ich sagen muss, dass sie ihren Müll nicht auf die Straße fallen lassen sollen, dass sie ihre Füße vom Polster in der Tram nehmen müssen. Eine Gesellschaft muss sich auch gegenseitig prägen und nicht hoffen, dass die Erziehungsarbeit allein von Medien übernommen wird. Bücher sind genauso wenig Schuld wie Videospiele oder Filme. Die gegenseitigen Verletzungen liegen in den Rücksichtslosigkeiten, die solche Menschen ihren Mitmenschen zumuten, begründet.

Und ob du es nicht brauchst oder ich es nicht brauche, spielt tatsächlich überhaupt keine Rolle. Es gibt Verlage, die drucken Titel, von denen sie wissen, dass die kein großes Publikum bedienen werden, machen sie aber für die literarische Vielfalt, und Dank Buchpreisbindung, durch die Spartentitel von Bestsellern mitgetragen werden, können wir uns diese literarische Diversität erlauben.
Man muss diese Brutalobücher wirklich nicht haben. Aber es ist schön eine Auswahl zu haben.

wandagreen kommentierte am 09. August 2019 um 08:54

Die beanstandete Rücksichtslosigkeit wird aber durch Abstumpfung bewirkt. Sie kommt nicht aus dem Nichts.

E-möbe kommentierte am 09. August 2019 um 13:03

Abstumpfung entsteht durch Duldung, nicht durch das Lesen von Krimis, das Fernsehen von blutigem Horror oder das Spielen von Egoshootern. 

Wenn du darüber was lernen willst, sieh dir die AfD an. Immer und immer wieder kommen die mit Sachen durch, die jedem fühlenden Menschen die Haare aufstellen sollten. Stattdessen sind sie jetzt eine starke Partei, erhalten immer mehr Zustimmung oder werden - auf dem rechten Auge blind - gedulded. 

Je öfter Sachen, gerade monströse Sachen, in der Öffentlichkeit wiederholt und scheinbar akzeptiert werden, denn es wird ja nicht wirklich etwas gegen die unternommen, desto mehr scheint es normal. Und normale Sachen sind doch in Ordnung, richtig? 

So funktioniert Abstumpfung und Akzeptanz von Ungeheuerlichkeiten, nicht durch das Lesen von Büchern. 

lesesafari kommentierte am 09. August 2019 um 16:24

Wahlvideo: Boah !!! super super super. Letzter Satz: DAS WOLLEN WIR ALLES NICHT!
Und sowas ist erlaubt.

wandagreen kommentierte am 09. August 2019 um 18:38

Das gehört nicht hierher, Lesa. (Mach einen Afd-Thread auf).

Paperboat kommentierte am 10. August 2019 um 09:38

Vergleiche sind doch aber erlaubt, wenn man die Abstumpfung erläutern will. Und in E-Möbes Beitrag erkenne ich das gut wieder.

lesesafari kommentierte am 10. August 2019 um 19:11

warum soll ich denn so einen dämlichen thread aufmachen?

Bibliomarie kommentierte am 07. August 2019 um 11:41

Ich lese auch nur selten Thriller. Man hat den Eindruck, je abartiger die Tötungs- und Foltermethoden sind, desto spannender soll das Buch daher kommen. Fast wie ein Wettbewerb unter Autoren, wem noch was Grausameres einfällt.

Erstaunlicherweise habe ich beobachtet, dass sehr oft Frauen das gern lesen. (Jedenfalls in dem Laden, in dem ich mal gearbeitet habe)

wandagreen witzelte am 07. August 2019 um 12:57

Das liegt daran, dass der Analphabetismus unter Männern generell so verbreitet ist - hast du nicht auch bemerkt, wie oft Männer Comics gucken - den Text lassen sie sich zuhause von den Frauen vorlesen ,-)

anna1965 kommentierte am 07. August 2019 um 13:24

Ich habe auch schon mal ein Buch abgebrochen, ich glaube das war von Andreas Winkelmann, weil mir das zu grausam war.  Bei manchen Autoren scheint grausam und ecklig gleichbedeutend mit spannend zu sein. Zum Glück geht es auch anders.

lesesafari kommentierte am 08. August 2019 um 16:34

ich stellte eben fest, dass bei winkelmann nichts ohne schuppen und scheunen geht.

Frau.mit.Hut kommentierte am 07. August 2019 um 13:36

Deine Frage beschäftigt mich auch schon seit über einem Jahr.

Thriller ähneln sich alle wie ein Ei dem anderen: Ein hochintelligenter Psychopath quält aus Spaß an der Freude seine Opfer, dann ermordet er sie und danach werden die Leichen zertückelt und weiter verarbeitet. Bei dem einen werden Kastanien, bei dem anderen Tarotkarten und wieder bei anderen werden ein paar Federn hinterlassen. Und die Ermittler haben in der Regel auch alle einen leichten Dachschaden. 

Ich habe mein ursprüngliches Ziel, mich auch Thriller und Kriminalromane zu konzentrieren aufgegeben - Spannungsromane mit psychologischem Hintergrund gerne, aber ich habe auch die Nase voll von der Brutalität. Wenn ich Tote sehen will, schaue ich Nachrichten (Frankfurt, Stuttgart ... Lügde - als ob das nicht alles pervers genug wäre)

wandagreen kommentierte am 07. August 2019 um 15:24

Da muss ich dir wirklich recht geben. Mit allem. Dabei sind die meisten ermordeten Menschen juristisch eigentlich Totschlag. Und nicht Mord. Das Meiste passiert im Affekt aus mangelnder Aggressionskontrolle. Schreib doch mal darüber, Ole! Das lese ich dann sogar. // Dann aus Gier: Geldgier, Sexgier, was weiß ich. Oder aus Rache. Die allerwenigsten Mörder sind diese Psychopathen, die sich zu Dutzenden in den Kriminalromanen und Thriller tummeln.

Litir bemerkte am 07. August 2019 um 17:56

Stimmt, das älteste Motiv für Affekt war mal die Liebe/Eifersucht gewesen. Inzwischen ist es öfters eher die Habgier.

Paperboat kommentierte am 10. August 2019 um 09:42

Novelist Margaret Atwood writes that when she asked a male friend why men feel threatened by women, he answered, "They are afraid women will laugh at them." When she asked a group of women why they feel threatened by men, they said, "We're afraid of being killed."

Seit ich die Serie "The Fall" gesehen habe, in der dieser Zeile kurz Thema war, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. Finde ich im Zusammenhang mit dem Todschlag teilweise passend.

Thaliomee kommentierte am 08. August 2019 um 09:07

Das ist die perfekte Zusammenfassung. Danke dafür!

 

Was mich beunruhigt ist nicht, dass jemand diese Vorgehensweise nachahmen könnte. Das glaube ich wirklich nicht.

Aber ich frage mich manchmal, ob es die Grenze für das, was wir als spektakulär und schlimm ansehen hochsetzt. In den Nachrichten ist mir in den letzten Wochen etwas aufgefallen: Ihr habt sicher alle gelesen, dass ein Mann jemanden vor einen einfahrenden Zug geschubst hat (einfach, weil er einen Menschen sterben sehen wollte). Das ist grausam und schlimm und hat mich sehr mitgenommen.

Gut eine Woche später wurde in Frankfurt ein Junge vor einen ICE geschubst und ist ebenfalls gestorben. Es scheint nun so, als könnten die Medien nicht mehr über beide Fälle berichten. Die Tötung des Jungen ist weitaus dramatischer, als die Tat in Voerde. Politiker äußern sich, Menschen pilgern zum Bahnhof Frankfurt, es gibt Debatten. Im Nachhinein kommt es mir fast so vor, als sei es jetzt nicht mehr so schlimm, dass eine 28jährige ermordet wurde. Klingt übertrieben, aber wenn man sich die Presselandschaft ansieht, sieht es tatsächlich so aus.

Und ich habe das Gefühl, es ist bei Krimis auch so. Es reicht nicht mehr, wenn jemand erschossen wird. Die Tötung selbst muss unfassbar grausam sein, am liebsten hinausgezögert mit tagelanger Gefangenschaft. Sonst ist es ein ganz  normaler Mord, den wir gar nicht mehr spektakulär finden.

Paperboat kommentierte am 10. August 2019 um 09:47

Das fällt dir erst jetzt auf? Nachrichten arbeiten nicht mit Normalität, in Zeitungen steht nicht das Alltägliche, Medien berichten nicht über die Routine. Das Spektakuläre ist deren Tagesgeschäft, ansonsten wären die Seiten voll von Omma Hilde, die mit Kissen auf die Fensterbank gestützt mit ihrem Nachbarn Otto klönt, und seitenweise Wetterbericht. Ich habe irgendwann mal einen Artikel über den Holocaust als Unterrichtsthema an deutschen Schulen gelesen, in dem sich ein Lehrer äußerte, er müsse mal wieder mit einer Klasse nach Auschwitz fahren, anders würden die den Horror gar nicht verstehen und sich nur drüber lustig machen. Steigerung und das Außergewöhnliche überall, wo du hinschaust. Natürlich stürzen sich die Medien auf das, was die verkauften Auflagenzahlen erhöht.

lesesafari kommentierte am 08. August 2019 um 16:35

Bosseborn.

Brocéliande kommentierte am 07. August 2019 um 13:46

Krimis (und auch mal gute Psychothriller) gehören seit langer Zeit zu meinen Lieblingsgenres - und bleiben es auch. Die von wanda beschriebenen "el brutalos" lese ich überhaupt nicht. Spare ich seit Jahren - weiterhin mag ich aber welche von James Oswald, Ian Rankin, Fred Vargas, Danielle Thiéry, Michael Robotham etc. (Liga Psychothriller) - nicht zu vergessen alle Klassiker des Krimigenres, die mitunter mehr unter die Haut gehen als die schlimmste Brutalität - die dort im Übrigen nicht beschrieben wird...

Sich gegen Brutalität, die schon abstößt und mehr als grenzwertig ist zu wehren, finde ich eine gute Idee: Die Verrohung der Gesellschaft reicht schon aus - da muss nicht noch die literarische Gesellschaft "verrohen" (und tut es doch - seit einigen Jahren, was an manchem Thriller abzulesen ist....) Ich weiß nicht, wer solche Dinge gerne liest, so manches entspringt (für mich zumindest) recht kranken Gehirnen - meins sind sie nicht, waren sie nie gewesen - und werden sie nie sein.

Litir meinte am 07. August 2019 um 13:48

Also, wenn man mal die ganzen Sticheleien gegen Geschlechter und blutiger orientierten Lesergruppen zur Seite stellt, dann erscheint es auf den ersten Blick tatsächlich so, als würde der Grad der literarisch-visuellen Gewaltdarstellung (ich lass jetzt bewusst auch jede filmische und Literaturverfilmungspräsenz wegen der Transformationsebenen außen vor) ansteigen. Meiner bescheidenden Meinung nach hat es diese Beschreibungsform aber schon seit sehr langer Zeit gegeben. Siehe dazu bspw. die düsterer gehaltenen nordischen Krimis. Dadurch, dass wir auch literarisch eine Glokalisierung erfahren, fällt es nun einmal mehr auf, dass es diese morbiden Ecken des Krimis und Thrillers gibt.

Ich selber bin mit Agatha Christie, etwas Eifel-Krimis, den Fernsehserien SOKO und Großstadtrevier und Edgar Wallace aufgewachsen. Also eher Formate, wo man vom Whodunnit ausgeht. Das hat mit Sicherheit mich beim Schreiben meines Krimis auch geleitet.

Gleichzeitig muss ich mit Blick auf die Literaturgeschichte aber auch sagen, dass es lang vor meiner Geburt Werke, wie die Lecter-Reihe ab 1975, gegeben hat. Werke, die erst mit der Zeit und bspw. neuerer Distributionswege einem breiteren Publikum bekannt geworden sind. Nichtsdestotrotz hat es sie schon lange/länger gegeben.

wandagreen kommentierte am 07. August 2019 um 15:27

Aber nicht in solcher Masse. Das waren immer Einzelwerke.

Paperboat kommentierte am 10. August 2019 um 09:52

Die Gesamtmasse ist im Laufe der Jahre allerdings auch angestiegen. Ich konnte keine Zahlen für die 1980er finden (das Jahrzehnt, in dem die Lecter-Reihe erschienen ist), aber ich weiß von meinem Blockunterricht an der Buchhändlerschule, dass wir zur Zeit etwa 80.000 Buchveröffentlichungen jährlich in Deutschland haben. Das wird in den 80ern definitiv weniger gewesen sein. Ergo steigt natürlich auch die Zahl der Brutalo-Krimis und aller anderer Ausnahmeerscheinungen. Von Venus im Pelz bis Shades of Grey hats ja auch fast 150 Jahre gedauert.

Rotschopf kommentierte am 07. August 2019 um 18:16

Ich finde auch, dass viele Krimis (und fast alle Bücher, die als Thriller vermarktet werden) Gewalt sehr grenzwertig und voyeuristisch darstellen. Ich habe den Eindruck, dass der Leser sich daran - mir fällt da jetzt kein besseres Wort ein - aufgeilen soll. Das ist überhaupt nicht mein Fall.

Ich habe nichts dagegen, wenn ein Krimi einen Fall detailliert schildert, aber ich habe kein Interesse daran, endlos über die perverse Freude zu lesen, die der Mörder bei jedem einzelnen Schnitt fühlt. Oder aber aus der anderen Perspektive, wenn die Qualen des Opfers in abstoßender, ekelhaft genauer oder übertriebener Weise beschrieben werden.

Litir bemerkte am 07. August 2019 um 18:51

Wie wäre es denn damit, wenn wir hier einmal eine Liste von Thrillern/Krimis aufstellen, die nicht schlecht und eher unblutig sind?

So in etwa:

Bernd Stelter: Der Tod hat eine Anhängerkupplung

Jörg Maurer: Hochsaison und Niedertracht (Jennerwein-Reihe)

Agatha Christie: Bertrams Hotel

Terry Pratchett: Dunkle Halunken

Lukas Brückner: Letzte Rast Recklinghausen

Rita Mae Brown: Schade, dass du nicht tot bist, Tödliches Beileid und Rache auf leisen Pfoten (Mrs. Murphy-Reihe)

 

Auf diese Weise kommen diese für diejenigen, die diese mehr mögen, wieder mehr in den Fokus.

Sabine_AC kommentierte am 08. August 2019 um 13:38

Schöne Idee...

FIRIEL kommentierte am 07. August 2019 um 20:53

Ich mag es auch nicht, wenn Blut und Hirn herumspritzen. Wenn das überhand nimmt, breche ich das Buch ab.

Klar, spannend muss es sein. Es muss aber auch glaubwürdig sein. Ich mag es nicht, wenn die Ermittler Supermänner sind. Ich finde es schön, wenn ich als Leser mitraten kann - wenn also die Hinweise im Text platziert sind und nicht der Ermittler allein den Täter finden kann.

Ganz besonders mag ich Krimis, in denen man auch etwas über die Ermittler erfährt und vielleicht auch über die Zusammenarbeit oder die Konkurrenz, die Motive, das Privatleben. Am liebsten sind mir Serien, in denen sich das weiterentwickelt. Sehr gut gefällt mir da z.B. Elizabeth George. 

wandagreen kommentierte am 07. August 2019 um 23:10

Mag ich auch.

Sabine_AC kommentierte am 08. August 2019 um 09:37

Geht mir genauso.

Marshall Trueblood kommentierte am 08. August 2019 um 21:31

Ich liebe die Krimis von Elizabeth George! Für mich gibt es derzeit keine bessere Erzählerin in diesem Genre; auch wenn ihre Krimis oftmals als Langweiler abgestempelt werden. Die Serie um Lynley und Havers verfolge ich von Anfang an; ich mag nicht jede persönliche Entwicklung, aber sie sind schlüssig, also nehme ich sie hin. Wie in jeder Serie, die viele Jahre andauert, gibt es natürlich auch hier Teile, die mir in Gänze nicht gefallen haben, aber die bleiben in der Unterzahl.

lesesafari kommentierte am 07. August 2019 um 21:01

ach, da wollte ich auch noch was schreiben, schaffe ich jetzt nicht, alles zu lesen.

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